MissionRespekt (ChZ) – Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt. Empfehlungen für einen Verhaltenskodex/Verhaltensempfehlungen„Der englische Titel ‚Christian Witness in a Multi-Religious World. Recommendations for Conduct‘ wurde in der offiziellen Übersetzung wiedergegeben mit ‚Das Christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt. Empfehlungen für einen Verhaltenskodex.‘ Wir [die Herausgeber der Studienausgabe zum Kongress MissionRespekt] sind der Auffassung, dass ‚Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt. Verhaltensempfehlungen‘ ohne bestimmten Artikel dem englischen Original besser entspricht.“ (Studienausgabe zum ökumenischen Dokument: „Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ (ChZ), 5.) wurde 2011 vom Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog (PCID), der World Evangelical Alliance (WEA) und dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) gemeinsam veröffentlicht.

An der Entstehung arbeiteten Vertreter der christlichen Kirchen weltweit mit. Ausgearbeitet wurde das Dokument im Zeitraum 2006 bis 2011, es gilt vor allem wegen der ökumenischen Beteiligung als Beitrag für die Missionstheologie und als Schritt für ein Miteinander in der Mission. Beteiligt waren der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), die World Evangelical Alliance (WEA) sowie der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog. Dadurch sind viele christliche Gemeinschaften in den Prozess eingebunden, denn in den genannten Dachverbänden sind verschiedene christliche Gemeinschaften vertreten, z. B. Mennoniten, Methodisten, Orthodoxe, Katholiken, Evangelisch-Lutherische sowie Evangelisch-Reformierte. Nach der Fertigstellung folgt die Rezeption in den verschiedenen Ländern. Dazu fordert ChZ auch ganz konkret auf, so bereits in der Einleitung zu den Empfehlung und in der ersten der sechs Empfehlungen: „Wir empfehlen unseren Kirchen, nationalen und regionalen konfessionellen Zusammenschlüssen und Missionsorganisationen, insbesondere denjenigen, die in einem interreligiösen Kontext arbeiten, dass sie: 1. die in diesem Dokument dargelegten Themen studieren und gegebenenfalls Verhaltensrichtlinien für das christliche Zeugnis formulieren, die ihrem spezifischen Kontext angemessen sind. […]“.Studienausgabe ChZ, 1. Empfehlung, 17.

Zusammenfassung Das Dokument Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt ist nach vier Aspekten gegliedert. Das Dokument ist allgemein gehalten, es enthält keine festgeschriebenen Vorschriften, sondern ist darauf ausgelegt, Anregungen zu geben, welche der jeweiligen Situation vor Ort entsprechend adaptiert werden können. Bei diesem Lernprozess soll das Dokument ChZ eine Orientierung bieten.Einladungsflyer zum Kongress MissionRespekt, abgerufen am 17. September 2014

Präambel Einleitend werden der Entstehungsprozess von 2006 bis 2011 beschrieben sowie die beteiligten Organisationen und Dachverbände genannt. Weiterhin wird die Grundintention erläutert und das Ziel von ChZ formuliert, nämlich, dass „dieses Dokument […] keine theologische Erklärung zur Mission darstellen [soll], sondern […] die Absicht [verfolgt], sich mit praktischen Fragen auseinanderzusetzen, die sich für das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt ergeben.“Studienausgabe ChZ, Präambel, 5. Man will vor allem erreichen, dass über das Thema der Mission kontrovers diskutiert wird.

Grundlagen Im zweiten Abschnitt des Dokumentes wird in sieben Schritten das grundlegende christliche Verständnis erläutert. Alles Zeugnis-Geben basiert auf der Bibel: Hieraus ergeben sich der Auftrag zur Mission (vgl. ), aber auch Anhaltspunkte für die Art und Weise des Vorgehens (vgl. ). Die biblischen Vorbilder und Erzählungen werden in diesem Teil des Dokumentes auf unsere heutige Situation übertragen, wobei jedoch keine konkreten Handlungsanweisungen gegeben werden.

Im siebten Punkt wird das Wirken des Heiligen Geistes betont. So wird deutlich, „dass es zwar ihre [der Christen/innen] Verantwortung ist, von Christus Zeugnis abzulegen, dass die Bekehrung dabei jedoch letztendlich das Werk des Heiligen Geistes ist (vgl. ; ).“Studienausgabe ChZ, 7. Grundlage, 10.

Prinzipien In den zwölf Prinzipien werden die Liebe und Jesu als Vorbild in seiner Handlungsweise als Leitfaden im Christentum hervorgehoben. In den einzelnen Prinzipien werden die verschiedenen Aspekte eines christlichen Handelns in Liebe erläutert. Beispielsweise, dass dies einen respektvollen Umgang mit allen Menschen bedeutet und Gewaltanwendung keine Option ist: „Christen/innen sind aufgerufen, in ihrem Zeugnis alle Formen von Gewalt und Machtmissbrauch abzulehnen, auch deren psychologische und soziale Formen.“Studienausgabe ChZ, 6. Prinzip, 13.

Empfehlungen In den sechs Empfehlungen werden praktische Anregungen gegeben, wie die zuvor genannten christlichen Werte und Forderungen umgesetzt werden können und wie jeder einzelne bzw. die Gemeinden gemeinsam dazu beitragen können. „Sie sind keine förmliche theologische Erklärung, auch wenn sie durch und durch theologisch sind. Sie sind vor allem ein Werkzeug, um die Reflexion über verschiedene bekehrungsbezogene Themen anzuregen und zu ermöglichen.“John Baxter-Brown: Ein Verhaltenskodex für Bekehrung: Die Methode muss die Botschaft widerspiegeln. In: Lebensgeschichten – Glaubenswege: Ein Lese- und Arbeitsheft für Gemeinden. Materialheft 7, Hamburg 2011, abgerufen am 2. August 2014, 40–42, 42.

Es wird betont, dass der Dialog und Kontakt mit Gläubigen anderer Religionen wichtig sind. Dabei sollte es zu keinerlei proselytischen Bekehrungsversuchen kommen. Das bedeutet jedoch nicht, dass man seine eigene christliche Identität verschweigen soll. Im Gegenteil, christliche Gläubige sollen ermutigt werden „ihren Glauben zu stärken und dabei gleichzeitig ihr Wissen über andere Religionen und deren Verständnis zu vertiefen, und zwar aus der Sicht von Angehörigen dieser Religionen.“Studienausgabe ChZ, 3. Empfehlung, 18.

In der fünften Empfehlung wird der Bogen zur Politik geschlagen, denn nicht nur im interreligiösen Bereich kommt es zu Bedrängungen aufgrund von religiösen Bekenntnissen. Entsprechend fordert das Dokument Christen auf, „ihre Regierungen dazu aufzurufen, sicherzustellen, dass Religionsfreiheit angemessen und umfassend respektiert wird, in dem Bewusstsein, dass in vielen Ländern religiöse Einrichtungen und Einzelpersonen daran gehindert werden, ihre Mission auszuführen.“Studienausgabe ChZ, 5. Empfehlung, 19.

Entstehungsgeschichte Gründe – Problemstellung Immer wieder werden Menschen wegen ihrer Religionszugehörigkeit diskriminiert, benachteiligt oder verfolgt. Das Dokument soll ein klares Zeichen für Religionsfreiheit sein, das jedoch keinen Katalog von Forderungen darstellt, wie andere mit Christen respektvoll umzugehen haben, sondern es geht um ein respektvolles christliches Missionsverständnis. Nicht nur in der fernen Vergangenheit, sondern bis heute kommt es auch innerhalb von christlichen Gemeinschaften zu einer zu engagierten Missionstätigkeit. Daher formuliert das Dokument Grundsätze für ein respektvolles innerchristliches Miteinander ohne Proselytismus – interkonfessionell wie interreligiös.Vgl. André Gerth: Konfliktfeld Konversion. In: Missio Korrespondenz. 2011. 3, 9–10, 9.

Die Thematik des Missionierens beschäftigt Religionsangehörige schon lange. Daher war es wichtig, Standards im christlichen Miteinander zu besprechen und so hoffentlich Vorbild zu sein für Religionsangehörige, die versuchen mit allen Mitteln neue Glaubensmitglieder für sich zu gewinnen.

Die Genese Maßgeblich beteiligt waren der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog (PCID) und die World Evangelical Alliance (WEA). Durch deren Beteiligung stehen hinter dem Dokument „etwa 98 Prozent der Weltchristenheit“.Veronika Buter: Ethisch sauber missionieren. In: Kontinente. 2010. 1, 30–31, 30. Dabei ist zu beachten, dass die WEA ab dem zweiten Treffen in den Konsultationsprozess eingestiegen ist.Vgl. Christoph Anders: In weltweiten Horizont: Mission weiter denken!, Vortrag auf dem „Fachtag Mission“, 2013, 11.

Beim ersten Konsultationstreffen waren auch Vertreter anderer Religionen beteiligt. Während dieses Treffens reifte die Einsicht, dass zunächst die christlichen Kirchen untereinander eine Richtlinie brauchen, bevor sie in den religiösen Dialog über Mission einsteigen können.Vgl. Studienausgabe ChZ, Vorgeschichte des Dokumentes, 30. Daher entschied man sich, den Prozess vorläufig auf innerchristlicher Ebene fortzusetzen. Dies ist jedoch keineswegs als Scheitern anzusehen, denn es war für den weiteren Prozess wichtig, dass Repräsentanten anderer Religionen bei dem ersten Treffen in Lariano vertreten waren, denn so konnten christliche Vertreter die Perspektive anderer Religionen authentisch kennenlernen.Vgl. John Baxter-Brown: Ein Verhaltenskodex für Bekehrung. Die Methode muss die Botschaft widerspiegeln. In: Lebensgeschichten – Glaubenswege, 40–42, 40.

Nach dem ersten Treffen trafen sich Vertreter der beteiligten Organisationen und Dachverbände noch zu zwei weiteren Konsultationen, so dass es in den Jahren 2006 bis 2011 insgesamt drei Treffen gab. Diese fanden in Lariano (Italien, 2006), Toulouse (Frankreich, 2007) und Bangkok (Thailand, 2011) statt. Ebenfalls im Jahr 2011 wurde das Dokument in Genf vorgestellt.Vgl. Bonner Querschnitte, Heute schreiben wir Geschichte, in: BQ 172 (2011) 18, abgerufen am 13. Januar 2026.

Offizielle Annahmen Durch die Mitarbeit und Beteiligung der WEA, des ÖRK und des PCID ist eine „Bandbreite von protestantischen und orthodoxen Kirchen, für Kirchen und Missionsorganisationen, darunter solche mit einem evangelikalen Hintergrund, und für die Römisch-katholische Kirche“,Studienausgabe ChZ, Zum Umgang mit dem ökumenischen Dokument, 24. es ist also die weltweite Ökumene in die Annahme des Dokumentes eingebunden. Der ÖRK hat auf seiner Vollversammlung in Busan 2013 das Dokument zusätzlich noch vorgestellt und angenommen. Auch von Seiten des Vatikans gilt ChZ als offizielles Dokument.Allerdings ist zu beachten, dass es kein Kodex im Sinne des römisch-katholischen Kirchenrechtes ist. Dies könnte die oft verwendete Bezeichnung des Dokumentes als „Verhaltenskodex“ implizieren. Vgl. dazu auch Fußnote 1.

Rezeption Eine wesentliche Phase des Dokumentes begann erst nach der öffentlichen Vorstellung 2011 in Genf. Wichtig ist die Rezeption, einerseits auf internationaler Ebene in den verschiedenen Ländern, andererseits auf kirchlicher Ebene in den zahlreichen christlichen Kirchen und Verbänden. Interessanterweise zeichnet sich bislang auch eine Wahrnehmung und Nutzung des Dokumentes im akademischen Bereich ab.

In Deutschland Rezeption

Auch in Deutschland wird das Missionsdokument wahrgenommen, durch die Kirchen positiv gewürdigt und weiter getragen. Um den Rezeptionsprozess zu verstärken, hatten die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und die Evangelische Allianz in Deutschland (EAD) für den 27./28. August 2014 zum Kongress MissionRespekt nach Berlin eingeladen.Vgl. Website des Kongresses „MissionRespekt“, abgerufen am 17. September 2014.

Kongress MissionRespekt

Dem Geist des Missionsdokumentes entsprechend, lautet der Name des Kongresses „MissionRespekt“. Zahlreiche Referenten und Vertreter verschiedener christlicher Kirchen und aus unterschiedlichen Ländern kamen nach Berlin, um in einen regen Austausch über Erfahrungen aus der Arbeit mit dem internationalen, ökumenischen Missionsdokument zu treten. So wirkt ChZ einerseits auf der internationalen Ebene in die Länder, von dort aber auch wieder zurück auf die internationale Ebene.