Atalandi ( , auch Atalanti) ist eine Kleinstadt in der Gemeinde Lokri im Regionalbezirk Fthiotida in der Region Mittelgriechenland. Die Stadt liegt in den Ausläufern des Chlomo-Gebirges. Sie ist das landwirtschaftliche Zentrum der Lokris, 79 km von Lamia und 146 km von Athen entfernt. 2011 wurden 8267 Einwohner gezählt.
Mythologie Hauptstadt der alten Lokris war die Stadt Opus. Hesiod und Plutarch überliefern, dass die Stadt ihren Namen von den Opuntiern (Οπούντα) erhielt. Diese waren Söhne des Lokros und Nachfahren von Deukalion und Pyrrha.
Die Opuntier nahmen am Trojanischen Krieg mit 40 Schiffen und 4000 Kriegern teil. Anführer war Aias der Lokrer, Sohn des Oileus und Nachfahre von Odödocus (Οδοίδοκος). Zu den Opuntiern gehörte auch der beste Freund von Achilleus, Patroklos, der Sohn des Menoitios. Als Kind tötete er beim Würfelspielen Kleitonymos, den Sohn des Amphidamas. Sein Vater entzieht ihn der Rache durch die Flucht und bringt ihn nach Phthia zu Peleus, der den Knaben freundlich aufnimmt und als Genossen seines Sohnes erzieht. Später folgt Patroklos seinem Vetter Achilleus nach Troja.
Gliederung Stadtbezirk Atalandi – Δημοτική Κοινότητα Αταλάντης – 5.199 Atalandi (Αταλάντη): 4.978 Agios Vlasios (Άγιος Βλάσιος): 0 Kloster Agion Anargyron (Μονή Αγίων Αναργύρων): 7 Palirrhia (Παλίρροια): 36 Skala (Σκάλα) 178
Geographie Die Stadt Atalandi liegt am Berg Rhoda (600 m), einem Ausläufer des Chlomo-Gebirges in Attika. Die Stadt öffnet sich nach Norden in die Ebene der Lokris. Nördlich schließt sich das Ortsgebiet von Dafnousia an. Im Westen grenzt sie an Amfiklia-Elatia, im Südwesten an Livadia und im Süden an Orchomenos, sowie im Osten an das Ortsgebiet von Malesina. Die bewaldeten Ausläufer der Chlomo beherbergen das Karagkiozis-Asprogies (Atalantis) Wildlife Refugee und weiter westlich liegt das Schutzgebiet Traganas-Kyparissi-Kolakas Wildlife Refugee. Die antike Stadt Opus lag im heutigen Ortsgebiet.
Die Bucht von Atalandi mini|Der Hafen 1945
Sieben Kilometer entfernt von der Stadt Atalandi liegt die gleichnamige Bucht. Sie gehört zum nördlichen Golf von Euböa und erstreckt sich zwischen dem Kap von Arkitsa (gr. Αρκίτσα) im Norden, wo auch ein Leuchtturm steht, und dem Strand von Lokri mit der Landzunge von Theologos (Kap Kerato, gr. Κέρατο). Am westlichen Ufer befindet sich das Dorf Skala, dass den Hafen der Stadt Atalandi darstellt. Drei Inseln bestimmen die Szenerie: Atalantonissi, Gaidaros, und Agios Nikaolaos (gr. Άγιος Νικόλαος). Gegenüber der Insel Gaidaros geht die Bucht in eine Lagune über. Die flachen Gewässer werden zur Fischzucht genutzt.
In der Antike war die Bucht unter dem Namen Opountios (gr. Οπούντιος) oder selten Oitaios kolpos (gr. Οιταίος κόλπος) bekannt.
mini|Sonnenuntergang in Skala
Verkehr Atalandi liegt am Rande der Lokrischen Ebene und ist durch die Aftokinitodromos 1 (PATHE) mit dem griechischen Autobahnnetz verbunden. Die Autobahn verläuft durch den Ortsteil Skala. Die nächste Nationalstraße ist die Ethniki Odos 3, die etwa 15 km entfernt im Süden der Stadt verläuft. Schifffahrt spielt keine nennenswerte Rolle mehr.
Wirtschaft In der Ebene wird viel Weinanbau betrieben. Ein bekanntes Weingut gehört der Familie Hatzimichalis.
Geschichte mini|Neolithikum Die drei wesentlichen Gerätetypen und ihre Techniken: Steinschliff, Steinbohrung, Keramik. Archäologisches Museum Atalanti, Griechenland
Vorgeschichte Die frühesten Zeugnisse menschlicher Besiedlung stammen aus dem Neolithikum (7000 v.C – 3200/3100 v.C.). Die ersten Siedlungen entstanden in der Ebene in Richtung des heutigen Skala. Es konnten alle Arten steinzeitlicher Beschäftigungen nachgewiesen werden: Landbau, Viehhaltung sowie Jagd und Fischerei. Während der Proto-helladischen Periode (Πρωτοελλαδική περίοδο, 3200–2100 v.C.) lässt sich eine Intensivierung des Handels sowohl auf dem Landweg, wie zu Wasser, beobachten. Und es finden sich Keramiken, die stilistischen Einfluss auf die Keramiken anderer Siedlungen sowohl in Epirus als auch auf den Inseln ausübten. Die Gesellschaft zu dieser Zeit war gekennzeichnet durch eine Hierarchische Organisation.
Während der Mittel-helladischen Periode (Μεσοελλαδική περίοδο, 2100–1600 v.C.) kam es zu einem Niedergang der Bevölkerung (möglicherweise durch das Eindringen anderer griechischer Stämme oder die Minoische Eruption). Und es lässt sich eine Zurückentwicklung sowie Hinwendung zum Ackerbau und politische Isolation feststellen.
Höchstwahrscheinlich während der Spät-helladischen Periode (Υστεροελλαδική περίοδο, der Bronzezeit, 1600–1100 v.C.) entstand die Mykenische Stadt Opounta (Οπούντα). Haupterwerb in dieser Zeit waren Fischerei und Ackerbau. Man hat Reste von Getreide, Hülsenfrüchten, Oliven und Wein gefunden.
Während des 11. Jahrhunderts v. C. (Spätmykenische Periode, Υπομυκηναϊκή περίοδος) fand wiederum ein Rückgang von Wirtschaft und Bevölkerung statt, was man sowohl daran erkennen kann, dass alte Siedlungen verlassen wurden, als auch daran, wie neue Gebäude gebaut wurden. Charakteristisch für diese Epoche ist ein starres Festhalten an traditionellen Mustern. Die gefundenen Keramiken beschränken sich auf die notwendigsten Haushaltsgeräte.
Geometrische Epoche
Zwischen dem 10. und dem 8. Jahrhundert v.C. war die Gesellschaft in Opounta aristokratisch, beziehungsweise oligarchisch aufgebaut. die Hierarchie entsprach dem, was die elementaren Kenntnisse der Gesellschaft dieser Zeit zu Tage brachten. Es handelte sich um eine Gesellschaft mit mehreren Klassen, in der die einzelnen Klassen sich vor allem durch ihre Tätigkeiten unterschieden. In dieser Zeit entwickelte sich wieder ein ausgedehnter Handel zusammen mit der Seefahrt. Opountas nahm Einflüsse in der Gestaltung auf von Attika, Korinth, Euböa und Thessalien. In dieser Zeit ist massenhafte Produktion von Gefäßen und parallel dazu ein Aufblühen der Metallherstellung zu beobachten, was man aus Waffen und Funden von Goldschmuck schließen kann. Alles spricht für einen gewissen Wohlstand in Opuntia Lokridos.
Antike Während der Archaischen Periode (700 – 480 v. Chr.) blieb die Gesellschaftsordnung in Opountia oligarchisch, auch wenn immer wieder politische Aufsteiger auftraten. Möglicherweise könnte man von einer „abgesicherten Demokratie“ sprechen. Einmalig ist auch, dass keine Sklavenhaltung in der Lokris nachweisbar ist. Die Haupterwerbszweige in dieser Zeit waren Ackerbau, Viehzucht, Fischerei und Töpferei, sowie Weinbau.
Klassische Epoche In der zweiten „Klassischen Epoche“ (5. Jh. v. C.–323 v. C.) bis zum Peloponnesischen Krieg (431–404 v. Chr.) standen die Lokrer auf der Seite Spartas. Die Athener griffen die küstennahen Städte der Lokrer an und zerstörten sie. 431 v. Chr. befestigten sie die Insel Atalandi mit dem Ziel, die lokrischen Piraten zu kontrollieren und die Strände von Euböa zu sichern. Jedoch zerstörte das Erdbeben von 426 v. Chr. Teile der Mauern und den Brunnen auf der Insel. Auch die antike Stadt Oion wurde wahrscheinlich zu dieser Zeit zerstört, während das nahegelegene Orakel von Abai seine Blütezeit erlebte.
Hellenistische Zeit mini|links|Löwenkopf – Archäologisches Museum von Atalandi
In Hellenistischer Zeit (336/323 v. Chr. bis Mitte des 1. Jh. v. Chr.) zerstörte ein weiteres Erdbeben (300 v. Chr.) Teile von Opounta. 204 v. Chr. beherrschte es der römische Feldherr Gaius Flaminius, jedoch erlangten die Lokrer in den Jahren 197–165 v. Chr. noch einmal ihre Unabhängigkeit. Sie bildeten den „Bund der Lokrer“ (Κοινό των Λοκρών). Jedoch zerstörte das nächste Erdbeben von 106 v. Chr. wieder das neuerbaute Opounta. Das Ende der Hellenistischen Zeit wurde durch den Angriff von Sulla besiegelt, der etwa 87/86 v. Chr. erfolgte. Für den Rest der Epoche blieb Opounta eine bäuerliche Gemeinschaft. Parallel dazu wurde Atalandi das Zentrum des Keramikhandwerks in der Region. Die Invasion von Sulla trieb viele Bewohner von Opounta, ihre Heimat zu verlassen. Die Gebäude blieben während der „Römischen Epoche“ (Ρωμαϊκής περιόδου, 30 v. Chr.–324 n. Chr.) verlassen. Jedoch kam es zu einer Urbanisierung und im Großen und Ganzen konzentrierte sich die Bevölkerung um Kynos und es entwickelten sich die größten Landgüter dieser Epoche. In Atalandi wurden Bäder und Wasserleitungen angelegt.
Altchristliche Zeit gerahmt|rechts|Altchristliche Ruinen bei Paliomagaza
In Altchristlicher Zeit wurde der Bischofssitz von Opountos (Επισκοπή Οπούντος) geschaffen, der der Metropolie von Korinth unterstand. Der Bischof wird in den Akten des Konzils von Ephesos und von Chalcedon erwähnt. In den Jahren 376 und 395–397 erlebte das Gebiet die Angriffe der Goten und Visigoten unter Alarich I. Dieses Ereignis traf die Wirtschaft hart und es lässt sich in vielen Fällen der Verfall von küstennahen Gebäuden beobachten.
Byzantinische Epoche 565 während der Herrschaft von Justinian I., taucht erstmals der Name Talanti (Ταλάντι) auf. Zwischen dem 7. und dem 10. Jahrhundert finden sich nur spärliche Informationen. Anscheinend fanden im 9. Jahrhundert Invasionen nordafrikanischer (arabischer) Seeräuber und im 10. Jahrhundert eine Invasion von Bulgaren unter Zar Simeon I. statt.
1204 wurde die Herrschaft von Atalandi (gr. Βαρωνία Αταλάντης) gegründet. «Baronia Atalandis wurde als das Lehen des Freiherren Pedro P. Pardines bezeichnet. Dieser erbaute den Turm „Koulia“ in Atalandi (eingestürzt 1957 und seither nur noch als Ortsbezeichnung „Paliopyrgos“ auf dem Hügel oberhalb der Stadt überliefert).Manthos K. Christophorou (Χριστοφόρου Μάνθος Κ.) 2001. Χρονολόγιο Οπούντος και Αταλάντης 4000 χρόνια – εν τάχει (Chronik von Opountos und Atalandi, 4000 Jahre im Überblick)». Atalandi, 2003, S. 13. Unter fränkischer Herrschaft unterstand diese Baronia Bonifatius I. und dem Herzogtum Athen. Sie war einer der vier bedeutenden Häfen mit dem Sitz in Talanti (Ταλάντι, La Calandri).
Im 13. Jahrhundert erschien Atalandi mit dem fränkischen Namen «Talantum». 1311 fiel das Herzogtum Athen durch die Schlacht von Kopaidas in die Hände der Katalanischen Kompanie. 1319 kam das Herzogtum unter die Herrschaft Siziliens.
1380 starteten „Navarer“ (Ναβαραίοι) einen Eroberungszug gegen die Katalanen von Atalandi. 1385 fiel ganz Fthiotida in die Hände der Serben mit Ausnahme von Atalandi. Den slawischen Einfluss erkennt man noch heute an slawischen Namen, wie bei dem Hausberg von Atalandi, dem Chlomo. 1388 wurde das Gebiet wiederum von Florentinern, angeführt von der Familie Acciaiuoli eingenommen. Damit endete die Herrschaft der Katalanen. 1393 wurde das Bistum von Talantion (Επισκοπή Ταλαντίου) mit Sitz in Talanti (Αταλάντη) begründet. Im selben Jahr begannen die Invasionen des Osmanischen Reichs. Die Auflösung des Herzogtums Athen durch die Osmanen im Jahr 1458 führte zur endgültigen Unterwerfung von Atalandi und der ganzen Lokris.
Osmanische Zeit