Titus Vestricius Spurinna (* um 25 n. Chr.; † nach 105) war ein im 1. Jahrhundert n. Chr. lebender römischer Politiker und zweimaliger Konsul in der frühen Kaiserzeit.
Herkunft und familiäres Umfeld Titus Vestricius Spurinna entstammte einem bereits in der späten Römischen Republik vorkommenden Geschlecht. Vermutlich war er ein Nachkomme eines anderen Titus Vestricius Spurinna und zwar des Auguren dieses Namens (so Plutarch; bei anderen Autoren war er lediglich Haruspex), der Gaius Iulius Caesar bereits einen Monat vor dessen Ermordung vor einer bis zu den Iden des März (44 v. Chr.) drohenden Gefahr gewarnt hatte.Cicero, De divinatione 119; Plutarch, Caesar 63,5 f.; Sueton, Caesar 81,4; vgl. dazu Barry Strauss: The Death of Caesar: The Story of History’s Most Famous Assassination. Simon & Schuster, New York u. a. 2015, S. 108 f. Er wurde um das Jahr 25 n. Chr. geborenPlinius, Epistulae 3,1,10., seine Eltern sind nicht bekannt.
Politische und militärische Laufbahn Wie sich die Anfänge von Spurinnas politischer Laufbahn abgespielt haben, ist nicht bekannt. Spätestens unter Nero wurde er Senator. In der antiken Literatur taucht er erst im Jahr 69 als Legat des Appius Annius Gallus, des Suffektkonsuls des Jahres 67, auf.Tacitus, Historiae 2,11,2. In dieser Eigenschaft besetzte und verteidigte er mit drei Prätorianerkohorten, tausend Vexillariern und einigen weiteren Soldaten, für Kaiser Otho die Stadt Placentia gegen die Anhänger des von seinen Truppen zum Kaiser erhobenen Vitellius unter Aulus Caecina AlienusTacitus, Historiae 2,18; Plutarch, Otho 5,5.. Es gelang ihm, Placentia zu behaupten; daraufhin schloss er sich der Hauptmacht an.Tacitus, Historiae 2,36,2. Ohne Zweifel nahm er an der Schlacht bei Bedriacum teil. Plutarch zählt ihn unter die berühmten Männer unter Othos Feldherren.
„Solange es ehrenhaft war, erfüllte er seine Pflichten, bekleidete Ämter und verwaltete Provinzen“.Plinius, Epistulae 3,1,12. Die meisten seiner Ämter kennt man nicht. Den Suffektkonsulat scheint er zwischen 84 und 93 bekleidet zu haben. Nach dem Tod Kaiser Domitians bat Marcus Aquilius Regulus, ein Ankläger aus der Zeit Domitians, sowohl andere als auch Spurinna, Plinius den Jüngeren wieder mit ihm zu versöhnen.Plinius, Epistulae 1,5,8–10. Spurinna hielt sich also Ende 96 oder Anfang 97 in Rom auf.
Als Statthalter (legatus Augusti pro praetore) von Germania inferior brachte er offenbar den König der Brukterer mit militärischer Unterstützung wieder in sein Königreich.Plinius, Epistulae 2,7,2. Die Provinz scheint er im Jahr 97 verwaltet zu haben, vielleicht schon unter Domitian. Für seine Taten in Germanien beschloss der Senat auf Antrag des Kaisers – wohl Nerva, möglicherweise Trajan – ihm eine Triumphstatue zu verleihen.Plinius, Epistulae 2,7,1. Er war wohl nicht nur mit Nerva, sondern auch mit Kaiser Trajan befreundet, da er am 1. April 98 zum zweiten Mal Suffektkonsul wurde, als Kollege des Trajan.
Privates Leben und kulturelles Wirken Im Alter war er ein hoch angesehener Greis.Plinius, Epistulae 4,27,6. Obwohl er über 77 Jahre alt war, blieb die Kraft seiner Augen und Ohren unvermindert.Plinius, Epistulae 3,1,11. Seinen Tag verbrachte er nach einem festen Ablauf: Spaziergänge, Lesen oder Gespräche mit Freunden, Fahrten im Wagen, Gedichte schreiben, Baden, Ballspiel und Abendessen.Plinius, Epistulae 3,1,3–9. Seine Ehefrau war Cottia.Plinius, Epistulae 3,10. Sein Sohn Cottius verlor er noch als jungen Mann,Plinius, Epistulae 2,7,3. während Spurinna offenbar als Statthalter in Germanien tätig war. Der Senat beschloss ihm zum Trost eine Statue für den Sohn.
Spurinna war ein Freund Plinius des Jüngeren, der ihm Briefe schrieb.Plinius, Epistulae 3,10; 5,17. Plinius sandte ihm und seiner Frau ein Büchlein zum Andenken an den Sohn CottiusPlinius, Epistulae 3,10. und berichtete ihm auch von einer Lesung des Dichters Calpurnius Piso, die er besucht hatte.Plinius, Epistulae 5,17. Er förderte die schönen Künste.Plinius, Epistulae 5,17,1. Er schrieb lyrische Gedichte in beiden Sprachen, also Griechisch und Latein, sehr gelehrt; sie zeichnen sich durch „große Süße, Anmut und Heiterkeit“ aus.Plinius, Epistulae 3,1,7.
Literatur
Prosopographia Imperii Romani (PIR) ² (2015) V 446.
Einzelnachweise
Kategorie:Konsul (Römische Kaiserzeit) Kategorie:Statthalter (Germania inferior) Kategorie:Römer Kategorie:Geboren im 1. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 2. Jahrhundert Kategorie:Mann