mini|Illustration auf dem Umschlag, mit dem die erste vollständige Ausgabe der Serie um 1835 erschienen ist.Isaburo Oka: Hiroshige - Japan’s Great Landscape Artist. Kodansha, Tokio 1997, S. 68. (englisch)

Die 53 Stationen des Tōkaidō (jap. , Tōkaidō gojūsan tsugi no uchi), bekannt als Die 53 Stationen des Tōkaidō (Hoeidō-Ausgabe bzw. Hoeidō-Edition) (, Tōkaidō gojūsan tsugi no uchi Hoeidō-ban), ist eine Serie von Farbholzschnitten, die in der ersten Hälfte der 1830er Jahre von dem japanischen Künstler Utagawa Hiroshige entworfen wurde. Mit den Entwürfen für diese Serie begründete Hiroshige seinen Ruf als bedeutendster Landschaftskünstler Japans im Bereich des Farbholzschnitts während der letzten Jahrzehnte der Edo-Zeit. Benannt ist die Serie nach dem Serientitel und dem Zusatz Hoeidō, dem registrierten Firmennamen des Verlegers Takenouchi Magohachi, der für die Produktion des größten Teils der Drucke verantwortlich zeichnete.

Die Hoeidō-Ausgabe war die erste Serie Hiroshiges mit dem Titel Die 53 Stationen des Tōkaidō. Bis zum Tod des Künstlers im Jahr 1858 folgten mindestens neun Serien mit demselben Titel und mindestens 13 weitere, die den Tōkaidō und dessen Stationen zum Thema hatten.

Die Serie umfasst 55 Drucke, beziehungsweise, mit den späteren zweiten Versionen von sechs Drucken, insgesamt 61 Blätter. Herausgegeben wurde die Serie zunächst gemeinsam von den beiden Verlegern Tsuruya Kiemon und Takenouchi Magohachi. Nach der Veröffentlichung von elf gemeinsam produzierten Drucken und einem nur unter seinem Namen erschienenen Druck schied Tsuruya Kiemon aus unbekannten Gründen als Herausgeber aus und Takenouchi Magohachi führte das Projekt allein weiter.Matthi Forrer: Hiroshige. Prints and Drawings. S. 11. Vor dem Erscheinen der 53 Stationen des Tōkaidō war Hiroshige ein weitgehend unbekannter Farbholzschnittkünstler.Andreas Marks: Hiroshige’s publishers. In: Uhlenbeck, Jansen: Hiroshige. Shaping the Image of Japan. S. 22. Die Beliebtheit der Drucke und der damit verbundene Verkaufserfolg machten ihn hinter Kunisada und Kuniyoshi zum beliebtesten Farbholzschnittkünstler seiner Zeit. Die Drucke der Serie erfuhren zahlreiche Neuauflagen und wurden so lange nachgedruckt, bis die ersten Druckplatten verschlissen waren und durch neue ersetzt werden mussten.Uhlenbeck, Jansen: Hiroshige. Shaping the Image of Japan. S. 44. (englisch) Bereits in der Meiji-Zeit existierten viele unterschiedliche Versionen von verschiedenen Verlegern. Mit der Entdeckung japanischer Kunst durch westliche Sammler, zunächst aus den USA, dann auch aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland, erlangten die Drucke Hiroshiges, und insbesondere die Drucke seiner ersten Serie Die 53 Stationen der Tōkaidō, im Westen Bekanntheit. Die Serie enthält einige der besten Arbeiten des Künstlers, wie zum Beispiel die Stationen Mariko, Kambara, Shōno und Kameyama.Isaburo Oka: Hiroshige - Japan’s Great Landscape Artist. Kodansha, Tokio 1997, S. 75. (englisch) Diese Drucke zählen neben Hokusais Großer Welle zu den bekanntesten japanischen Farbholzschnitten außerhalb Japans.

Veröffentlichung Hiroshige war um 1830 ein weitgehend unbekannter Künstler, der bis dahin nur wenige Aufträge für den Entwurf von Farbholzschnitten erhalten hatte. Um 1830 übertrug ihm der Verleger Kawaguchiya Shōzō den Auftrag, eine Serie von großformatigen Drucken (das heißt Drucke im ōban-Format) von Ansichten bekannter Orte in Edo zu gestalten („Berühmte Ansichten der Osthauptstadt“, Tōto meisho, ). Die Serie war kein überragender Erfolg, erlebte jedoch bereits mehrere Auflagen, wie unterschiedliche Druckzustände belegen.Matthi Forrer: Hiroshige. Prints and Drawings. S. 14. Die Serie, die Hiroshige als Künstler der Landschaftsdrucke (fūkeiga, ) bekannt machte, war die Serie dem Titel „Die 53 Stationen des Tōkaidō“ (Tōkaidō gojūsan tsugi no uchi).Jūzō Suzuki: Some Observationes on Hiroshige. In: Matthi Forrer: Hiroshige. Prints and Drawings. S. 28. (englisch)

Zu Beginn der 1830er Jahre erschienen die ersten Drucke dieser Serie und waren ebenso wie die vorhergehende Serie im ōban-Querformat angelegt. Gemeinsame Verleger der ersten elf Drucke waren Tsuruya Kiemon und Takenouchi Magohachi, der Druck der Station Okabe wurde alleine von Tsuruya Kiemon herausgegeben und die weiteren 43 Drucke produzierte Takenouchi Magohachi alleine. Wer die Idee für dieses Projekt hatte und wer wen zuerst angesprochen hat, ist nicht mehr zu klären. Für Takenouchi Magohachi war es das erste Projekt als Verleger,Andreas Marks: Japanese Woodblock Prints. Artists, Publishers and Masterworks 1680–1900. North-Clarendon 2010, S. 276. (englisch) Tsuruya Kiemon war ein alteingesessenes Verlagshaus.Andreas Marks: Japanese Woodblock Prints. Artists, Publishers and Masterworks 1680–1900. North-Clarendon 2010, S. 190. (englisch) Nach Tsuruya Kiemons Ausscheiden, über dessen Gründe nichts bekannt ist, führte Takenouchi Magohachi das Projekt alleine fort. mini|Titel auf dem Vorsatzblatt, Vorwort und Inhaltsverzeichnis der ersten Gesamtausgabe Die Drucke zeigen Szenen rund um die Stationen des Tōkaidō, der damals wichtigsten Überlandverbindung von Edo nach Kyōto, und deren umliegende Landschaften sowie zusätzlich den Startpunkt Nihonbashi in Edo und die Endstation bei Kyōto (damals auch Keishi genannt). Sie sind nicht in der Reihenfolge der Stationen entstanden; allenfalls orientierte sich die Reihenfolge der Entwürfe lose an der Abfolge der Raststationen.Die zuerst veröffentlichten elf Drucke der gemeinsamen Herausgeberschaft der beiden Verleger waren: Nihonbashi 01, Shinagawa 02, Kawasaki 03, Hodogaya 05, Totsuka 06, Hiratsuka 08, Okitsu 18, Mariko 21, Fujieda 23, Nissaka 26 und Fukuroi 28. Der von Tsuruya Kiemon alleine herausgegebene Druck ist Okabe 22.

Beim Publikum und den zeitgenössischen Kritikern fanden die Drucke großen Anklang und wurden, nachdem alle Einzeldrucke erschienen waren, von Takenouchi Magohachi in zwei Bänden in Buchform herausgegeben. Der Titel auf dem Einband der Bücher lautete „Aufeinanderfolgende Bilder der 53 Stationen des Tōkaidō“ (Shinkei Tōkaidō gojūsan eki tsuzukie, ). Der Serientitel auf den Drucken selbst blieb unverändert. Allerdings waren die Drucke in den beiden Bänden mittig vertikal gefaltet, da die Bücher im chūban-Format (halbes ōban-Format) erschienen. Viele der heute erhaltenen Drucke der Serie weisen diese Mittelfalte als Hinweis darauf aus, dass sie ursprünglich aus einem dieser Bücher stammen. Heute ist kein vollständiges Exemplar der Erstauflage dieser Bücher mehr bekannt.Kuwabara,Hōeidō-ban, Hiroshige. S. 50.

Schätzungen zufolge wurden von einzelnen Blättern der Serie bis zu 25.000 Exemplare von den ersten Druckplatten gefertigt, bis diese nicht mehr zu gebrauchen waren.Matthi Forrer: Hiroshige. Prints and Drawings. S. 26. Bereits im 19. Jahrhundert waren neue Platten geschnitten worden, um weitere Auflagen anzufertigen.Meiji-zeitliche Farbholzschnitte des Hoeidō-Tōkaidō von einem unbekannten Verleger auf Rare Posters, abgerufen am 28. Oktober 2014. (englisch) Im 20. Jahrhundert erfolgten weitere NeuauflagenFarbholzschnitte des Hoeidō-Tōkaidō der Verlage O-Edo Mokuhansha und Yamada Shoin aus dem 20. Jahrhundert auf der Webseite der Ohmi Gallery, abgerufen am 28. Oktober 2014. (englisch) und selbst im 3. Jahrtausend werden noch immer Drucke dieser Serie als Farbholzschnitte und Reproduktionen verkauft.Eine von mehreren Seiten mit Reproduktion des Hoeidō-Tōkaidō, abgerufen am 28. Oktober 2014. (englisch)

Ein größerer Teil der Drucke wurde nach der Erstveröffentlichung einer Überarbeitung unterzogen (Änderung der Farbpalette, Ausfüllen kleiner Fehlstellen, Weglassen einzelner Konturlinien etc.), so dass sie in zahlreichen unterschiedlichen Varianten erhalten sind. Ob diese Veränderungen auf Überlegungen Hiroshiges oder des Verlegers oder gar beider zurückzuführen ist, ist heute nicht mehr feststellbar. Gesichert ist, dass einige der Änderungen bereits nach der ersten Auflage erfolgt sein müssen, da einzelne Blätter im Zustand der Erstauflage extrem selten sind.Als Beispiel nennt Kuwabara den Erstdruck der Station Kanaya, von dem nur zwei Exemplare bekannt sind. Kuwabara, Hōeidō-ban, Hiroshige. S. 50 und S. 52 Von sechs Stationen wurde in der zweiten Hälfte der 1830er Jahre eine zweite Druckversion angefertigt, die möglicherweise verlorengegangene oder beschädigte Druckplatten ersetzten.Stewart, A Guide to Japanese Prints. S. 79. Diese neuen sind den vorhergehenden Versionen ähnlich, aber nicht mit ihnen identisch.Basil Stewart fertigte seine Beschreibung der Serie im Jahr 1922 offensichtlich nach einem damals noch erhaltenen Exemplar der Gesamtausgabe an (Stewart, A Guide to Japanese Prints. S. 78). Die zweiten Versionen erwähnt er als spätere Varianten und somit müssen diese nach dem Erscheinen der Gesamtausgabe entstanden sein.

Der kommerzielle Erfolg der Serie Hiroshiges stand im engen Zusammenhang mit dem immens angewachsenen Reiseverkehr in Japan in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, die eine Gesellschaft hervorgebracht hatten, die „süchtig nach Reisen und verrückt nach Souvenirs“ war.„The series met exactly the demands of a society which was mad about travel and crazy about souvenirs.“ Uhlenbeck, Jansen: Hiroshige. Shaping the Image of Japan. S. 11.Zum Reisefieber im Japan der Edo-Zeit siehe: Franziska Ehmcke: Reisebieber in der Edo-Zeit. In: Franziska Ehmcke, Masako Shōno-Sládek (Hrsg.): Facetten der städtischen Bürgerkultur Japans vom 17. – 19. Jahrhundert. Iudicium, München 1994, S. 55–70. Unmittelbarer Vorgänger von Hiroshiges Serie waren Katsushika Hokusais Drucke der „36 Ansichten des Berges Fuji“, die in ihrem Format und der Bildgestaltung, Darstellung von Menschen, eingebettet in eine sie umgebende Landschaft, Vorbildcharakter sowohl für Hiroshige als auch andere Landschaftsmaler seiner Zeit hatten.Marks, Kunisada’s Tōkaidō. S. 46.

Mit seiner Serie traf Hiroshige jedoch noch mehr als Hokusai den Geschmack breiter Bevölkerungsschichten und setzte den Gedanken des Ukiyo als der „heiteren, vergänglichen Welt“ vollendet in den japanischen Landschaftsdruck um. Neu an Hiroshiges künstlerischer Landschaftsauffassung war nicht, dass er „lebendige Straßenszenen mit geschäftigen Menschen aus dem einfachen Volk (zum) Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung“ machte.Zitat aus Hiroshige-Biografie von Der-Kunstverlag.de Galerie im Stilwerk, abgerufen am 31. Oktober 2014. Solche Genreszenen waren zuvor bereits unter anderem von Utagawa Toyohiro und Hokusai gezeichnet worden.Die erste reine Tōkaidō-Serie mit Landschaften stammte von Hiroshiges Lehrer Utagawa Toyohiro aus den 1800er Jahren. Katsuhika Hokusai entwarf zwischen 1800 und 1810 sieben Serien, die eine Verbindung zum Tōkaidō hatten und Genreszenen darstellten. Marks, Kunisada’s Tōkaidō. S. 46. Neu an Hiroshiges Bildern war die harmonische Eingliederung der Menschendarstellung in weitläufige Landschaften. Er gestaltete lyrische Bilder, in denen der Betrachter die Stimmung der Natur ungetrübt von philosophischem Nachsinnen über Natur und Mensch unmittelbar wahrnehmen konnte.Michail Uspenski: Hiroshige – Hundert Ansichten von Edo. Bournemouth, 1997, S. 11 und S. 13 Die Drucke der Serie waren durchdrungen von expressiver poetischer Sensibilität. Hiroshiges innovativer Stil und die Wahl des horizontalen ōban-Formats stellten einen neuen Schwerpunkt in der Auffassung des Tōkaidō dar und präsentierten eine neue Art des Landschaftsdruckes. Ihre andauernde Popularität und ihr Einfluss auf andere Künstler sind die Gründe für Hiroshiges Ruhm.

Entstehungsgeschichte