Hollenthon ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Wiener Neustadt in Niederösterreich.
Geografie Hollenthon liegt in der Buckligen Welt, dem südöstlichsten Teil des Industrieviertels in Niederösterreich. Die Fläche der Gemeinde umfasst km², 47,95 % der Fläche sind bewaldet.
Die höchste Erhebung im Gemeindegebiet ist der Stickelberg mit 881 Metern. Weitere nennenswerte Erhebungen sind der Hollenthoner Berg (745 Meter), der Galgenriegel (740 Meter), der Saurüssel (715 Meter), der Ameisberg (710 Meter), der Frohnriegel (710 Meter), der Spratzecker Riegel (657 Meter) und der Gleichenbacher Berg (645 Meter). Der Hollenthoner Berg und der Galgenriegel bilden auch die Wasserscheide zwischen der Pitten und der Rabnitz. An seiner tiefsten Stelle, dem Rabnitzursprung, weist das Gemeindegebiet eine Höhe von 418 Metern auf.
Das Gemeindegebiet wird in südöstlicher Richtung vom Spratzbach durchzogen, der im Osten die Gemeindegrenze zu Markt St. Martin und die Landesgrenze zum Burgenland bildet. Die südwestliche Gemeindegrenze zu Lichtenegg und Kirchschlag in der Buckligen Welt bildet der Thalbach, der sich in Blumau mit dem Spratzbach vereinigt und von dort an die Rabnitz bildet. Die nordöstliche Gemeindegrenze zu Wiesmath bildet der Schlattenbach. Der Michelbach bildet die nördliche Gemeindegrenze zu Bromberg.
Gemeindegliederung mini|Das Wahrzeichen von Hollenthon: die hohle (hohe) Tanne, welche die Namensgebung symbolisiert. mini|Die neu errichtete und 2010 eröffnete Sicherheitszentrale beherbergt die freiwillige Feuerwehr und die Rettungsstelle. Die Gemeinde besteht aus der einzigen Katastralgemeinde Hollenthon.
Das Gemeindegebiet umfasst 14 Ortschaften und Rotten (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Nachbargemeinden
Geschichte mini|Hollenthon um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme) mini|Spratzeck, Gleichenbach und Blumau um 1780 (Josephinische Landesaufnahme) mini|Kriegerdenkmal Hollenthon mini|Gedenktafel 700 Jahre Hollenthon
Mittelalter Die Entstehung von Hollenthon liegt zwar im Dunkel der Geschichte, ist jedenfalls eng mit der Geschichte des Stifts Reichersberg, zu dem die Pfarre Hollenthon noch heute gehört, verbunden. Conradus, Erzbischof von Salzburg, hatte 1144 alle Neubruchzehente im „Pütner Wald“ bis Hartberg und bis zur ungarischen Grenze an das Stift Reichersberg verschenkt. Bis dahin wurden keine Ortschaften angegeben.
Herzog Albrecht I. hatte 1295 durch seine „umgesessenen“ Ritter die strittige Grenze des Landesgerichts Aspang abreiten lassen, wobei Stickelberg als Fixpunkt für den Grenzverlauf genannt wird. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wird mehrmals Pertholdus de Stege erwähnt, der ein Ministeriale des steirischen Markgrafen gewesen sein dürfte. Dieses „Stege“ ist heute nicht mehr zu lokalisieren, da es später abgegangen war. Es wird im Pittener Raum vermutet, da die Genannten „von Stege“ immer wieder mit denen von Grimmenstein, Lanzenkirchen, Schwarzau, Emmerberg, Flatz und Klamm Erwähnung finden. 1224 findet sich in den Urkunden ein Berthold von Treun, der 1260 aus der damals noch ungarischen Steiermark zu König Ottokar II. übergelaufen war. Dieser war nicht nur schwer krank, sondern zudem in finanzielle Schwierigkeiten geraten, weshalb er sein „Castrum in Stickelberge“ dem Böhmenkönig überließ, der sich im Gegenzug dazu verpflichtete, für seine Verbindlichkeiten aufzukommen. Eine Identität zwischen Pertholdus de Stege und Berthold von Treun scheint nicht ausgeschlossen, allerdings bleibt offen, ob „Stege“ mit Stickelberg gleichgesetzt werden kann, oder in der Umgebung der Burg zu suchen ist.Gemeinde Hollenthon: Heimatbuch, S. 249ff; Hollenthon 1995
Neuzeit Nach Überlieferungen soll im Jahr 1683 Hollenthon von den Türken vollständig zerstört worden sein. Von der Bevölkerung sollen nur jene Leute davongekommen sein, die sich in einer Höhle, der sogenannten Türkenhöhle, im Wald versteckten. Nachdem Hollenthon seit 1641 eine Filiale der Pfarre Lichtenegg war, wurde es 1784 per Hofkanzleidekret zur selbständigen Pfarre erhoben. Bereits 1740 wurde die Kirche neu errichtet und 1749 fertig gestellt. In der Pfarrchronik wird Rupertus Mildner als erster Pfarrer genannt, der auch den neuen Pfarrhof errichten ließ. Leopold Derler war der erste urkundlich erwähnte Lehrer, der bis 1785 wirkte. Im Auftrag des Kreisamtes Traiskirchen wurde 1793 eine neue Schule errichtet.Gemeinde Hollenthon: Heimatbuch, S. 249ff; Hollenthon 1995
1848 musste die Herrschaft Stickelberg aller obrigkeitlichen Rechte über die „Unterthanen zu Stickelberg-Hollenthon“ entsagen.
1854 Gründung der Gemeinde Stickelberg Aufgrund der kommunalen Entwicklung kam es 1854 zur Konstituierung der Gemeinde Stickelberg, die das Umland einschließlich des Dorfes Hollenthon umfasste. Die dadurch entstandene Gemeinde zählte 124 Häuser mit 965 Einwohnern.Gemeinde Hollenthon: Heimatbuch, S. 249ff; Hollenthon 1995
1861/62 wurde neuerlich eine neue Schule errichtet, die 1886 aufgestockt wurde. Damit konnte diese dreiklassig geführt werden. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Straßen nach Bromberg, Gleichenbach, Spratzau und Wiesmath ausgebaut.
Erste Republik Die Folgen des Ersten Weltkriegs waren in der Gemeinde deutlich zu spüren. Zu Kriegsbeginn mussten 53 Männer und Burschen einrücken. In der Landwirtschaft und im Kleingewerbe fehlten die männlichen Arbeitskräfte. Frauen und Schüler mussten die Feldarbeit verrichten. Pferde, Rinder, Schweine und sogar Hühner wurden registriert. Immer wieder mussten Tiere abgeliefert werden. Zudem wurden Lebensmittel eingezogen und rationiert. 1917 wurden die Glocken und Orgelpfeifen der Pfarrkirche und der Filialkirchen demontiert und weggebracht. 29 Männer und Burschen der Gemeinde mussten im Krieg ihn Leben lassen. Gegen Ende des Krieges herrschte bittere Not. Zahlreiche Schleichhändler, Hausierer und Bettler kamen aus den städtischen Bereichen um überleben zu können.Gemeinde Hollenthon: Heimatbuch, S. 53ff; Hollenthon 1995
1921 zogen zahlreiche Flüchtlinge aus Westungarn durch Hollenthon. Die Bevölkerung wurde durch ungarische Banden, von denen 40 Mitglieder durch die Gendarmerie festgenommen wurden, beunruhigt.
Auf Wunsch der Gemeindevertretung wurde 1927 die Gemeindebezeichnung Stickelberg auf Hollenthon geändert. Die letzte Sitzung des Gemeinderats von Stickelberg fand am 20. November 1927 und die erste Sitzung des Gemeinderats von Hollenthon fand am 6. Jänner 1928 unter der Leitung von Bürgermeister Anton Panis statt.
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg 1938 übernahm die Sturmabteilung auch in Hollenthon die Macht. Der Horndorfer Franz Ernst wurde als Ortsleiter eingesetzt. Ein Jahr später mussten Männer und Burschen in den Zweiten Weltkrieg einrücken. Selbst Diakon Josef Müller aus Spratzau musste den Ariernachweis erbringen. Hollenthon wurde in der Folge dem Kreis Oberpullendorf zugeordnet. Neuerlich fehlten im Kleingewerbe und in der Landwirtschaft die Männer, weshalb die Ernte von Frauen und Kindern erledigt werden musste.
Am 30. März 1945 stießen die russischen Truppen über Wiesmath nach Hollenthon vor und nahmen den Ort und die Umgebung unter Beschuss. Für kurze Zeit wurde Hollenthon zu einem Heerlager der Südwestfront (Rote Armee). Der Pfarrhof wurde als Lazarett und Kommandantur genutzt. Plünderungen standen ebenso auf der Tagesordnung, wie das Nachstellen der weiblichen Bevölkerung. Zahlreiches Vieh wurde weggetrieben. Den Angaben des Kriegerdenkmals zufolge forderte der Zweite Weltkrieg 46 gefallene und 15 vermisste Hollenthoner.
Bereits einen Monat nach Kriegsende (8. Mai 1945) wurde am 8. Juni eine Ortsvorstehung gebildet, der Johann Dörfler vorstand. Erst ab Februar 1946 unterband sowjetische Militärpolizei die Übergriffe der Besatzungssoldaten, so dass wieder geordnetes Leben in die Gemeinde einkehrte.
Zweite Republik 1948 wurde die Gemeinde wieder in den Gerichtsbezirk Kirchschlag eingegliedert. Im selben Jahr wurde mit dem Bau des Gemeindehauses begonnen, in dem auch die Post und die Raiffeisenkasse Platz fanden, welches Ende Mai 1949 seiner Bestimmung übergeben werden konnte.
1951 wurden Telefonleitungen nach Gleichenbach, Spratzeck und Stickelberg errichtet und öffentliche Telefonzellen installiert. 1952 erhielten die Ortschaften und Rotten neue Hausnummern. Die Freiwillige Feuerwehr Hollenthon erhielt 1953 ihr erstes Feuerwehrfahrzeug. Zwischen Hollenthon und Lichtenegg wurde 1954 ein Güterweg errichtet. Als Folge des Volksaufstands in Ungarn zogen 1956 ungarische Flüchtlinge durch Hollenthon. Nach dreijähriger Bauzeit und mit vielen Eigenleistungen der Bewohner wurde in Hollenthon und in Spratzeck eine Wasserleitung errichtet. 1957 folgte in Hollenthon die Errichtung einer Ortskanalisation für Regenwasser.
Im April 1965 kam es im Spratzbachtal und Thalbachtal zu massiven Überschwemmungen. 1967 wurde die neu errichtete Ortskapelle in Spratzeck eingeweiht. 1968 wurde die neue Volksschule in Hollenthon eröffnet; die Straßen nach Wiesmath, Stickelberg und Lehen wurden asphaltiert. 1968/69 erfolgte in Gleichenbach die Neuerrichtung der Volksschule. Nachdem die alte Kapelle baufällig wurde, kam es in Stickelberg zum Neubau der Fátima-Kirche; die Altarweihe erfolgte am 18. Oktober 1970. Am 5. und am 10. Jänner 1972 wurde Hollenthon durch Erdbeben der Stärke sechs erschüttert; auch das Erdbeben von Pitten/Seebenstein mit der Stärke sieben vom 16. April war deutlich zu spüren. 1975 wurde in Hollenthon eine Straßenbeleuchtung errichtet.
Die mittlerweile stillgelegte Volksschule Gleichenbach wurde 1983 in einen Kindergarten umfunktioniert. Die Pfarre Hollenthon feierte 1984 ihren 200-jährigen Bestand. Dabei wurde das neu erbaute Heim beim Pfarrhof an das Stift Reichersberg feierlich übergeben. Am 3. Mai 1987 kam es nach heftigen Gewittern neuerlich zu massiven Überschwemmungen und Schäden im Spratzbach- und Thalbachtal. Die Freiwillige Feuerwehr Hollenthon feierte 1991 ihren 100-jährigen Bestand. Zum Jubiläum erhielt sie ein neues Tanklöschfahrzeug mit Bergeeinrichtung. Nachdem ein der Pfarre gehörendes Feld von der Gemeinde dauerhaft gemietet wurde, konnte dort 1992 eine Sportanlage bestehend aus einem Fußballplatz und zwei Tennisplätzen eröffnet werden. in den 1990er Jahren wurde mit der Aufschließung der Volksschulsiedlung begonnen. 1995 feierte die Gemeinde Hollenthon ihren 700-jährigen Bestand.
Einwohnerentwicklung
Religion Nach den Daten der Volkszählung 2001 sind 96,9 % der Einwohner römisch-katholisch und 0,5 % evangelisch, 0,2 % gehören orthodoxen Kirchen an, 1,7 % der Bevölkerung haben kein religiöses Bekenntnis.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Katholische Pfarrkirche Hollenthon Mariä Himmelfahrt: Die Pfarrkirche wurde nach neuesten bautechnischen Untersuchungen in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet. Als ältester Teil wird ein Burgturm der Stickelberger vermutet, der um 1300 zum Chor der Kirche umgewidmet wurde. An diesen wurde das Kirchenschiff angebaut. Der Eingang in die Kirche befand sich ursprünglich auf der Südseite und wurde erst zur Barockzeit zugemauert. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde ein Wehrgeschoß aufgesetzt auf das noch heute vorhandene Schießscharten hinweisen. Ebenfalls zu dieser Zeit wurde an der Westseite der Kirchturm errichtet. Zur Barockzeit wurde die Kirche tiefgreifend umgebaut. Dabei wurde der Chor innen abgerundet und die Kirche in ihrer jetzigen Form eingewölbt. Die Orgelbrüstung zeigt das Jahr 1749 als Ende der Barockisierungsmaßnahmen. Die Kirche wurde von einer Ringmauer umschlossen, die früher höher war, als die heutige Mauer. An der Außenseite befand sich im Osten und Süden ein Wehrgraben. Der Kirchhof wurde bis 1878 als Friedhof genutzt.Gemeinde Hollenthon: Heimatbuch, S. 222ff; Hollenthon 1995 Die Kirche ist dem Patrozinium Mariä Himmelfahrt (15. August) geweiht. Das Bild des Hauptaltars zeigt Maria Königin mit dem Jesukind im Arm. Flankiert ist es von den Aposteln Petrus und Paulus.