Dieser Artikel behandelt die französische Fußballnationalmannschaft der Frauen bei der Weltmeisterschaft 2015 in Kanada. Dies war Frankreichs dritte WM-Teilnahme nach 2003 und 2011. Die WM diente den europäischen Mannschaften zudem als Qualifikation für das Fußballturnier bei den Olympischen Spielen 2016, bei dem Europa drei Startplätze zustehen.zu den Regularien der Olympiaqualifikation vgl. den Artikel „Sechs europäische Teams für drei Tickets“ vom 20. Juni 2015 bei footofeminin.fr
Qualifikation
Pl. Team Sp. S U N Tore P. 1 Frankreich 10 10 0 0 54:3 30 2 20px ÖsterreichObwohl Österreich insgesamt die schlechtere Tordifferenz gegenüber Finnland aufwies, platzierte es sich aufgrund der Ergebnisse im direkten Aufeinandertreffen (4:3 Treffer) vor jenem. 10 7 0 3 31:14 21 3 15px Finnland 10 7 0 3 27:9 21 4 20px Ungarn 10 4 0 6 20:25 12 5 Kasachstan 10 1 1 8 8:30 4 6 20px Bulgarien 10 0 1 9 3:62 1
Die Französinnen erzielten in der europäischen Qualifikationsgruppe 7 folgende Resultate:
Kasachstan – Frankreich 0:4 und 0:7Österreich – Frankreich 1:3 und 1:3Bulgarien – Frankreich 0:10 und 0:14Frankreich – Ungarn 4:0 und 4:0Finnland – Frankreich 0:2 und 1:3
Trotz des vermeintlich deutlichen Vorsprunges der Bleues im Abschlussklassement hatten sie sich erst am vorletzten Spieltag endgültig qualifiziert, denn gegen Finnland – das bis dahin lediglich drei Punkte Rückstand aufwies – spielte Frankreich erst ganz zum Schluss, zunächst bei den Skandinavierinnen. Mit ihrem dortigen Sieg waren sie dann allerdings bereits vor dem Rückspiel nicht mehr einzuholen.
Frankreichs 54 Tore erzielten Gaëtane Thiney (13), Marie-Laure Delie (9), Eugénie Le Sommer (7), Wendie Renard (5), Camille Abily, Élise Bussaglia und Louisa Nécib (je 4), Élodie Thomis (3), Sabrina Delannoy, Amandine Henry, Laura Georges und Amel Majri (je 1); dazu kam ein Eigentor der Ungarin Angéla Smuczer.
WM-Vorbereitung 230px|Stammelf 2012/13 Nachdem Frankreich bei seinen letzten Teilnahmen an den großen Turnieren zweimal nur Vierter geworden (WM 2011, Olympische Spiele 2012) und bei der Europameisterschaft 2013 sogar bereits im Viertelfinale ausgeschieden war, hatten der Landesverband und Trainer Philippe Bergeroo als Ziel für diese WM das Erreichen einer Podiumsplatzierung ausgegeben. Dazu sind die Bleues im Vorfeld möglichst häufig gegen andere besonders starke Frauschaften angetreten. Damit begannen sie bereits im Juni 2014, als sie sich auf dem amerikanischen Kontinent mit Brasilien (0:0) und den USA (0:1 und 2:2) maßen. Als nächste Gegner standen Deutschlands Frauen (Oktober 2014, 2:0-Auswärtserfolg) sowie Ende November vor heimischem Publikum Neuseeland (2:1-Sieg, überwiegend mit dem „zweiten Anzug“) und erneut Brasilien (2:0 vor über 11.000 Zuschauern im Stade Gerland) auf dem Programm. Im Februar 2015 kam es zu einem weiteren Kräftemessen mit den US-Frauen (2:0-Erfolg vor annähernd 16.000 Besuchern im Stade du Moustoir, das wie die WM-Stadien einen Kunstrasen hat), zwei Monate darauf mit WM-Ausrichter Kanada (1:0). Ein wenige Tage vor der WM-Gruppenauslosung vereinbartes Spiel gegen England hingegen wurde kurz vor Weihnachten 2014 in beidseitigem Interesse wieder abgesagt.
Außerdem haben die Französinnen im März 2015 darauf verzichtet, ihren Titel beim Zypern-Cup zu verteidigen, sondern für den stärker besetzten Algarve-Cup gemeldet, wo „der französische WM-Mitfavorit“Zitat von kicker.de vom 9. März 2015 nach Siegen gegen die Gastgeberinnen (1:0), Dänemark (4:1) und Weltmeister Japan (3:1) das Finale gegen die USA mit 0:2 verlor – die erste Niederlage nach zehn gewonnenen Saisonpartien, aber die beste Platzierung bei bisher sechs Turnierteilnahmen. Dabei mussten die Bleues in Portugal verletzungsbedingt auf Louisa Nécib, Laura Georges, Amel Majri und die etatmäßige zweite Torfrau Céline Deville verzichten, was Bergeroo dazu nutzte, einige zusätzliche Spielerinnen unter Wettkampfbedingungen zu testen. Im Endspiel hat er zudem das übliche 4-4-2- auf ein 4-3-3-System umgestellt, mit Diani, Le Sommer und Thiney als echten Stürmerinnen.siehe das Fazit des Algarve-Cups „Die Bleues haben etwas ausprobiert“ vom 17. März 2015 bei footofeminin.fr Zeitgleich bestritt auch der „zweite Anzug“, die Équipe de France A' , ein Turnier, den Istrien-Cup, den Frankreich nach einem abschließenden 1:2 gegen Österreich als Vierter beendete.siehe das französische B-Aufgebot vom 3. März 2015 bei footofeminin.fr
Trotz dieser bis dahin unbekannten Erfolgsserie gegen einige der stärksten Konkurrentinnen blieb den Spielerinnen bewusst, dass sie „nicht abheben“ dürfen (Camille Abily), weil dies „lediglich ein Test“ war (Eugénie Le Sommer).siehe die Reaktionen der Spielerinnen vom 9. Februar 2015 nach dem USA-Spiel bei footofeminin.fr Die Bleues haben schließlich bislang noch nicht bestätigen können, dass sie in der Lage sind, solche Leistungen und Ergebnisse auch unter dem Druck eines Kontinentalturniers zu erbringen: „Wir haben noch nichts gewonnen“, aber der Spielverlauf gegen Japan habe gezeigt, dass man Einstellung und Fähigkeit entwickelt habe, ein solches Spiel noch zu drehen (Philippe Bergeroo).Reaktionen von Trainer Bergeroo nach den Artikeln vom 11. Februar und vom 10. März 2015, beide bei footofeminin.fr Im Land waren die Erwartungen aber hoch gesteckt; so überschrieb France Football unmittelbar vor der Turniereröffnung einen Artikel mit „Nur der Titel zählt“.Artikel „La victoire, sinon rien“, France Football vom 3. Juni 2015, S. 48/49
Nach zwei letzten Härtetests Ende Mai, erneut auf synthetischem Rasen, gegen Russland (2:1) und Schottland (1:0) war die französische Delegation neun Tage vor ihrem ersten Spiel in Kanada eingetroffen und hatte Quartier in Laval, einer Nachbarstadt Montréals, bezogen. Dort gewannen die Bleues noch ein Vorbereitungsmatch gegen eine Auswahl der Provinz Québec (9:0), in deren Reihen mit Émilie Fillion auch eine Spielerin mit Bundesliga-Erfahrung stand.nach dem Artikel „Freundschaftsspiel gegen die Québec-Auswahl an diesem Mittwoch“ vom 3. Juni 2015 bei footofeminin.fr
Aufgebot Ende April 2015 hatte Philippe Bergeroo eine erste differenzierte Kaderliste zusammengestellt, ähnlich, wie sein Kollege Didier Deschamps dies mit dem Kader der Männer für die WM 2014 gemacht hatte: 23 Frauen als „erste Wahl“, dazu sieben Ergänzungsspielerinnen (remplaçantes); Letztere hatten ebenfalls nahezu das gesamte Vorbereitungsprogramm absolviert. Fünf weitere Frauen, die einzelne Ausfälle kompensieren können, kamen hinzu.nach dem Artikel „Die Liste der 23 wird am 23. April bekanntgegeben“ vom 9. April 2015 bei footofeminin.fr Das endgültige 23er-Aufgebot für Kanada musste der FIFA spätestens am 27. Mai 2015 übermittelt werden; es hatte folgendes Gesicht: Nr. Name Verein Geburtstag Spiele(Tore)vor derWM WM 2015 Sp. Sp.-Min. Tore 10px|Gelbe Karten 10px|Gelb-Rote Karten 10px|Rote Karten Torfrauen 16 Sarah Bouhaddi Olympique Lyon 17.10.1986 94 (0) 5 480 1 Céline Deville Juvisy FCF 24.01.1982 65 (0) 0 21 Méline Gérard Olympique Lyon 30.05.1990 1 (0) 0 Abwehrspielerinnen 3 Laure Boulleau Paris Saint-Germain 22.10.1986 58 (0) 4 348 20 Annaïg Butel Juvisy FCF 15.02.1992 8 (0) 0 5 Sabrina Delannoy Paris Saint-Germain 18.05.1986 25 (1) 1 12 4 Laura Georges Paris Saint-Germain 20.08.1984 159 (6) 5 480 1 8 Jessica Houara Paris Saint-Germain 29.09.1987 33 (1) 5 480 22 Amel Majri Olympique Lyon 25.01.1993 7 (1) 2 210 19 Griedge Mbock Bathy EA Guingamp 26.02.1995 9 (0) 0 2 Wendie Renard Olympique Lyon 20.07.1990 66 (16) 5 480 Mittelfeldspielerinnen 10 Camille Abily Olympique Lyon 05.12.1984 146 (29) 5 447 15 Élise Bussaglia Olympique Lyon 24.09.1985 144 (26) 3 93 7 Kenza Dali Paris Saint-Germain 31.07.1991 12 (2) 2 96 23 Kheira Hamraoui Paris Saint-Germain 13.01.1990 17 (0) 2 32 1 6 Amandine Henry Olympique Lyon 28.09.1989 40 (3) 5 417 1 14 Louisa Nécib Olympique Lyon 23.01.1987 126 (32) 4 360 1 12 Élodie Thomis Olympique Lyon 13.08.1986 117 (31) 4 320 1 Angreiferinnen 18 Marie-Laure Delie Paris Saint-Germain 29.01.1988 86 (58) 4 288 3 1 13 Kadidiatou Diani Juvisy FCF 01.04.1995 6 (1) 1 6 11 Claire Lavogez HSC Montpellier 18.06.1994 10 (1) 3 81 9 Eugénie Le Sommer Olympique Lyon 18.05.1989 105 (44) 5 397 3 17 Gaëtane Thiney Juvisy FCF 28.10.1985 122 (55) 5 253 Trainerstab Philippe Bergeroo Cheftrainer 13.01.1954 31 Thierry Asseloos Assistenzcoach 07.01.1967 Albert Rust Torfrauentrainer 10.10.1953
Im Kader standen somit zehn Spielerinnen aus Lyon, sieben aus Paris, vier aus Juvisy und je eine aus Montpellier beziehungsweise Guingamp. Das Durchschnittsalter dieses Aufgebots lag am Tag des ersten französischen WM-Spiels bei 26,5 Jahren. Bergeroo verfügte über einen Kader mit großer internationaler Routine; im Mittel hatte jede der 23 Frauen gut 63 A-Länderspiele zu verzeichnen.Über die größte Erfahrung bei Weltmeisterschaften verfügt Laura Georges, die als einzige sowohl 2003 als auch 2011 schon dabei war und dort in neun Spielen eingesetzt wurde. 2011 waren folgende weitere Frauen beteiligt: Abily, Bussaglia, Le Sommer, Nécib, Thiney, Thomis (jeweils sechs Einsätze), Delie (fünf), Deville, Renard (je drei) und Boulleau (zwei). Torerfolge bei den vorangegangenen WM-Endrunden hatten Delie, Thiney und Thomis (je zwei) sowie jeweils einmal Georges, Abily und Bussaglia zu verzeichnen, wobei diese ihre Treffer sämtlich 2011 erzielten. Die weiteren französischen WM-Torschützinnen waren Marinette Pichon (zwei, 2003) und Sonia Bompastor (2011).
Die sieben französischen Reservistinnen waren: Nr. Name Verein Geburtstag Länder-spiele(Tore) 29 Amandine Guérin ASJ Soyaux 18.02.1993 0 (0) 26 Charlotte Bilbault ASJ Soyaux 05.06.1990 1 (0) 30 Julie Soyer Juvisy FCF 30.06.1985 9 (0) 27 Marina Makanza HSC Montpellier 01.07.1991 15 (0) 24 Marion Torrent HSC Montpellier 17.04.1992 0 (0) 25 Viviane Asseyi HSC Montpellier 20.11.1993 8 (0) 28 Clarisse Le Bihan EA Guingamp 14.12.1994 1 (0)
Endrundenspiele
Gruppenspiele Pl. Frauschaft Sp. S U N T. P. 1 Frankreich 3 2 0 1 6:2 6 2 England 3 2 0 1 4:3 6 3 Kolumbien 3 1 1 1 4:3 4 4 Mexiko 3 0 1 2 2:8 1 Der Weltranglisten-Vierte fand sich bei der Gruppenauslosung am 6. Dezember 2014 als einer von zwei europäischen Teilnehmern in Topf 1 und damit als Gruppenkopf wieder. Zugelost wurden den Französinnen in der Gruppe F England, Kolumbien und Mexiko. Gegen die beiden amerikanischen Frauschaften gab es bisher je ein Länderspiel (2011 ein 5:0 gegen Mexiko, 2012 beim olympischen Turnier ein 1:0 gegen Kolumbien); England hingegen gehört zu den häufigsten Gegnerinnen der Bleues, deren Bilanz auch hier positiv ist. Darunter war auch ein WM-Spiel, nämlich die Viertelfinalpartie 2011, in der Frankreich sich erst im Elfmeterschießen durchgesetzt hatte. Die Gruppenspiele wurden in Moncton und Ottawa ausgetragen.
9. Juni, Moncton Stadium: Frankreich – England 1:0 (1:0)Aufstellung: Bouhaddi – Houara, Georges, Renard, Boulleau – Thomis (Dali, 71.), Henry, Abily, Nécib (Lavogez, 87.) – Le Sommer (Bussaglia, 80.), ThineyTor: 1:0 Le Sommer (29.)Schiedsrichterin: Efthalia Mitsi (Griechenland)Zuschauer: 11.686Player of the Match: Le Sommer
13. Juni, Moncton Stadium: Frankreich – Kolumbien 0:2 (0:1)Aufstellung: Bouhaddi – Houara, Georges, Renard, Boulleau – Dali (Delie, 77.), Bussaglia (Henry, 63.), Abily, Nécib (Lavogez, 63.) – Le Sommer, ThineyTore: 0:1 Andrade (19.), 0:2 Usme (90.+3)Schiedsrichterin: Qin Liang (China)Zuschauer: 13.138