mini|Richard Muther, Aufsätze, 1914 Der I. Ladyschnikow Verlag war ein Buchverlag in Berlin von 1906 bis 1933. Er war der wichtigste Verlag für russische Literatur im deutschsprachigen Raum in dieser Zeit.

Geschichte

1905 gründete Iwan Ladyschnikow (1874–1945) den Demos Verlag in Genf im Auftrag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR), zog aber Ende des Jahres nach Deutschland und löste diesen wieder auf. Иван Ладышников Fantlab (russisch), zur Entstehung dieser Verlage Am 15. Januar 1906 wurde stattdessen der Bühnen- und Buchverlag russischer Autoren Iwan Ladyschnikow mit Sitz in Wilmersdorf bei Berlin in der Uhlandstraße 145 in das Handelsregister eingetragen.Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel vom 3. Februar 1906, S. 1283 (linke Spalte unten) , erster Eintrag im Berliner Adressbuch, siehe auch S. 1327, mit Privatadresse von Iwan Ladyschnikow in der Ludwigkirchstr. 1 Dieser verlegte zunächst vor allem Werke von Maxim Gorki und von weiteren russischen Autoren, von denen einige russischsprachige Ausgaben auch illegal nach Russland gebracht wurden.Michael Wegner, Deutsche Arbeiterbewegung und russische Literatur 1900–1918, Akademie, Berlin 1971, S. 147f., mit einigen Angaben über die Anfänge des Verlages Ein Teil der Einnahmen des Verlages wurde der SDAPR gegeben.

1911 wurde er in die I. Ladyschnikow Verlag G.m.b.H. unter der Leitung von Bernhard Rubinstein (1880–1944) umgewandelt, mit Sitz in der Rankestraße 33 in Charlottenburg.; auch Hilfsbuch für den Berliner Buchhandel, 1913, S. 42 In dieser Zeit erhielt er die Exklusivrechte über das gesamte nachgelassene Werk von Lew Tolstoi außerhalb Russlands.Literarisches Zentralblatt für Deutschland. Beilage Die schöne Literatur vom 17. Juni 1911, Sp. 247, (nachgelassene Werke waren die noch nicht gedruckten Werke aus dem Nachlass) Ab 1919 wandte er sich vermehrt an die zahlreichen russischen Emigranten in Deutschland, auch mit Übersetzungen deutschsprachiger zeitgenössischer Werke in das Russische. In dieser Zeit war er der wichtigste russische Verlag in Deutschland.vgl. dazu Karl Schlögel (Hrsg.), Chronik russischen Lebens in Deutschland 1918–1941, Berlin 1999, S. 502–548, mit einem umfassenden Verzeichnis russischer Verlage in Deutschland

Ab 1930 erschienen dort nur noch wenige Bücher in der Zeit der Weltwirtschaftskrise, um 1933 wurde der I. Ladyschnikow Verlag aufgelöst.Adreßbuch für den Berliner Buchhandel, 1933, S. 82 letzter Eintrag, 1935 nicht mehr; Adreßbuch für Berlin, 1933, letzter Eintrag, 1934 nicht mehr Einige Rechte gingen an den Malik-Verlag.

Publikationen (Auswahl) Autoren miniatur|Maxim Gorki, Märchen der Wirklichkeit, 1912 Im I. Ladyschnikow Verlag erschienen überwiegend Werke von russischen Autoren in deutscher oder russischer Sprache, besonders von Maxim Gorki (über 20 Titel) und Leo Tolstoi (Exklusivrechte über das nachgelassene Werk außerhalb Russlands), außerdem von Scholem Asch, Jewgeni Tschirikow, Anton Tschechow, Fjodor Dostojewski, Leonid Andrejew, Nikolai Arsenjew und Nikolai Krascheninnikow. Zu den deutschsprachigen Autoren gehörte Richard Muther, außerdem wurden Werke von Arthur Schnitzler, Arnold Zweig und anderen in das Russische übersetzt. Ungarische Autoren waren Franz Molnar, Ignaz Balla, Sándor (Alexander) Brody und Jenő Heltai.

Einzelne Publikationen Im I. Ladyschnikow Verlag erschienen mehrere hundert deutschsprachige und russischsprachige Publikationen, meist Belletristik

Deutschsprachige Publikationen

Maxim Gorki, Kinder der Sonne, 1906, erste angezeigte PublikationBörsenblatt für den Deutschen Buchhandel vom 6. Februar 1906, S. 1369 (rechts unten), mit der ersten feststellbaren Anzeige des Verlages, danach über 500 weitere Einträge (suche in Börsenblatt digital [Volltextsuche] und bei Google Books) Maxim Gorki, Die Mutter, 1907, Neuauflage 1924

Ossip Dymow, Nju. Eine Alltagstragödie, 1908 Maxim Gorki, Die Letzten, 1910 Nikolai Krascheninnikow, Rahels Klage. Ein tausendjähriges Märchen in drei Bildern, 1910 Leo Tolstoi, Briefe 1848–1910, 1911 Leo Tolstoi, Nachgelassene Werke, 3 Bände, 1911, 1912 Arthur Conan Doyle, Ein Duett,

Ignaz Balla, Die Rothschilds, 1912 Maxim Gorki, Nachtasyl, 1913 Maxim Gorki, Meine Kindheit, 1914

Franz Molnar, Buben und Mädel, Maxim Gorki, Der Spitzel, 1924 Leo Tolstoi, Das dichterische Werk (Gesamtausgabe), 14 Bände, 1924/1925, herausgegeben von Erich Böhme

Ossip Dymow, Die letzte Geliebte, 1925 Scholem Asch, Mottke der Dieb, 1925 Scholem Asch, Joseph, 1925 Scholem Asch, Die Zauberin von Kastilien, 1926 Scholem Asch, Ein Glaubensmartyrium, 1926 Scholem Asch, Der elektrische Stuhl, 1926 Scholem Asch, Onkel Moses, 1926 Sergej Tretjakow, Brülle, China! 1929

Russischsprachige Publikationen In der Buchreihe Русская библиотека (Russische Bibliothek) wurden über fünfzig Bände vor allem russischer Klassiker herausgegeben, darunter das Gesamtwerk von Puschkin, Lermontow, Turgenjew und Tschechow und die Hauptwerke von Tolstoi, Dostojewski und Gogol.Arthur Luther, Russischer Brief, in Das literarische Echo vom 15. Mai 1921, Sp. 1001–1004, hier Sp. 1004 Einige weitere Titel waren

Спутники по немецким курортам / Beiträge zu sämtlichen deutschen Kurorten, 1908 Karl Kautsky, Терроризм и коммунизм [Terrorismus und Kommunismus], 1920 Maxim Gorki, Воспоминания о Льве Николаевиче Толстом [Erinnerungen an Lew Nikolajewitsch Tolstoi], 1921 Arthur Schnitzler, Доктор Греслер (Doktor Gräsler, Badearzt), 1922 Arnold Zweig, Новеллы о Клавдии [Novellen über Claudia], 1923 Scholem Asch, Дядя Мозес (Onkel Moses), 1923 Scholem Asch, Мотька-Вор (Mottke der Dieb), 1924

Übersetzer Zu den Übersetzern aus dem Russischen gehörten August Scholz, Arthur Luther, Korfiz Holm, Alexander Stein, Erich Müller-Kamp, Adolf Heß, Fred Meyer-Balte, Erich Boehme, Klara Brauner , Ilse Frapan und Gregor Jarcho.

Literatur Karl Schloegel et al. (Hrsg.): Chronik russischen Lebens in Deutschland 1918–1941. Akademie, Berlin 1999, S. 529, mit detaillierten Informationen, auch zu den meisten anderen russischen Verlagen Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums 1700–1910. München 1980–1987 Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums 1911–1965. München 1980ff.

Weblinks

Bücher des J. Ladyschnikow Verlags in der Deutschen Nationalbibliothek Verbotene Bücher des I. Ladyschnikow Verlages Verbrannte und Verbannte (nach 1933) Publikationen des I. Ladyschnikow Verlages (1912) WorldCat, auch weitere Jahre

Briefe des I. Ladyschnikow Verlages Kalliope

Einzelnachweise

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