mini|Francesco Salviati: Männliches Porträt, das lange für eine Darstellung des Eitelwolf von Stein gehalten wurde,Joseph Schmidlin: Geschichte der deutschen Nationalkirche in Rom S. Maria dell’Anima. Herder, Freiburg 1906, S. 241, nach einer Mitteilung von Friedrich Schneider; . Skeptisch Nicole Hegener: „VIVIT POST FVNERA VIRTVS“. Albrecht von Brandenburg, seine römischen Prokuratoren und Francesco Salviati in der Markgrafenkapelle von S. Maria dell’Anima. In: Michael Matheus (Hrsg.): S. Maria dell’Anima. Walter de Gruyter, Berlin / New York 2010, S. 137–213, bes. S. 160–167, die eher Johannes Lemeken (1481–1554) dargestellt sieht. Fresko, 1550, Rom, Santa Maria dell’Anima, Markgrafenkapelle mini|Unterschrift des „Eytlwolff vom Stain, Rat Hofmeisther“, 1515
Der Ritter Eitelwolf von Stein (vom Stain) zu Steinegg oder als Humanistennamen Hololycus de Lapide ( – Ganz-Wolf;„Eitel“ meint ursprünglich „rein, nichts als, nur, echt“, so noch in den Wendungen „eitel Sonnenschein“ oder „eitel Freude“. Wahrscheinlich wird damit „Wolf“ als einziger vergebener Vorname der Person hervorgehoben. – Stein) bzw. Totus Lupus de Lapide eques ( – ganz, lupus – Wolf, eques – Ritter) (* 1465/1466 in Schwaben oder im Oberelsass; † 10. Juni 1515 in Mainz) war ein deutscher Humanist und Kurfürstlicher Rat in der Markgrafschaft Brandenburg und den Erzbistümern Magdeburg und Mainz. Er war in literarisch-wissenschaftliche Netzwerke der Renaissancezeit eingebunden, hatte maßgeblichen Anteil an der Gründung der Universität Frankfurt an der Oder und war der wichtigste Förderer von Ulrich von Hutten. Eitelwolf von Stein wirkte als Diplomat für die brandenburgischen Hohenzollern und nahm als ihr Gesandter an vielen Reichstagen sowie an zwei Sitzungen des Fünften Laterankonzils teil.
Leben Eitelwolf von Stein stammte aus der Familie der Herren vom Stain zu Steinegg (Steineck) in Schwaben, nach anderen Angaben aber aus der Linie zu Uttenweiler. Sein Familienzweig gehörte nach seiner Grabinschrift im Mainzer Dom ursprünglich zum Stamm der Herren von Stain zu Klingenstein, was für die oberschwäbische Linie Uttenweiler zutrifft, während die Vorfahren der Linie Steinegg seit dem 13. Jahrhundert im Raum Fellbach lebten, aber auch noch Beziehungen nach Oberschwaben hatten und entfernt mit der Linie Klingenstein-Uttenweiler verwandt waren. Eitelwolf war ein Neffe (1495 einmal als „Vetter“ bezeichnet) des Georg von Stein († 1497) aus der Linie Uttenweiler, der unter König Matthias Corvinus in verschiedenen schlesischen Territorien und der Lausitz als Landeshauptmann bzw. Landvogt wirkte und nach dessen Tod in Brandenburg als königlicher RatSuse Andresen: In fürstlichem Auftrag Die gelehrten Räte der Kurfürsten von Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern im 15. Jahrhundert. (Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 97). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2017, passim (dokumen.pub). Zuflucht fand.Samuel Buchholtz: Versuch einer Geschichte der Churmark Brandenburg, Bd. III. Friedrich Wilhelm Birnstiel, Berlin 1767, S. 208, 244 und 325. Eitelwolf von Stein widmete seinem Onkel (avunculus)Wegen des gleichen Nachnamens kann hier nicht die engere Bedeutung „Bruder der Mutter“ vorliegen. „Georg de Lapide“ eine – heute verschollene – Schrift De laudibus heroum et virorum illustrium (= Von Lobpreis der Helden und berühmten Männer), die Johannes Trithemius bereits 1494 in einer Inkunabel erwähnte.Johannes Trithemius: Liber de Ecclesiasticis scriptoribus. Amerbach, Basel 1494, Blatt 136v.; ders.: Cathalogus illustrium viro[rum] germania[m] suis ingenijs et lucubrationibus omnifariam exornantium. s. l. [Mainz], s. n. [Friedberg] 1495. S. 73.
Ausbildung und Studium Eitelwolf von Stein war in seiner Jugend ein Schüler von Kraft Hofmann (1450–1501),Aus Udenheim (Philippsburg); der 1477Karl Adolf Schmid: Geschichte der Erziehung vom Anfang an bis auf unsere Zeit, Bd. II/2. J.G. Cotta, Stuttgart 1889, S. 144. In älterer Literatur galt 1490 als Jahr seines Dienstantritts und Todesjahr des Vorgängers Ludwig Dringenberg († 1477). Lehrer und Rektor in der elsässischen Reichsstadt Schlettstadt geworden war.Johannes Trithemius: Cathalogus illustrium viro[rum] germania[m] suis ingenijs et lucubrationibus omnifariam exornantium. s. l. [Mainz], s. n. [Friedberg] 1495. S. 73. Schon früh erhielt Eitelwolf – vermutlich vermittelt durch seinen Onkel Georg von Stain –,Franz Falk: Der Mainzer Hofmarschall Eitelwolf von Stein. In: Historisch-Politische Blätter für das katholische Deutschland 111 (1893), S. 877–894, bes. S. 885f; Paul Pfotenhauer: Schlesier auf der Universität Bologna. 1453–1500. In: Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens 29 (1895), S. 268–278, bes. S. 273f Anm. 2 (Google-Books). der seinen Einfluss auf König Matthias Corvinus geltend machte, die Pfründe des Apicius (Opitz) von Colo († 1517)Aus Guben. als Kanoniker und Domküster am Breslauer Dom.Schreiben des Bischofs Johann IV. Roth vom 6. Dezember 1488 an Kanonikus Nikolaus Merboth; Kurt Engelbert: Die Aufzeichnungen des Breslauer Domherrn Stanislaus Sauer ( † 1535 ) über die Bischöfe Rudolf von Rüdesheim und Johann Roth. Ein Beitrag zur Vorgeschichte der Reformation in Schlesien. In: Archiv für schlesische Kirchengeschichte 13 (1955), S. 82–137, bes. S. 97.Rudolf Kneschke: Georg von Stein, Versuch einer Biographie. Phil. Diss., Weida i. Th. 1913, S. 103 (Digitalarchiv Steyr [PDF; 0,9 MB]). Der Bischof von Lebus und brandenburgische Rat Liborius von Schlieben wurde beauftragt, Verhandlungen mit Apicius Kolo und Georg von Stein zu Uttenweiler, Rat des böhmischen Königs, zu führen. 1478 erhielt er die Instruktion, den Parteien die Entscheidung des Streites im Februar 1479 in Olmütz den Königen von Ungarn, Böhmen und Polen zu überlassen.Suse Andresen: In fürstlichem Auftrag. Die gelehrten Räte der Kurfürsten von Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern im 15. Jahrhundert (= Schriftenreihe der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 97). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2017, S. 521.Felix Priebatsch (Bearb.): Politische Correspondenz des Kurfürsten Albrecht Achilles, Bd. II 1475–1480 (= Publicationen aus den K. Preußischen Staatsarchiven 67). S. Hirzel, Leipzig 1894, S. 447 und viele andere (S. 734: Registereintrag; ). Im Sommersemester 1482 immatrikuliert sich „Eytelwolff de Lapide vom Stayneck“ in Leipzig.Codex diplomaticus Saxoniae Regiae. Die Matrikel der Universität Leipzig. Band 1. Leipzig 1895, S. 331, De natione Bavarorum, Nr. 135; codex.isgv.de Er trug sich zusammen mit Georg Behaim († 1521)Aus Nürnberg, Bruder von Lorenz Beheim, Jurist und Theologe, Kanoniker und Professor in Mainz, 1513–1520 Propst zu St. Lorenz in Nürnberg. in die Matrikel ein. 1489 wurden von „nobili viro d. (= dem adeligen Herrn) Eytelwolff de Lapide, canonico ac custode eccl. Wratislauien.“ bei der Einschreibung an der Universität Bologna „X grossetos“ gegeben. Dort war er Hörer des Filippo Beroaldo. Gelegentlich wurde Eitelwolf von Stein zeitgenössisch mit dem akademischen Doktor-Titel bezeichnet, von dem er selbst sagte: „rectius doctus esses – besser, du wärst gelehrt (als ein Doktor)“. Seine Familie rief ihn aus Italien zurück, ehe er sich – wie er beabsichtigte – intensiver mit dem Griechischen hatte beschäftigen können.Brief von Ulrich von Hutten an Jakob Fuchs von Wallburg vom 13. Juni 1515 aus Mainz. Die Vermutung, Eitelwolf von Stein sei auch kurze Zeit an der Universität Tübingen gewesen,Karl Joseph von Hefele, Joseph Hergenröther: Conciliengeschichte, Bd. VIII 1433-1520. Herder, Freiburg im Breisgau 1887, S. 579f Anm. 5 (Google-Books). beruht auf einer Verwechselung mit dem Namensvetter Johannes a Lapide († 1496 in Basel).
Humanistenkreise Eitelwolf von Stein galt unter den Humanisten der Renaissancezeit – trotz seines „barbarischen Vornamens“ (etsi barbarum sit nominem)Heinrich Bebel: Opusculum … de institutione puerorum, quibus Artibus, & praeceptoribus instituendi & tradendi sint. Schürer, Straßburg 1515, Bl. 15 (Digitalisat) der Bayerischen Staatsbibliothek. – als ausgezeichneter Kenner der lateinischen Sprache. Er stand bis zu seinem Tod in engem brieflichen und persönlichen Kontakt mit Conrad Celtis, Mutianus Rufus, Ulrich von Hutten, Gregor Schmerlin (Vigilantius), Helius Eobanus Hessus, Bohuslaus von Hassenstein, Johannes Rhagius, Hermann von dem Busche (Buschius), Johannes Reuchlin „Capnion“, Hermann von Neuenahr dem Älteren oder Erasmus von Rotterdam. Die antijüdischen Gegner Reuchlins im Dunkelmännerbriefe-Streit nannte er „die Läuse Capnions“ (pediculi Capnionis). 1501 gehörte Eitelwolf von Stein der von Conrad Celtis gegründeten humanistisch-wissenschaftlichen Vereinigung Sodalitas litteraria Rhenana an und beteiligte sich mit einem zweizeiligen neulateinischen Epigramm an der editio princeps von Werken der frühmittelalterlichen Dichterin Roswitha von Gandersheim. Kaiser Maximilian I. verlieh ihm die Würden eines „gekrönten Dichters“ (poeta laureatus)Melchior Adam: Itel Wolfvs de Lapide. In: Vitae Germanorum iureconsultorum et politicorum, qui superiori seculo et quod excurrit floruerunt. Jonas Rose Erben / Johannes Georg Geyder, Heidelberg 1620 S. 7–9. und eines Kaiserlichen Rates (jureconsultus). Eitelwolf von Stein war auch Ritter vom güldenen Sporn (eques auratus).Brief des Bischofs von Lebus Dietrich von Bülow an Johannes Trithemius in Berlin vom 24. Oktober 1505 aus Lebus: „miles … auratus“.
Kurfürstlich brandenburgischer Rat mini|Marmorbüsten von Albert Manthe, 1900: Johann Cicero von Brandenburg (hinten rechts), Eitelwolf von Stein (vorne links) und Busso VII. von Alvensleben (vorne rechts), Zitadelle Spandau, Dauerausstellung Enthüllt – Berlin und seine Denkmäler
Eitelwolf von Stein wurde Kurfürstlicher Rat im Dienst von Kurfürst Markgraf Johann „Cicero“ von Brandenburg und war nach dessen Tod (1499) Rat seiner gemeinsam regierenden Söhne Joachim I. „Nestor“ und Albrecht (IV.) von Brandenburg. Für den späteren Erzbischof Albrecht von Brandenburg, der beim Tod seines Vaters erst 8 Jahre alt war, nahm er auch die Funktion eines Hauslehrers (Präzeptors) wahr.Ingrid Heike Ringel: „Nunquam in aliquo studio generali seu privilegiato … studuisti“. Eine Studiendispens für Albrecht von Brandenburg. In: Friedhelm Jürgensmeier (Hrsg.): Erzbischof Albrecht von Brandenburg 1490–1545. Ein Kirchen- und Reichsfürst der Frühen Neuzeit (= Beiträge zur Mainzer Kirchengeschichte 3). Echter, Frankfurt am Main 1991, S. 37–48, bes. S. 46f.
Gesandter zu Reichstagen und Assessor des Reichskammergerichts Vom Ende März bis August nahmen „Itel Wolff vom Stein Docter“ für „Brandenburg Curfurst“ und sein Onkel (oder Vater) „Herr Markwart Herr zum Stein Lantvogt zu Mumpelgart“ für „Wirtenberg“ am Reichstag 1495 in Worms teilGeneralvollmacht für die Reichstagsverhandlungen für die Räte Graf Johann von Lindow, Sigmund von Rotenburg und Eitelwolf von Stein vom 20. April 1495 ausgestellt in Cölln an der Spree; Regesta Imperii XIV,1 n. 3376