mini|Titelblatt der deutschen Übersetzung, Wien 1749
Catone in Utica ist ein Opern-Libretto in drei Akten von Pietro Metastasio. Die Uraufführung der ersten Vertonung durch Leonardo Vinci fand am 19. Januar 1728 im Teatro delle Dame in Rom statt.
Eine deutsche Übersetzung des Librettos von Johann Anton Koch erschien 1771 unter dem Namen Cato in Utica im dritten Band seiner unvollendet gebliebenen Gesamtausgabe Des Herrn Abt Peter Metastasio Kayserl. Königl. Hofpoetens Dramatische Gedichte.Johann Anton Koch: Des Herrn Abt Peter Metastasio Kayserl. Königl. Hofpoetens Dramatische Gedichte, aus dem Italiänischen übersetzt. Dritter Band. Krauß, Frankfurt und Leipzig 1771. Digitalisat des Münchener Digitalisierungszentrums.
Historischer und literarischer Hintergrund
Das Libretto verarbeitet die in der klassischen Geschichtsschreibung bei Plutarch, in dessen Bíoi parálleloi (Parallele Lebensbeschreibungen), Appianos von Alexandria (Rhomaika) und Cassius Dio (Historia Romana) erzählte Tragödie des römischen Staatsmannes Cato von Utica, der von 95 bis 46 v. Chr. lebte und als „Vater des Vaterlandes“ in die Geschichte des antiken Rom eingegangen ist. Der Urenkel von Cato dem Älteren und Verfasser berühmter Schriften über die Entstehung Roms und die Punischen Kriege im 2. Jahrhundert v. Chr. war auch der Schwiegervater des Brutus. Als glühender Verfechter der Republik misstraute er sowohl Pompeius als auch Caesar. Als Caesar 49 v. Chr. den Rubikon überschritt, stellte sich Cato auf die Seite des Pompeius. Nach der Niederlage bei Pharsalus, die Pompeius das Leben kostete, floh Cato nach Utica in Africa. Die Flucht nach Utica brachte Cato den Beinamen Uticensis ein. Nach der Niederlage seines Freundes Metellus Scipio gegen Caesar bei Thapsus (Nordafrika) im Jahr 46 v. Chr. beging Cato in Einklang mit seiner stoischen Philosophie Selbstmord. Aus rein musikalischen Gründen änderte Metastasio den Namen der Witwe des Pompeius, Cornelia Metella, in Emilia und den des Prinzen und späteren Königs von Numidien, Juba, in Arbace.
Handlung
Die folgende Inhaltsangabe basiert auf dem Libretto der Erstvertonung von Leonardo Vinci (Rom 1728) sowie der nachträglich geänderten Schlussfassung, beides nach der Übersetzung von Johann Anton Koch (1771).
Kurzfassung
Erster Akt. Die nordafrikanische Stadt Utica wird von den Truppen Cesares (Julius Caesar) bedroht, der nach seinem Sieg über Pompeius kurz davor steht, die römische Republik in eine Diktatur zu verwandeln. Lediglich der römische Senator Catone (Cato von Utica), der ein Bündnis mit dem numidischen Prinzen Arbace (Juba II.) geschlossen hat, steht ihm im Weg. Arbace liebt Catones Tochter Marzia und will sie heiraten. Auch Catone heißt diese Verbindung gut. Marzia allerdings hat ein heimliches Verhältnis mit seinem Gegner Cesare. Sie hält Arbace hin und überredet ihn, die Hochzeit aufzuschieben. Als Cesare zu Friedensverhandlungen in die Stadt kommt, gibt ihm Pompeius’ Witwe Emilia (Cornelia Metella) deutlich ihren Hass zu erkennen. Der römische Gesandte Fulvio, ein Vertrauter Cesares, verliebt sich in sie, und sie versucht, ihn dazu zu bringen, Cesare zu ermorden. Fulvio stellt jedoch die Ehre über seine Liebe und verrät Cesare alles. Marzia will sich aufgrund der politischen Machenschaften Cesares von ihm lossagen, gibt aber nach, als er ihr von seinem Wunsch nach Frieden erzählt.
Zweiter Akt. Fulvio teilt Catone mit, dass Cesare über einen Frieden verhandeln wolle. Außerdem überreicht er ihm einen Brief des Senats, der eine Aussöhnung fordert. Catone weigert sich zunächst, ist dann aber doch bereit, seinen Gegner zu empfangen. Während sich Marzia darüber freut, sehnt sich Emilia weiterhin nach Rache, für die sie noch immer Fulvio einspannen will. Bei den Verhandlungen zeigt sich Catone unnachgiebig. Er fordert, dass Cesare seine Ambitionen aufgibt und dem Volk zur Rede steht. Cesares Angebot, durch eine Hochzeit mit Marzia den Frieden zu sichern, lehnt er kategorisch ab. Trotz Marzias Flehen ist ein Krieg nicht mehr zu vermeiden. Catone fordert sie und Emilia auf, sich sicherheitshalber zu den Schiffen zu begeben. Sie soll einen versteckten Weg in der Nähe der Isis-Quelle nutzen. Marzia weist Arbaces erneuten Hochzeitswunsch zurück und offenbart allen ihr Verhältnis mit Cesare. Ihr Vater verstößt sie daraufhin empört.
Dritter Akt. Um ihre Rache auszuführen, bereitet Emilia bei der Isis-Quelle eine Falle für Cesare vor. Marzia bittet ihn, im Falle seines Sieges ihren Vater zu verschonen. [Urfassung:] Marzia verirrt sich auf dem Weg zu den Schiffen und wird Zeugin des Hinterhalts, den Emilia und ihre Leute Cesare bereiten. Sie versucht, den Kampf zu unterbinden. Da erscheint ihr Vater und erblickt sie zusammen mit seinem Feind Cesare. Empört befiehlt er, sie zu töten und Cesare zu entwaffnen. Fulvio, dessen Soldaten mittlerweile die Stadt erobert haben, befreit ihn wieder. Catone kann die Niederlage nicht ertragen. Er ersticht sich selbst. Während er im Sterben liegt, fleht ihn seine Tochter um Vergebung an. Er gewährt ihr diese nur unter der Bedingung, dass sie Arbace heiratet und Cesare ewige Feindschaft schwört. Er stirbt mit einem Fluch gegen Cesare. Dieser trauert um seinen Feind. [Spätere Fassung:] Cesare wird bei der Quelle von Emilias Leuten angegriffen. Catone unterbindet den Kampf, da er einen solchen Hinterhalt abscheulich findet. Er fordert Cesare nun selbst heraus. Da berichtet Emilia, dass Fulvios Truppen in die Stadt eindringen. Catone und Cesare eilen zu ihren Leuten. Nach dem Sieg Cesares will Catone aus Verzweiflung über die verlorene Freiheit Roms Selbstmord begehen. Marzia und Arbace versuchen, dies zu verhindern. Marzia fleht ihren Vater um Vergebung an. Er gewährt ihr diese nur unter der Bedingung, dass sie Arbace heiratet und Cesare ewige Feindschaft schwört. Bei seinem Triumphzug fordert Cesare seine Soldaten auf, die Besiegten zu schonen. Da berichten Marzia und Emilia, dass sich Catone getötet habe. Cesare trauert um seinen Feind.
Erster Akt
Waffensaal
Szene 1. Die Truppen Cesares stehen vor den Toren Uticas. Nur Catone und das numidische Volk stehen seinem Sieg noch entgegen. Der numidische Prinz Arbace bittet Catone um die Hand seiner Tochter Marzia. Catone befürwortet diese Verbindung (Arie Catone: „Con sì bel nome in fronte“).
Szene 2. Obwohl Marzia seit längerer Zeit ein heimliches Verhältnis mit Cesare hat, stimmt auch sie einer Hochzeit mit Arbace zu. Sie stellt ihm allerdings die Bedingung, heute nicht mehr von der Heirat zu sprechen. Er soll ihren Vater um Aufschub bitten und dabei verschweigen, dass dies eigentlich ihr Wunsch war (Arie Marzia: „Non ti minaccio sdegno“).
Szene 3. Arbace fällt es schwer, diese Bedingung zu erfüllen (Arie Arbace: „Che legge spietata!“).
Der innere Teil der Stadtmauern von Utica mit einem Tor und einer Zugbrücke
Szene 4. Die Brücke zum Stadttor wird heruntergelassen, um Cesare und Fulvio hereinzulassen. Sie sind unbewaffnet und wollen mit Catone über den Frieden verhandeln.
Szene 5. Emilia, die Witwe des Pompeius, ist empört, ihren Feind Cesare in der Stadt zu sehen, dem sie die Schuld am Tod ihres Mannes gibt. Fulvio bewundert sie insgeheim und verliebt sich in sie. Catone zieht sich zurück. Die Verhandlungen sollen später in seiner Wohnung stattfinden (Arie Catone: „Si sgomenti alle sue pene“).
Szene 6. Auch Cesare ist von Emilias Standhaftigkeit fasziniert (Arie Cesare: „Nell’ardire, che in seno ti accende“).
Szene 7. Fulvio erklärt Emilia seine Liebe. Um zu prüfen, ob er es ernst meint, verlangt sie Cesares Tod (Arie Fulvio: „Piangendo ancora“).
Szene 8. Emilia denkt an ihren ersten Gatten Pompeius. Sie hofft im Tode wieder mit ihm vereint zu sein, doch sein Mörder soll ihr vorangehen (Arie Emilia: „O nel sen di qualche stella“).
Ruinen in der Nähe von Catones Wohnung
Szene 9. Fulvio erzählt Cesare von Emilias Forderung. Sein Pflichtgefühl ist ihm wichtiger als seine Liebe zu ihr.
Szene 10. Aus Enttäuschung darüber, dass Cesare zum Feind des Vaterlands geworden ist, sagt Marzia sich von ihm los. Erst als er ihr erklärt, dass er zu Friedensverhandlungen gekommen sei, lässt sie sich beruhigen (Arie Cesare: „Chi un dolce amor condanna“).
Szene 11. Catone kommt, um Marzia zur bevorstehenden Hochzeit mit Arbace abzuholen.
Szene 12. Um Marzias Bedingung zu erfüllen, bittet Arbace Catone, die Hochzeit um einen Tag zu verschieben. Er kann Catone jedoch keinen plausiblen Grund dafür nennen, da Marzia ihm verboten hat, darüber zu sprechen. Catone ist verwirrt.
Szene 13. Arbace informiert Emilia über die verschobene Hochzeit (Arie Arbace: „E’ in ogni core“).
Szene 14. Emilia vermutet, dass Cesare hinter der Angelegenheit steckt. Marzia verteidigt ihn jedoch und versichert zugleich, dass sie seine Feindin sei. Emilia glaubt ihr nicht (Arie Emilia: „Un certo non sò che“).
Szene 15. Marzia befürchtet, dass Emilia ihre heimliche Liebe zu Cesare bemerkt haben könnte (Arie Marzia: „E’ follia se nascondere“).
Zweiter Akt
Feldlager am Ufer des Flusses Bagradas mit vielen durch Brücken verbundenen Inseln
Szene 1. Catone beschwört die Römer, sich Cesare zu widersetzen. Er fragt Arbace noch einmal nach dem Grund für den Aufschub der Hochzeit. Obwohl er keine Antwort erhält, akzeptiert Catone seinen Wunsch. Das hat allerdings zur Folge, dass auch die Friedensverhandlungen mit Cesare bis nach der Hochzeit warten müssen. Da Marzia auf eine Aussöhnung mit Cesare hofft, ist sie von diesen Folgen ihrer Handelns erschrocken.
Szene 2. Fulvio teilt Catone mit, dass Cesare zu den Verhandlungen eingetroffen sei. Catone will ihn jedoch nicht empfangen. Anschließend gibt Fulvio ihm einen Brief des Senats, in dem dieser eine Aussöhnung mit Cesare fordert. Catone ist enttäuscht von den Senatoren (Arie Catone: „Và, ritorna al tuo Tiranno“).
Szene 3. Fulvio ist entsetzt über Catones Unnachgiebigkeit. Er geht, um Cesare über den Aufschub der Verhandlungen zu informieren. Arbace erklärt Marzia noch einmal seine Liebe, wird jedoch zurückgewiesen (Arie Arbace: „Sò, che pietà non ai“).
Szene 4. Cesare lässt Marzia und Emilia spüren, wie verärgert er über Catones Hochmütigkeit ist.
Szene 5. Fulvio teilt Cesare mit, dass Catone jetzt doch zum Gespräch bereit sei. Auf Marzias Bitten hin will Cesare noch einen letzten Versuch zur Versöhnung machen (Arie Cesare: „Soffre talor del vento“).
Szene 6. Marzia hofft wieder, dass ein Frieden herbeigeführt werden kann. Emilia hält sie für leichtgläubig (Arie Marzia: „In che ti offende“).
Szene 7. Fulvio versichert Emilia, dass sie sich mit ihrem Rachewunsch auf ihn verlassen könne. Insgeheim will er Cesare jedoch retten. Emilia möchte Fulvio ihrerseits lediglich als Mittel zur Rache benutzen, ohne ihn wirklich zu lieben (Arie Emilia: „Per te spero, e per te solo“).
Szene 8. Fulvio leidet unter dem Gewissenskonflikt zwischen seiner Treue zu Cesare und der Liebe zu Emilia (Arie Fulvio: „Nascesti alle pene“).
Zimmer mit Sesseln
Szene 9. Hoffnungsvoll meldet Marzia Catone die Ankunft Cesares.
Szene 10. Nach einer barschen Begrüßung fordert Catone von Cesare als Friedensbedingung, seine diktatorischen Pläne aufzugeben, die Waffen niederzulegen und dem Vaterland Rechenschaft über sein Verhalten abzulegen. Cesare geht nicht darauf ein, sondern bittet Catone stattdessen um die Hand seiner Tochter Marzia. Das steht für Catone außer Frage. Die beiden geraten in Streit, und eine Schlacht scheint unausweichlich.
Szene 11. Als Cesare gehen will, wird er von Marzia aufgehalten. Sie fleht ihn und ihren Vater an, sich zu besänftigen, doch beide sind zum Krieg entschlossen (Arie Cesare: „Se in Campo armato“).
Szene 12. Um sie aus der Kampfzone zu bringen, fordert Catone Marzia und Emilia auf, sich durch einen unterirdischen Gang zu den Schiffen zu begeben.