Briescht (, dialektal Brěšc/Brěst, „Ulmenort“Sophie Wauer: Brandenburgisches Namenbuch. S. 226.) ist ein Ortsteil der Gemeinde Tauche im Brandenburger Landkreis Oder-Spree mit rund 200 Einwohnern. Zu Briescht gehört der Wohnplatz Schwarzer Kater.
Das Dorf liegt in der mehrfach geschützten Niederung der mäandrierenden Krummen Spree an der Grenze zum Unterspreewald. Sehr wahrscheinlich um 1180 erstmals urkundlich erwähnt, stand Briescht als Teil der Herrschaft Beeskow bis in das 16. Jahrhundert unter dem Einfluss der Markgrafschaft Lausitz beziehungsweise der sächsischen Kurfürsten. In der frühen Neuzeit gehörte das Rittergut Briescht zum später königlichen Gut Kossenblatt und war weitgehend landwirtschaftlich geprägt.
Um 1900 wurde im Ort eine königliche Försterei angesiedelt, deren Ensemble heute als Alte Försterei Briescht denkmalgeschützt ist. Im 20. Jahrhundert erlangte der Ort Bedeutung durch die Norddeutschen Parkettwerke, die bis in die DDR-Zeit, dann als VEB, Parkett produzierten. Der Parketttransport erfolgte über den ehemaligen Bahnhof Briescht der 1995 stillgelegten Niederlausitzer Eisenbahn. Sehenswert ist neben der Alten Försterei die hölzerne Spreebrücke Briescht, die 1992 nach historischem Vorbild als Zugbrücke erbaut wurde.
Geografie und Naturraum Lage und Geologie Die 1104 Hektar umfassende Gemarkung Brieschts liegt auf dem südlichen Ausläufer der Beeskower Platte (Naturräumliche Haupteinheit 824) zum Spreetal hin. Die Spree fließt in diesem Flussabschnitt in der glazialen Brieschter Talung unter dem Namen Krumme Spree von West nach Ost und trennt die Beeskower Platte von der südlich anschließenden Lieberoser PlatteOlaf Juschus: Das Jungmoränenland südlich von Berlin – Untersuchungen zur jungquartären Landschaftsentwicklung zwischen Unterspreewald und Nuthe. S. 2. Dissertation, Humboldt-Universität Berlin, 2001. Auch in: Berliner Geographische Arbeiten 95. ISBN 3-9806807-2-X, Berlin 2003. Siehe Abbildung 2 Platten und Urstromtalungen im Jungmoränenland südlich Berlins in Kapitel 1 und im Kapitel 4 Abb. 32 und die Unterabschnitte 4.3.4.3 und 4.3.4.5./Leuthener SandplatteManagementplanung Natura 2000 im Land Brandenburg. S. 4. (Naturräumliche Haupteinheit 825). Das Dorf selbst liegt ungefähr im Zentrum seiner Gemarkung am nördlichen Spreeufer, der Wohnplatz Schwarzer Kater südlich des Flusses. Während die ausgedehnte, in etwa kreisförmige bis quadratische Gemarkung im Norden neben kleineren Waldabschnitten von Offenland geprägt ist, wird der Teil südlich der Spree nahezu vollständig von einem ausgedehnten Waldgebiet eingenommen.
Im Westen grenzt die Brieschter Gemarkung an Kossenblatt, im Norden an Giesensdorf, im Nordosten an Stremmen, im Südosten und Süden an Trebatsch und im Südwesten an Schuhlen-Wiese, einen Ortsteil der Gemeinde Märkische Heide im Landkreis Dahme-Spreewald. Alle anderen angeführten Nachbarorte gehören wie Briescht zur Gemeinde Tauche.Brandenburg-Viewer, Digitale Topographische Karten 1:10.000 (Menu – „Mehr Daten“ – anklicken und entsprechend auswählen; zu den Gemarkungsgrenzen „Liegenschaftskataster“ und dort „Gemarkungen“ zuschalten.)
Verkehrsanbindung und Radwege mini|Spreebrücke Briescht mini|Eisenbahnbrücke Briescht mit der mehrfach geschützten Flussaue der Spree. Östlich der Brücke (links im Bild) beginnt das NSG Spreebögen bei Briescht. Das Breitgassendorf wird von West nach Ost von der Brieschter Dorfstraße durchzogen, Teil der Kreisstraße 6724 nach Kossenblatt im Westen und Trebatsch im Südosten. Von der Dorfstraße zweigt nach Süden die Ortsstraße „An der Spree“ ab, die über die hölzerne Spreebrücke Briescht und nach der Brücke unter dem Namen „Schwarzer Kater“ zum ehemaligen Hof Schwarzer Kater führt und dort endet. Die Straßen und die Brücke sind zudem Teil des Spreeradwegs und des Radwanderwegs Märkische Schlösser-Tour. Die Radwege verlaufen nach dem Straßenende weiter nach Rocher, einen Wohnplatz des Taucher Ortsteils Trebatsch. Im Öffentlichen Nahverkehr vernetzt die Linie 404 der Busverkehr Oder-Spree (BOS) Briescht mit Tauche, Mittweide und Beeskow.Busverkehr Oder-Spree GmbH: Linie 404.
Bis zur Stilllegung 1995 war der Bahnhof Briescht Haltepunkt der Niederlausitzer Eisenbahn, die von Beeskow über Briescht und Lübben zum Bahnknotenpunkt Falkenberg/Elster verlief. Von der Eisenbahnzeit zeugt neben dem Bahnhof, der heute in privater Hand ist, noch die Eisenbahnbrücke Briescht, die rund 200 Meter östlich der Zugbrücke die Spree überquert.
Schutzgebiete
Die gesamte Flussaue der Spree zwischen Werder und Trebatsch ist als Landschaftsschutzgebiet Krumme Spree ausgewiesen und zudem mit zwei im LSG liegenden FFH-Gebieten Teil des kohärenten europäischen ökologischen Netzes besonderer Schutzgebiete Natura 2000.Bundesamt für Naturschutz (BfN): Kartendienst Schutzgebiete in Deutschland. Ausschnitt Tauche. Das hauptsächlich westlich der Brieschter Eisenbahnbrücke gelegene und 2324 Hektar umfassende FFH-Gebiet Spree charakterisiert der Steckbrief des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) unter der Nummer 3651-303 wie folgt: Landesweit bedeutsames Fließgewässer mit herausragender Verbindungs- und Ausbreitungsfunktion für Fischotter, Biber und zahlreiche Fischarten, Aue mit typischen Lebensräumen.
Östlich schließt sich mit 111 Hektar das Naturschutzgebiet Spreebögen bei Briescht an,Minister für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg: Verordnung über das Naturschutzgebiet „Spreebögen bei Briescht“. Vom 26. Juni 2002. (GVBl.II/02, Nr. 21, S. 472.). Potsdam, den 26. Juni 2002. Inkrafttreten der Verordnung: 27. August 2002. das zudem unter der Nr. 3850-302 mit identischer Fläche unter folgender Kurzbeschreibung als FFH-Gebiet deklariert wurde: Begradigter Abschnitt des Spreemittellaufes mit angeschlossenen, markant ausgebildeten Mäandern und eingeschlossener sowie angrenzender, überwiegend grünlandgeprägter Auenvegetation. Die Mäander der Spreebögen bei Briescht, die durch Begradigung insbesondere des markanten Stremmer Bogens und des Teufelsbogens vom Hauptlauf der Spree abgetrennt wurden, sind heute als meist einseitig an den Hauptlauf angeschlossene Altarme erkennbar. Im südöstlichen Teil der Bögen dominieren Erdniedermoore aus Torf über Flusssand (geringmächtige Torflagen mit Mineralboden und hohem Grundwasserstand). Nördlich herrschen Gleye aus Fluss- oder Urstromtalsand vor. Die Vegetation der Spreebögen ist mit einer Dominanz von knapp 80 % von Gras- und Staudenfluren geprägt.Managementplanung Natura 2000 im Land Brandenburg. S. 6, 8, 12f, 17, 42. Der nachstehende Ausschnitt der Preußischen Uraufnahme von 1846 zeigt noch die ursprünglichen, heute teils abgetrennten Brieschter Spreebögen.
mini|zentriert|hochkant=2.9|Briescht und Krumme Spree in der Preußischen Uraufnahme von 1846. Westlich von Briescht das heutige FFH-Gebiet Spree, östlich das NSG und FFH-Gebiet Spreebögen bei Briescht. Die gesamte Flussaue ist zudem als LSG Krumme Spree ausgewiesen. Die Karte zeigt ferner den heutigen Wohnplatz Schwarzer Kater und das königliche Schloss Kossenblatt.
Geschichte Die zuvor slawische Region wurde im 12. Jahrhundert im Zuge der Deutschen Ostsiedlung aus dem Wettinischen heraus besiedelt und war Bestandteil der Herrschaft Beeskow-Storkow in der Markgrafschaft Lausitz. Briescht gehörte zur Teilherrschaft Beeskow. Erst 1575 fielen Beeskow-Storkow faktisch an Brandenburg. Ab spätestens 1542 im Besitz des Guts Kossenblatt, wurde der Hauptteil Brieschts im 19. Jahrhundert dem Landkreis Beeskow-Storkow zugeordnet (sogenannter preußischer Anteil), während südlich der Spree gelegene Forstfluren Brieschts mit einigen Wohngebäuden bis 1928 Teil des Landkreises Lübben blieben (sogenannter niederlausitzer Anteil).Joachim Schölzel (Bearb.): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. (HOL), S. 40–42.
Urgeschichte Archäologische Funde und die Bodendenkmale in Briescht deuten auf eine Besiedlung des Ortes bereits in urgeschichtlicher Zeit hin. Aus der Steinzeit (Paläolithikum, Mesolithikum und Neolithikum) und aus der Bronzezeit sind Siedlungen beziehungsweise Rast- und Werkplätze nachgewiesen. Rentierjäger aus der letzten Kaltphase hinterließen in der Jüngeren Dryaszeit (um 10.000 v. Chr.) in Briescht ein Silexinventar (vgl. Silex und Inventar), das der Ahrensburger Kultur zugerechnet wird. Die spärliche germanische Besiedlung des ostbrandenburgischen Seen- und Heidegebiets erfolgte erst in der älteren römischen Kaiserzeit gegen Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. Sie wird mit den Burgunden und der Przeworsk-Kultur in Verbindung gebracht. Zwei der wenigen spätkaiserzeitlich-völkerwanderungszeitlichen Siedlungen wurden bei Briescht und Wolzig entdeckt. Ab dem 4. Jahrhundert wanderten die germanischen Siedler aus dem Gebiet ab.Sophie Wauer: Brandenburgisches Namenbuch. S. 12, 16.
Slawische Besiedlung im frühen Mittelalter Die slawische Landnahme erfolgte im Beeskow-Storkower Raum vereinzelt bereits im 7. Jahrhundert, wie nach Angabe von Sophie Wauer die für die frühslawische Zeit charakteristische handgefertigte, weitgehend unverzierte Keramik zeigt, die in Briescht, Wolzig, Görsdorf und Sauen gefunden wurde. Diese Keramik wurde der Sukow-Szeligi-Gruppe zugeordnet,Sophie Wauer: Brandenburgisches Namenbuch. S. 17. allerdings wurde dieser Gruppenbegriff aus den 1980er-Jahren inzwischen wieder verworfen. Eine Siedlung aus dem slawischen Mittelalter, die zu der slawischen Siedlungskammer um die Burgwarde Triebus (Trebatsch), Liubocholi (Leibchel, Ortsteil von Märkische Heide) und Mroscina (Pretschen) gehörte, ist in Briescht als Bodendenkmal ausgewiesen. Der heutige Ortsname Briescht geht sehr wahrscheinlich auf einen slawischen Flurnamen zurück, der nach der Anlage der Siedlung auf diese übertragen wurde (siehe Folgekapitel).Karlheinz Hengst: Sprachforschung und historische Landeskunde. S. 192. 211.
Ersterwähnungen und Namengebung Als Jahr der urkundlichen Ersterwähnung Brieschts geben das Historische Ortslexikon (1989) und das Brandenburgische Namenbuch (2005) das Jahr 1490 an, in dem der Ort in einem Dokument, das im Thüringischen Hauptstaatsarchiv Weimar verwahrt wird, als Brist verzeichnet ist.Sophie Wauer: Brandenburgisches Namenbuch. S. 51. Friedrich Beck im Urkundeninventar erwähnt dagegen eine Urkunde vom 3. November 1444, in der ein Otto Briescht (?) zu Briest die Dörfer Selchow, Kehrig und Bugk für 69 Schock Groschen verpfändete. Nach jüngeren sprachhistorischen Forschungen, die der Onomastiker Karlheinz Hengst 2013 zusammenfasste und vertiefte, scheint gesichert, dass Briescht bereits in einem Urkundenbruchstück des Klosters Nienburg genannt wird, das auf die Zeit um 1180 datiert wird.
Urkundenbruchstück des Klosters Nienburg um 1180 Das Urkundenbruchstück aus der Zeit um 1180 gilt in der Geschichtswissenschaft übereinstimmend als Ergänzung einer Urkunde vom 8. August 1104, in dem das Kloster an der Saale Gebietsschenkungen von Kaiser Heinrich II. (973 bis 1024) auflistete. In dem Bruchstück werden der klösterliche Besitz und spätere Erwerbungen präzisiert. Darin heißt es unter anderem:
mini|Auszug aus dem Nienburger Bruchstück mit der Erwähnung Brieschts (Briezta)
Nach längerer vergeblicher Suche der erwähnten Orte Briezta, Priorna und Liutomizoltla