Der Waschberg ist ein 388 m ü. A. hoher Berg in den Gemeinden Leitzersdorf und Niederhollabrunn im Bezirk Korneuburg in Niederösterreich. Der östlich anschließende bewaldete Kamm erreicht rund 395 Meter. Der Berg ist Namensgeber der Waschbergzone und des Waschbergkalks. In seinem Gipfelbereich befindet sich ein national bedeutender Halbtrockenrasen. Der Waschberg gehört zum Natura-2000-Europaschutzgebiet „Weinviertler Klippenzone“ und beherbergt eine Kolonie des in Österreich stark gefährdeten Ziesels. Vom 13. bis zum 21. Oktober 1923 fand am Waschberg die „Erste Internationale Österreichische Segelflug-Woche“ statt.

Lage und Topografie Der Waschberg erstreckt sich über die Gemeinden Leitzersdorf und Niederhollabrunn. Der in der amtlichen topografischen Karte als „Waschberg“ bezeichnete Gipfel liegt auf 388 m ü. A.; dort befinden sich der offene Gipfelbereich mit Aussichtspunkt und Gipfelkreuz. Im östlich anschließenden bewaldeten Kamm erreicht das Gelände innerhalb der Gemeinde Leitzersdorf rund 395 Meter. Die beiden Höhenangaben beziehen sich somit auf unterschiedliche Geländepunkte: 388 Meter auf den kartografisch benannten Gipfel und rund 395 Meter auf den höheren Geländepunkt im benachbarten Wald.

Geologie Die Waschbergzone ist eine eigenständige geologische Einheit zwischen der Molassezone des westlichen Weinviertels und dem Wiener Becken im Osten. Sie verläuft vom Waschberg in nordnordöstlicher Richtung über den Michelberg, die Leiser Berge, die Staatzer Klippe und die Klippen von Falkenstein bis zu den Pollauer Bergen in Südmähren. Die heute sichtbaren Erhebungen bestehen aus harten Gesteinskernen, die von weicheren Mergeln und Tonen umgeben waren. Durch die stärkere Abtragung dieser weicheren Klippenhülle wurden die widerstandsfähigeren Gesteinskerne als markante Landschaftselemente freigelegt.Thomas Hofmann, Holger Gebhardt: Eine geologische Annäherung: Die Waschbergzone als Element des Weinviertels. In: Julia Kelemen-Finan, Manuel Denner, Monika Kriechbaum, Ulrich Straka (Red.): Natur am Waschberg. Kulturlandschaft gemeinsam erhalten. Gemeinde Leitzersdorf, Leitzersdorf 2024, ISBN 978-3-200-09672-1, S. 22–27.

Der Gipfelbereich des Waschbergs besteht aus Waschbergkalk aus dem Eozän, genauer aus dem Ypresium bis zum basalen Lutetium. An den Hängen und am Fuß treten vor allem schiefrige Tone und Tonmergel des unteren Miozäns sowie Blockschichten mit Sandstein, Mergelstein, Granit und Gneis auf. Eine geologische Detailkarte des Gebiets, „Hollabrunn Südost“ im Maßstab 1:25.000, wurde 2023 von GeoSphere Austria veröffentlicht.Holger Gebhardt, Stjepan Ćorić: Geologische Karte der Republik Österreich, Blatt Hollabrunn Südost 1:25.000. GeoSphere Austria, Wien 2023.

Der Waschbergkalk entstand als Meeresablagerung in einer Wassertiefe von ungefähr 100 bis 200 Metern. Er besteht zu einem großen Teil aus Nummuliten, fossilen Einzellern mit Kalkgehäusen. Im Oligozän und Miozän gelangten große Blöcke des Waschbergkalks und granitischer Gesteine durch untermeerische Schuttströme in ein Ablagerungsbecken und wurden dort in weichere Mergel eingebettet. Vor ungefähr 17 Millionen Jahren wurden diese Gesteinspakete während der alpinen Gebirgsbildung gemeinsam aus dem Untergrund hochgeschürft. Durch die nachfolgende Erosion wurden die weicheren Gesteine stärker abgetragen, während der harte Waschbergkalk als Erhebung erhalten blieb. Die isolierten Granitblöcke am Waschberg sind aufgrund ihrer besonderen geologischen Lage als Naturdenkmal geschützt.

Am Waschberg wurde im 19. Jahrhundert in mehreren kleinen Steinbrüchen Schotter gewonnen. Für 1848 ist eine Versteigerung des Abbaus im „Waschbergbruch“ zur Lieferung von Schotter für den Straßenbau belegt. Bei einer geologischen Exkursion im Jahr 1878 wurden in den Brüchen Nummuliten, Muscheln und Haifischzähne gefunden. Wegen der kleinräumigen Vorkommen blieb der Abbau des Waschbergkalks von lokaler Bedeutung.

Zu diesen Granitblöcken gehört der Teufelsstein am Südhang des Waschbergs. Einer Sage zufolge wollte der Teufel mit dem Felsblock die Wallfahrtskirche auf dem Michelberg zerstören. Nachdem ihn der Erzengel Michael besiegt hatte, soll der Stein auf den Waschberg gefallen sein. Die in der Sage dem Blut des Teufels zugeschriebene rötliche Färbung des Granits wird tatsächlich durch Eisenverbindungen verursacht.

Natur Der Gipfelbereich des Waschbergs ist von einem pannonischen Trespen-Fiederzwenken-Halbtrockenrasen bedeckt. Dieser gilt als national bedeutend, da es sich um einen der letzten und wenigen größeren Halbtrockenrasen im Weinviertel handelt.Wolfgang Holzner et al.: Österreichischer Trockenrasenkatalog. „Steppen“, „Heiden“, Trockenwiesen, Magerwiesen: Bestand, Gefährdung, Möglichkeiten ihrer Erhaltung. Grüne Reihe des Bundesministeriums für Gesundheit und Umweltschutz, Band 6, Wien 1986, ISBN 3-900649-06-5, S. 121, Objekt ÖK 40/15. Zu den typischen Pflanzenarten, die hier vorkommen, gehören Echter Odermennig (Agrimonia eupatoria), Echte Betonie (Betonica officinalis), Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa), Elsass-Haarstrang (Peucedanum alsaticum), Schwarze Kuhschelle (Pulsatilla pratensis subsp. nigricans), Steppen-Sesel (Seseli annuum), Kleine Wiesenraute (Thalictrum minus) und Berg-Klee (Trifolium montanum). Auf Erdanrissen bestehen kleine, lückige Furchenschwingel-Trockenrasen.

Der Waschberg ist Teil des Natura-2000-Europaschutzgebiets und FFH-Gebiets „Weinviertler Klippenzone“. Am Waschberg befindet sich eine Kolonie des in Österreich stark gefährdeten Ziesels.Margit Gross, Hans-Martin Berg: Vorkommen und Schutz des Ziesels (Spermophilus citellus) in Niederösterreich. Naturschutzbund Niederösterreich, 2006 (PDF; archivierte Fassung).

Auf einem rund 24 Hektar großen Gemeindegrundstück am Waschberg wurden von 2019 bis 2025 insgesamt 1.117 Tier- und Pflanzenarten erfasst, darunter 894 Tierarten. Unter den Nachweisen befinden sich mindestens 74 für Halbtrockenrasen charakteristische oder gefährdete Zielarten aus den Gruppen der Schnecken, Reptilien, Tag- und Nachtfalter, Heuschrecken, Wildbienen, Dungkäfer und Zikaden.

Die Wiesen am Waschberg wurden bis in die 1960er-Jahre regelmäßig zur Heugewinnung genutzt. Die Mähflächen wurden unter den Wollmannsberger Landwirten versteigert. Durch die zeitlich gestaffelte und kleinräumige Bewirtschaftung bestanden gleichzeitig gemähte und ungemähte Bereiche, wodurch ein vielfältiges Mosaik aus Lebensräumen erhalten blieb. Nach dem Rückgang der traditionellen Tierhaltung begannen die offenen Flächen zu vergrasen und zu verbuschen.

Die Gemeinde Leitzersdorf begann 2019 mit Pflegearbeiten zur Erhaltung und Wiederherstellung der Halbtrockenrasen. Dabei werden verbuschte Flächen geöffnet und anschließend durch Mahd oder Beweidung offengehalten. Von 2023 bis Ende 2025 wurden im Mittelhang weitere kleinräumige Offenflächen wiederhergestellt. Im Projekt „Wildblumenheu vom Waschberg“ werden von 2025 bis 2027 unterschiedliche Formen der Mahd, Beweidung und Verwertung des Aufwuchses erprobt. Seit Mai 2026 werden Teilflächen ergänzend zur weiterhin überwiegenden Mahd mit Eseln und Schafen beweidet.

Nutzung und Erholung An den Hängen des Waschbergs bestanden früher zahlreiche Weingärten. Der Weinbau ging später weitgehend zurück; heute wird dort noch ein Weingarten von Wolfgang Greil bewirtschaftet. Aus dessen Trauben werden ein Gemischter Satz vom Waschberg und Traubensaft erzeugt.Julia Kelemen-Finan, Manuel Denner, Monika Kriechbaum, Ulrich Straka (Red.): Natur am Waschberg. Kulturlandschaft gemeinsam erhalten. Gemeinde Leitzersdorf, Leitzersdorf 2024, ISBN 978-3-200-09672-1.

Der frei zugängliche Waschberg wird zum Wandern, Radfahren, Nordic Walking und Laufen genutzt. Über den Berg führen unter anderem der Jakobsweg Weinviertel sowie Wander- und Mountainbikerouten. Die Michelberg-Runde führt in Leitzersdorf über das Feuerwehrhaus und anschließend auf dem Jakobsweg über den Michelberg und den Waschberg.

Am westlichen Fuß des Waschbergs befindet sich der Schießplatz Leitzersdorf, der unter anderem vom Österreichischen Bundesheer für Schießübungen genutzt wird.

Geschichte Vom 13. bis zum 21. Oktober 1923 fand am Waschberg die „Erste Internationale Österreichische Segelflug-Woche“ statt. Zu den Mitveranstaltern gehörte die damalige Technische Hochschule Wien. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war der Motorflugzeugbau in Österreich aufgrund der Bestimmungen des Vertrags von Saint-Germain untersagt; der Segelflug bot daher eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung der Luftfahrt. Der Termin wurde nach der Ernte angesetzt, um Schäden bei Landungen auf den Feldern möglichst gering zu halten. Wegen ungünstiger Witterungsbedingungen konnte nur an vier Tagen geflogen werden.

Das Segelflugzeug „Wien“ wurde eigens für die Veranstaltung gebaut. Der Pilot Karl Ehrlich gewann damit alle ersten Preise, die für österreichische Konstruktionen ausgeschrieben waren. Seine besten Ergebnisse waren 132 Meter Flughöhe, 1470 Meter Flugstrecke und eine Flugzeit von 10 Minuten und 47 Sekunden. Das Flugzeug befindet sich heute in der Sammlung des Technischen Museums Wien.

Im Jahr 1973 ließ die Gemeinde Leitzersdorf auf dem Gipfel einen Gedenkstein zur Erinnerung an die Segelflugwoche errichten. Zum 100-jährigen Jubiläum wurde 2023 eine neue Tafel mit einer dem historischen Segelflugzeug „Wien“ nachempfundenen Kleinplastik enthüllt.

Bilder

Literatur Julia Kelemen-Finan, Manuel Denner, Monika Kriechbaum, Ulrich Straka (Red.): Natur am Waschberg. Kulturlandschaft gemeinsam erhalten. Gemeinde Leitzersdorf, Leitzersdorf 2024, ISBN 978-3-200-09672-1.

Einzelnachweise Godfrid Wessely: Geologie der österreichischen Bundesländer, Niederösterreich. Wien 2006, ISBN 3-85316-239-8, S. 16, 69 ff. Geologische Bundesanstalt (Hrsg.): Geologische Karte von Niederösterreich 1 : 200.000, Niederösterreich Nord. Wien 2002. Thomas Hofmann: Sagenhaftes Niederösterreich. Eine Spurensuche zwischen Mythos und Wahrheit. Wien 2000, ISBN 3-85431-198-2, S. 87 ff. Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9.

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