Tullnerbach ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk St. Pölten in Niederösterreich.
Geografie Tullnerbach liegt im niederösterreichischen Teil des Wienerwaldes. Es gehört zum Industrieviertel (auch Viertel unter dem Wienerwald). Die Fläche der Marktgemeinde umfasst km², etwa 72 Prozent der Fläche sind bewaldet.
Gemeindegliederung mini|hochkant|Ortsteile von Tullnerbach Das Gemeindegebiet besteht aus einer einzigen, gleichnamigen Katastralgemeinde und gliedert sich in drei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Irenental () samt Ameisberg, Brettwies, Erlschachen, Riedanleiten, Riederberg, Schmeißbach, Strohzogl, Troppberg und Wilhelmshöhe (im Tal des Tullnerbachs) Tullnerbach-Lawies () samt Lawies, Norbertinum, Schubertsiedlung und Weidlingbach (der Hauptort oberhalb des Wienerwaldsees) Untertullnerbach () samt Neuwirtshaussiedlung (unterhalb des Wienerwaldsees, bis 1977 auch Neuwirtshaus genannt)
Nachbargemeinden Eine der vier Nachbargemeinden liegt im Bezirk Tulln (TU).
Geschichte Mittelalter und frühe Neuzeit Der Name „Tullnerpach“ wurde erstmals 1565 erwähnt. Der Bach entspringt an der Riedanleiten und fließt aus der Richtung Tulln in die Wien. Früher wurde er auch „Tulnerbach“ geschrieben. Er soll nicht mit dem früheren Namensvettern verwechselt werden, der heutigen Großen Tulln, die bei Neulengbach beginnt, in die entgegengesetzte Richtung durch Sieghartskirchen fließt, ebenfalls früher als „Tulnerbach“ oder „Tullnerbach“ beschrieben wurde und in manchen Geschichtsbüchern auftaucht.
Das Gebiet umfasste einzelne kleine Holzhackersiedlungen. Lawies erscheint 1635 als „Labiwießen“, Unter-Tullnerbach hieß früher „Neuwirtshaus“, „Irenental“ (früher „Ober-Tullnerbach“ und „Hinter-Tullnerbach“, „Unter-Tullnerbach“ und dann „Vorder Tullnerbach“) scheint erst 1880 als Name auf.
Um 1460 errichteten die Franziskaner das Kloster Sancta Maria in Paradyso, das 1529 in den Türkenkriegen zerstört wurde. 1791 errichtete das k.k. Waldamt eine einklassige I. Volksschule Tullnerbach I im heutigen Irenental, die im Jahre 1967 aufgelassen wurde.
Ab dem Bau der Kaiserin-Elisabeth-Bahn Nach dem Bau der Kaiserin-Elisabeth-Bahn 1858 (der heutigen Westbahn) entwickelte sich eine beliebte Sommerfrische der Wiener Bevölkerung.
1850–1873 gehörte die Gemeinde Tullnerbach, die schon ursprünglich zum Teil zu Pressbaum gehört hatte, als Pressbaum-Tullnerbach wieder ganz dazu. 1873 trennte sich Tullnerbach endgültig von Pressbaum und wurde eine eigenständige Gemeinde.
1881–1890 errichtete der katholische Waisen-Hilfsverein aus Wien das Norbertinum als Knaben-Waisen-Asyl. Die Volksschule Tullnerbach II bestand von 1884 bis 1967. 1895–1897 wurde unter Bürgermeister Josef Knab das Gemeindeamt gegenüber dem Bahnhof errichtet. 1897 wurde der bisherige Bahnhof Preßbaum in Tullnerbach-Preßbaum umbenannt.
mini|hochkant|Hauptgebäude des Wientalwasserwerks Der Wienerwaldsee zwischen Lawies und Unter-Tullnerbach wurde in den Jahren 1895–1898 als Staubecken für die Wien und den Wolfsgrabenbach errichtet. Das Wientalwasserwerk der Compagnie des Eaux de Vienne, Societé anonyme versorgte mit dem hier aufbereiteten Wasser die westlichen Bezirke Wiens mit Nutzwasser.
1958 wurde das Wientalwasserwerk von der Stadt Wien übernommen und das Wasser, gemischt mit Hochquellenwasser, bei Bedarf in das Wiener und seit den 1990er Jahren auch in das Purkersdorfer Wasserleitungsnetz eingespeist. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde die Trinkwassergewinnung Ende 2004 eingestellt. Der See blieb als Natur- und Erholungsraum und Rückhaltebecken für die Hochwasser der Wien erhalten. 2008 wurde der Umbau mit einer Sanierung des Dammes abgeschlossen. Eine Nutzung als Badesee ist nicht vorgesehen.
Die Freiwillige Feuerwehr Tullnerbach in Lawies wurde 1900 gegründet, Tullnerbach-Irenental 1902, 1924 Untertullnerbach, die sich 1999 Tullnerbach anschlossen.
1908 wurde an der Wien ein Bad errichtet, welches 1991 abgebrochen wurde.
Flugversuch von Wilhelm Kress 1901 mini|hochkant=0.5|Denkmal für den Flugpionier Wilhelm Kress Am 3. Oktober 1901 startete Wilhelm Kress (1836–1913) als erster Österreicher auf dem Wienerwaldsee einen Flugversuch mit dem Kress’schen Drachenflieger. Statischen Auftrieb an der Wasseroberfläche erhielt er durch oben offene „schlittenförmige“ Schwimmkörper aus Aluminiumblech, die mit Drähten oder Seilchen abgespannten Tragflächen wiesen eine gewölbte Textilbespannung auf, der Motor – er sollte nur 240 kg wiegen, war jedoch 380 kg schwer – wirkte auf eine Luftschraube. Der Apparat war als Wasserflugzeug konzipiert, berührte jedoch schon bei einem luftschraubengetriebenen Fahrtest an der Wasseroberfläche bei Kurvenfahrt mit einer Tragfläche das Wasser. Infolge der Fahrt schnitt die Tragfläche tiefer ins Wasser hinein, der Apparat kippte – die Schwimmkörper liefen voll – und versank. Kress konnte sich dank eines Schwimmgürtels trotz schweren Werkzeugs in den Taschen solange über dem – neun Meter tiefen – Wasser halten, bis er per Boot geborgen werden konnte. Er blieb unverletzt.Unfall des Ingenieurs Kress Neue Freie Presse, Morgenblatt 4. Oktober 1901. In: Ministerialrat Dipl-Ing. V. Schützenhöfer, Blätter für Technikgeschichte, Band 10, S. 58, Digitalisat, abgerufen am 11. April 2018.
1913 errichtete man ihm zu Ehren das Kress-Denkmal, welches vom Bildhauer Rudolf von Weigl (dem späteren Ehemann von Mercédès Jellinek, der Namensgeberin der Automarke Mercedes-Benz) gestaltet wurde. Es wurde 1973 nach Untertullnerbach nahe der Staumauer am nördlichen Ufer des Sees versetzt. Die Kress’sche Luftschraube wurde in das neue Gemeindewappen aufgenommen.
Republik Österreich 1922 wurde in Lawies die erste öffentliche Beleuchtung installiert.
Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurde der Ort im Gegensatz zum nebenan liegenden Purkersdorf nicht Groß-Wien angeschlossen, sondern dem Landkreis Sankt Pölten zugeteilt. Die Grenze von Groß-Wien war von 1938 bis 1946 der Tullnerbach., 15. Oktober 1938, Verordnungsblatt von Wien, Jahrgang 1938, Nr. 23, (faktisch aufgehoben durch Bundesverfassungsgesetz vom 26. Juli 1946, BGBl. 110/1954); Purkersdorf fälschlich „Puckersdorf“ geschrieben.
Am 4. November 1973 wurde in einem Festakt im Norbertinum durch den damaligen Landeshauptmann Andreas Maurer die Markterhebungsurkunde überreicht.
Die Blasmusik Tullnerbach wurde 1974 gegründet.
Das neue Mehrzweckhaus der vereinten Freiwilligen Feuerwehr Tullnerbach (aus Tullnerbach(-Lawies) und Untertullnerbach) und der Blasmusik Tullnerbach, beim See, wurde am 16. Mai 2004 offiziell eröffnet.
Von 1956 bis zu dessen Auflösung mit 31. Dezember 2016 war Tullnerbach Teil des Bezirks Wien-Umgebung.
Einwohnerentwicklung
2001 hatte Tullnerbach eine Einwohnerdichte von 115 Einwohner/km².
Ab 1869 Gesamtzahlen laut Volkszählungen und Statistik der Standesfälle. Die Zahlen mit Jahresangabe 1830 wurden mit den Zahlen von Franz Xaver Schweickhardt direkt ergänzt.Franz Xaver Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens. Viertel unter dem Wienerwald:3. Band, Wien 1831: ;6. Band, Wien 1833: (heute Neu-Purkersdorf & Unter-Tullnerbach, nicht An der Stadlhütte); S. 181, „Strohzogel“ (heute heißt die Straße zum Gasthof Rieger so); S. 283, „Tulnerbach“ (heute Irenental); Wegemaut ist bei Tullnerbach und Stadlhütte erwähnt Die restlichen Zahlen stammen aus dem Historischen Ortslexikon. Warum beispielsweise Strohzogl oder Riedanleiten in der Grundquelle nicht bei Irenental aufscheinen, ist noch unklar. Abkürzungen: H = Häuser, Feuerstellen oder ähnliches; EW = Einwohner; Gelb hinterlegt: Die Zahl kommt nicht in der Hauptreihe vor, aber in den erweiterten Angaben. Unter „unzuordenbare Differenz“ steht die Differenz der Summen der drei Ortsteile zur Gesamtangabe. Nur ab 1951 wurde die errechnete Differenz dem Ortsteil Untertullnerbach zugeschlagen, da die Zuordnung mit den Vergleichszahlen aus 2001 eindeutig ist. Jahr Gesamt Lawies Irenental Unter-Tullnerbach unzuordbareDifferenz Heinrats-Heinrichs-berg Ried-anleiten Sandling,Sandling-graben Schlief-graben Schmeiß--bach,-berg Stroh-zogl Tirlitz-grub BemerkungHEWHEWHEWHEWHEWHEWHEWHEWHEWHEWHEWHEW 1678 34 „Hüttler im Tullnerbacher Amt“ 1679 / 1680 erw.6 erw. erw. erw. - erw. erw. erw. und Erlschachen, Grasleiten, Rottmann, Zausfal, alles urkundlich erwähnt 1684 22 „aufrechte Hüttler im Tullnerbacher Amt“ 1751 47 5 32 102 11 27 23 Tullnerbach: 24 1783 335 175 160 71 27 Tullnerbach: diesseits des Baches 175, jenseits 62 EW; 62+27+71=160; Pfarrprotokoll 1787 47 1794 58 3081897 28150 12 61 + + + + Strohzogl & Heinrichsberg: 12/61, Tullnerbach: 28/150 1795 58 18 40 1822 62 19 43 1823 349 Kirchl. Topographie 1830 62 295199431174 12 27 12 62 Tullnerbach: 31/174 1846 327 (Karte mit Flurnamen) 1869 86 505 1880 136 83346310 90523 1890 172 1.288 1900 225 1.701109603 1161.098 1910 261 1.933111637 1501.296 1923 274 2.100124857 1501.243 1934 306 1.949 1939 1.623 1951 347 1.7631911.115124471 32 177 1961 385 1.6092191.068132387 34 154 1971 488 1.6832911.038150424 34 221 1981 686 1.9943641.238244553 78 203 1991 794 2.2924091.374288653 97 265 2001 953 2.3324801.425337657136 250 2003 2.397 2004 2.453 2005 2.506 2006 2.512 2007 2.594
Religion Die Mehrheit der Bevölkerung ist römisch-katholisch. Die Bewohner besuchen 3 Kirchen in Pressbaum (für Lawies), Irenental und Unter-Tullnerbach (Filialkirche). Eine evangelische Kirche und ein Königreichssaal der Zeugen Jehovas befinden sich in der Nachbargemeinde Pressbaum.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Sancta Maria in Paradyso mini|Pfarrkirche Irenental
Gründerzeitvillen in Lawies und Unter-Tullnerbach Katholische Pfarrkirche Irenental Maria Schnee Staudamm des Wienerwaldsees Aussichtsturm am Troppberg Wilhelm-Kress-Denkmal Sancta Maria in Paradyso: um 1440 gegründetes Franziskanerkloster, das 1529 im Zuge der ersten Türkenbelagerung Wiens zerstört wurde. Die Grundmauern eines spätgotischen, dem hl. Laurentius geweihten einschiffigen Kirchleins sind noch zu sehen.
Wirtschaft und Infrastruktur Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 137, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 21. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 1.084. 939 Personen pendelten aus und 327 ein. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 49 Prozent.
Verkehr Bahn: Tullnerbach liegt an der alten Westbahn. Am Bahnhof Tullnerbach-Pressbaum halten halbstündlich Züge der S-Bahn-Linie S50 in Richtung Wien Westbahnhof bzw. Eichgraben-Altlengbach. Zusätzlich gibt es ebenfalls halbstündliche REX in Richtung Wien Westbahnhof sowie St. Pölten Hauptbahnhof. Der Bahnhof wurde in den Jahren 2023 und 2024 modernisiert.
Bildung Kindergarten Volksschule Wienerwaldgymnasium Tullnerbach
Sport Tullnerbach ist ein typischer alter Sommerfrische-Ort. Die möglichen Aktivitäten sind hauptsächlich Wandern, Laufen, Radfahren und seit einigen Jahren bei genügender Schneelage auch Langlaufen.
Rund um den Wienerwaldsee gibt es einen Promenadenweg, welcher sich zum Wandern, Laufen, Skaten und Radfahren eignet. In der Nähe der Staumauer gibt es am nördlichen Ufer einen Skaterplatz.
Eine beliebte Wanderroute führt über das Irenental und den Ameisberg auf den 542 m hohen Troppberg, auf dessen Gipfel es eine 25 m hohe Aussichtsplattform mit Stufen aus Gitterrosten gibt. Auch mit dem Mountainbike kann man den Troppberg über Purkersdorf und Gablitz erklimmen.
Eine weitere beliebte Route ist der waldige Karl-Ritter-Weg auf die Wilhelmshöhe bis zum Buchberg.
Im Winter gibt es im Irenental bei günstiger Schneelage drei gespurte Langlaufloipen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.
Und im Sommer begibt man sich in ein Freibad der Nachbargemeinden Pressbaum oder Purkersdorf.
Musik