Pressbaum ist eine Stadtgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk St. Pölten in Niederösterreich.
Geografie Pressbaum liegt am Hauptkamm des Wienerwaldes im Industrieviertel. Im Gemeindegebiet entspringt die Wien, die durch das von ihr gebildete Wiental bis in den Wiener Donaukanal fließt. Pressbaum selbst liegt zum größten Teil im Wiental und in anschließenden Seitentälern wie der Pfalzau, dem Weidlingbachtal und der Brentenmais. An manchen Abschlüssen der Täler liegen Sättel wie der Rauchengern, der Hengstl oder der Rekawinkler Berg. Höher gelegene Ortsteile sind Dürrwien, Haitzawinkel, in der Bonna, Rekawinkel und Schwabendörfl, wobei letztere beiden direkt am Hauptkamm des Wienerwaldes liegen. Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst Quadratkilometer, 78 Prozent der Fläche sind bewaldet.
Die bekanntesten Erhebungen sind der Pfalzberg, der Bihaberg, der Saubühel und der Karriegel. Der höchste Punkt im Gemeindegebiet ist der Jochgrabenberg mit
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst vier Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand )BEV – Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen: Katastralgemeindenverzeichnis. (ZIP; 157 kB) Aktualitätsstand (Stichtag) der enthaltenen Daten: 3. März 2023.4. Teil: Gemeinden – Niederösterreich – 373. Pressbaum. In: Österreichischer Amtskalender online. Jusline Österreich (Verlag Österreich), Wien 2002–, .: Au am Kraking () samt In der Au, In der Bonna und Rauchengern Pfalzau () samt Fellinggraben, Klaushäuseln, Ober Kniewald, Pfalzberg, Schwabendörfl und Unter Kniewald Pressbaum () samt Bartberg, Bihaberg, Brentenmais, Dürrwien, Frauenwart, Haitzawinkel, Offene Meidling, Wallner und Weidlingbach Rekawinkel () samt Am Hagen und Sonnleiten
Die Gemeinde besteht aus vier Katastralgemeinden: Au am Kraking Pfalzau PreßbaumAnmerkung: Die KG schreibt sich anders als die Ortschaft. Rekawinkel
Nachbargemeinden Je eine der neun Nachbargemeinden liegt im Bezirk Baden (BN) bzw. im Bezirk Tulln (TU).
Geschichte
Altertum und Mittelalter Das Gebiet dürfte nach Fundstücken (Beilfund) zu schließen möglicherweise schon in der Jungsteinzeit besiedelt gewesen sein. Im Altertum gehörte das Gebiet des heutigen Pressbaum zum keltischen Königreich Noricum, nach dessen Eingliederung ins Römische Reich zur Provinz Noricum und später zur Provinz Pannonia. Mehrere Fundzeugnisse, so ein in an der Gemeindegrenze (bereits in Sieghartskirchen) gelegenes Grab, das so genannte „Römergrab“, weisen auf Zivilisationsspuren aus jener Zeit hin, in der dieser Teil des Wienerwaldes sowohl Rückzugsgebiet für die ursprünglich kelto-illyrische Bevölkerung als auch Neusiedlungsgebiet für altgediente römische Soldaten (Romanes) war. Ein weiteres Grab in diesem Kontext wurde im Zuge des Straßenbaus der Straße von Rekawinkel nach Kogl gefunden, jedoch durch den Straßenbau zerstört. Ob das heutige Gemeindegebiet in der Zeit der Römer von Verkehrslinien, wie Wege oder Straßen berührt wurde, ist nicht klar. Jedenfalls lag die Grenze zwischen den Provinzen Noricum und Pannonien am Hauptkamm des Wienerwaldes (Cetius Mons), der durch das heutige Gemeindegebiet führt. Bis heute hat sich diese Grenze erhalten und zwar als Diözesangrenze der katholischen Kirche: Pressbaum gehört zur Diözese Wien, die westliche Nachbargemeinde Eichgraben zur Diözese St. Pölten.
mini|Um 1790 war die Gegend von Preßbaum unter „Tonnering“ beschrieben (Mitte links), südlich davon die damals angenommene Quelle des Wienflusses (Josephinische Landesaufnahme) mini|Pressbaum um 1900, Ausschnitt aus einer Lithographie nach einem Gemälde von Giovanni Varrone (Privatbesitz). Zu sehen sind das Zentrum mit der alten Kirche, der Volksschule, der damals neu errichteten Westbahn und dem Kloster Sacré Coeur. Zur Zeit der Völkerwanderung war der Wienerwald und damit auch das Gemeindegebiet des heutigen Pressbaum nach Westen hin Grenze sowohl des Reiches der Awaren als auch der Ungarn. Auf diese Zeit weist noch die Flurbezeichnung „Am Hagen“, anspielend auf eine Verschanzung, hin.
Frühe Neuzeit Bis 1572 ist die weitere Geschichte der Gegend im Unklaren, war der Wienerwald doch herrschaftlicher Bannwald und damit nicht der Öffentlichkeit zugänglich, was wahrscheinlich auf Grund des Urwaldcharakters auch nicht so leicht möglich war. Kaiser Maximilian II. ordnete 1572 erstmals eine dokumentarische Aufnahme des Gebietes in Form eines Waldbuches an, zuständig war das Kaiserliche Waldamt im Schloss Purkersdorf. In diesem Buch werden auch erstmals auch heute noch bekannte Flurbezeichnungen des Gemeindegebietes genannt. Aus den beiden Ämtern „Anzbacher Amt“ und „Koglinger Amt“ des insgesamt zwölf Ämter umfassenden Wienerwaldes entwickelte sich im Laufe der Zeit das Gemeindegebiet von Pressbaum.
mini|Das vermutlich älteste Haus Pressbaums, der heutige „Gasthof Lindenhof“, ursprünglich im Besitz des Försters Tanner, nach dem dann der Ort auch lange als „Tannerin“ oder „Tonnerin“ bezeichnet wurde. Das Haus wurde seither sicher mehrmals umgebaut und erweitert.Die Unterstellmöglichkeit für Pferde und Kutschen (rechts) ist heute ein Blumengeschäft. Es heißt, dass nach der Ersten Wiener Türkenbelagerung aus Wien geflüchtete Bewohner die Ersten waren, die im heutigen Pressbaum ansässig wurden, jedenfalls stammen aus der Zeit danach die ersten datierten Bauwerksteile (Durchzugsbalken von 1609) und die erstmalige Flurbezeichnung „Pressbaum“ findet sich 1633. Die Bevölkerung setzte sich vor allem aus Wald- und Forstarbeitern zusammen, die aus den Gebieten Salzburg, Oberösterreich, der Steiermark sowie aus Bayern und Schwaben hier angesiedelt wurden.
1675 wurde Paul Tanner (oder Thonner) Förster des Anzbacher Amtes und ersuchte aus diesem Grund, sich in seinem Arbeitsgebiet ansässig machen zu dürfen. Mit der erhaltenen Genehmigung errichtete er das erste Haus, das „beim Pressbaum“ gelegen war, das heutige Gasthaus Lindenhof, welches damit wahrscheinlich das älteste Haus der heutigen Gemeinde ist. Daher rührt auch die bis ins 19. Jahrhundert geläufige Bezeichnung „Tonnerin“, „Tannerin“ oder „Tannering“ für Pressbaum. 1681 übernahm Christian Pezzelberger das Forstamt. Er war es, der das Ersatzheer der Allianz – bestehend aus Truppen aus Österreich, Polen, Bayern und Baden, das sich gegen die Wien belagernde Armee der Osmanen in Tulln sammelte – über den Hauptkamm des Wienerwaldes zur Schlacht am Kahlenberg führte.
Im Zuge der kriegerischen Handlungen der Zweiten Türkenbelagerung Wiens, vor allem durch umherstreifende Tataren, die Pressbaum von Südwesten aus Hochstraß kommend erreichten, mehr aber noch durch die einige Jahre zuvor wütende Pest, wurde die Bevölkerung Pressbaums schwer in Mitleidenschaft gezogen. So wurden neuerlich Holzarbeiter aus Oberösterreich und der Steiermark angesiedelt, die gegen eine bestimmte Leistung von Rodungsarbeit je nach Größe (1/4, 1/2 und 1 ganze) „Duckhütten“ errichten und mit entsprechendem Grundstück bewirtschaften durften. Diese so genannten Hüttler bildeten den Kern der damaligen Einwohner. mini|Pressbaum um 1900, vom Talausgang der Pfalzau aus gesehen. In der oberen Bildhälfte befindet sich heute die Autobahnbrücke der A 1 über dem Tal.
18. Jahrhundert Die weitere Zeit bestimmte vor allem die Holzgewinnung und die Köhlerei das Leben der Region. Das geschlägerte Holz wurde mittels eigens dafür errichteten Anlagen den Wienfluss hinunter getriftet, wo es dann vor allem in Wien weiterverarbeitet wurde.
1713/14 wütete abermals die Pest im Gebiet und die Einwohner durften den Ort aus Quarantänegründen nicht verlassen. Deswegen baten sie um Erlaubnis, eine eigene Kapelle errichten zu dürfen, da der bis dahin wöchentliche Kirchgang nach Purkersdorf nicht möglich war. Der Legende nach trafen sie sich bis dahin immer dazu „beim Pressbaum“, einem für eine Mostpresse bestimmten, geschlägerten und nie abgeholten Baum. 1723 wurde die daraufhin errichtete Kapelle für öffentlich erklärt und 1730 konnte die diese ersetzende erste Kirche eingeweiht werden. mini|Franzosengrab, steht auf Privatgrund in der Uferzeile.
1783 Erhebung zur Pfarre.Geschichte. In: Die Pfarre Pressbaum. Abgerufen am 6. April 2022.
Die Durchzüge der französischen Armee unter Napoleon, die 1805 und noch einmal 1809 den kürzesten Weg durch den Wienerwald über Eichgraben nehmend durch Pressbaum zog, waren wiederum einschneidende Erlebnisse für das inzwischen zu einem typischen Wienerwald-Holzfällerdorf angewachsenem Pressbaum. Der Legende nach wurden Josef Schönach und Michael Helm im Tal Pfalzau hingerichtet, wovon das von Rudolf Pleban gestaltete und an jener Stelle errichtete Franzosenkreuz erzählt. Ein weiteres Opfer der Franzosen war der Dorfschullehrer Josef Peschka. Auf heutigem Privatgrund steht ein anderes Denkmal aus jener Zeit, das Franzosengrab, eine kleine Kapelle, bei der 14 Gräber aus jenen Tagen gefunden wurden. In manchen Aufzeichnungen bzw. Beschreibungen wird diese Kapelle auch als Türkenkapelle bezeichnet, was die Zuordnung der gefundenen Gräber in die Zeit der Türkenbelagerungen mit sich bringen würde.
19. Jahrhundert Erst nach der herrschaftlichen Grundaufhebung von 1848 wurde Pressbaum eine selbstständige Gemeinde, die 1850 dem Bezirk Hietzing zugeordnet wurde. Damals hatte Pressbaum 358 Häuser.
1872 verstarb der Maler Eduard Bitterlich, ein Schüler Ferdinand Waldmüllers und Ausgestalter der Wiener Oper, in der Pfalzau. Seine Gemälde in der Staatsoper wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. mini|Winterstimmung beim Taleingang in die Pfalzau, mit Aquädukt der II. Wiener Hochquellenwasserleitung und einem alten Forsthaus, einer ehemaligen Duckhütte
Von 1850 bis 1873 gehörte die Gemeinde Tullnerbach, die schon ursprünglich ein Teil Pressbaums war, vorübergehend wieder zu Pressbaum. mini|Preßbaum im Wiental und südliche Umgebung um 1872 (Aufnahmeblatt der 3. Landesaufnahme)
1858 erfolgte der Bau der Bahnstrecke Wien–Salzburg der k.k. privilegierten Kaiserin Elisabeth-Bahn, benannt nach der Gemahlin Kaiser Franz Josephs. Die Anbindung Pressbaums an die (heute) Alte Westbahnstrecke sorgte für einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung der Region.Bahnhof Pressbaum. In: wienerwald.info, abgerufen am 6. April 2022. Kaiserin Elisabeth gelangte bei ihren ausgedehnten Wanderungen auch nach Pressbaum, wovon die gefasste Wienflussquelle auf dem Pfalzberg, das „Kaiserbrünndl“ und ein Trinkglas, das im ehemaligen Gasthaus „Zur Pfalzau“ aufbewahrt wird, aus dem Elisabeth angeblich Milch getrunken hat, zeugt. Der Überlieferung nach schmeckte Elisabeth das Wasser der Wienflussquelle so gut, dass sie es sich für die Herstellung ihres Kaffees nach Wien bringen ließ.
Die Anbindung der Eisenbahn bedeutete für Pressbaum eine radikale Änderung der Dorfstruktur. Innerhalb weniger Jahre wandelte sich das Holzfällerdorf zum Sommerfrischerefugium der besseren Wiener Gesellschaft der Belle Époque. Die damals von den Baumeistern der Palais der Wiener Ringstraße errichteten Villenbauten prägen auch heute noch Teile der Gemeinde. In dieser Zeit wurden auch die heute das Zentrum bestimmenden Gebäude, die Volksschule (1891 aufgestockt) und die katholische Kirche (1906 bis 1908) errichtet. Die katholische Kirche ist eine der wenigen reinen Jugendstilbauten, die im sakralen Bereich errichtet wurden. mini|Pfarrkirche mit Pfarrhof und Kriegerdenkmal (rechts) 1881 verbrachte Johannes Brahms seine Sommerfrische im Pressbaumer Ortsteil Brentenmais und vollendete hier die Nänie (Op. 82) und sein 2. Klavierkonzert (Op. 83). Noch mehr mit Pressbaum verbunden war der Musiker, Operndirektor und Librettist der Strauss-Oper Die Fledermaus, Richard Genée, der in Tullnerbach wohnte, sich aber rege am Gesellschaftsleben in Pressbaum beteiligte, unter anderem im lokalen Gesangsverein, und sogar ein Lied über Pressbaum komponierte.
1891 bis 1892 wurde das Sacré Coeur (katholische Schule) in Pressbaum zusätzlich zum Haus in Wien-Landstraße errichtet.Campus Sacre Coeur – Geschichte. In: ac.at, abgerufen am 6. April 2022.
20./21. Jahrhundert