mini|Vollwappen des Königreichs Kroatien Kroatien in der Donaumonarchie bezeichnet den Zeitraum von 1527 bis 1918, in welchem der Habsburgermonarchie auch Kroatien angehörte, das sich seit 1102 im Staatsverband mit Ungarn befand. Ab 1745 war es als Königreich Kroatien und Slawonien ein autonomes Königreich innerhalb der Habsburgermonarchie bzw. des Kaisertums Österreich.
Kroatien im 16. Jahrhundert 290px|mini|Alte Karte Kroatiens aus dem 16. Jahrhundert (vor der Schlacht bei Sissek im Jahr 1593) Das 16. Jahrhundert war im Königreich Kroatien und Slawonien großteils von kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich geprägt. Nach der Schlacht bei Mohács erkannte 1527 der kroatische Adel auf dem Sabor (dem kroatischen Landtag) in Cetingrad durch die Cetingrader Charta Ferdinand I. von Habsburg als König von Kroatien an, auch als Gegenleistung für die Verteidigungsführung gegen die Türken.
Die von den Osmanen eroberten Teile Slawoniens sowie des Türkischen Kroatiens wurden stark verwüstet, die Einwohnerzahlen und die damit verbundenen Steuerleistungen sanken während der über 150 Jahre dauernden Osmanenherrschaft in Slawonien deutlich ab.Karl Kaser: Freier Bauer und Soldat. Zur Kunde Südosteuropas. Böhlau, Wien 1997, ISBN 3-205-98614-8, S. 29ff. Zur Verteidigung gegen die Osmanen wurde die Militärgrenze geschaffen. In Kroatien entstanden die Slawonische- und die Kroatische Militärgrenze. Dort wurden vor allem Serben angesiedelt, aus denen die Krajina-Serben hervorgingen. Zwischen den Grenzverteidigungssystemen beider Seiten entstand Ende des 16. Jahrhunderts für etwa hundert Jahre ein großes unbesiedeltes Waldgebiet.Hannes Grandits: Familie und sozialer Wandel im ländlichen Kroatien (18.–20. Jahrhundert) (= Zur Kunde Südosteuropas 2/32). Böhlau, Wien 2002, ISBN 3-205-99486-8, S. 68f.
Nach zahlreichen Kämpfen gegen den Türken im 16. Jahrhundert (Schlacht bei Otočac, Schlacht bei Mohács, Belagerung von Kőszeg, Belagerung von Szigetvár, Schlacht bei Sissek u. a.), an denen kroatische Truppen teilnahmen, stabilisierte sich die Grenze im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert weitgehend.
Kroatien im 17. bis 19. Jahrhundert mini|links|Einteilung Österreich-Ungarns; Zentralkroatien und Slawonien werden zusammengefasst dargestellt (Nr. 17) Der größte Teil der kroatischen Gebiete war seinerzeit ein Bestandteil der Habsburgermonarchie.
Im 18. Jahrhundert wurden keine größeren Kriege gegen die Osmanen geführt, jedoch gehörten ständige Grenzüberfälle in das Erscheinungsbild jener Epoche.
mini|Exekution von Petar Zrinski und Fran Krsto Frankopan in Wiener Neustadt, 30. April 1671
Durch die Kroatische Pragmatische Sanktion des Sabors im Jahre 1712 erkannte Kroatien ebenfalls das Erbrecht der weiblichen Linie der Habsburger an. Doch mit Rücksicht auf den ungarischen Adel wurde dieser Beschluss von Wien nie bestätigt, sondern 1723 eigenwillig Kroatien zu einem unauflösbaren Bestandteil der ungarischen Stephanskrone erklärt.
Unter der Herrschaft der Kaiserin Maria Theresia verzeichneten die kroatischen Gebiete einen wirtschaftlichen Aufschwung. Währenddessen hielt der Verfall der Gebiete unter venezianischer Herrschaft an.
Küstengebiet Das österreichische Küstengebiet entwickelte sich einerseits aus den Hafenstädten Rijeka (Fiume) und Kraljevica (Porto-Ré) unter Karl VI. als innerösterreichisches Litorale, andererseits aus den 1746–1748 kameralisierten Gütern der erloschenen Grafenhäuser Frankopan und Zrinski mit Trsat (Tersat) als Vorort und wurde seither als österreichisches Litorale unter die Aufsicht des Wiener Hofkommerzienrats und der Triester Seebehörde gestellt.
mini|290px|Alte Karte Kroatiens aus dem Jahr 1689
Im engeren Sinn schloss diese Bezeichnung das Gebiet von Rijeka aus. 1776 wurde das österreichische Litorale aufgehoben, der Küstenstreifen in drei Komitate verteilt und mit Kroatien vereinigt. Die Stadt Rijeka, welche Kaiser Friedrich III. von den Herren von Walsee 1471 gekauft hatte, war bis 1746 autonom, wurde 1776 dem Königreich Kroatien zeitweilig einverleibt, 1779 aber als ein für sich bestehender und integrierender Teil der ungarischen Krone erklärt. Nach Beendigung der französischen Revolutionskriege blieb Rijeka seit 1823 mit Ungarn vereinigt.
Neue Hauptstadt Ab 1756 stieg Varaždin, eine Stadt nördlich von Zagreb, zur faktischen Hauptstadt des „Königreiches Kroatien, Slawonien und Dalmatien“ auf. 1767 ließ Kaiserin Maria Theresia den „Kroatischen königlichen Rat“ mit Sitz in Varaždin gründen. Als 1776 ein Brand große Teile der Stadt zerstörte, zog dieser Rat nach Zagreb.
Zentralisierung Kaiser Joseph II. hob die Konstitution Ungarns auf und führte eine Zentralisierung in seinem Reich durch. Als Joseph II. unter dem Druck der inländischen Opposition die konstitutionellen Rechte an Ungarn und Kroatien zurückgeben musste, beschloss der kroatische Landtag 1790 in Zagreb, die kroatischen Gespanschaften so lange unter der Gewalt der ungarischen Regierung zu belassen, bis das kroatische Territorium auch die osmanisch und venezianisch beherrschten Teile miteinschließen würde.
Im Jahr 1782 wurde die Leibeigenschaft abgeschafft und das Recht auf freie Religionsausübung eingeführt. Kroatien blieb jedoch weiterhin zerteilt: Die Stadt Fiume sowie das Gebiet des Kroatischen Küstenlandes bildeten Ungarns Zugang zum Mittelmeer; Istrien gehörte einschließlich der Jurisdiktion zu Österreich; Dalmatien war ebenfalls ein Kronland unter cisleithanischer Verwaltung, und die Militärgrenze war ein spezifisch organisierter Landesteil.
Bestandteile kroatischer Nationsbildung Die kroatischen Länder standen stets im Spannungsfeld ungarischer, österreichischer, venezianischer und osmanischer Interessen. Deshalb war der Rückgriff auf die Beschlüsse der kroatischen Stände wie Pacta Conventa und andere historische Dokumente – als Beweis einer ununterbrochenen jahrhundertelangen Autonomie – ein wesentlicher Bestandteil der kroatischen Nationsbildung.
Noch in der franzisko-josephinischen Epoche wurde die kroatische Historiographie als wissenschaftliche Disziplin begründet. In vielbändigen Quelleneditionen, die in der Öffentlichkeit zunehmend breite Resonanz fanden, wurde die nationale Vergangenheit umfassend aufgearbeitet. So wurde Historiographie zu einem Mobilisierungsmittel für die künftigen nationalen Auseinandersetzungen, dessen unmittelbare Folge die Forderung einer politischen Aktion für ein freies politisches Leben der Kroaten war.
Mit der schrittweisen Auflösung der ständestaatlichen Verfassung in Ungarn und Kroatien während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Rückgriff auf das historische Staatsrecht der Kroaten mehr und mehr zu einer politischen Ideologie zur Durchsetzung politischer Ansprüche innerhalb der Donaumonarchie, die mit der tatsächlichen staatsrechtlichen Situation nur noch wenig zu tun hatte.
„Illyrien“ Von 1767 bis 1777 wurden Kroatien, Slawonien und Dalmatien „Illyrien“ genannt und von einer illyrischen Hofdeputation in Wien regiert. Später bildete jedes dieser Gebiete ein besonderes Königreich, doch blieben die Militärgrenzen getrennt und behielten ihre besondere militärische Verfassung.
1809–1813 gehörte das Gebiet rechts der Save zum französischen Kaiserreich und bildete die beiden illyrischen Provinzen „Croatie civile“ und „Croatie militaire“. Seit 1814 galten Kroatien und Slawonien wieder als Länder der ungarischen Krone, als „partes adnexae“, wie die Magyaren, „regna socia“, wie die Kroaten sagen, doch mit selbständiger Verwaltung und Sprache und besonderen Munizipalfreiheiten, wie namentlich dem Vorrecht, dass Kroatien nur die halbe Reichssteuer entrichtete und dieselbe vom Zagreber Landtag (Sabor) selbstständig umgelegt wurde.
Illyrische Bewegung
mini|Vlaho Bukovac. Die kroatische Renaissance.
Durch die Französische Revolution verkehrte sich der Begriff Nation von einer Bezeichnung der privilegierten Adelsschichten ins Gegenteil einer tendenziell unbegrenzten sozialen Ausweitung des Geltungsanspruches und bewirkte die Entdeckung des nationalen Bewusstseins auch bei den Kroaten.
Den Namen Illyrien für die südslawischen Gebiete holte Napoleon I. in den Jahren von 1805 beziehungsweise 1809 bis 1813 aus der Vergessenheit zurück, indem er seine „Provinces Illyriennes“ errichtete. Nach seinem Dekret von 1811 standen zum ersten Mal slowenische und kroatische Gebiete: Krain, Kärnten, Istrien, Zivilkroatien, Dalmatien, Dubrovnik und die Militärgrenze unter einer Verwaltung.
Der Gouverneurmarschall Marmont, der aus Laibach, der illyrischen Hauptstadt, das Land verwaltete, setzte sich für die Einführung der Volkssprache, die er Illyrisch nannte, im öffentlichen Dienst und anderen Domänen ein. Damit war der Stein für die Entwicklung der „illyrischen“ Sprache und der illyrischen Bewegung gelegt.
Das Hauptanliegen der napoleonischen Zeit jedoch war die Tatsache, dass unter dem französischen Regime zum ersten Mal seit vielen Jahrhunderten die zerstreuten kroatischen Siedlungsgebiete vereinigt wurden.
mini|Dragutin Weingärtner. Zusammenkunft des kroatischen Parlaments 1848.
Nach den großen, wenn auch nur vorübergehenden, Veränderungen der napoleonischen Zeit verschärften sich die Konflikte in den kroatisch-magyarischen Beziehungen, was sich vor allem im Kampf der kroatischen und magyarischen Vertreter im ungarischen Reichstag äußerte. Die Hauptfrage in diesem Zwist war scheinbar, ob die kroatischen Vertreter in den Sitzungen Ungarisch oder Lateinisch verwenden sollten.
Dieser ursprünglich eng begrenzte Sprachstreit nahm aber in den ungarischen Reichstagen von 1840, 1843, 1847 und 1848 viel größere Dimensionen an, als die Magyaren gegen die heftige Opposition der kroatischen Abgeordneten ein Gesetz verabschiedeten, wonach die Einwanderung in die Länder der ungarischen Krone einschließlich Kroatiens von der Kenntnis der ungarischen Sprache abhängig sein sollte. Ebenso sollte das Magyarische anstelle des Lateinischen die offizielle Sprache im magyarisch-kroatischen Verkehr werden. Die Folgen dieser Gesetzgebung und der heftige kroatische Widerstand dagegen machten den Sprachkonflikt zum Hauptfaktor, wenn auch nicht zum letzten Grund der kroatischen antimagyarischen Politik im Vormärz.
Als daher Ungarn um 1840 die magyarische Sprache als offizielle Sprache einzuführen sich bemühte, wurden die Kroaten erbittert, und ihnen schlossen sich die stammverwandten Slawen Ungarns an. Graf Drašković war das Haupt der kroatischen „nationalen“ Partei, welche Kroaten, Slowenen und Serben zu einem illyrischen Volk, die Königreiche Kroatien, Slawonien und Dalmatien zu einem drei-einigen Königreich vereinigen wollte, und wurde von Ljudevit Gaj (Ludwig Gaj) auf publizistischem Gebiet in seinen Bestrebungen unterstützt. Bei den Komitatswahlen 1842 kam es zu blutigen Zusammenstößen zwischen der magyarischen und illyrischen Partei, doch siegte die letztere.
Die Kroaten ließen sich vom Kaiser gegen die ungarische Nationalitätenpolitik und gegen das chauvinistische Großmachtstreben Ungarns 1848 leicht gewinnen, da sie eben in diesem Kampf einen Kampf gegen die Magyarisierungspolitik sahen.
Revolutionsjahre 1848/49 mini|Ban Josip Jelačić
Im Frühjahr 1848 regte sich auch in Kroatien die nationale Partei; der Hass gegen das Magyarentum wurde mit allem Fanatismus gepredigt und auch die Vereinigung der slawischen Gebiete Krains, Kärntens und Steiermarks mit Kroatien verlangt. Am 23. März 1848 wurde der Kroate Josip Jelačić (Jellachich), ein eifriger Nationaler, zum Banus ernannt, der den Ratschlägen des Nationalkomitees folgte und sich in offene Opposition gegen die ungarische Regierung und gegen den Wiener Hof setzte.