Spontanhelfer sind freiwillige Helfer bei Naturkatastrophen, die sich schnell und unbürokratisch bei der Beseitigung von Schäden durch Erdbeben, Flut, Feuer oder Sturm zusammenfinden. Die Organisation der Helfer erfolgt dabei über Soziale Netzwerke. Die Hilfe erfolgt im Schadensgebiet jedoch meist unorganisiert.

Abzugrenzen von sogenannten Spontanhelfern sind Hilfsorganisationen und deren Einsatzkräfte.

Allgemeines Die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen stellt Informationen sowohl für Spontanhelfer wie auch für die „für Gefahrenabwehr zuständigen Stellen“ bereit.

Der Deutsche Feuerwehrverband betont:

Im besten Falle ist sogar die Fachexpertise bzw. eine fachspezifische Ausbildung bereits erfasst.

Arten von Spontanhelfern Unterschieden werden Spontanhelfer nach dem Erfassungs- und Unterstellungsverhältnis.

Integrierte Spontanhelfer Integrierte Spontanhelfer haben sich vor der Tätigkeitsaufnahme beim Verwaltungs- bzw. Krisenstab registriert und sich damit diesem unterstellt.

Nach der Registrierung werden Spontanhelfer entweder zentral geführt oder dezentral auf die bereits eingerichteten Einsatzabschnitte und Hilfsorganisationen verteilt, damit eine effektivere und effizientere Hilfe möglich wird.

Des Weiteren dient die Registrierung zum Beispiel dazu, dass

im Falle eines Unfalls dem Spontanhalfer schneller und besser geholfen werden kann (Zuführung Rettungsdienst & Abrechnung mit der Unfallversicherung), eine sogenannte Kräfteübersicht (S1 Übersicht) erstellt und aktuell gehalten werden kann, damit frei verfügbare integrierte Spontanhelfer an andere Einsatzabschnitte verlegt werden können (S3 Einsatzaufträge) und/oder ausreichend Verpflegung oder Unterkünfte organisiert werden können (S1 Einsatzaufträge), über die Stabsfunktion des S5 die Einsatzschwerpunkte und Einsatzstellen koordiniert an Presse und Öffentlichkeit berichtet werden können und während bzw. nach der Hilfeleistung eine psychologische Betreuung organisiert, angeboten und zielgerichteter durchgeführt werden kann, damit es nicht zu einer akuten Belastungsreaktion oder einer längeren ggf. dauerhaften posttraumatischen Belastungsstörung kommt, wie die Forschung nach zahlreiche Großschadenslagen ermittelt hat.

Kooperierende Spontanhelfer Kooperierende Spontanhelfer sind nicht registriert und damit nicht in die Organisation eingebunden. Sie arbeiten parallel zur Hilfsorganisation.

Im Falle der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 führte die große Anzahl an kooperierenden Spontanhelfern zu einem massiven Verkehrsproblem. Zusätzlich bedingt durch den Schadensort musste das Ahrtal für einige Tage für den auswärtigen Individualverkehr gesperrt werden.

Versicherungsschutz, Rechtliche Stellung und Haftung Spontanhelfer sind bei ihrer Tätigkeit laut dem Deutschen Feuerwehrverband e. V. (DFV) und der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen nach § 2 Absatz 1 Nr. 12 bzw. 13 des siebten Sozialgesetzbuchs über die gesetzliche Unfallversicherung versichert.Die Integration von Spontanhelferinnen und Spontanhelfern in den Katastrophenschutz (PDF; 0,3 MB), auf feuerwehrverband.de Der Arbeitskreis Zivil-Katastrophenschutz bezeichnet die Unterstützung von Spontanhelfern als „erweiterte bürgerschaftliche Nachbarschaftshilfe“.

Einsatzmöglichkeiten Spontanhelfer könen zum Beispiel bei den nachfolgenden Tätigkeiten eingesetzt werden:

Abfüllung von Sandsäcken Aufräumarbeiten nach Abschluss der Gefahrenabwehrmaßnahmen

Geschichte der Spontanhelfer Erste Spontanhelfer fanden sich so nach dem Erdbeben in Haiti 2010 zusammen. In Deutschland waren 2013 über Facebook organisierte Fluthelfer bei der Hochwasserkatastrophe im Einsatz. 2014 organisierten sich Spontanhelfer beim Pfingststurm Ela sowie bei der Unwetterkatastrophe Münster.

Forschung und Entwicklung im Bereich Spontanhelfer

Einbindung von Spontanhelfern in die Gefahrenabwehr Der Arbeitskreis Zivil- und Katastrophenschutz der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF) in der Bundesrepublik Deutschland erklärt zu Spontanhelfern am 22. Oktober 2015:

Bei Spontanhelfern, die sich über die sozialen Netzwerke organisieren, handelt es sich in der Regel um junge Erwachsene, die leistungsfähig und mobil sind und uneigennützig handeln.

Verbundprojekt REBEKA Aus den Verbundprojekt „Resilienz von Einsatzkräften bei eigener Betroffenheit in Krisenlagen“ (REBEKA)Das Projekt, auf rebeka-projekt.de entstand unter anderem ein Leitfaden für den sicheren Einsatz von Spontanhelfern.Leitfaden für den sicheren Einsatz von Spontanhelfenden (PDF; 1,7 MB), auf malteser.de Der Leitfaden unterteilt sich dabei in drei Bereiche:

Teil 1: Verfahrensanleitung für Stäbe Teil 2: Entscheidungsunterstützung für Führungskräfte Teil 3: Handlungshilfen für Spontanhelfer

Projekt WuKAS Bis zum 31. Juli 2021 wurde im Rahmen des Projekt „WuKAS - Wissens- und Kompetenzvermittlung im Arbeits- und Gesundheitsschutz bei Spontanhelfern“WuKAS – Wissens- und Kompetenzvermittlung im Arbeits- und Gesundheitsschutz bei Spontanhelfern, auf malteser.de (koordiniert vom Malteser Hilfsdienst e.V. (Bereich Notfallvorsorge des Malteser Generalsekretariats Köln)) ein Konzept für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) zum sicheren Einsatz von Spontanhelfendern erarbeitet. Hierbei wurden relevante Inhalte situationsgerecht, anwendungsorientiert und rechtssicher erarbeitet.

Projekt INKA Das Forschungsprojekt INKA befasst sich mit der professionellen Integration von freiwilligen Helfern in Krisenmanagement und Katastrophenschutz.

Projekt ENSURE Das Forschungsprojekt ENSURE befasst sich mit der verbesserten Krisenbewältigung im urbanen Raum / Situationsbezogene Helferkonzepte und Warnsysteme.

Projekt Kat-Leuchttürme Das Forschungsprojekt „Katastrophenschutz Leuchttürme als Anlaufstelle für die Bevölkerung in Krisensituationen“ war ein Verbundprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zum Themengebiet „Sicherheitsökonomie und Sicherheitsarchitektur“.Kat-Leuchttürme: Katastrophenschutz-Leuchttürme als Anlaufstelle für die Bevölkerung in Krisensituationen, auf sifo.de

Ergebnis des Projekts ist unter anderem eine Übersicht von Anlaufstellen für die Städte Nürnberg und Sankt Augustin.

Projekt „helfen kann jeder“ Das Freiwilligenportal der Hilfsorganisationen bietet mit dem Helf-O-Mat einen einfachen Fragebogen um die passende Hilfsorganisation zu finden.

Beispiele von Spontanhilfen nach Schadensereignissen Passau und Magdeburg 2013 Essen packt an: Spontanhelfer bei der Bekämpfung der Folgen des Pfingststurms Ela (9./10. Mai 2014) in Essen Regen in Münster: Spontanhelfer bei der Bekämpfung der Folgen der Überschwemmungen durch das schwere Unwetter vom 28./29. Juli 2014 in Münster Flüchtlingskrise 2015/2016 in Deutschland Helfer-Shuttle: Spontanhelfer zur Aufbauhilfe nach der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021.

Trivia

Einsatzkräfte treten niemals als Einzelperson auf, sondern sind Teil einer organisierten Hilfsmaßnahme, welcher von einer Einsatzleitung koordiniert wird. Einsatzkräfte müssen im Verkehrswesen stets kennzeichnende Warnkleidung tragen und müssen sich durch geeignete Verkehrssicherungsmittel oder Verkehrssicherungsposten absichern.

Weblinks Facebook-Fluthelfer organisieren sich im Internet Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Kongress: Social Media: „Spontanhelfer“/unorganisierte/ungebundene Helfer Bundesministerium des Innern über Spontanhelfer

Einzelnachweise

Kategorie:Katastrophenschutz Kategorie:Hilfsorganisationen