Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der jugoslawischen Fußballnationalmannschaft, die von 1930 bis 1990 für das Königreich Jugoslawien, die Föderative Volksrepublik Jugoslawien und die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien bei Fußball-Weltmeisterschaften antrat. Sie nahm achtmal an Weltmeisterschaften teil. Die besten Platzierungen sind die vierten Plätze bei der ersten Teilnahme 1930 und 1962. 1990 nahm Jugoslawien das letzte Mal mit Spielern aus allen Teilrepubliken teil. Nach den Jugoslawienkriegen und der Unabhängigkeit der meisten Teilrepubliken nahm die nur noch aus Serbien und Montenegro bestehende Bundesrepublik Jugoslawien nochmals 1998 und dann 2006 als Serbien und Montenegro teil. Die Erfolge der jugoslawischen Mannschaft wurden von der FIFA zunächst der Bundesrepublik Jugoslawien, dann Serbien und Montenegro und nun Serbien zugerechnet, das erstmals 2010 teilnahm.

Überblick

Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzter Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab. Siehe: (dort unter Ergebnisse für Serbien; PDF; 200 kB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten1930Uruguay HalbfinaleUruguay Vierterkein Spiel um Platz 3 1934 Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation an der Schweiz und Rumänien gescheitert 1938Frankreich nicht qualifiziert In der Qualifikation an Polen gescheitert 1950Brasilien VorrundeSchweiz, Mexiko, Brasilien 5. 1954Schweiz ViertelfinaleDeutschland 7. 1958Schweden ViertelfinaleDeutschland5. 1962 Chile Spiel um Platz 3ChileVierterIm Halbfinale an der Tschechoslowakei gescheitert. Dražan Jerković erzielt ebenso viele Tore wie der als Torschützenkönig ausgeloste Garrincha 1966 England nicht qualifiziert In der Qualifikation an Frankreich gescheitert 1970 Mexiko nicht qualifiziert In der Qualifikation an Belgien gescheitert 1974 Deutschland ZwischenrundeDeutschland, Polen, Schweden7. Das 9:0 in der Vorrunde gegen Zaire war bis zum 15. Juni 1982 der höchste WM-Sieg 1978 Argentinien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Spanien gescheitert 1982 Spanien VorrundeNordirland, Spanien, Honduras16. 1986 Mexiko nicht qualifiziert In der Qualifikation an Frankreich und Bulgarien gescheitert 1990 Italien ViertelfinaleArgentinien5.Aus im Elfmeterschießen

Statistik (Angaben inkl. 2026: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet) mini|Platzierung der jugoslawischen, serbisch-montenegrinischen und serbischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle Nicht teilgenommen, da nicht zugelassen oder nicht mehr existent: 9× (39,1 %; 1994, 1998, 2002, 2006, 2010, 2014, 2018, 2022 und 2026) Nicht qualifiziert: 6× (26,1 %; 1934, 1938, 1966, 1970, 1978 und 1986) Sportliche Qualifikation: 7× (30,4 % bzw. bei 54 % der Versuche) Ohne Qualifikation teilgenommen: 1× (4,3 %; 1930) Vorrunde: 2× (8,7 %; 1950, 1982) 2. Finalrunde der besten 8 Mannschaften (nur 1974 und 1978): 1× (4,3 %; 1974) Viertelfinale: 3× (13,0 %; 1954, 1958, 1990) Halbfinale: 2× (8,7 %; 1930 und 1962) Spiel um Platz 3: 1× (4,3 %, 1962)

WM-Turniere Turniere mit maximal 16 Teilnehmern 1930 in Uruguay links|mini|Die jugoslawische Mannschaft bei der WM 1930 mini|Szene aus dem ersten WM-Spiel gegen Brasilien mit Torhüter Milovan Jakšić, Dragoslav Mihajlović und Theóphilo

Jugoslawien nahm als eine von nur vier europäischen Mannschaften bereits an der ersten Weltmeisterschaft teil. Während Belgien, Frankreich und Rumänien die dreiwöchige Schiffsreise von Europa nach Uruguay auf der Conte Verde unternahmen, reisten die Jugoslawen auf der MS Florida gen Südamerika. Da es im jugoslawischen Verband bereits einige Zeit vor dem Turnier Streitigkeiten gab zwischen serbischen und kroatischen Funktionären, weil der Sitz des Verbandes von Zagreb nach Belgrad verlegt wurde, weigerte sich der regionale Verband Zagrebs, der sowieso gegen eine WM-Teilnahme war, die Meisterschaft wegen der WM zu unterbrechen bzw. zu verschieben. Dieser Weigerung schlossen sich kurz darauf die Verbände von Split, Sarajevo und Subotica an. Daher wurden für das erste WM-Turnier nur serbische Spieler nominiert sowie drei Spieler, die in Frankreich spielten.

Am 14. Juli 1930 trafen sie in ihrem ersten WM-Spiel erstmals auf Brasilien und gewannen mit 2:1. Auch das Spiel gegen den anderen Gruppengegner Bolivien wurde gewonnen, diesmal mit 4:0, womit die Jugoslawen als einzige europäische Mannschaft das Halbfinale erreicht hatten. In diesem verloren sie aber nach 1:0-Führung gegen den Gastgeber Uruguay mit 1:6. Das Spiel um den dritten Platz gegen die USA fand nicht statt, in den Ranglisten der FIFA wird Jugoslawien als Vierter geführt. Auf der Rückfahrt machten die Jugoslawen noch Station in Buenos Aires und Rio de Janeiro und traten zu Freundschaftsspielen gegen Vize-Weltmeister Argentinien (1:3) und Brasilien (1:4) an. Trainiert wurden die Jugoslawen von Boško Simonović.

1934 in Italien Auch an der ersten WM in Europa wollten die Jugoslawen teilnehmen. In der Qualifikation mussten sie gegen die Schweiz und Rumänien antreten, wobei jede Mannschaft einmal daheim und einmal auswärts antreten musste. Im ersten WM-Qualifikationsspiel gelang ihnen am 24. September 1933 in Belgrad aber nur ein 2:2 gegen die Schweiz und nach einem 1:2 in Rumänien schieden die Jugoslawen aus, während Schweizer und Rumänen zur WM fuhren. Durch die verpasste Qualifikation fielen die Jugoslawen in der ewigen Rangliste auf Platz 7.

1938 in Frankreich Auch vier Jahre später konnten sich die Jugoslawen nicht qualifizieren. Verantwortlicher Trainer war nun Svetozar Popović. In der Qualifikation scheiterten sie an Polen. Nach einem 0:4 im Hinspiel in Warschau gelang zwar im Rückspiel mit einem 1:0 der erste Sieg in einem WM-Qualifikationsspiel, dieser reichte aber nicht. Durch die erneut verpasste Qualifikation fielen die Jugoslawen in der ewigen Rangliste auf Platz 10.

1950 in Brasilien Für die erste WM nach dem Zweiten Weltkrieg konnten sich die Jugoslawen, die seit 1949 alleinverantwortlich von Milorad Arsenijević trainiert wurden, dann erstmals sportlich qualifizieren. In der ersten Runde wurde zunächst Israel mit zwei Siegen ausgeschaltet. In der zweiten Runde wurde dann ein Entscheidungsspiel gegen Frankreich benötigt, da die beiden ersten Spiele jeweils 1:1 endeten. Mit 3:2 nach Verlängerung setzten sich die Jugoslawen in Florenz durch. Im WM-Kader standen noch neun Spieler, die zwei Jahre zuvor in London die olympische Silbermedaille gewonnen hatten. In Brasilien trafen sie in einer der beiden Vierergruppen auf die Schweiz, Mexiko und Gastgeber Brasilien. Während gegen die Schweiz mit 3:0 und Mexiko mit 4:1 gewonnen wurde, unterlagen sie Brasilien mit 0:2. Da nur der Gruppensieger die Finalrunde der besten vier Mannschaften erreichte, schieden die Jugoslawen als Gruppenzweiter aus. In der ewigen Rangliste verbesserten sich die Jugoslawen auf Platz 9.

1954 in der Schweiz In der Qualifikation für die WM in der Schweiz setzten sich die Jugoslawen, für die Milorad Arsenijević nicht mehr alleinverantwortlich war, sondern als Mitglied eines Auswahlkomitees, mit vier 1:0-Siegen gegen Griechenland und erneut Israel durch. Für die WM wurden die Jugoslawen von Aleksandar Tirnanić trainiert. In der Schweiz gehörten sie aber nicht zu den gesetzten Mannschaften und mussten daher in ihrer Gruppe gegen die beiden gesetzten Mannschaften Frankreich und Brasilien antreten. Gegen Frankreich gelang ein 1:0-Sieg. Gegen Brasilien stand es nach 90 Minuten 1:1 und der Modus verlangte schon in der Gruppenphase bei einem Remis eine Verlängerung. In dieser fielen keine Tore und da die erzielten Tore keine Rolle spielten, musste das Los über den Gruppensieg entscheiden und Jugoslawien wurde damit Gruppensieger. Als dieser trafen sie im Viertelfinale auf die deutsche Mannschaft, die nur über ein Entscheidungsspiel gegen die Türken als Gruppenzweiter das Viertelfinale erreicht hatte. Die Jugoslawen galten als Favorit, gerieten aber bereits nach neun Minuten durch ein Eigentor von Ivica Horvat in Rückstand und konnten ihre darauf folgenden Angriffsbemühungen nicht erfolgreich abschließen. In der 85. Minute konnte dann Helmut Rahn einen Konter nutzen und das 2:0 für die deutsche Mannschaft erzielen, womit Jugoslawien ausgeschieden war. In der ewigen Rangliste konnten sich die Jugoslawen auf Platz 8 verbessern.

1958 in Schweden In der Qualifikation für die WM in Schweden setzten sich die Jugoslawen mit zwei Heimsiegen und zwei Remis in den Auswärtsspielen gegen Rumänien und wieder Griechenland durch. In Schweden trafen sie im ersten Gruppenspiel auf die Schotten und erreichten ein 1:1. Gegen Frankreich gelang anschließend ein 3:2-Sieg, den Todor Veselinović in der 88. Minute sicherte. Im letzten Gruppenspiel reichte ein 3:3 gegen Paraguay um als Gruppenzweiter das Viertelfinale zu erreichen. In diesem trafen sie wie vier Jahre zuvor auf die deutsche Mannschaft, die als Titelverteidiger ihre Gruppe gewonnen hatte, und erneut war es Helmut Rahn, der durch den 1:0-Siegtreffer das Ausscheiden der Jugoslawen besiegelte.

1962 in Chile In der Qualifikation für die WM in Chile setzten sich die Jugoslawen zunächst mit 2:1 und 1:1 gegen Polen durch und mussten dann noch gegen den Sieger der Asien-Gruppe antreten. Mit 5:1 und 3:1 wurde Südkorea bezwungen und die dritte WM in Südamerika erreicht. Im WM-Kader standen noch fünf Spieler, die zwei Jahre zuvor bei den Olympischen Spielen die Goldmedaille gewonnen hatten und ebenso wie zwei weitere Spieler auch zum Kader des 60er Vizeeuropameisters gehörten. In Chile trafen die Jugoslawen im ersten Spiel auf Europameister Sowjetunion, gegen den sie zwei Jahre zuvor im EM-Finale verloren hatten, und verloren nun auch das WM-Spiel (0:2). Im zweiten Gruppenspiel gegen Ex-Weltmeister Uruguay gelang aber ein 3:1-Sieg und auch gegen WM-Neuling Kolumbien wurde gewonnen, diesmal mit 5:0. Damit standen die Jugoslawen als Gruppenzweiter im Viertelfinale und trafen erneut auf Deutschland. Diesmal gelang aber der Sieg und mit dem 1:0 wurde das Halbfinale erreicht. Hier trafen die Jugoslawen auf die Tschechoslowakei und dominierten weitgehend das Spiel, scheiterten aber immer wieder an Viliam Schrojf, dem besten Torhüter der WM und verloren mit 1:3. Im kleinen Finale um Platz 3 trafen sie auf Gastgeber Chile und verloren mit 0:1. Damit verabschiedeten sich die Jugoslawen für 12 Jahre von der WM-Bühne, konnten sich aber in der ewigen Rangliste auf Platz 6 verbessern, von dem sie in den nächsten Jahren aber nach und nach abrutschen sollten.

1966 in England In der Qualifikation für die WM in England mussten die Jugoslawen gegen Frankreich, Norwegen und Luxemburg antreten. Nach Auftaktsiegen gegen Luxemburg und Frankreich verloren sie in Norwegen mit 0:3 und auch das Rückspiel in Frankreich. Da im Heimspiel gegen Norwegen nur ein Remis gelang, wurden sie aufgrund der schlechteren Tordifferenz nur Gruppendritter hinter Frankreich, das sich für die WM qualifizierte, und den Norwegern.

1970 in Mexiko In der Qualifikation für die erste WM in Mexiko waren Belgien, Spanien und Finnland die Gegner. Die Jugoslawen, die 1968 noch das EM-Finale erreicht hatten, konnten nur das Auswärtsspiel in Finnland sowie die Heimspiele gegen Belgien und Finnland gewinnen, verloren aber in Belgien und Spanien, so dass am Ende nur Platz 2 hinter Belgien heraussprang, das sich damit erstmals seit 1954 wieder qualifizierte.

1974 in der Bundesrepublik Deutschland mini|Dražen Mužinić im Eröffnungsspiel 1974 gegen Brasilien