Die Weender Straße ist die wichtigste Einkaufsstraße in der Innenstadt von Göttingen. Sie verläuft in Nord-Süd-Richtung durch das Zentrum Göttingens und ist in weiten Teilen Fußgängerzone. Sie ist nach dem nördlich Göttingens gelegenen und heute eingemeindeten Ort Weende benannt. Die Weender Straße ist als Nordsüdachse die älteste planmäßig angelegte Straße der Altstadt und noch heute eine der Hauptstraßen.

Lage Die Weender Straße beginnt im Süden an der Ostseite des Marktes gegenüber dem Alten Rathaus an der Straßenecke Rote Straße mit der Hausnummer 18, an der Westseite erst nördlich des Eckhauses am Markt mit der Hausnummer 11. Sie verläuft geradeaus nach Norden bis an das ehemalige Weender Tor (heute Heinz-Erhardt-Platz), wo sie an der Walldurchquerung den Namen zur Weender Landstraße wechselt. Die Verlängerung der Weender Straße vom Markt aus nach Süden trägt den Namen Kornmarkt.

Geschichte Benennungen Erstmalige urkundliche Erwähnung fand die Straße im Jahr 1338 unter der Bezeichnung Wendensi Platea,Heinrich Troe: Straßennamen und Straßennetz der Stadt Göttingen im späten Mittelalter. In: Dietrich Denecke, Helga-Maria Kühn (Hrsg.): Göttingen, Geschichte einer Universitätsstadt. Band 1: Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1987, ISBN 3-525-36196-3, S. 107–160, hier S. 119. 1560 dann erstmals mittelniederdeutsch unter dem Namen Weender Strate. Im 18. Jahrhundert hieß sie Weender-Gasse.Johann Daniel Gruber: Zeit- und Geschicht-Beschreibung der Stadt Göttingen (...). Bd. 1. Nic. Försters und Sohns Erben, Göttingen 1734, 2. Buch, S. 55 f. (Digitalisat) Nach dem städtischen Beschluss vom 3. Juni 1864 sollte die Straße vom nördlichen Ende des Marktplatzes bis zum Walldurchgang am Weender Tor den Namen Weender Straße tragen. Die südlich angrenzenden Gebäude gegenüber dem Alten Rathaus trugen die Straßenbezeichnung Markt, der weitere Verlauf des Straßenzuges südlich des Marktplatzes hieß Kornmarkt. Diese Straßen wurden in der Zeit des Nationalsozialismus mit Beschluss vom 28. Januar 1938 in Straße der SA umbenannt. Nach Kriegsende erfolgte am 17. April 1945 die Rückbenennung in Weender Straße, wobei die Ostseite des Marktes und die ehemalige Straße Kornmarkt nun ebenfalls als Weender Straße bezeichnet wurden.Gerd Tamke, Rainer Driever: Göttinger Straßennamen (= Veröffentlichung des Stadtarchivs Göttingen, 2). 3. neu überarbeitete, wesentlich erweiterte Auflage, Göttingen 2012. – Digitalisat (PDF, 2,9 MB) auf stadtarchiv.goettingen.de, abgerufen am 16. Oktober 2025 (ohne Seitenzählung, PDF-Seiten 5, 18, 19, 213. Die erneute namentliche Abtrennung der Straße Kornmarkt – also des Abschnittes vom Südostende des Marktes bzw. der Einmündung der Roten Straße bis zur Groner Straße bzw. Langen Geismarstraße – erfolgte erst am 5. März 1976.Gerd Tamke, Rainer Driever: Göttinger Straßennamen. Hrsg. Stadt Göttingen, Oberbürgermeister, Stadtarchiv. 3. neu überarbeitete, wesentlich erweiterte Auflage, Göttingen 2012 (= Veröffentlichung des Stadtarchivs Göttingen, 2). - Digitalisat (PDF) auf stadtarchiv.goettingen.de, abgerufen am 16. Oktober 2021. (Digitalisat ohne Seitenzählung, PDF-Seite 213) Die zuvor geltenden Hausnummern blieben dabei erhalten, so dass die Nummerierung der Weender Straße heute auf der Westseite mit Nr. 11 nördlich des Marktes und auf der Ostseite mit Nr. 18 am südlichen Ende des Marktes beginnt. des Landes Niedersachsen, Ausschnitt Südende der Weender Straße, abgerufen am 28. April 2015 Das nördliche Ende der Weender Straße liegt nach wie vor innen am Walldurchgang, wo sich ehemals das äußere Weender Tor befand. So trägt das Auditorium der Universität bereits die Adresse Weender Landstraße 2. des Landes Niedersachsen, Ausschnitt Nordende der Weender Straße, abgerufen am 28. April 2015

Geschichte 1754 wurde die Weender Straße erstmals mit einer Steinpflasterung („Fußbänken“) für Fußgänger ausgestattet.Otto Fahlbusch: Die Anlegung neuer Fußwege in den Hauptstraßen der Stadt Göttingen um die Mitte des 18. Jahrhunderts. In: Göttinger Jahrbuch, Bd. 5, 1957, S. 76–85, hier S. 83.

Die Weender Straße war und ist oftmals Ort von öffentlichkeitswirksamen Aufmärschen, Demonstrationen, Festumzügen usw. Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts fand hier regelmäßig der Weender Bummel statt. Der Straßendurchgangsverkehr in der Weender Straße wurde in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg immer stärker, so dass an der Kreuzung zur Prinzenstraße und Theaterstraße 1953 die erste Göttinger Ampel errichtet werden musste.

Beschreibung 1734

In einem 1734 gewissermaßen zu WerbezweckenDie Inschriften der Stadt Göttingen. Gesammelt und bearbeitet von Werner Arnold. Arnold Druckenmüller Verlag, München 1980, S. 22.Johann Daniel Gruber: Zeit- und Geschicht-Beschreibung der Stadt Göttingen (...). Bd. 1. Nic. Försters und Sohns Erben, Göttingen 1734, Vorrede, S. 2 ff. (Digitalisat) für die neu zu begründende Göttinger Universität von Johann Daniel Gruber verfassten Stadtführer wird die Weender Straße als erste und wichtigste Straße beschrieben. Gruber erläutert – in barocker Umständlichkeit – den Weg von Norden nach Süden und beginnt mit der Durchquerung der seinerzeit noch erhaltenen Befestigungsanlagen:mini|Weender Straße um 1910 mit dem Weender Bummel„Wenn wir nun (...) unsren Eintritt halten wollen; so kommen wir durch die äusserste Maure unter einen fein gebaueten Thurm, welcher wegen seines jetzigen Gebrauchs in dem daselbst die zum Vestungs-Bau verurtheilte Gefangene sitzen, das Stockhaus heißet; Nachdem wir 38. Schritt zwischen 2. hohen Mauren fortgegangen sind, kommen wir auch durch die innere höhere Maur, unter einem erhabenen ansehnlichen Thore, weg. Und hier befinden wir uns auf einer sehr ansehnlichen langen und breiten, von Norden nach Süden zulauffenden Gassen, welche (...) die Weender-Gasse genennet, und in die obere (Plateam Wendensem versus portam) und die untere (Plateam Wendensem versus forum) eingetheilet wird; wenn wir auf dieser fortgehen, und uns auf beyden Seiten nach den öffentlichen Gebäuden umsehen; so werden wir zuerst zur lincken Hand, auf ihrer Oestlichen Seite, die S. Jacobi Kirche mit ihrem vortrefflichen Thurm gewahr. Und wo sich am Marckte diese Gasse endiget, da nimt das Commendanten-Hauß die Ecke, zwischen dieser und der Ost-wärts lauffenden Barfüsser Gassen, ein. Gegen diesem über, auf der Westlichen Seite der Weender Gasse, steht der Schmiede-Gilden-Hauß, dessen unteres Stockwerck die Zoll-Bude genannt, und zum Auffenthalt der Bürger-Wache gebrauchet wird. (...) Die Wehnder Gasse führet uns auf den Marckt (...).“ Schließlich resümiert er: „So müssen wir bekennen, daß man in vielen Städten, so ansehnliche Gassen, als diese ist, nicht leicht antreffe; die gantze innere Stadt wird dadurch in 2. Theile getheilet.“Johann Daniel Gruber: Zeit- und Geschicht-Beschreibung der Stadt Göttingen (...). Bd. 1. Nic. Försters und Sohns Erben, Göttingen 1734, 2. Buch, S. 57. (Digitalisat)

Weender Tore Die Weender Straße war ursprünglich durch eine doppelte Stadtbefestigung nach Norden abgeriegelt. Nach dem Siebenjährigen Krieg wurden die Türme des inneren Weender Tores 1767 und 1769 abgebrochen.Otto Fahlbusch: Die Topographie der Stadt Göttingen (= Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens, H. 21). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1952, S. 46 f., S. 90 (Dazu auf S. 45 eine Grundrisszeichnung des inneren Weender Tors von 1765.)Otto Deneke: Aus der Baugeschichte Göttingens. Am alten, inneren Weender Tor. In: Alt-Göttingen (Beilage der Göttinger Zeitung), Jg. 2, 1934, Nr. 24 vom 29. September 1934, S. 77–79. Bald darauf folgte die Schleifung des äußeren Weender Tors mit seinen barocken Bastionsanlagen, die ein störendes Verkehrshindernis bildeten, da die Straße seitwärts hineinführte und durch ein langes Gewölbe hindurchging.Albrecht Saathoff: Geschichte der Universitätsstadt Göttingen seit der Gründung der Universität. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1940, S. 63. Ziel der Entfestigungen war nicht nur eine „offene Stadt“ zu schaffen, die nicht mehr in kriegerische Auseinandersetzungen gezogen wirdAlbrecht Saathoff: Geschichte der Universitätsstadt Göttingen seit der Gründung der Universität. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1940, S. 61 f., sondern auch die gestalterische Absicht, einen „freien Durchzug der Luft und eine freiere Ausfahrt zu gewinnen“Otto Fahlbusch: Die Topographie der Stadt Göttingen (= Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens, H. 21). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1952, S. 90. (Dazu auf S. 66 eine Grundrissskizze des äußeren Weender Tors von 1771.).

Statt der Festungsbauwerke markierte man den nördlichen Stadteingang 1780 durch zwei gekuppelte Sandsteinpfeiler mit nachts geschlossenen, hölzernen Torflügeln, wobei kleinere Seitendurchgänge dem Fußgängerverkehr dienten.Otto Fahlbusch: Die Topographie der Stadt Göttingen (= Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens, H. 21). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1952, S. 90. Auf jedem Pfeiler saß ein steinerner Löwe mit dem Stadtwappen. Dieses spätbarocke Weender Tor wurde 1863 für den Neubau des Auditoriums beseitigt, wobei die Löwen auf die Pfeiler des auf der anderen Seite der Stadt liegenden Geismartors versetzt und dort 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann eine grundlegende Veränderung des nördlichen Ausgangs der Weender Straße zu einer städtebaulich aufgeweiteten Platzfläche im Kreuzungsbereich zur Berliner Straße, Weender Landstraße und zum Nikolausberer Weg. Im Sprachgebrauch der Göttinger ist heute diese Kreuzung das Weender Tor. Der etwa 60 m langen Abschnitt zwischen den Wallaufgängen und der Kreuzung trägt in seiner Randbebebauung postalisch bereits die Adresse Weender Landstraße (Nr. 1: Grotefendgebäude, Nr. 2 Auditorium); der südwestliche Teil der Platzfläche wurde 2003Gerd Tamke, Rainer Driever: Göttinger Straßennamen. (= Veröffentlichung des Stadtarchivs Göttingen, 2). 3. neu überarbeitete, wesentlich erweiterte Auflage, Göttingen 2012. – Digitalisat (PDF, 2,9 MB) auf stadtarchiv.goettingen.de, abgerufen am 16. Oktober 2025 (ohne Seitenzählung, PDF-Seite 106). in Heinz-Erhardt-Platz umbenannt. Auf dem Platz- und Kreuzungsbereich stehen verloren drei Erinnerungsdenkmale: das Kriegerdenkmal der Universität Göttingen (1924), ein Berlinstein (1960) sowie die Heinz Erhardt Stele (2003).

Fußgängerzone mini|Blick nach Norden, im Hintergrund der Turm der Jacobikirche (2014)