Der Sagenweg „Sagenhaftes Wölzertal“ ist ein Rundwanderweg, welcher sich den Sagen um die Stadt Oberwölz widmet. mini|Lageplan des Sagenweges „Sagenhaftes Wölzertal“
Geschichte Der Sagenweg der Landjugend Oberwölz entstand im Zuge des Projektes „Sagenhaftes Wölzertal“ und wurde von der Landjugend Oberwölz geplant und auch gestaltet. Das Projekt begann 2008, der Sagenweg wurde 2009 eröffnet. Die Landjugend Oberwölz wurde für das Projekt in den Jahren 2009 und 2010 ausgezeichnet. Der Rundwanderweg erstreckt sich über eine Gesamtlänge von 4,5 km (375 m Höhenunterschied) und verbindet 11 verschiedene Stationen. Die einzelnen Stationen erzählen mittels Skulpturen, Bildern und Texten verschiedene Sagen aus der Oberwölzer Region.
Stationen Die einzelnen Stationen sind frei zugänglich, einige der Skulpturen sind in den Wintermonaten jedoch nicht zu besichtigen.
Nachtwächter (Ausgangspunkt) Der Ausgangspunkt zum Sagenweg befindet sich an der Nordseite der Oberwölzer Stadtmauer in einem kleinen Park.
Die Nachtwächter-Geschichte mini|Nachtwächter – Station des Rundwanderweges „Sagenhaftes Wölzertal“ Die Aufgabe des Nachtwächters war es die Stunden abzuschreien. So musste dieser am Abend, im Sommer um 22:45 Uhr und im Winter um 21:45 Uhr, jedes Mal eine Viertelstunde lang, die sogenannte Lumpenglocke im Turm der Stadtpfarrkirche läuten. Daraufhin mussten die Lumpen nach Hause eilen. Der Nachtwächter musste auch darüber wachen, dass nach dieser Zeit in keinem Hause mehr Licht brannte. Da die meisten Häuser aus Holz gebaut und mit Schindeln oder Stroh gedeckt waren und es meist nur offene Feuerstätten und Kerzen als Beleuchtung gab, war Feuergefahr überaus groß. Auch die Einhaltung von Verordnungen, z. B.: Sperrstunden in den Gaststätten, mussten vom Nachtwächter überwacht werden.
Überlieferungen zufolge soll der Nachtwächter seine nächtlichen Kontrollgänge durch die Gassen der Stadt Oberwölz mit diesem lustigen Lied gemacht haben: Hört’s, ihr Herren, und lasst’s euch sag’n, der Hammer, der hat Neune g’schlag’n, kein braver Mann bleibt länger aus, denn Frau und Kinder warten z’Haus, ein kleines Nachtmahl, dann ins Nest, fruh bei der Arbeit ist das Pest’ Hat Neune g’schlag’n
Hört’s, ihr Herren, und lasst’s euch sag’n, der Hammer, der hat Zehne g’schlag’n, mit gute Freund’ und g’scheite Herrn verplaudert man sich gar so gern, nur manchmal schweigt das Weib dazu. Jetzt Marsch nach Haus und gebt’s ein Ruh’. Hat Zehne g’schlag’n
Hört’s, ihr Herren, und lasst’s euch sag’n, der Hammer, der hat Elfe g’schlag’n, jetzt steigt der Wein schon ins Gehirn, man hört nur schrei’n und disputier’n nur gleich nach Haus im Hundetrab, dert setzt’s ein Brummelsuppen ab. Hat Elfe g’schlag’n
Hört’s, ihr Herren, und lasst’s euch sag’n, der Hammer, der hat Zwölfe g’schlag’n, "Ist das zum z’Haus geh’n wohl ein Stund’? Wo bist du g’wesn, du Lumpenhund? Versaufst das Geld, als hätt’st du ’s g’stohln! Ich lass dich mit der Wacht nach hol’n." Hat Zwölfe g’schlag’n
Hört’s, ihr Herren, und lasst’s euch sag’n, der Hammer, der hat ein Uhr g’schlag’n, der Eine singt, der Andre schlaft, die Andern trinken Bruderschaft. Ihr Lumpen, geht und macht zu Haus aus ein paar Watschen euch nichts draus! Hat ein Uhr g’schlag’n
Hört’s, ihr Herren, und lasst’s euch sag’n, der Hammer, der hat zwei Uhr g’schlag’n, die Rechten sitzen itzt beinand, sie halten’s Lumpen für kein’ Schand. "Ein Lump bin ich, bist du, ist er, drum bringt’s noch mehr zum Trinken her." Hat zwei Uhr g’schlag’n
Hört’s, ihr Herren, und lasst’s euch sag’n, der Hammer, der hat drei Uhr gschlag’n, die Frau, die schließt das Zimmer zu, der Mann der pflegt im Stall sein Ruh’. Schlaf zu! Wer schwelgt in später Stund’, der kommt noch sicher auf den Hund. Hat drei Uhr g’schlag’n
Um vier Uhr ruft der Wächter nicht mehr aus, da liegt er selbst schon im Bett zu Haus.
Entstehung von Oberwölz Nahe dem Schloss Rothenfels befindet sich die zweite Station des Sagenwegs. Sie erzählt die Geschichte zur Entstehung von Oberwölz und bietet einen schönen Ausblick über die Stadt Oberwölz.
Die Sage zur Entstehung von Oberwölz mini|Entstehung von Oberwölz – Station des Rundwanderweges „Sagenhaftes Wölzertal“ mini|Entstehung von Oberwölz – Station des Rundwanderweges „Sagenhaftes Wölzertal“ Das ganze Wölzertal soll einst ein großer Urwald gewesen sein. Dieser Urwald wurde von Slawen, die sich hier ansiedelten, gelichtet und der Boden von ihnen urbar gemacht. Unter dem Schloss Rothenfels und an der Stätte des heutigen Städtchens Oberwölz soll früher ein großer See gewesen sein, der sich von der Tratten bis zum Kammersberg ausdehnte. Dieser wurde ebenfalls von den Slawen trockengelegt und nur ein kleiner Weiher, der sich heute noch unter dem Schloss in der Mitte der Talweite befindet, wurde von ihnen übrig gelassen.
Auf den Höhen der Gebirge wohnten damals Jäger, welche nicht nur Rotwild, sondern auch auf Luchse, Bären, Wölfe usw. Jagd machten. Im Sommer weidete das Vieh der Hirten, von den umliegenden Ortschaften, auf den Almen in Schöttl sowie auch auf der Langalm. Die Slawen legten einen Saumweg über das Glattjoch an und stellten so eine Verbindung des oberen Mur-, bzw. des Wölzertales mit dem Ennstal her. Aus dem Ennstal wurden damals Salz- und Eisenwaren herübergesäumt. Noch heute befinden sich auf der Höhe des Glattjoch Steinkreise, welche von der Bevölkerung als heidnische Friedhöfe bezeichnet werden, wo die auf diesem Weg verunglückten Säumer einst begraben worden sein sollten.
Die Überreste des ehemaligen hochfürstlichen Freising’schen Amtshofes, der eines der ältesten Gebäude in der Stadt Oberwölz sein soll, wird gegenwärtig als Wirtschaftsgebäude genutzt. Dieses Gebäude diente früher als eine große Stallung, in der die Saumtiere eingestellt wurden. Um dieses Gebäude wurden allmählich andere errichtet und so entstand die slawische Ansiedlung Wölz. Im Unterschiede zu Niederwölz (= die Ortschaft Wölz in der Niederung), wo ebenfalls ursprünglich eine solche Säumerstallung bestanden haben soll, wurde Wölz später Oberwölz genannt.
Der starke Verkehr auf diesem Säumerstraßenzug, wie auch ein reich gesegneter und mit Glück betriebener Bergbau auf edle Metalle, der im Schöttelgraben bestanden haben soll, zogen schnell eine zahlreiche Bevölkerung und großen Reichtum nach sich. Dadurch erlebte der Ort Oberwölz einen großen Aufschwung und wurde zur Stadt erhoben. Noch wird in Oberwölz eine Gasse die Schmalzgasse (vormals Schmelzgasse) genannt, in der einst Silberschmelzöfen gestanden sein sollen und von denen man noch vor einigen Jahrzehnten Überreste gefunden hat.
Zu damaliger Zeit soll das Städtchen Oberwölz eine weit größere Ausdehnung als jetzt gehabt und bis zur „Schütt“ gereicht haben.
Lindwurm Die Station zur Sage um den Lindwurm bildet den Mittelpunkt des Sagenweges und befindet sich unweit der Station zur Entstehung von Oberwölz. Ein Kinderspielplatz in Form eines Lindwurms ist die zentrale Skulptur dieser Station.
Die Lindwurm-Sage mini|Lindwurm – Station des Rundwanderweges „Sagenhaftes Wölzertal“ Einst erschien im Schöttlgraben zur Verwunderung der Leute ein kleines, rot gekleidetes Männchen mit kupferfarbigem Angesicht; niemand wusste, woher es kam. Bei der letzten Hütte im Schöttl klopfte es an das Fenster und rief hinein, die Leute mögen nichts dawider haben, denn er komme morgen auf seinem großen Rosse angeritten und sie sollen sich vorsehen. Dann eilte es dem Wildsee am Hohenwart zu und verschwand darin, wie einige nachgeschlichene Burschen bemerkten. Tags darauf ging am Hohenwart und im Schöttl ein starker Wolkenbruch nieder. Dadurch begann der Schöttlbach mächtig anzuschwellen; mit besonderer Wucht entwurzelten die Fluten des immer höher steigenden Baches Bäume und rissen große Felsblöcke mit sich.
Erschreckt flüchteten sich die Bewohner auf die umliegenden Gebirge und sahen hinab, wie das entfesselte Element mit furchtbarer Wut alles vernichtete und mit sich fortriss. Als endlich das Wasser sich allmählich wieder verlaufen hatte brachten atemlos herbeieilende Hirten die erschreckliche Kunde, dass aus dem Wildsee ein hässlicher Riesenwurm mit Krallfüßen versehen, hervorgebrochen sei und bereits einige Rinder, wie auch einen Menschen verschlungen habe. Lange Zeit trieb das gefräßige Untier hier sein Unwesen, bis sich die Bauern endlich beratschlagten, wie sie sich von diesem befreien könnten. Da alle Versuche den Lindwurm zu töten oder zu vertreiben scheiterten, wollten es die Leute mit einer List versuchen. Vor einem Gewitter trieben sie ein Rind in die Nähe der Behausung des Lindwurmes, welches dieser auch sogleich verschlang und sofort wieder im See untertauchte. Kaum war das Untier unter dem Wasserspiegel verschwunden, kippten die Leute gebrannten Kalk in den See. Zischend und schäumend spritzte das Wasser in die Höhe und nahm eine trübe Färbung an. Den Lindwurm schien diese Beimischung nicht zu stören; er verschwand wie sonst im unterirdischen Abflusse. Als aber die Sonnenstrahlen wieder durch das Gewölke drangen, kündigte ein weithin hörbares Schnauben den Bewohnern an, dass ihre List misslungen sei. Kurze Zeit darauf erschien abermals das rote Männchen im Schöttelgraben. Jammernd erzählte es, dass seinem Lieblingspferde Gefahr drohe und bat diesem kein Leid anzutun. Tags darauf wurde der Lindwurm auf seinem Raubzug von einem schweren Gewitter überrascht und schaffte es nicht mehr sich in Sicherheit zu bringen. Die Wassermassen rissen das Untier bis in den Grössingwald mit sich, wo es schließlich bewusstlos liegen blieb. Da der Rückweg durch Geröll und Baumstämme versperrt war, konnten die Bewohner den Lindwurm erschlagen. Wie das Volk sich erzählt, soll lange Zeit hindurch im Grössingwalde zwischen Weg und Bach das Gerippe eines Tieres gelegen sein, durch dessen Augenhöhlen Schafe und Ziegen schlüpfen und unter dessen Rippen bequem einige Rinder stehen konnten.
Holzknechthütte Die Holzknechthütte liegt in einem Waldstück neben dem Schloss Rothenfels.
Die Holzknechthütten-Sage mini|Holzknechthütte – Station des Rundwanderweges „Sagenhaftes Wölzertal“ In Hinterburg stand einmal eine Holzknechthütte, in der es immer spukte. Sobald sich die Holzknechte zur Ruhe begeben hatten, fing es in den alten Balken zu ächzen und zu krachen an. Der Spuk erreichte um Mitternacht seinen Höhepunkt. Die Holzknechte standen dann auf und besprengten die Stube mit Weihwasser, worauf Ruhe einkehrte.
Eines Tages erkrankte einer der Holzknechte und einer aus einer anderen Gegend musste für ihn einspringen. In der Nacht wurde auch er durch den Spuk geweckt und sah, wie die Anderen das Weihwasser versprengten. „Warum tut ihr das, warum schaut ihr nicht nach, woher die Geräusche kommen?“ fragte der fremde Holzknecht.
In der darauffolgenden Nacht, als der Spuk wieder begann, ging er in den Raum, wo die Holzknechte zu essen pflegten. Als er eintrat, sah er, dass dort alles in einen grauen Nebel gehüllt war. Furchtlos ging der Holzknecht zum Tisch und riss die Tischlade auf. Da sprangen ihm drei große, weiße Mäuse entgegen, die daraufhin eiligst aus der Stube liefen. Sie verschwanden auf Nimmerwiedersehen und der Spuk hatte von da an ein Ende.
Fenstersturz Die Station zum Fenstersturz von Rothenfels befindet sich in einem Waldstück unterhalb der Burg Rothenfels.
Die Fenstersturz-Sage mini|Fenstersturz – Station des Rundwanderweges „Sagenhaftes Wölzertal“