Beyond the Black Rainbow ist ein im Jahr 2010 veröffentlichter düsterer psychedelischer Sci-Fi-Horrorfilm aus Kanada und das Langfilmdebüt des Regisseurs Panos Cosmatos.

Der von Regisseur Cosmatos selbstproduzierte Low-Budget-Independent-Film mit Produktionskosten von ca. 1,1 Mio. US-DollarStatistiken zu Beyond the Black Rainbow, auf der Filmstatistikebseite The Numbers hatte seine Premiere am 3. Dezember 2010 auf dem Whistler Film Festival und lief am 31. Dezember desselben Jahres mit einer 14A-Freigabe (ab 14 Jahren) und der Tagline Beyond science – Beyond sanity – Beyond control in den kanadischen Kinos an, am 18. Mai 2012 mit einem R-rating (ab 17 Jahren) in den USA.

Außerhalb Nordamerikas lief er bisher (2014), trotz Region-1-DVD- und -BluRay-Veröffentlichung, lediglich auf Filmfestivals und ist auch noch nicht auf Deutsch erschienen.

Handlung Der Film beginnt mit einem kurzen Werbespot von 1967 für das Arboria Institute, in dem sein Gründer, Dr. Mercurio Arboria, seine New-Age-Forschungseinrichtung vorstellt. Ausgestattet mit weitreichenden, „preisgekrönten“ Entspannungsgärten verspricht die Einrichtung ihren Kunden bzw. Patienten „die Erlangung von Ruhe und Glückseligkeit“. Dies soll unter Zuhilfenahme von Pharmazeutika, Psychopharmaka, Sinnestherapie und Lichtarbeit erreicht werden.

Sprung ins Jahr 1983: Das stumme, übersinnlich begabte Mädchen Elena lebt schon fast sein ganzes Leben als Gefangene im Arboria Institute, unter Beobachtung des sadistisch geneigten Dr. Barry Nyle. Dieser quält sie mit peinlichen Befragungen, medikamentösen Experimenten und unterschwelligen Drohungen und Einschüchterungen. Außerdem hat er sie in ein pyramidenähnliches Gebäude gesperrt, die sogenannte „okkulte Pyramide“, die ihre psychokinetischen Kräfte eindämmt. Bewacht wird Elena von der gefühlskalten Krankenschwester Margo und einem grotesken, roboterartigen Wesen, das im Abspann als Sentionaut (zu Deutsch etwa: „Sinnesreisender“) bezeichnet wird. Der altgewordene Gründer des Instituts, Dr. Arboria, ist von Dr. Nyle zu einem drogenabhängigen Wrack gemacht worden, das offenbar seit längerer Zeit in einem dunklen Raum des Instituts berauscht vor sich hinvegetiert und den Bezug zur Realität größtenteils verloren hat. In seiner Naivität (und in seinem Rausch) glaubt der alte Dr. Arboria, dass sein Lebenswerk bei seinem Nachfolger Dr. Nyle in guten Händen sei.

Im Laufe der Handlung entdeckt die Krankenschwester Margo eine heimlich geführte und eigentlich gut versteckte Akte von Dr. Nyle, in der der Sadist Skizzen und Anmerkungen zu Elenas Anamnese hinterlassen hat. Margo ist erstmals verstört, als sie die sexuelle wie psychopathische Natur hinter den Experimenten und Misshandlungen erkennt. Aus Angst vor Dr. Nyle schweigt sie jedoch. Der Arzt trägt Margo auf, Bannware aus Elenas Zimmer zu entfernen, ein Foto von Elenas verstorbener Mutter (er verrät Margo allerdings nicht, dass er das Foto selbst heimlich unter Elenas Bett platziert hatte). Elena bemerkt das Foto und will es um jeden Preis behalten. Bei einem darauffolgenden Handgemenge nutzt Elena ihre Kräfte, um Margo den Schädel zu brechen. Elenas Tötung der Krankenschwester wird von Dr. Nyle auf einem Überwachungsmonitor beobachtet, er scheint mit der Tat einverstanden zu sein. Er beauftragt den ferngesteuerten Sentionauten damit, die auf dem Flur ohnmächtig zusammengebrochene Elena wieder auf ihr Zimmer zu bringen und dort einzusperren.

Während eines Gesprächs zwischen Dr. Nyle und Dr. Arboria erinnert sich Ersterer an seine Aufnahme ins Institut im Jahr 1966, die in einer längeren Rückblende zu sehen ist. Dr. Nyles Initiation schlug jedoch fehl: die Initiation beinhaltete das komplette Eintauchen des Probanden in eine tiefschwarze, nicht näher identifizierte Substanz, die irgendwie Psyche und Bewusstsein von Menschen erweitern und verändern kann. Anders als von Dr. Arboria beabsichtigt, erlebte Dr. Nyle einen äußerst verstörenden Horrortrip (der als einziger Abschnitt der Rückblende scharf und in Farbe zu sehen ist). Dieser ließ ihn zum sadistischen Psychopathen werden, so dass er schon unmittelbar nach der Behandlung Elenas Mutter, Dr. Arborias Frau Anna, umbrachte. Trotzdem machte der naive Dr. Arboria, dem Dr. Nyles Verwandlung zum Bösen entweder verborgen blieb oder die er nicht wahrhaben wollte, ihn zu seinem engen Mitarbeiter und Nachfolger. Kurz nach dem Tod ihrer Mutter wurde auch Elena durch Dr. Arboria noch als Säugling ins Institut aufgenommen, wobei ein ähnliches Ritual wie bei Barrys Initiation angedeutet wird.

Nachdem er sich an die Geschehnisse aus dem Jahr 1966 zurückerinnert hat, bringt Dr. Nyle den nichtsahnenden Dr. Arboria in der Gegenwart von 1983 durch eine gezielte Überdosis der Rauschdroge um, von der der alte Institutsgründer so abhängig ist. Wieder zuhause, sieht Dr. Nyle an dem Abend eine aggressiv-paranoide Rede des US-Präsidenten Ronald Reagan im Fernsehen, die seine nun vollends durchbrechende Psychopathie befeuert. Er entfernt seine Perücke und Kontaktlinsen, die er seit seinem Horrortrip von 1966 tragen musste: die Behandlung hatte ihn, wie nun zu sehen ist, auch körperlich entstellt. Dann ermordet er seine Frau Rosemary, bevor er sich mit einem Dolch auf den Weg zurück ins Institut begibt, um Elena zu erstechen. Da er nach dem Mord an Dr. Arboria aber vergessen hat, die okkulte Pyramide einzuschalten, die Elenas Kräfte in Schach halten soll, befindet sich das Mädchen inzwischen auf der Flucht durch die schier unendlichen labyrinth­artig angelegten Räume, Gänge und Schächte des Instituts. Dabei muss sie dem Sentionauten und einer wurmartigen Kreatur mit kahlem Menschenkopf entkommen, die sie versehentlich weckt. Als Dr. Nyle eintrifft, ist sie bereits aus dem abgelegenen Institutskomplex entkommen und befindet sich im ländlichen Umland. Da er ihr aber vor kurzem durch den Sentionauten einen Ortungschip hat implantieren lassen, nimmt Dr. Nyle die Verfolgung erst per Wagen, dann zu Fuß auf.

Während Elena durch eine für sie völlig fremde Welt aus nächtlichen Feldern irrt, stößt Dr. Nyle auf zwei Männer an einem Lagerfeuer, die er, unter der zwanghaften Beschuldigung, sie hätten sich an Elena vergangen, ersticht. Schließlich findet der verrückte Arzt Elena und fordert sie mit dem Dolch in der Hand erst bittend, dann schreiend auf, zu ihm zurückzukommen. Als er auch sie erstechen will, setzt Elena ihre Kräfte erneut ein: Sie lässt Dr. Nyles Füße buchstäblich am Boden festwachsen, und als dieser ihr nachlaufen will, stürzt er. Dr. Nyle stirbt, als er sich an einem Stein den Kopf aufschlägt. Die befreite, verstörte Elena erreicht in der letzten Einstellung der Handlung eine an die Felder grenzende Vorortsiedlung und geht auf ein Haus zu, dessen Fenster offenbar von einem laufenden Fernseher erhellt wird.

Am Ende des Abspanns wird das Zitat „Wherever you go, there you are“ („Wo man hingeht, da ist man“) aus dem Film Buckaroo Banzai – Die 8. Dimension (1984) eingeblendet. Nach dem Abspann wird noch eine letzte Einstellung des Films gezeigt, in der in Großaufnahme eine Spielzeugfigur eines Sentionauten zu sehen ist, die auf einem Teppich liegt und offenbar ebenfalls vom bläulich flimmernden Licht eines Fernsehers außerhalb des Bildes beleuchtet wird, während auf der Tonspur terrestrische Radiointerferenzen und eine rückwärts abgespielte Stimme zu hören sind.

Hintergrund Entstehung Regisseur Cosmatos hatte laut eigener Aussage schon früh die Idee, einen Film wie Beyond the Black Rainbow zu machen. Anfang der 1980er Jahre besuchte er als Kind oft eine nahegelegene Videothek und stellte sich anhand der Cover der Horror- und Sci-Fi-Filme, die er noch nicht sehen durfte, vor, wie die Filme wohl sein mochten. Das war die Grundidee, aus der schließlich Beyond the Black Rainbow entstand, den Cosmatos stilistisch bewusst so gestaltete, als handele es sich um einen verschollenen (Kult-)Film der frühen 1980er Jahre, um einen: „Film, den es nie gab“.Amber Wilkinson: Retro Rainbow: Panos Cosmatos talks about the themes and influences of his sci-fi tale, Eye for Film, 11. Mai 2011Jackson Truax: , Living in Cinema, 22. Juni 2012Phil Brown: Interview: ‘Beyond The Black Rainbow’ Director Panos Cosmatos, Dork Shelf, 6. Juni 2012

Auch die absichtlich vage und kryptisch gehaltene Handlung bei starker Betonung der so überwältigenden wie verstörenden Optik war beabsichtigt, da Cosmatos laut eigener Aussage einen Film machen wollte, der einer Erinnerung an einen heimlich gesehenen Film entspreche, der einen als Kind geängstigt hat, weil er eigentlich für eine ältere Altersgruppe gedacht war, so dass die eigene Erinnerung an den Film als Erwachsener hauptsächlich aus emotional stark nachwirkenden visuellen Filmbildern bestehe, während man sich an die Handlung, die man als Kind nicht verstanden hat, dagegen kaum erinnert.

Als Erwachsener hatte Cosmatos zwei verschiedene Ideen für die konkrete Handlung, die er später miteinander kombinierte: Die eine bestand aus einem Werbefilm für eine nichtexistierende Forschungseinrichtung, die andere aus einem Mädchen, das aus einem Krankenhaus oder einer Irrenanstalt zu fliehen versucht.

Der unmittelbare Auslöser, der Cosmatos schließlich zur Umsetzung seines Projekts veranlasste, war der frühe Tod seiner Eltern; seine Arbeit an dem Film war Teil der Therapie, mit der er über den Verlust hinwegzukommen versuchte.Katherine Monk: , The Vancouver Sun, 5. Juli 2012 Bei seinen Eltern handelte es sich um den griechisch-italienischen Actionfilmregisseur George P. Cosmatos, der u. a. für Rambo II – Der Auftrag (1985) verantwortlich gezeichnet hatte, und die schwedische Bildhauerin Birgitta Ljungberg-Cosmatos. Cosmatos betont, dass viel von der Arbeit seiner Eltern in seinen eigenen Film eingegangen sei.

Einflüsse Als Einflüsse auf die ‘modernistische’ Farbgestaltung des Films verwies Regisseur Cosmatos auf Michael Manns Filme Die unheimliche Macht (1983) und Blutmond (1986)turnstylenews.com: , sowie Dark Star – Finsterer Stern (1974) von John Carpenter.chud.com: Der experimentelle Horrorfilm Begotten (1990) von E. Elias Merhige inspirierte Cosmatos zum schwarzweißen Teil der Rückblende ins Jahr 1966 in der Mitte des Films,Don Simpson: , Smells Like Screen Spirit, 21. Juni 2012 und die kleine Film-im-Film-Sequenz zur Götterschlacht (in der man hauptsächlich Kamerafahrten um unbewegte Statuen sieht) aus dem Film Die Verachtung (1963) von Jean-Luc Godard diente ihm als Vorbild für Barrys farbigen Horrortrip während dieser Rückblende.

Kameramann Norm Li verwies auf weitere Einflüsse für seine Arbeit an Cosmatos’ Film: Electroma (2006) von Daft Punk, Suspiria (1977) von Dario Argento und THX 1138 (1971) von George Lucas.Allan MacInnis: Beyond the Black Rainbow: interview with Norm Li, csc, Alienated in Vancouver, 25. Juni 2012 Generelle optische Einflüsse, über die sich Cosmatos und Li verständigten, bestanden auch im Stil des frankobelgischen Sci-Fi-Comicmagazin Métal hurlant (bzw. dessen nordamerikanischem Ableger Heavy Metal; es existierte auch ein deutscher Ableger unter dem Titel Schwermetall) und Gemälden des Fantasyzeichners Frank Frazetta.Scott Macauley: Panos Cosmatos, „Beyond the Black Rainbow“, Filmmaker Magazine, 16. Mai 2012

Bezugnehmend auf die extrem langsame, geradezu hypnotische Erzählweise bezeichnet Regisseur Cosmatos seinen Film einer Sorte zugehörig, die er als trance films bezeichnet; als konkrete Beispiele für dieses so von ihm genannte Genre verweist er als weitere Vorbilder besonders auf Apocalypse Now (1979) von Francis Ford Coppola, Letztes Jahr in Marienbad (1961) von Alain Resnais und Phase IV (1974) von Saul Bass.filmschoolrejects.com: