Repertory Grid (eigentlich ) deutsch Rollen-Konstrukt-Repertoire-Test, ist ein Verfahren der differentiell psychologischen Diagnostik auf Basis der Theorie der persönlichen Konstrukte nach George A. Kelly.Kelly G. A. (1955)
Überblick mini|Formblatt des Original Role Construct Repertory Grid nach Kelly.Kelly, G. A. (1955, S. 270) Die konkreten Personen werden handschriftlich in die weißen oberen Spalten geschrieben. Aufbauend auf der Psychologie der persönlichen Konstrukte, entwickelte George A. Kelly den Role Construct Repertory Grid (in Deutschland auch Kelly Grid oder Konstruktgitter genannt). Als Kurzform wird häufig nur der Begriff Repertory Grid verwandt. Role Construct Repertory Grid-Verfahren arbeiten mit einem Repertoire („Repertory“) bedeutsamer Elemente aus dem Erleben einer Person, wie Rollen (z. B. Kollegen), Gruppen (z. B. Abteilungen), aber auch Situationen (z. B. Rituale), Gegenstände (z. B. Produkte) und Abstrakta (z. B. Marken). Mit Hilfe dichotomer Beschreibungsdimensionen, den so genannten Konstrukten (z. B. gut vs. böse oder innovativ vs. traditionell), werden diesen Elementen vom Befragten individuell Eigenschaften zugeordnet.Rosenberger (2014), S. 109 Zudem erfolgt eine quantitative Bewertung, zumeist Likert-skaliert, so dass am Ende ein Grid (deutsch: Gitter, Matrix) mit Zahlenwerten entsteht. Sind alle Elemente anhand eines Konstruktpaares beurteilt worden, werden neue Elemente miteinander verglichen, um ein weiteres Konstruktpaar zu bilden. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis dem Interviewten keine neuen Unterscheidungsdimensionen mehr einfallen, d. h. sein Repertoire an Konstrukten für die vorgegebenen Elemente erschöpft ist.
Durch den systematischen Vergleich und die im Interviewverlauf entstehende Komplexität ist eine zielgerichtete absichtliche Einflussnahme auf das Ergebnis praktisch nicht möglich. Das RepGrid dient zur Ermittlung und Auswertung subjektiver Bedeutungsassoziationen. Im Sinne Kellys soll damit ein Einblick in das Konstruktsystem des Individuums ermöglicht werden. Der Mensch beschreibt seine Wirklichkeit mit begrifflichen Abstraktionen (Konstrukten), die durch seine individuellen Erfahrungen geformt wurden. Er skaliert sie in einer vorgegebenen Matrix hinsichtlich geeigneter Elemente, die den Untersuchungsrahmen repräsentieren. Der Befragte bildet somit seinen individuellen, semantischen und psychologischen Raum in Form eines mit Zahlen gefüllten Gitters ab. Das Repertory Grid ist somit ein Verfahren, mit dessen Unterstützung qualitative Interviews mit den entsprechenden Vorteilen zur Untersuchung von subjektiven Wahrnehmungen und kognitiven Prozessen geführt werden können,Rosenberger (2014) und ermöglicht so ein besseres Verständnis subjektiver Bedeutungen des Befragten: „“Fransella/Bannister 1977, S. 5Siehe auch Raeithel 1993, S. 42 Sie bietet auf der anderen Seite auch die Möglichkeit des interindividuellen Vergleichs der Ergebnisse: „In dieser Spanne – und Spannung – von idiographischer Untersuchung des Besonderen und der nomothetischen Benennung des Regelmäßigen steht die Nutzung der Repertory Grid Technik heute.“Fransella/Bell/Bannister 2004, S. 167Rosenberger 2015
Planung und Durchführung von Repertory Grids
Am Anfang jeder Repertory-Grid-Anwendung steht der Wunsch, etwas zu erfahren, zumeist eine Fragestellung zu einem spezifischen Problem. Es wurde schon erwähnt, dass die Anwendungsmöglichkeiten für ein Grid grundsätzlich in allen Lebensbereichen, in denen „Konstruieren der Wirklichkeit“ stattfindet, gegeben sind.
Die Auswahl der Elemente erfordert höchste Sorgfalt, denn diese bestimmen im Wesentlichen die Güte und Aussagekraft der Ergebnisse. Die Frage, mit der man sich beschäftigen muss, ist, wie der Untersuchungsgegenstand sinnvoll in Elemente überführt werden kann bzw. welche Elemente geeignet sind, den Untersuchungsgegenstand adäquat abzubilden. Die Strategie zur Ermittlung geeigneter Elemente für eine Problemstellung nennt man „Substituting“. Das Substituting soll auf der einen Seite dem Auftraggeber helfen, sein Problem zu erkunden und die adäquateste Verbalisierung dafür zu finden, auf der anderen Seite aber auch für die Anwender, um die Frage oder das Problem des Klienten so weit zu rekonstruieren, wie es notwendig ist, um angemessene Elemente bestimmen zu können. Die Elemente sollten so auf jeden Fall so gewählt werden, dass auf ihrer Grundlage eine möglichst umfassende und dennoch tiefgründige Aufklärung eines bestimmten Sachverhaltes stattfinden kann, oder bei Untersuchungen von Personen und Gruppen die Wirklichkeitsräume hinsichtlich der Fragestellung sinnvoll dargestellt werden können. Elemente können beispielsweise aus vorab durchgeführten, leitfadengestützten Interviews mit einer Auswahl von Beteiligten eruiert werden.Rosenberger 2006, S. 201 ff. Auch können die Beteiligten die für sie geltenden Elemente im Rahmen von Gruppendiskussionen selbstständig erarbeiten.Meyer/Lundt-Verschaeren 1998, S. 104 ff.
Grid-Untersuchungen, in denen ein interindividueller Vergleich der Ergebnisse nicht nur inhaltlich interpretativ, sondern ebenso statistisch vergleichend angestrebt wird, sind nur sinnvoll auszuwerten, wenn Elemente und/oder Konstrukte für alle Beteiligten übereinstimmen.Willutzki/Raeithel 1993, S. 70 ff. Standardisiert wird das Verfahren, wenn sowohl Elemente als auch Konstrukte vorgegeben werden. In diesem Fall ähnelt das Grid einem multiplen semantischen Differenzial oder Polaritätsprofil,Osgood, Suci et al. 1976; Hofstätter 1971 allerdings geht so das Spezifische des Personal-Construct-Ansatzes verloren. Die Anzahl der zugrundeliegenden Elemente ergibt sich grundsätzlich aus der Problemstellung aus den zeitlichen und demografischen Gegebenheiten.
Seit den 1950er-Jahren hat sich die Bandbreite der Interviewarten stark ausdifferenziert. Da es sich bei der Erhebung von Konstrukten nicht immer um eine übliche Interviewführung handelt, sondern andere Formen durchaus in der Grid-Technik eingesetzt werden, wie die freie Assoziation oder das Storytelling, wird auch von Evokation (erwecken, hervorrufen) gesprochen. Während beispielsweise die Kollegen aus England verstärkt die qualitative Seite der Interviewführung in Therapie, Kunst und Organisationsberatung vorantreiben,Gilberto, Dell'Aversano et al. 2012 wurde in Deutschland das Tetralemmafeld Ratingformat entwickelt.Menzel, Rosenberger et al. 2007
Triaden und Dyaden
Alle Ausdifferenzierungen folgen im Prinzip zwei verschiedenen Arten der Evokation von Konstrukten. Bei der ersten, der sogenannten dyadischen Variante, werden zwei Elemente angeboten und hinsichtlich ihrer Ähnlichkeit oder Unterschiedlichkeit bewertet. Diese Form der Elementepräsentation ist am besten geeignet für eher schmalspurige Befragungskontexte, wie es beispielsweise bei Quick-and-Dirty-Marktforschungskampagnen der Fall sein kann; also wenn die Befragung aufgrund von Befragungsumständen sehr schnell gehen muss (Straßenbefragung, Messe, o. Ä.). Die dyadische Form wählt man besser auch, wenn die Befragtengruppe intellektuell bzw. entwicklungsmäßig als eher niedrig eingestuft werden kann (z. B. kleine Kinder oder klinisch auffällige Menschen, oder Menschen, die aufgrund ihres Alters Wahrnehmungseinschränkungen haben). Darüber hinaus kann es auch konkrete Verfahrensaspekte geben, die eine dyadische Vorgehensweise rechtfertigen. So kann es vom Anwender gewünscht sein, dass ein bestimmtes Element (z. B. Ich Heute) mit allen anderen Elementen im Set verglichen werden soll. Eine triadische Vorgehensweise wäre hier viel zu aufwändig, da die vielen Möglichkeiten der Zusammenstellung wahrscheinlich den Zeitrahmen einer Befragung sprengen würden.
In all diesen Fällen kann eine kompliziertere Verfahrensweise, wie nachfolgend die triadische Methode, eine Überforderung des Vorstellungsvermögens bedeuten.Fransella/Bannister 1977
Bei der zweiten, der triadischen Variante, werden drei Elemente vorgegeben, von denen zwei als ähnlich und gleichzeitig unterschiedlich zum dritten Element eingeschätzt werden sollen. Diese Vorgehensweise entspricht am ehesten den theoretischen Vorannahmen der Constructs Theory of Personal Constructs, die ja die Einschätzung eines Erfahrungsgegenstandes sowohl in seiner Ähnlichkeit als auch seiner Unterschiedlichkeit zu anderen Erfahrungsgegenständen erfordert. Die typische Konstruktfrage hierzu lautet: „“Kelly 1955, S. 222
Opposition oder Differenzierung
Für die Instruktion, mit der den Befragten Elemente zur Unterscheidung vorgelegt werden, im Weiteren auch „Konstruktfrage“ genannt, ist deren Präsentation (Triade/Dyade) nur von peripherer Bedeutung. Inhaltlich interessanter und auch relevanter ist die Entscheidung, ob der Gegensatzpol eines Konstruktes über die Beschreibung eines Elementes oder als Gegenbegriff zu einem Konstrukt gebildet werden soll. Wir unterscheiden daher die Differenzierungsmethode von der Oppositionsmethode.
Die „Differenzierungsmethode“ fragt nach dem Unterschied der vorgelegten Elemente. Werden also zwei Elemente als ähnlich eingeschätzt und beschrieben, wird nach einer Beschreibung für das dritte Element gefragt. Beispiel: Entscheidet sich der Befragte bei der Triade Angela Merkel, Günter Grass und Dieter Bohlen für die Ähnlichkeit von Angela Merkel und Günter Grass, könnte das dazugehörige Konstrukt lauten: „Ernsthaftigkeit“ und die Beschreibung für Dieter Bohlen vielleicht „erreicht viele Menschen“. Diese Form der Fragestellung kann man mit dem Argument kritisieren, dass man möglicherweise ein Konstrukt erhält, dessen Pole zwar Unterschiede evozieren, jedoch die gewonnenen Konstrukte einander nicht ausschließen. Bei der Oppositionsmethode, die erst nach der Ähnlichkeit zweier Elemente und dann nach dem Gegensatz zu der genannten Eigenschaft (Konstrukt) fragt, wird diese Problematik zuverlässiger vermieden.vgl. a. Scheer 1993 Würde im genannten Beispiel nach dem Gegenteil des Konstruktes „Ernsthaftigkeit“ gefragt werden, könnte die Antwort „Lächerlichkeit“ lauten und damit eher als ein Gegenbegriff zu „Ernsthaftigkeit“ empfunden werden.
Zusammengefasst kann man sagen, dass die Differenzierungsmethode gut für geeignet ist, in denen die diskrete Beschreibung der Elemente im Vordergrund steht. In Marktforschungskontexten ist sie sehr gut anwendbar, um Marken oder Produkte zu charakterisieren. Auch in der individuellen Therapie oder in kann die Differenzierungsmethode zu anspruchsvollen Ergebnissen führen, hinsichtlich der Beurteilung der eigenen Person im Unterschied zum Partner oder dem Ideal Ich. Die Oppositionsmethode eignet sich besonders gut, wenn es darum geht, die Erfahrungswelt des Befragten ohne den jeweiligen konkreten Elemente-Bezug abzubilden.
Rating und Skalierung