Ciro riconosciuto ist ein Opern-Libretto in drei Akten von Pietro Metastasio. Erstmals aufgeführt wurde das Werk in der Vertonung von Antonio Caldara am 28. August 1736 zur Feier des Geburtstags der Kaiserin Elisabeth, der Gemahlin Karls VI., in Wien.

Eine deutsche Übersetzung des Librettos von Johann Anton Koch erschien 1772 unter dem Namen Der erkannte Cyrus im vierten Band seiner unvollendet gebliebenen Gesamtausgabe Des Herrn Abt Peter Metastasio Kayserl. Königl. Hofpoetens Dramatische Gedichte.Johann Anton Koch: Des Herrn Abt Peter Metastasio Kayserl. Königl. Hofpoetens Dramatische Gedichte, aus dem Italiänischen übersetzt. Vierter Band. Krauß, Frankfurt und Leipzig 1772 als Digitalisat beim Münchener Digitalisierungszentrum.

Handlung

Das Libretto handelt von der Jugend des medischen Königs Kyros II., hier italienisch Ciro genannt. Laut Herodot hatte der Mederkönig Astyages (Astyage) zwei Träume, die auf seinen Sturz durch den Sohn seiner Tochter Mandane hindeuteten. Er befahl deshalb seinem Vertrauten Harpagos (Arpago) die Tötung des neugeborenen Kyros. Doch führte Harpagos den Befehl nicht aus, sondern beauftragte den Hirten Mithradates (Mithradate), den Säugling in den Bergen auszusetzen. Dieser befolgte die Anweisung Harpagos’ ebenfalls nicht, sondern zog mit seiner Frau den kleinen Kyros als seinen eigenen Sohn auf.Herodot: Historien 1, 107–130. Die Handlung setzt fünfzehn Jahre später mit dem Wiederauftauchen des Kyros ein.

Die folgende Inhaltsangabe basiert auf dem 1751 in Dresden herausgegebenen Libretto der Vertonung von Johann Adolph Hasse.

Erster Akt

Feld mit einigen Bäumen an der medischen Grenze mit den Zelten von Astyages Hofstaat

Auf einer Seite sieht man ein großes offenes Zelt, auf der andern ein Pfahlwerk für die königlichen Wachen.

Nach Gerüchten, dass sein seit fünfzehn Jahren für tot gehaltener Enkel Ciro noch lebe, ließ König Astyage verlautbaren, dass er ihn freundlich aufnehmen wolle. Ciro solle ihn an der persischen Grenze erwarten. Hier warten auch seine Mutter Mandane und ihre Vertraute Arpalice auf Ciros Ankunft. Da Astyage noch nicht gekommen ist, schickt Mandane Arpalice zur Grenze, um Ciro zu begrüßen. Sie ahnt nicht, dass es sich um einen Betrüger handelt. In der Zwischenzeit erzählt Arpalices Vater Arpago Mandane im Vertrauen, dass auch ihr Ehemann Cambise kommen werde, den sie ebenfalls aufgrund des königlichen Befehls seit fünfzehn Jahren nicht sehen konnte. Mandane ist höchst erfreut. Arpago jedoch hat weitergehende Pläne. Weil Astyage für den Tod seines Sohnes verantwortlich ist, will er ihn stürzen und Ciro an seiner Stelle auf den Thron setzen. Cambise ist in die Verschwörung eingeweiht.

Das Innere von Mithridates Hütte mit einer einzigen Tür

Der Schäfer Mithridate klärt seinen Sohn Alceo darüber auf, dass er in Wirklichkeit Ciro, der Enkel des Königs sei und erzählt ihm, wie er ihn anstelle seines eigenen tot geborenen Sohnes aufgenommen hatte. Da Astyage seinen Mordbefehl inzwischen bedauere, habe der mit dem Mord beauftragte Arpago ihm inzwischen gestanden, dass er den Mord nicht begangen habe. Vorsichtshalber habe er ihm aber nicht die ganze Wahrheit gesagt, sondern vorgegeben, dass Ciro damals im Wald von den Skythen gefunden und aufgenommen worden sei. So könne er herausfinden, ob der König seine Mordpläne wirklich aufgegeben habe, und im schlimmsten Falle würde sein Zorn auf den Betrüger fallen. Mithridate lässt Alceo schwören, seiner echten Mutter Mandane nichts davon zu erzählen.

Nachdem Alceo gegangen ist, kommt Cambise in Schäferkleidung zu Mithridate und fragt nach dem Weg zum Opferplatz. Bevor Mithridate ihn dort hinführen kann, kommt König Astyage. Cambise versteckt sich und hört mit an, wie Astyage Mithridate befiehlt, den wieder aufgetauchten Ciro zu töten. Mithridate geht zum Schein darauf ein und schlägt als Helfer seinen Sohn Alceo vor. Weil Astyage diesen zu sehen verlangt, macht sich Mithridate sich auf, ihn zu holen. Während er auf Alceo wartet, legt sich Astyage zum Schlafen hin. Der versteckte Cambise sieht eine Chance, Astyage zu töten, kommt aus seinem Versteck und zieht den Degen. In diesem Moment kommt seine Frau Mandane, die Tochter Astyages und verhindert die Tat. Aufgrund seiner Verkleidung erkennt sie ihn zunächst nicht und weckt Astyage. Dieser erkennt Cambise sofort und lässt ihn verhaften.

Alceo hat den falschen Ciro getötet. Auf der Flucht vor der königlichen Wache kommt er zurück in die Hütte und findet Mandane dort. Beide wundern sich über die sofortige gegenseitige Zuneigung, die sie füreinander fühlen. Alceo erzählt ihr, dass er eine junge Frau vor zwei Räubern gerettet habe. Als er anschließend der Geretteten folgen wollte, sei er von einem vornehm gekleideten Unbekannten aufgehalten und bedroht worden und habe diesen versehentlich mit einem Steinwurf getötet. Die von Alceo auf diese Weise gerettete Arpalice kommt nun ebenfalls in die Hütte. Weil sie Mandane mit ihrem Namen anspricht, erfährt Alceo, dass diese seine Mutter ist. Arpalice berichtet, dass Ciro von Alceo getötet worden sei. Mandane trauert um ihren Sohn und glaubt, Alceo habe sie belogen. Weil dieser geschworen hat, seine wahre Identität noch zu verbergen, kann er den Irrtum nicht aufklären. Auch Arpalice kann sie nicht beruhigen. Mandane ruft Soldaten, um Alceo festnehmen zu lassen. Bevor er abgeführt wird, bittet Alceo Arpalice, sich um Mandane zu kümmern. Arpalice macht sich aber viel mehr Sorgen um Alceo. Beide empfinden Liebe füreinander, können es aber noch nicht zugeben.

Zweiter Akt

Eine große Ebene mit verwilderten Ruinen einer alten Stadt

Mithridate hat Mandane mitgeteilt, dass Alceo der echte Ciro sei. Ihr Sohn ist also doch noch am Leben. Sie erinnert sich an die Zuneigung, die sie bei ihrer Begegnung zu ihm verspürt hatte. Mithridate rät dringend zur Vorsicht. Er habe ihr das jetzt nur gesagt, um sie von ihrer unnötigen Trauer abzubringen. Ciro sei aber noch nicht außer Gefahr. Da nun der König Astyage kommt, schickt Mithridate Mandane vorsichtshalber fort. Astyage dankt ihm für seine Mithilfe am Mord Ciros. Als Lohn will er dafür sorgen, dass sein Sohn Alceo freigelassen wird. Er schickt Mithridate fort. Astyage denkt darüber nach, ob es vielleicht besser sei, seine Helfer Mithridate und Alceo verurteilen zu lassen, die inzwischen zu viel wissen. Er befürchtet jedoch, dass sie vor Gericht gegen ihn aussagen könnten. Daher sei es wohl besser, sie entweder freizugeben oder heimlich ermorden zu lassen. Arpago kommt und berichtet ihm, dass das Volk Rache für den Tod Ciros verlange. Astyage gibt vor, um seinen Enkel zu trauern, aber nichts tun zu können, weil Alceo Ciro nur versehentlich getötet habe. Er beauftragt Arpago, Alceo freizulassen. Nun kommt auch Arpalice und bittet um Gnade für Alceo. Sie selbst, nicht Alceo, sei schuld am Tod Ciros. Als Alceo herbeigeführt wird, ist Astyage erstaunt über sein edles Aussehen und fühlt eine unerklärliche Zuneigung zu ihm. Um seine eigene Beteiligung am Mord beim Verhör Alceos durch Arpago nicht versehentlich zu verraten, entfernt er sich. Arpago lässt nun wie befohlen Alceo frei und schickt die Wache fort. Anschließend kniet er vor ihm nieder und nennt ihn seinen König. Sie beschließen, vorsichtig zu sein und auch Mandane noch nichts zu verraten, um die weiteren Pläne nicht zu gefährden. Arpago geht.

Mandane gibt sich Alceo als seine Mutter zu erkennen. Er jedoch verhält sich wegen seines Schwurs sehr zurückhaltend und verlässt sie, um Mithridate um Erlaubnis zu bitten, sich ihr offenbaren zu dürfen. Mandane ist schwer enttäuscht von dieser Reaktion Alceos. Ihr Ehemann Cambise, der unerwarteterweise von Arpago freigelassen wurde, kommt nun. Sie erzählt ihm, dass der ermordete Ciro lediglich ein Betrüger gewesen sei und der Täter Alceo selbst der echte Ciro sei. Cambise ist entsetzt, hatte er doch mit eigenen Ohren gehört, wie Mandanes Vater diesem und Mithridate den Auftrag zum Mord an Ciro gegeben hatte. Er überzeugt Mandane, dass alles nur Täuschung sei, um von dem Mord abzulenken. Nach der sehr zurückhaltenden Begrüßung Alceos gibt ihm Mandane recht. Sie beschließen, den Tod ihres Sohnes zu rächen, Alceo am Brunnen der Diana einen Hinterhalt zu legen und ihn zu töten. Nachdem sich Cambise auf den Weg dorthin begeben hat, kommt Alceo zurück. Er hat endlich Mithridates Erlaubnis bekommen und gibt sich ihr als Sohn zu erkennen. Da sie ihm nicht glaubt, schickt sie ihn in den Hinterhalt zum Diana-Brunnen, wo er sie erwarten soll. Der zurückkommenden Arpalice, die sich nach Alceo erkundigt, gibt sie eine ausweichende Antwort. Arpalice ist besorgt um Alceo. Obwohl er als Schäfer nicht standesgemäß ist, hat sie sich in ihn verliebt.

Dritter Akt

Eine bergige Gegend

Mandane glaubt, dass Mithridate sie betrogen habe und beschimpft ihn als Verräter. Sie prahlt damit, Alceos Schicksal bereits besiegelt zu haben. Mithridate versichert ihr, dass sie sich täusche und Alceo wirklich ihr Sohn sei. Da sie ihm nicht glaubt, macht sich Mithridate auf, Alceo zu finden und zu retten. Da kommt Arpago, der ebenfalls auf der Suche nach Alceo ist. Er möchte ihn endlich dem Volk vorstellen. Mandane erzählt ihm von dem Hinterhalt. Da Arpago ihr glaubhaft versichert, dass Alceo ihr Sohn Ciro ist, schickt sie ihn zum Brunnen der Diana, um Alceo zu retten.

Mandane macht sich schwere Vorwürfe, Mithridate nicht geglaubt zu haben. Als Cambise mit einem blutigen Degen zurückkommt, fällt sie in Ohnmacht. Nun kommt Alceo auf der Suche nach seiner Mutter. Bevor Cambise ihn töten kann, wacht Mandane auf und versichert ihm, dass Alceo wirklich sein Sohn Ciro sei. Er erklärt, dass das Blut an seinem Degen von einer Wache des Königs stamme, die ihn wieder festnehmen wollte.

Astyage ist unbemerkt mit seinen Soldaten hinzugekommen. Er hat den Schluss des Gesprächs belauscht und so erfahren, dass Ciro noch lebt. Nun will er erfahren, wo sich Ciro aufhält. Er droht damit, Cambise zu töten. Arpago kommt ebenfalls zurück. Um Astyage in den Tempel zu locken, erzählt er ihm, dass sich Ciro dort aufhalte. Um zu verhindern, dass Mandane und Cambise an Ort und Stelle getötet werden, schlägt er vor, sie festzunehmen. Nach kurzem Zögern ist Astyage einverstanden und geht zum Tempel.

Arpago ruft die Soldaten auf, ihre Verstellung aufzugeben und Astyage in den Tempel zu folgen. Auch Cambise und Mandane folgen ihm und lassen Alceo allein zurück. Arpalice kommt zu ihm. Sie hat inzwischen bereits einen Teil der Wahrheit erfahren und weiß, dass Alceo nicht den echten Ciro getötet hatte und dieser noch lebt. In der ganzen Gegend werde schon gefeiert, und alle seien auf dem Weg zum Tempel. Alceo sagt ihr, dass sie Ciro noch vor allen anderen sehen werde und neckt sie damit, Ciro mehr zu lieben als ihn. Arpalice gesteht ihm darauf ihre Liebe.

Mithridate kommt vom Tempel zurück und holt Ciro hinzu, den er seinen König nennt. Arpago hat es bereits dem Volk kundgegeben, und alle wollen ihm Treue schwören. Arpalice ist erstaunt. Vorher war ihr Alceos Stand zu niedrig, und jetzt ist er zu hoch. Ciro aber beruhigt sie und versichert ihr seine Liebe. Er folgt Mithridate zum Tempel. Die allein zurückgebliebene Arpalice besingt die Unvereinbarkeit von Liebe und Verstand.

Außenansicht des prachtvollen Diana-Tempels auf einem Hügel

Astyage steht alleine mit dem Degen in der Hand. Cambise lässt den Ausgang versperren. Arpago teilt Astyage mit, dass er für den Hinterhalt verantwortlich ist und jetzt seinen Sohn rächen will. Sowohl Cambise als auch Arpago wollen Astyage erstechen, werden aber von Ciro und Mandane daran gehindert. Immerhin ist Astyage der König und zudem Mandanes Vater. Ciro möchte er seine Regentschaft nicht mit einem Königsmord beginnen. Er schwört Astyage seine Treue und fordert dies auch vom Volk. Die Verschworenen werfen beeindruckt die Waffen fort. Auch Astyage ist überwältigt. Er tritt Ciro die Krone freiwillig ab. Zum Abschluss der Oper preist der Chor den neuen König.

Geschichte