mini|Wallfahrtskirche Maria Deutstetten in Veringenstadt. Die Pfarrei Deutstetten ist bis in das Jahr 1241 nachweisbar. Wallfahrt seit 1417. Kirchenneubau 1753. mini|Wallfahrtskirche Maria Deutstetten in Veringenstadt Maria Deutstetten bezeichnet eine römisch-katholische Wallfahrtskirche in Veringenstadt im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg. Das barocke Kirchengebäude wurde anstelle eines älteren Vorgängerbaus errichtet und im Jahr 1753 geweiht.
Name Der Name Deutstetten leitet sich von dem Althochdeutschen Wort Diet (= Volk) ab,Grimms Wörterbuch . das in germanischer Zeit den Gerichtsplatz bezeichnete. Neben dem Namen Deutstetten waren im Laufe der Jahrhunderte auch andere Namen gebräuchlich: z. B. Titstetten, Tittstetten, Tutstetten, Tylstetten, Dylstetten, Digtstetten, Dillstetten und Dulstetten.
Deutstetten bezeichnet ein sehr altes Siedlungsgebiet der Stadt Veringenstadt, das bereits seit etwa 4000 Jahren besiedelt ist und damit älter als die eigentliche Stadt ist. Im Mittelalter bezeichnete der Name gleichfalls die Wallfahrtskirche Maria Deutstetten, die in diesem Siedlungsgebiet steht. Die Pest ließ alle Bewohner in Deutstetten wegsterben („Klag über Klag – 70 in einem Grab“) und ließ die Kirche verwaist zurück. Nun sollte die alte Kirche zu Beginn des 15. Jahrhunderts abgerissen werden. Bei einem verheerenden Hochwasser am 24. Februar 1417 (1429) wurde jedoch die Stadt nicht nur vor schlimmen Schäden verschont, sondern es wurde der Überlieferung nach auch eine Holzskulptur angeschwemmt, deren Herkunft bis heute unklar ist. Seit 600 Jahren wird diese Pietà verehrt und zahlreiche Votivtafeln erzählen von wundersamen Heilungen. Seit der Gründung der Stadt Veringen bezeichnet Deutstetten auch deren Friedhof. 1974 erhielt ein neu gebauter Kindergarten in der Nähe der Wallfahrtskirche ebenfalls den Namen Deutstetten.
Geschichte mini|Ansicht der Wallfahrtskirche Maria Deutstetten mit Friedhof und angebauter Einsiedlerklause um 1880 In der Nähe der Wallfahrtskirche Deutstetten wurde am 21. April 1951 bei Grabungsarbeiten ein frühbronzezeitliches Hockergrab mit Bronzeschmuck aus der Zeit um 1800 v. Chr. freigelegt. Das mit Steinen eingefasste Grab war 150 cm lang und 50 cm breit. In dem Hockergrab lagen die Gebeine einer Frau mit angezogenen Knien, den Kopf im Westen, die Hände am Gesicht in der Haltung einer Schlafenden. Als Grabbeigaben fand man 2 Bronzespiralen und eine Reihe konisch zulaufender Bronzebecher von der Größe eines Fingerhutes, die oben durchlocht waren und wahrscheinlich als Haarschmuck getragen wurden.Hohenzollerische Heimat. Jahrgang 1951, Nr. 3, S. 48. Eine neue, umfassende Völkerverschiebung um 1200 v. Chr. bringt eine grundlegende Umwälzung aller kulturellen Verhältnisse in Mitteleuropa und im Mittelmeerraum. Völker aus dem südöstlichen Europa brachten die Leichenverbrennung mit. Die Asche der Toten wurde mit den Bronzebeigaben in großen Urnen auf Friedhöfen ohne Grabhügel beigesetzt (Urnenfelderkultur). In Deutstetten liegt ein besonders großer Urnenfelderfriedhof.Hohenzollerische Heimat. 1973, S. 27 f.
Die frühmittelalterliche Missionierung der Gegend erfolgte nach 610 durch den irischen Wandermönch und Missionar Gallus († 16. Oktober 640). (Vgl. Gallusquelle im nahen Hermentingen).
Deutstetten wird in den Jahren 1241 und 1253 urkundlich als Pfarrei erwähnt. Die Kirche ist dem hl. Erhard und der hl. Walpurga geweiht. Leutpriester ist Heinrich von Titstetten (Deutstetten)Hohenzollerische Heimat. 1976, S. 38.Württembergisches Urkundenbuch. 4, S. 282.. Mit dem Aussterben der Staufer vor 1251 kam eine harte und friedlose Zeit. Überall entbrannte der kleine Krieg – die Fehde. Mord wurde auf offener Straße verübt, vorüberziehende Wanderer wurden beraubt, blühende Dorfer, Weiler und Höfe eingeäschert und zerstört. Beleidigte ein adeliger Herr einen seiner Nachbarn, so zerstörte dieser den Leibeigenen, Zins- und Zehntleuten seines Beleidigers all ihr Hab und Gut.
Zum Schutz der Bewohner wurde die Stadt Veringen gegründet. Eine eigene Pfarrei konnte in der neuen Stadt zunächst nicht gegründet werden. (Erst 1821 wurde die Kirche in Veringenstadt zur Pfarrkirche erhoben). Für die gräflichen Dienstleute war der „Burgpfaffe“ da. Die neu hinzugekommenen Einwohner genossen ihre früheren pfarrlichen Rechte teils zu Deutstetten, teils zu Veringendorf, weshalb auch noch bis in spätere Zeiten ein Teil der oberen Stadt bis zum Marktbrunnen und die Vorstadt „Gassen“ nach Deutstetten hinaus, und die Höllgaß und Unterstadt nach Veringendorf hinab in die Pfarreien gehörten. Die Pfarrangehörigen von Deutstetten wohnen von nun an, statt in verschiedenen Höfen zerstreut, größtenteils in der Stadt Veringen, und nur noch wenige Zins- und Lehensleute bleiben noch auf ihren verschont gebliebenen Höfen zu Deutstetten.Hermann Eh: Chronik der Stadt Veringen. Band I. (Stadtarchiv Veringenstadt). Ohne Jahr.
Im Februar 1291 beugte sich Graf Heinrich von Veringen vor König Rudolf I. um seine Huld und Gnade zu erbitten. Er entsagte allen Hoheits- und anderen Rechten auf die Grafschaft Veringen und überließ diese den Söhnen des Königs, ebenso verzichtete er zu deren Gunsten auf alle Rechte an die Burg Altveringen und die dazu gehörigen Besitzungen zu Veringen, Deutstetten usw. Als der Deutstetter Kirchensatz 1292 in den Besitz der Herren von Regoczwiller kommt, wohnen wahrscheinlich schon die meisten Pfarrangehörigen dieser Kirche in Veringenstadt. Das Dörfchen Deutstetten hat nur noch fünf größere Bauern und vielleicht, ebenso viele Kleinhäusler.
Als Veringen um 1300 österreichische Besitzung wurde, bestand der Weiler Titstetten aus 4 Lehenhöfen: Stramers Gut, Jägers Lehen, Fridingers Gut und Nagelins Hof. Außerdem der Sennehof als Widdemgut.Digitalisat des Habsburger Urbars: Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Donaueschingen 691. König Albrecht von Österreich vermachte im Jahr 1300 der Gemahlin seines erstgeborenen Sohnes Rudolf, der Blanka, einer Schwester des französischen Königs Philipp IV., als Morgengabe die Vogteirechte über Deutstetten.Sebastian Locher: Regesten zur Geschichte der Grafen zu Veringen. 1872. Graf Wolfradt von Veringen gelangte 1315 in den Besitz des Vogteirechtes der Kirche zu Titstetten (Deutstetten). Im Jahr 1336 war der Kirchherr von Deutstetten auch Kirchherr von St. Peter auf der Burg Veringen.Staatsarchiv Sigmaringen; Maren Kuhn-Rehfus 1979: Findbuch – Bestand Depositum 20: Pfarrarchiv Veringenstadt 1326–1823. Band I, S. I f: Zur Geschichte der Pfarrei Veringenstadt. Graf Heinrich von Veringen verkaufte 1344 Deutstetten an den Grafen Eberhard von Württemberg.
Im Zuge der Großen Pest 1347/49 und 1371/72 starb Deutstetten zum größten Teil aus. Die Mühle und der Weiler gingen zugrunde; allein der Friedhof blieb bestehen. In der Nähe des jetzigen Friedhofs soll ein Denkstein gestanden haben, der nun in die untere Ecke der jetzigen Pfarrkirche eingemauert ist. Er habe die Inschrift getragen: „Klag über Klag, siebenzig in einem Grab“. Im Pestjahr 1349 sollen 70 Personen in einer Nacht gestorben sein.Hohenzollerische Heimat. 1953. S. 64.
In den Jahren 1348, 1356, 1374 war Ulrich von Regnoczwiller Kirchherr zu Deutstetten.Staatsarchiv Sigmaringen; Maren Kuhn-Rehfus 1979: Findbuch – Bestand Depositum 20: Pfarrarchiv Veringenstadt 1326–1823. Band I, S. I f: Zur Geschichte der Pfarrei Veringenstadt. Graf Eberhard III. von Württemberg versetzte 1399 seine Rechte an Deutstetten als Afterpfand an den Grafen Eberhard von Werdenberg. Dessen Nachkommen besitzen diese Rechte bis zum Aussterben ihres Geschlechtes mit Graf Christoph im Jahre 1534.
Die Deutstetter Kirche sollte 1417/1429 entweiht und verkauft werden. In der Nacht auf Mittwoch, den 24. Februar überraschte eine große Überschwemmung die Stadt Veringen. Dabei gelobte der Magistrat, die Deutstetter Kirche nie mehr anzutasten. Auf einem dicken Brett (einer „Dille“) wird das Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter angeschwemmt und bleibt an der unteren Kirchhofmauer hängen. Nachforschungen über deren Herkunft ergaben, dass niemand einen Anspruch auf die Pietà erhob. Bis heute ist die Herkunft der Figur ungeklärt. Die Stadt Veringen gilt als seit Menschengedenken der Pfarrkirche in Veringendorf unterstellt, deren Rektor seit 1360 Kaplaneistiftungen in der städtischen Nikolauskapelle genehmigen musste. Andererseits besaß die Pfarrei Deutstetten den städtischen Zehnt. Im Jahr 1535 erhielt das gräfliche (später fürstliche) Haus Hohenzollern Deutstetten als Manneslehen von Österreich. Junker Hans von Rechberg zu Schramberg war 1541 Zehntherr zu Dillstetten.
Am 20. Juli 1543 schlossen Georg von Rechberg und Meister Michael Möchel, Pfarrer zu Veringendorf, einen Vertrag über den Kleinzehnten der Pfarrei Dillstetten. Der Pfarrer von Veringendorf erhielt alle Kleinzehnten. Damit hörte die Pfarrei Deutstetten praktisch auf zu bestehen.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg ist von 1660 ein Überschlag über die nötigen Bauarbeiten an der Kirche zu Dillstetten überliefert: Das Dach abheben und erneuern, den vorderen Giebel ausbessern und bestechen, die Kirchenmauer 108 Schuh lang und 10 Schuh, d. h. 16 Klafter aufzumauern, beiderseits des Beinhauses was an der Umfassungsmauer faul und niederfällig auf 60 Schuh abbrechen und vom Fundament 10 Schuh hoch neu aufmauern = 10 Klafter. Die restliche Mauer neu decken, das Gesträuch und Bäume abhauen usw. Die Baupflicht oblag dem Zehntherrn Fürst Meinrad I. von Hohenzollern-Sigmaringen. Pfarrer Franz Dangel in Veringendorf erhielt 1724 die Erlaubnis den Chor der Kirche Dillstetten neu zu bauen.
Das alte Kirchlein wurde 1751 abgebrochen. Am 4. Mai 1751 wurde der Grundstein zum Neubau von Maria-Deutstetten durch Pfarrer Franz Wilhelm Haas gleich neben den Eingang gelegt. Der Aufbau war fast ausschließlich von Spenden getragen. Beim Neubau gingen viele alte Votivtafeln verloren.Thomas Fink: Materialsammlung zur Geschichte der Stadt Veringen. Band 20: Geschichte Deutstettens. 2014. Am 2. Mai 1753 wurde die neue Kirche gesegnet. Am 8. Mai wurde das Gnadenbild von der Nikolauskirche vom Thomas-Altar nach „Dillstetten“ übertragen. 6000 Menschen strömten zusammen. Sie kamen vor allem von Inneringen, Hettingen, Harthausen, Benzingen, Jungnau, Veringendorf, Egelfingen und Hochberg.
Am 5. August 1763 erfolgte die Kirchweihe durch Weihbischof Graf Fugger von Konstanz im Auftrag des Bischofs und Kardinals von Rot von Konstanz. Das alte Kirchenpatrozinium „St. Erhard und Walpurgis“ wurde in „Schmerzhafte Muttergottes“ geändert.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Deutstetten die meistbesuchte Wallfahrtskirche in Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen. Deutstetten sollte laut Mitteilung des Oberamts Sigmaringen vom 26. April 1811 wegen unzureichenden Stiftungsvermögens mit der St. Nikolaus-Kapelle zu einer Pfarrgemeinde vereinigt und zur Pfarrkirche von ganz Veringenstadt erhoben werden. Dieser Plan, bei dem die St. Nikolaus-Kirche abgebrochen werden sollte, wurde jedoch nicht umgesetzt.Adolf Rösch: Das religiöse Leben in Hohenzollern unter dem Einflusse des Wessenbergianismus. 1800 – 1850. Ein Beitrag zur Geschichte der religiösen Aufklärung in Süddeutschland. Köln 1908. Seite 97 f.
Ab 1800 wurden erneut viele Votivtafeln gestiftet. Der Orgelbauer Schefold (1796–1868) aus Biberach baute 1847 eine neue Orgel ein.Staatsarchiv Sigmaringen: Ho 86 T 1 Nr. 632. 1848–1849 wurden Baureparationen an der Wallfahrtskirche zu Deutstetten durchgeführt. Die Deutstetter Brücke wurde 1876 erneuert und Deutstetten renoviert.