Die Belagerung von Montauban fand von August bis November 1621 statt. Durchgeführt wurde sie von den königlich französischen Truppen unter dem Oberkommando von Ludwig XIII. Ihre Gegner waren die protestantischen Bürger von Montauban und die ihnen zur Verfügung stehenden Truppen.
Montauban, eine protestantische Bastion Die von Jean Calvin empfohlene Reform der Kirche fand im französischen Midi ein starkes Echo. So übernahmen in der Mitte des 16. Jahrhunderts mehrere südöstliche Zentren die reformierte Glaubensrichtung. 1561 gelangte die protestantische Elite in Montauban an die Macht und herrschte uneingeschränkt über die Stadt. Die meisten katholischen Kirchen wurden geplündert und zerstört. Lediglich die Kirche Saint-Jacques wurde zu einer protestantischen Kirche umgewandelt und überstand so die religiöse Revolution. Die Gräuel des Religionskrieges verstärkten die Gesinnung der Protestanten der Stadt, die so eine protestantische Bastion im Quercy wurde. Die umgebenden Städte und Dörfer konnten sich dem Einfluss von Montauban nicht entziehen und konvertierten ebenfalls zum Protestantismus. Bereits 1562 unternahm die katholische Partei einen erfolglosen Angriff auf die Stadt, die danach immer mehr befestigt wurde, was ihren Ruf der Uneinnehmbarkeit stetig anwachsen ließ. Der Edikt von Nantes erkannte Montauban zunächst als freie protestantische Stadt an, in der die Calvinisten ihrem Glaubensbekenntnis weiterhin nachgehen konnten. Nach dem Tod von Heinrich IV. und der Thronbesteigung von Ludwig XIII. änderte sich die politische Lage jedoch grundlegend, da der neue König die protestantischen Städte als Rebellen bezeichnete.
Der Beginn mini|hochkant=2|Feldzüge von Ludwig XIII. im Midi (1621–1622) Im Juni 1621 belagerte und eroberte Ludwig XIII. die Stadt Saint-Jean-d’Angély, ein wichtiger strategischer Punkt, von dem aus das Hinterland der wichtigen hugenottischen Festung La Rochelle kontrolliert werden konnte. Eine Belagerung von La Rochelle kam aber zu diesem Zeitpunkt nicht in Frage, da es dazu einer Kriegsflotte bedurft hätte, die Ludwig zu diesem Zeitpunkt nicht zur Verfügung stand. Stattdessen wendete er sich mit dem Gros seiner Truppen nach Süden, unterwarf Guyenne, belagerte und eroberte Clairac und zog von dort gegen Montauban.„Batailles françaises“ von Colonel Édouard Hardy de Périni volume 3 (1621–1643)
Streitkräfte Montauban wurde von Jacques Nompar de Caumont, duc de La Force kommandiert, dem seine beiden Söhne, die Maréchaux de camp Henri und Jean zur Seite standen. Die Verteidigungskräfte bestanden aus 10 Kompanien Söldner, die vorher im Erbfolgekrieg der Markgrafschaft Montferrat in Savoyen und im Achtzigjährigen Krieg in den Niederlanden gekämpft hatten. Sie standen unter dem Befehl von François de Béthune, duc d’Orval, dem jüngeren Sohn von Maximilien de Béthune, duc de Sully. Dazu kamen 30 Bürgerkompanien, die von religiösen Fanatikern wie Daniel Chamier aufgerufen worden waren. Sie betrachteten ihre Stadt als Zitadelle des Calvinismus und verließen sich außerdem auf das Versprechen von Benjamin de Rohan, duc de Soubise, der geschworen hatte, die Stadt zu beschützen. Soubise hatte zwar in den Cevennen und dem unteren Languedoc 5–6.000 Fußsoldaten und 500 berittene Musketiere, sowie eine größere Anzahl von freiwilligen Adeligen zusammengezogen, musste sich jedoch nach der Niederlage bei Clairac zunächst nach La Rochelle zurückziehen.
Die Belagerungsarmee bestand aus den gleichen Truppenteilen, die vorher Saint-Jean-d’Angély eingenommen hatten. Ausgenommen hiervon waren lediglich das „Régiment de Castel-Bayard“, zurückgelassen zur Beobachtung von La Rochelle und das „Régiment de Rambures“, das bei Bergerac lag. Vor der Stadt standen zur Verfügung: Régiment d’Arpajon 30px|class=noviewerRégiment du Bourg de Lespinasse Régiment de Bressieu Régiment de Carmain 30px|class=noviewer Régiment de Champagne Régiment de Chappes Régiment de Chastellier-Barlot Régiment d’Estissac Régiment de Fabrègues Régiment de Francon 30px|class=noviewer Régiment des Gardes françaises 30px|class=noviewer Régiment des Gardes suisses Régiment de La Douze Régiment de La Roquette Régiment de La Suze Régiment de Languedoc Régiment de Lauzières, auch Régiment de Thémines genannt Régiment de Lauzun Régiment de Lezun Régiment de Mousselins 30px|class=noviewer Régiment de Navarre 30px|class=noviewer Régiment de Normandie 30px|class=noviewer Régiment de Picardie 30px|class=noviewer Régiment de Piémont Régiment de Puyserguier Régiment de Rambures Régiment de Ryaux Régiment de Saint-Étienne Régiment de Sainte-Croix Régiment de Soyecourt Régiment de Toulouse 30px|class=noviewer Régiment de Villeroy Régiment de Vaillac Die Regimenter ohne Fahne bestanden nur bis etwa 1630, die anderen zum Teil bis in die heutige Zeit, das Régiment de Picardie besteht als Teil der Deutsch-Französischen Brigade immer noch.
Im Stab von Ludwig XIII. befanden sich: Henri de Lorraine, duc de Mayenne Charles de Lorraine, duc de Guise, Prince de Joinville der Connétable von Frankreich, Charles d’Albert, duc de Luynes der Maréchal François de Bonne, duc de Lesdiguières der Maréchal Charles de Choiseul, marquis de Praslin der Maréchal Jean-François de La Guiche der Maréchal Honoré d’Albert d’Ailly der Maréchal Pons de Lauzières, Marquis de Thémines die königliche Artillerietruppe wurde von Henri de Schomberg, Comte de Nanteuil kommandiert. die Fortifikationsarbeiten wurden von dem italienischen Ingenieur Joseph Gamorini beaufsichtigt. das Ausheben der Annäherungsgräben geschah unter dem Kommando der Capitaines der „Gardes françaises“ Fourilles und Jean de Saint-Bonnet de Toiras.
Die Belagerung mini|Der Kern der Hugenottenrevolte im Département Tarn und an der Garonne (1621–1628) mini|Die Befestigungen von Montauban zur Zeit der Belagerung mini|Die Kirche Saint-Jacques, letztes Überbleibsel der mittelalterlichen Kirchengebäude. Im Bauwerk sind noch die Einschläge der Kugeln der Belagerungsgeschütze zu sehen.
Der Maréchal de Lesdiguières riet dem König zur klassischen Belagerung mit dem Einschließungsring um die Werke und Bastionen nach dem Muster der Belagerung von Amiens 1597.
Der Connétable de Luynes beabsichtigte, die Belagerung in den drei regelkonformen Schritten durchzuführen: ein stetiger Beschuss durch die Artillerie, gleichzeitig das Anlegen der Annäherungsgräben gegen die Mauern und letztendlich der eigentliche Angriff durch die Infanterie.
Am 17. August 1621 nahmen der König, der Connétable de France Charles d’Albert Herzog von Luynes und der Stab etwa 10 KilometerLuftlinie nördlich von Montauban Generalquartier im Château de Piquecos, von wo aus die Belagerung kommandiert wurde. Es waren 25.000 Mann aufmarschiert, die Belagerungsartillerie bestand zunächst aus 38 Kanonen. Dem setzten die Verteidiger 6.000 Mann mit 40 Kanonen und 32 Feldschlangen (Couleuvrines) entgegen. Von dem höhergelegenen Schloss aus konnte der 20-jährige König die Vorkommnisse der Belagerung gut verfolgen. Die umliegenden Dörfer waren eingenommen, die Belagerung konnte beginnen, wobei die Angreifer nicht davon ausgingen, dass es eine leichte Sache werden würde.
Der Herzog de Luynes wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass die Ernte diesen Sommer gut gewesen und alles Vieh in die Stadt verbracht worden war. Die Protestanten waren also gut ausgestattet.
Am Morgen des 17. August sahen die Posten auf den Wällen die ersten Soldaten aus dem Dorf Loubejac auftauchen. Die protestantischen Montaubaner, kommandiert von François de Béthune, Alexander Du Puy Saint-André-Montbrun und Jacques Nompar de Caumont, aufgestachelt von religiösen Eiferern wie Daniel Chamier und anderen, waren bereit, ihre Stadt bis zum Äußersten zu verteidigen.
Täglich munterten die dreizehn Pastoren der Stadt die Truppen auf und erklärten alles Außergewöhnliche als ein Zeichen Gottes, so einen Regenbogen nach einem vergeblichen Sturm der Belagerer, oder auch zwei Kanonenkugeln, abgefeuert aus gegenüberliegenden Stellungen, die in der Luft zusammenstießen.
Le Bret, ein Stadtschreiber, erwähnte auch die Frauen, die eine aktive Rolle bei der Abwehr der Angriffe gespielt hätten, so ein junges Mädchen, das einem Angreifer zwei Finger abgeschnitten habe, nachdem er auf einer Leiter an der Mauerkrone auftauchte oder Guillaumette de Gasc, die, nachdem sie zwei feindliche Offiziere mit einer Pike getötet hatte, von einer Musketenkugel tödlich verwundet wurde.
Der Angriff Unverzüglich wurden drei Angriffskolonnen und eine Kavalleriekolonne aufgestellt: Hornwerk Montmurat nordwestlich am rechten Flussufer Kolonne der Garden unter dem Kommando von Charles d’Albert, unterstützt von Charles de Choiseul-Praslin, Honoré d’Albert d’Ailly und François de Bassompierre (Colonel général der Schweizergarde), mit Schwerpunkt auf das Hornwerk von Montmurat und das von Saint-Antoine. Angeführt wurde die Kolonne vom Régiment des Gardes françaises und dem Régiment des Gardes Suisses, verstärkt durch das Régiment de Piémont, das Régiment de Normandie, das Régiment de Chappes und das Régiment d’Estissac Bastion Moustier südöstlich am rechten Flussufer Die zweite Kolonne wurde von Charles de Guise, Prince de Joinville kommandiert, dem Jean-François de La Guiche Saint-Géran zur Seite stand. Der Angriff zielte auf die Vorstadtbastion „Moustier“ im Südosten der Stadt. Ausgeführt wurden die Angriffe vom Régiment de Picardie, dem Régiment de Champagne, dem Régiment de Navarre, dem Régiment de Villeroyauch genannt: Régiment de Bury und dem Régiment de Vaillac Brückenkopf Ville-Bourbon am linken Flussufer Die dritte Kolonne wurde von Henri Duc de Mayenne, unterstützt von Pons de Lauzières-Thémines kommandiert und war auf die Befestigungen am Vorort von Ville-Bourbonauch genannt: Villebourbon angesetzt. Die Kolonne bestand aus dem Régiment de Languedoc, dem Régiment de Rambures (aus Bergerac angekommen), dem Régiment de Saint-Étienne und dem Régiment de Lauzières
Die 3.000 Reiter starke Kavallerie unter dem Befehl von Charles duc d’Angoulême hatte die Aufgabe, die Infanterie im Bedarfsfalle zu unterstützen, sowie die Belagerung abzusichern. Sie lag in der Umgebung von Saint-Antonin-Noble-Val
Noch bevor das Anlegen der Parallelgräben Fortschritte machte, unternahmen die Belagerten am 22. August einen massiven Ausfall, kommandiert von Capitaine Béarnais Mazères comte de BourgfrancMazères de Bourgfranc auf wikisource (französisch), der sich gegen das Lager des Connétable de Luynes richtete. Der Ausfall konnte vom Regiment Piémont zurückgeschlagen werden, das dabei eine große Zahl Männer und Offiziere verlor.
Es wurden je eine Batterie zu acht und eine zu vier Geschützen installiert, um Breschen in die Wälle zu schießen.
Alle Versuche der Erstürmung erwiesen sich angesichts der festen Mauern und der aufgeputschten Verteidiger ebenso als unnütz wie als Verschwendung menschlichen Lebens.
Das Régiment de Picardie stürmte am 27. August ohne Erfolg gegen die Bastion „Moustier“, dabei 600 Gefallene auf der Contrescarpe zurücklassend.
1. September: Die Belagerungsartillerie, inzwischen 45 Geschütze stark, begann mit der systematischen Beschießung der Stadt. Durch einen Funken explodierten zu nahe gelagerte Pulverfässer, dabei wurden etwa 40 Soldaten und ein Offizier getötet. 4. September: Ein Angriff gegen die Vorstadt Villebourbonlinks des Tarn musste mit 400 Gefallenen, darunter der Marquis de Thémines, bezahlt werden. Am gleichen Tag erreichte der César de Bourbon, duc de Vendôme mit einer Anzahl bretonischer Adeliger, und drei Kompanien Kavallerie die Belagerungsarmee. 16. September: Henri de Lorraine, duc de Mayenne wurde in einem der Gräben von einer Musketenkugel im Auge getroffen und getötet.