mini|Hase-Binnendelta bei Quakenbrück um 1903 mini|Hase-Binnendelta bei Quakenbrück Die Hase bildet auf ihrem 168 km langen Weg von der Quelle bei Wellingholzhausen (Landkreis Osnabrück) zur Mündung bei Meppen (Landkreis Emsland) in Niedersachsen zwischen Bersenbrück und Herzlake im Quakenbrücker Becken ein Binnendelta, welches Hase-Binnendelta genannt wird. Dieses liegt größtenteils im Norden des Landkreises Osnabrück, bedeckt aber auch den Süden des Landkreises Cloppenburg sowie den äußersten Osten des Landkreises Emsland.
Definition Der Begriff Hase-Binnendelta weist eine enge und eine weite Bedeutung auf: Das Hase-Binnendelta liegt der engen Begriffsbedeutung zufolge in dem Gebiet, in dem sich die Hase von Natur aus, also ohne menschliche Eingriffe, in mehrere Arme teilt. Das trifft auf den Bereich zwischen dem ehemaligen Schützenhofwehr oberhalb Quakenbrücks und der Einmündung des Bühnenbachs in die Große Hase oberhalb Löningens zu. Das Hase-Binnendelta liegt der weiten Begriffsbedeutung zufolge in dem Gebiet, in dem dem Oberflächenwasser heute Fließalternativen zur Verfügung stehen, also zwischen Bersenbrück und Aselage.
Der Einzugsbereich der Lager Hase gehört heute nach beiden Definitionen nicht zum Hase-Binnendelta. Er ist für diesen Artikel dennoch insofern von Bedeutung, als das Wasser aus der Lager Hase maßgeblich für die Eigenschaften des Wassers der Großen Hase und der Qualität der Flächen beiderseits der Deiche unterhalb der Vereinigung mit dem Essener Kanal verantwortlich ist.
Flussverlauf und -regulierung Eiszeitalter bis Mittelalter Das Hase-Binnendelta ist ein Relikt der vorletzten Kaltzeit, des aktuellen Eiszeitalters vor ca. 180.000 Jahren. Durch die Gletscher wurden die Dammer Berge und die Ankumer Höhe aufgeschoben. Nachdem das Eis geschmolzen war, blieb zunächst eine tiefe Mulde nördlich dieser Endmoränen zurück, es entstand im heutigen Artland ein großer Binnensee, teils bis zu 60 m tief, der später durch Schwemmsande teilweise wieder aufgefüllt wurde. Aufgrund der Temperaturänderungen nach dem Ende der Eiszeit verlandete der See immer mehr.Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): Erläuterungsbericht zum Plan für die Erneuerung der Dämme und Deiche an der Gehobenen Hase zwischen Quakenbrück und Gehrde im Landkreis Osnabrück. Oktober 2013. S. 9Natur- und Geopark terra.vita: . S. 6f. Bedingt durch den geringen Höhenunterschied (14 cm/km zwischen dem heutigen Quakenbrück und der HasemündungHorst Neumann: Gewässerkundliehe Daten über die Hase und ihr Einzugsgebiet mit 4 Tabellen. Osnabrücker Naturwissenschaftliche Mitteilungen. 1976, S. 11), bildete sich eine Sumpflandschaft, durch die sich die Hase mit zahlreichen Armen schlängelte und sich dabei auch häufig neue Wege in Richtung Westen suchte.
Der Weg in Richtung Norden war der Hase durch die Cloppenburger Geest versperrt. Im Osten bildeten die ausgedehnten Moore der Diepholzer Moorniederung einen Riegel, der auch dem Hasezufluss Vechtaer Moorbach den Weg durch die Lücke zwischen der Delmenhorster bzw. Cloppenburger Geest im Norden einerseits und den Ausläufern der Dammer Berge im Süden andererseits in Richtung Westen aufnötigte. Schließlich bildete im Westen das Hahnenmoor ein Hindernis, das nur durch einen Engpass nördlich von diesem überwunden werden konnte. In der Folge stauten sich oft Wassermassen im Quakenbrücker Becken.
Die in der Eiszeit geformte Urlandschaft des Hasetals hat im Verlaufe der Jahrtausende ihr Gesicht auch ohne Eingriffe durch den Menschen ständig verändert.Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): Erläuterungsbericht zum Plan für die Erneuerung der Dämme und Deiche an der Gehobenen Hase zwischen Quakenbrück und Gehrde im Landkreis Osnabrück. Oktober 2013. S. 9
Mittelalter bis 19. Jahrhundert Gehobene Hase Bereits im 13. Jahrhundert verlegten Mönche parallel zur Wrau, die zuvor den Hauptarm der Hase gebildet hatte, einen Kanal, die heutige Gehobene Hase. Durch diese Maßnahme sollte der Lauf der Hase zwischen Badbergen und dem Ortskern von Quakenbrück erhöht werden, um so den Betrieb von Wassermühlen zu erleichtern. Das aufgestaute Wasser der Kleinen Hase sollte auf das Niveau der Großen Mühlenhase herabfallen und so an der richtigen Stelle die Fließgeschwindigkeit unterhalb des Überfalls erhöhen. Die Mönche verwendeten zum Zweck des Kanalbaus vor allem Aushub oder Anlandungsboden aus dem Gewässer und bauten und verstärkten damit die erforderlich gewordenen Deiche. Nach heutigen Kriterien ist dieses Material für den Deich- und Dammbau eigentlich ungeeignet.Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): Erläuterungsbericht zum Plan für die Erneuerung der Dämme und Deiche an der Gehobenen Hase zwischen Quakenbrück und Gehrde im Landkreis Osnabrück. Oktober 2013. S. 10
mini|Haseüberfall im Jahr 2010 Im Jahr 1683 wurde der Überfall im Deich der Gehobenen Hase zum künstlichen Hasearm Überfallhase aus starken Eichenbohlen angelegt. Diese Konstruktion aus Eichenbohlen wurde durch ein Hochwasser am 12. Mai 1910 zum wiederholten Male weggerissen. Als Ersatz wurde das Schützenhofwehr errichtet, das bis 2013 die Wasserstände in der Hase regelte.Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): Erläuterungsbericht zum Plan für die Erneuerung der Dämme und Deiche an der Gehobenen Hase zwischen Quakenbrück und Gehrde im Landkreis Osnabrück. Oktober 2013. S. 11
Hauptzweck des Haseüberfalls (wie auch der später eingebauten Schleusen entlang der Gehobenen Hase) war es, bei Hochwasser so viel Wasser wie möglich vom Ortskern Quakenbrücks fernzuhalten. Neben der Gehobenen Hase und der Überfallhase ist auf der Bearbeitung einer Karte des preußischen Generalmajors Karl Ludwig von Le Coq aus dem Jahr 1805 durch den NLWKN auch die Deichhase als neues Gewässer markiert.Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): Erläuterungsbericht zum Plan für die Erneuerung der Dämme und Deiche an der Gehobenen Hase zwischen Quakenbrück und Gehrde im Landkreis Osnabrück. Oktober 2013, S. 10
Essener Kanal mini|Wehr Brokhagen Stau im Essener Kanal Der Essener Kanal wurde im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts angelegt. Zuvor floss an der Stelle, an der heute die Große Mühlenhase in den Essener Kanal einmündet, die Große Hase in Richtung Norden weiter und nahm bei Osteressen den Vechtaer Bach (Wortwahl Carl Heinrich Nieberdings) auf.Carl Heinrich Nieberding: Geschichte des ehemaligen Niederstifts Münster und der angränzenden Grafschaften. 1. Band. C. H. Fauvel, Vechta 1840, S. 8f. (online) Dass Nieberding die schon 1840 übliche Benennung des damals durchgehenden Wasserzugs kennt, zeigt er wenig später in seinem Text, indem er davon spricht, dass der Vechtaer Moorbach flussabwärts der Grenze der Stadt Vechta Aue und der Abschnitt hinter dem Gut Lage Lager Hase genannt werde. Dass später der Fladderkanal das Wasser des Vechtaer Moorbachs aufnehmen würde, konnte Nieberding 1840 noch nicht wissen.
Die Große Hase setzte bis zum späten 18. Jahrhundert den Lauf der Großen Mühlenhase in nördlicher Richtung bis Osteressen fort, passierte anschließend den Ortskern von Essen (Oldenburg) im Bett der heutigen Lager Hase und erreichte ihren aktuellen Flussverlauf an der Stelle, an der heute die Lager Hase und der Essener Kanal zusammenfließen. Dieser alte Flussverlauf ist auf der Karte Le Coqs gut zu erkennen.
Der Hauptzweck des Baus des Essener Kanals bestand darin, Essen von den Wassermassen aus dem Osnabrücker Land zu entlasten. Am Essener Ortskern fließt heute nur noch Oberflächenwasser vorbei, das aus der Mitte des Landkreises Vechta und dem Süden des Landkreises Cloppenburg stammt.
Als Essener Kanal wird heute der Abschnitt der Hase zwischen der Einmündung des Bünne-Wehdeler Grenzkanals und der Einmündung der Lager Hase bezeichnet.Niedersächsisches Ministerium für Klima, Energie und Umweltschutz: Flächenverzeichnis zur Hydrographischen Karte Niedersachsen. S. 15 Das Gewässer wird auch Neue Hase genannt.
Trentlager Kanal Der Trentlager Kanal zweigt an der Stelle von der Kleinen Hase nach rechts ab, an der diese die Grenze zwischen Quakenbrück und Menslage erreicht. Von dieser fließt er 8,5 km weit in nordwestlicher Richtung und erreicht die Große Hase dort, wo diese das Gebiet der an ihrem linken Ufer gelegenen Gemeinde Essen verlässt und ausschließlich durch Löningen zu fließen beginnt.
Bereits 1840 schreibt C.H. Nieberding von dem „von Quakenbrück kommenden Stumborgs Bach, oder neuen Canal“Carl Heinrich Nieberding: Geschichte des ehemaligen Niederstifts Münster und der angränzenden Grafschaften. 1. Band. C. H. Fauvel, Vechta 1840, S. 9 (online), womit er den Trentlager Kanal meint, da dieser im Wesentlichen dem Verlauf des ehemaligen Stumborger Baches folgt. Der Unterlauf des Baches wurde bereits 1805 auf der Karte Le Coqs als „neuer Bach“ markiert. Den damals noch unregulierten Oberlauf des Gewässers nennt Le Coq Steinbergen Bach.
Hahnenmoorkanal Der Hahnenmoorkanal, früher auch Menslager Kanal genannt, wurde um 1790 im Zusammenhang mit der Erschließung der südlich von ihm gelegenen Moore, insbesondere des Hahlener Moors und des Hahnenmoors angelegt. Nachdem zunächst die Hoffnung bestanden hatte, ihn befahren zu können, wird er seit dem frühen 19. Jahrhundert so gut wie nur noch als Vorflut benutzt.Franz von Reden: Das Königreich Hannover, statistisch beschrieben, zunächst in Beziehung auf Landwirthschaft, Gewerbe und Handel, Band 2. Hahn’sche Hofbuchhandlung. Hannover 1839. S. 366 Heute stellt er die Fortsetzung der Kleinen Hase in Richtung Westen dar, die sich dadurch erst beim Herzlaker Ortsteil Aselage im Emsland mit der Großen Hase vereinigt. Durch die Grabung des Kanals wurde das Hase-Binnendelta deutlich vergrößert. Vor dem Kanalbau bog die Kleine Hase vor Menslage in nördlicher Richtung ab. Der heutige Bühnenbach folgt im Wesentlichen dem Verlauf der früheren Kleinen Hase. Diese floss früher bereits oberhalb des Ortskerns von Löningen in die Große Hase. Auch Löningen wird durch die Westverlagerung des Delta-Endes bei Hochwasser von Wassermassen entlastet. Trotzdem flossen bei dem Hochwasser der Hase am 15. März 1981 pro Sekunde 110 Kubikmeter Wasser an Löningen vorbei. Das Hochwasser überflutete 1981 ein Drittel des Gemeindegebiets. Durch den Bau des 16,15 km langenNiedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz: Wasserkörperdatenblatt für Gewässer mit Priorität 3. Hahnenmoorkanal. November 2012, weitgehend kurvenfreien Hahnenmoorkanals mitten durch Moorgebiete verkürzt sich die Strecke, die das Hasewasser zwischen dem Schützenhofwehr bei Quakenbrück und Aselage zurücklegen muss, auf 24,3 km.Wilhelm Müller-Wille: . 1966. S. 266 Schnell fließendes Wasser ohne Ausbreitungsmöglichkeiten erhöht allerdings das Risiko stellenweise hoher Pegelstände.
mini|Hahnenmoorkanal östlich der Landstraße Herzlake–Berge Der für einen Kanal typische gerade Verlauf, die große Einschnittstiefe sowie die durchgehende Uferbefestigung durch Steinschüttung werden heute negativ bewertet.Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): Regionaler Strukturgütebericht der NLWK-Betriebsstelle Cloppenburg 2000 S. 30
Irritierenderweise bezeichnet Le Coq auch den heute Großer Mühlenbach genannten Hasearm als kleine Haase. Deren „neue“ Fortsetzung, der Essener Kanal, heißt bei ihm die neue Haase,Heimatbund für das Oldenburger Münsterland: und der Abschnitt der Großen Hase flussabwärts der Mündung der Lager Hase wird von ihm Alte Haase genannt.Heimatbund für das Oldenburger Münsterland:
20. Jahrhundert