mini|hochkant|Mathias von Gersdorff, 2019
Mathias von Gersdorff (* 21. September 1964 in Santiago de Chile) ist ein deutscher Diplom-Volkswirt und stammt vom ehemals uradligen Geschlecht Gero von Gersdorff ab. Er leitet das deutsche Büro der traditionalistischen Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und PrivateigentumImpressum der Deutschen Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum e. V., Bad Homburg vor der Höhe. und tritt in der Öffentlichkeit als Publizist und Aktivist der Lebensrechtsbewegung in Erscheinung. Wie seine Organisation vertritt er einen „gegenrevolutionären“ Antiliberalismus und setzt sich unter anderem für enge Sexualmoral, gegen Abtreibung, gleichgeschlechtliche Ehe und Öffnung der Kirche für Homosexuelle ein.
Werdegang und Aktivitäten Gersdorff studierte Wirtschaftswissenschaften und erlangte 1989 in Bonn seinen Abschluss als Diplom-Volkswirt. Er arbeitete mehrere Jahre als Banker in London und Frankfurt am Main. (engl., WCF). Daneben veröffentlicht er Bücher und Broschüren und publiziert Artikel weltanschaulichen und kirchenpolitischen Inhalts, unter anderem bei der rechtskonservativen Zeitschrift Junge FreiheitChristopher Fritzsche, Juliane Lang: Die GegnerInnenschaft zur Ehe für alle: ein autoritär-regressives politisches Projekt? In: Annette Henninger, Ursula Birsl (Hrsg.): Antifeminismen. >Krisen<-Diskurse mit gesellschaftsspaltendem Potential? Transcript, Bielefeld 2020, S. 265–307, hier S. 295Robert Wagner: Deutsche Vereinigung für eine christliche Kultur e. V. (DVCK e. V.) Belltower.News, 9. Oktober 2018 oder den Internetportalen kreuz.net und kath.net. kreuz.net vom 23. August 2006, im Internet ArchiveArtikel im Linzer Internetmagazin Kath.net: Journalist: 'Kolossales Scheitern des deutschen Episkopats' (29. April 2015); Deutsche Bischofskonferenz erledigt das, was Napoleon nicht geschafft (6. Mai 2015); Deutsche Bischofskonferenz erfindet eigenen Familienbegriff (24. Juni 2015), abgerufen am 26. Juni 2015. Außerdem schreibt er für Blogs wie Charismatismus, Treff-Am-Kreuz, Abgeordneten-Check und FreieWelt.net.Beiträge Gersdorffs im Blognetzwerk Christliches Forum von Felizitas Küble, aufgerufen am 30. Juni 2015.
TFP und DVCK Gersdorff ist langjähriger AktivistHumanistischer Pressedienst vom 4. Februar 2015: Klerikal-aristokratische Vernetzung in der "Alternative für Deutschland" (AfD), abgerufen am 26. Juni 2015. und seit 2008Zuvor war er Vorsitzender der „Vereinigung Österreichische Jugend für eine Christlich-kulturelle Gemeinsamkeit innerhalb des Deutschsprachigen Raumes“, der Jugendabteilung der österreichischen Sektion der TFP (, Seite 9). Direktor der deutschen Sektion der Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum (TFP),Andreas Kemper: Keimzelle der Nation – Teil 2. Hrsg. vom Forum Politik und Gesellschaft der Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin 2014, S. 19–22 („2.1.2 Amerikanische Aktivitäten in Europa“). einer 1960 von dem Brasilianer Plinio Corrêa de Oliveira gegründeten Vereinigung, die sich weltweit „dem Kommunismus und den katholischen Linken […] entgegenstellen“Kurzbiografie des TFP-Gründers (Quelle: TFP-Projektseite www.der-adel.info): Plinio Corrêa de Oliveira: Ein Mann des Glaubens, ein Mann der Tat und ein Philosoph, abgerufen am 1. Juli 2015. und die Befreiungstheologie in der katholischen Kirche bekämpfen soll und nach den Worten des Gründers für eine „sakrale, antiegalitäre und antiliberale christliche Kultur“Zitat aus dem Gründungsmanifest Revolution und Gegenrevolution (1959) von Corrêa de Oliveira auf der Website der österreichischen Sektion der TFP, abgerufen am 26. Juni 2015. eintritt, die als „gegenrevolutionär“ charakterisiert wird. Die TFP wird von der Politiksoziologin und Rechtsextremismusforscherin Karin Priester als rechtsextreme Sekte eingeordnet;Karin Priester: In: Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte 2009, Heft 3 (März 2009), S. 12–16 (hier: S. 15). eine Selbstbeschreibung als „überparteilicher Verein“ findet sich auf der Seite der von Gersdorff geleiteten TFP-Aktion „Das Herz Jesu Apostolat für die Zukunft der Familie“.Das Herz Jesu Apostolat – für die Zukunft der Familie, abgerufen am 30. Juni 2015. Seit 1993 ist Mathias von Gersdorff Koordinator der angeschlossenen Deutschen Vereinigung für eine christliche Kultur (DVCK), Seite 3. und leitet hier die so benannten Aktionen „Kinder in Gefahr“ (KiG), die sich vor allem gegen die Jugendzeitschrift Bravo richtet,TAZ vom 17. März 2009: Das nackte Grauen, abgerufen am 22. Oktober 2014; Münchner Tageszeitung tz vom 22. April 2014: Strenge Katholiken wollen Bravo verbieten, abgerufen am 26. Juni 2015. und „SOS Leben“.Kath.net vom 7. Oktober 2014: 'Damit retten wir Kinder …' CDU-Generalsekretär Tauber antwortet der „Aktion SOS Leben“, abgerufen am 26. Juni 2015.
Abtreibungsgegnerschaft und christlich-fundamentalistische Netzwerkarbeit Mathias von Gersdorff ist seit 1990 in der deutschen Lebensrechtsbewegung aktiv und tritt auf Veranstaltungen und in Veröffentlichungen gegen Abtreibung, Pornografie, gleichgeschlechtliche Ehe und Blasphemie sowie gegen die „Gender-Ideologie“ ein.Buchvorstellung vom 15. März 2015: Die Gender-Ideologie ist „blanker Fanatismus“ (Internetmagazin Idea vom 15. März 2015), abgerufen am 30. Juni 2015; Leipziger Buchmesse: Buch der Aktion „Kinder in Gefahr“ gegen Gender vorgestellt (Mitteilungsblatt der Aktion „Kinder in Gefahr“ vom 17. März 2015), abgerufen am 1. Juli 2015. Er nahm an „Märschen für das Leben“ teil und unterstützt das zum Netzwerk der AfD-Politikerin Beatrix von Storch und des Ehepaares Klaus und Birgit Kelle gehörende Aktionsbündnis „Demo für Alle“ im Kampf gegen den baden-württembergischen Bildungsplan 2015,Im Deutschlandfunk wurde er als Vertreter von Kinder in Gefahr bei den Protesten in Stuttgart gegen den Bildungsplan bezeichnet (Bericht vom 3. März 2014: Baden-württembergischer Bildungsplan: Kompromissbereitschaft klingt anders, abgerufen am 26. Juni 2015). Das Schwulenportal Queer.de bezeichnete ihn als einen der „zentralen Sprecher der Proteste“ gegen den Bildungsplan 2015 (Bericht vom 3. April 2014: Beatrix von Storch zum Bildungsplan: Widerstand ist Pflicht, abgerufen am 28. Oktober 2014). unter anderem auch als Redner bei Kundgebungen.Stuttgarter Zeitung vom 5. März 2014: Bildungsplan spaltet CDU-Parteispitze, abgerufen am 26. Juni 2015. 2013 trat Gersdorff als geladener Redner auf dem World Congress of Families (WCF) in Sydney auf, einem christlich-fundamentalistischen Netzwerk evangelikaler Prägung aus den Vereinigten Staaten, das nach Einschätzung der Friedrich-Ebert-Stiftung ähnliche familien- und gesellschaftspolitische Ziele wie die aus Lateinamerika stammende TFP auf katholischer Seite verfolgt.
In dem Buch »Deutschland treibt sich ab«Eike Sanders, Ulli Jentsch, Felix Hansen vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin (apabiz e. V.): »Deutschland treibt sich ab.« Organisierter „Lebensschutz“, christlicher Fundamentalismus und Antifeminismus. Münster, August 2014 (, abgerufen am 26. Juni 2015). wird Mathias von Gersdorff aus Sicht des apabiz folgendermaßen beschrieben: „Vor allem der Adelige von Gersdorff, der Leiter der Aktion KiG, beteiligt sich mit scharfen Formulierungen an Debatten um Abtreibung, PID, Gender Mainstreaming oder sexuelle Früherziehung. Er war bereits Autor bei den Christdemokraten für das Leben, an deren Bundesmitgliederversammlungen die DVCK teilweise teilnahm und der Jungen Freiheit sowie Referent bei der extrem rechten Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft e. V. Die Aktion KiG ist Teil der Proteste gegen den Bildungsplan 2015 in Baden-Württemberg.“
Innerkirchliche Aktivitäten Regelmäßig nimmt von Gersdorff Stellung zu innerkirchlichen Debatten hinsichtlich Ehe, Familie und Sexualmoral und positionierte sich im Kontext der römischen Bischofssynode über die Familie in den Jahren 2014 und 2015 ablehnend gegenüber Liberalisierungstendenzen in katholischen Laiengremien und im Episkopat. Scharf kritisierte von Gersdorff auch die von der Deutschen Bischofskonferenz empfohlene Reform des kirchlichen Arbeitsrechts im Jahr 2015.LifeSiteNews.com vom 6. Mai 2015: Germany’s bishops vote to allow Church employees to publicly defy Catholic teaching, abgerufen am 26. Juni 2015. Zu diesen Themen wird er auch in befreundeten internationalen Medien als „prominenter deutscher Kirchenbeobachter“ zitiertSo Edward Pentin am 15. Mai 2015 im National Catholic Register (“Prominent German Church commentator Mathias von Gersdorff”; in: , abgerufen am 26. Juni 2015). und interviewt.Interview mit Mathias von Gersdorff vom 2. Juni 2015 auf dem Lebensschutzportal LifeSiteNews.com: Understanding the kerfuffle in the German Catholic Church – interview with Mathias von Gersdorff, abgerufen am 26. Juni 2015. Gersdorff ist Mitorganisator einer von TFP-nahen Kreisen initiierten Online-Petition an den Papst („Ergebene Bitte an Seine Heiligkeit Papst Franziskus über die Zukunft der Familie“), die er als „eine Gegenreaktion auf die Versuche aus dem Linkskatholizismus, also von Organisationen wie Wir sind Kirche, linken Theologen und auch von manchen Bischöfen, die katholische Lehre zu schleifen, zu liberalisieren“,Interview mit Mathias von Gersdorff vom 11. Mai 2015 in der Blogzeitung FreieWelt.net, abgerufen am 1. Juli 2015. versteht und die nach eigenen Angaben von sieben Kardinälen und etwa 140 Bischöfen weltweit unterzeichnet wurde.Vgl. (Abruf vom 17. November 2015).Asia News: A filial appeal from Manila to the pope to stand by marriage Der Papst wird darin ersucht, die „Zulassung von geschiedenen und wieder verheirateten Katholiken zur heiligen Kommunion“ und jede Form „homosexueller Partnerschaften“ klar zu verurteilen..
Für seine 2015 im Verlag der Abtei Mariawald veröffentlichte Biografie von Plinio Corrêa de Oliveira erhielt Mathias von Gersdorff Würdigungen verschiedener kirchlicher Würdenträger aus seinem kirchenpolitischen Umfeld (u. a. die Kardinäle Raymond Burke, Walter Brandmüller und Paul Josef Cordes, Erzbischof Wolfgang Haas, Weihbischof Athanasius Schneider und Georg May)., abgerufen am 1. Juli 2015.
Schriften (Auswahl) Die sexuelle Revolution erreicht die Kinder. DVCK, Frankfurt am Main 2005. 138 S. ISBN 978-83-88739-26-2 Christenhass im Visier. Christophobie, Religionskampf und Blasphemie in den Medien. DVCK, Frankfurt am Main 2010. 150 S. Der Kampf ums Leben. Aktion „SOS-Leben“ der DVCK, Frankfurt am Main 2012. 156 S.: Der Kampf ums Leben. Alarm um die Kinder. Aktion „Kinder in Gefahr“ der DVCK, Frankfurt am Main 2013. 129 S. Plinio Corrêa de Oliveira und die Gegenrevolution. In: Daniel Führing (Hrsg.): Gegen die Krise der Zeit: Konservative Denker im Portrait. Graz 2013, ISBN 978-3-902732-21-7. Intoleranz gegen Christen in Europa. In: Gerhard Stumpf (Hrsg.): Die katholische Kirche auf dem Weg durch die Zeit. Landsberg am Lech 2014, ISBN 978-3-9814138-2-3. Als Hrsg.: Ehe und Familie im Sperrfeuer revolutionärer Angriffe. Mit Beiträgen von: Plinio Corrêa de Oliveira, Murillo Galliez, Felizitas Küble und Christa Meves. DVCK, Frankfurt am Main 2014. 163 Seiten. Begegnung mit Plinio Corrêa de Oliveira: Katholischer Streiter in stürmischer Zeit. Patrimonium-Verlag, Heimbach 2015. ISBN 978-3-86417-033-1 (Biografie des TFP-Gründers). Gender: Was steckt dahinter? Media Maria, Illertissen 2015. ISBN 978-3-945401-14-9
Genealogie Gottfried Graf Finck von Finckenstein, Christoph Franke, u. a.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 2007. Band XXIX, Band 142 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 2007, S. 139 f.
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Einzelnachweise
Mathias Kategorie:Publizist Kategorie:Person (Katholischer Traditionalismus) Kategorie:Lebensrechtsaktivist Kategorie:Chilene Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1964 Kategorie:Mann