Groß-Siegharts ist eine Stadtgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Waidhofen an der Thaya in Niederösterreich.

Geografie Groß-Siegharts liegt im nördlichen Waldviertel in Niederösterreich. Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst 44,27 Quadratkilometer. 39,17 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende acht Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Ellends () Fistritz () Groß-Siegharts () Loibes () Sieghartsles () Waldreichs () Weinern () Wienings ()

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Ellends, Fistritz, Großsiegharts, Loibes, Sieghartsles, Waldreichs, Weinern und Wienings.

Nachbargemeinden

Geschichte Erstmals urkundlich erwähnt wurde Groß-Siegharts im Jahr 1299. Johann Christoph Ferdinand Graf von Mallenthein verfolgte um 1720 das ehrgeizige Ziel, das seiner Herrschaft zugehörige kleine Dorf zu einem Zentrum der Textilindustrie zu machen. Er ließ Fachkräfte aus ganz Europa ins Waldviertel kommen und in Groß-Siegharts 180 „Fabrics-Häusl“ bauen. Darin wohnten und arbeiteten jeweils 6–10 Personen. Erzeugt wurden vor allem „Bandlwaren“, die von umherziehenden Händlern, den „Bandltragern“ in den Ländern der Donaumonarchie feilgeboten wurden. Diesen Händlern verdankt die Region den Namen „Bandlkramerlandl“.

Der ehrgeizige Industrialisierungsplan Mallentheins scheiterte zwar zunächst, er gab jedoch den Anstoß für eine langzeitige Ausrichtung der Region in Richtung Textilwirtschaft.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in Groß-Siegharts sechs Textilfabriken, die mit Dampfkraft betrieben wurden: Adensamer, Wagner, Hetzer/Silberbauer, Wolff, Zuleger und Fenzl. Um 1900 beschäftigten die örtlichen Bandwebereien mehrere hundert Personen. Groß-Siegharts wurde 1727 zur Marktgemeinde und 1928 zur Stadt erhoben.

Laut Adressbuch von Österreich waren im Jahr 1938 in der Stadtgemeinde Groß-Siegharts neben vielen anderen Gewerbetreibenden vier Bandwarenfabriken, die Möbelstofffabrik Teppich- und Möbelstoffwerke AG (vormals Kurucz & Co.), das Sägewerk Adensamer Josef & Co., die (Seidenband-)Weberei Adensamer & Co. und mehrere Strickereien ansässig.Adressbuch von Österreich für Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft, Herold Vereinigte Anzeigen-Gesellschaft, 12. Ausgabe, Wien 1938 PDF, Seite 267

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden zwischen Juli 1944 und April 1945 ungarische Juden, darunter Frauen und Kinder, zur Zwangsarbeit in den Firmen Josef Adensamer u. Cie. und Siemens angehalten, wo sie zu Arbeiten in der Band- und Stoffweberei eingesetzt waren. Im April 1945 wurden die Häftlinge ins Ghetto Theresienstadt „evakuiert“.Zwangsarbeitslager für ungarische Juden in Österreich, Eintrag Groß-Siegharts auf deutschland-ein-denkmal.de

Im Zuge der NÖ. Kommunalstrukturverbesserung wurden insgesamt sechs ehemalige Gemeinden eingegliedert, nämlich am 1. Jänner 1968 die Gemeinde Waldreichs, am 1. Jänner 1971 die Gemeinden Ellends, Weinern und Wienings sowie am 1. Jänner 1972 die Gemeinden Fistritz und Loibers.

Bevölkerungsentwicklung 2026 lebten hier nur mehr 2568 Einwohner.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Textilmuseum Groß-Siegharts mini|Spätklassizistisches Doppelwohnhaus auf Lange Gasse 2 mini|hochkant|Pfarrkirche Groß-Siegharts mini|Waldbad Groß-Siegharts mini|261x261px|Spielplatz im Park

Schloss Groß-Siegharts: Ein mittelalterlicher, oftmals umgebauter Komplex mit Details aus der Renaissance; heute Sitz der Stadtgemeinde, Bibliothek ua.Die Geschichte von Schloss Groß-Siegharts Katholische Pfarrkirche Groß-Siegharts hl. Johannes der Täufer Museen „lebendes“ Textilmuseum Groß-Siegharts In einer ehemaligen Bandfabrik werden die Geschichte der Textilerzeugung und die Entwicklung der Bandweberei in der Region gezeigt, unter anderem ein originalgetreu nachgebautes Weberhaus und eine funktionierende Transmissionsanlage, die mehrere große Webstühle und Maschinen antreibt. Geöffnet: Mai-Oktober fixe Führungstermine: Do/Fr 16.00 Uhr, Sa/So/Ft 14.00 Uhr Sparkassenmuseum im Schloss Groß-Siegharts Kaiser-Franz-Josef-Museum in Wienings

Wirtschaft und Infrastruktur

mini|hochkant|Bandlkramer in biedermeierlicher Tracht

Die ursprünglichen Fabriken hatten Textilindustrie als Schwerpunkt, vor allem die Herstellung von Bändern und Schnüren. Groß-Siegharts war das Zentrum des Bandlkramerlandls. Im Zuge der „Textilkrise“ in den 1980er Jahren wanderten die meisten der großen Textilfabriken ab oder sperrten zu. Heute ist die Firma Test-Fuchs, die Testsysteme und Bauteile für die Luft- und Raumfahrt herstellt, als ein international tätiges Unternehmen mit weltweit 700 Mitarbeitern (Stand 2026) größter Arbeitgeber. Mehrere Klein- und Mittelbetriebe sind vor allem im Bereich Handwerk tätig. Als einzige Bandweberei ist die Silberbauer Textiltechnik geblieben, die sich u. a. auf technische Textilbänder für die Elektro- und Papierindustrie spezialisiert hat.

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 154, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 109. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Registerzählung vom 31. Oktober 2011 1233, das entsprach einer allgemeinen Erwerbsquote von 47,9 Prozent.

Öffentliche Einrichtungen: In der Gemeinde gibt es Schulzentrum, in dem Volksschule, Mittelschule und die „Schule zum Leben“ (allgemeine Sonderschule) untergebracht sind.

Sport: 6 Tennisplätze 1 Fußballplatz Naturbadeanlage Waldbad 2 Asphaltstockbahnen Radweg „Thayarunde“ führt durch Groß-Siegharts Wanderwege, unter anderem 3 „Tut-Gut“-Wanderrouten (Ausgangspunkt Waldbad)

Im Stadtpark befindet sich auch ein großer öffentlicher Spielplatz, der in Zusammenarbeit mit dem „Verein Miteinander“ gestaltet wurde.

Ein international hochrangiges Rollstuhltennisturnier mit Teilnehmern aus der ganzen Welt findet jeweils Anfang August statt. 2025 wird dieses Turnier bereits zum 26. Mal ausgetragen.

Politik mini|Gemeindeamt im Schloss Groß-Siegharts Gemeinderat Der Gemeinderat hat 21 Mitglieder. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1990 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 SPÖ, 8 ÖVP und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1995 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 SPÖ, 6 ÖVP und 3 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2000 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 SPÖ, 7 ÖVP und 2 FUU. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2005 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 16 SPÖ und 7 ÖVP. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2010 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 SPÖ, 8 ÖVP und 1 FPÖ. (23 Mitglieder) Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 SPÖ, 8 ÖVP und 2 FPÖ. (21 Mitglieder) Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2020 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 14 ÖVP, 6 SPÖ und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2025 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 ÖVP, 5 SPÖ und 5 FPÖ.

Bürgermeister

1975–2004 Anton Koczur (SPÖ) 2004–2013 Maurice Androsch (SPÖ) 2013–2020 Gerald Matzinger (SPÖ) seit 2020 Ulrich Achleitner (ÖVP)

Stadtwappen Blasonierung: Im roten Schild zwei silberne rot gezungte Greifen auf sechs silbernen Hügeln, die einen grünen Kranz und einen blauen goldgerandeten Schild mit den Buchstaben S.H. (Siegharts) im silbernen Balken halten und unter dem ein grüner Ölzweig hervorragt.

Gemeindepartnerschaften seit ? Dačice (Tschechien) seit ? Gaming (Niederösterreich) seit ? Poniatowa (Polen)

Persönlichkeiten, Töchter und Söhne Maurice Androsch, Politiker, von 2004 bis 2013 Bürgermeister Wolfgang Heinrich Janko (* 1943), Betriebswirt, Informatiker und Hochschullehrer in Karlsruhe, wurde in Groß-Siegharts geboren Maria Kren (1892–1966), Politikerin, Gemeinderätin Anton Koczur (1941–2016), Politiker, von 1975 bis 2004 Bürgermeister Josef Leichtfried (1926–2018), Politiker, Gemeinderat Johann Christoph Ferdinand Graf von Mallenthein (1682–1749), Textilunternehmer Andreas „Andy“ Marek (* 1962), Stadionsprecher

Weblinks

Webpräsenz der Stadtgemeinde Groß-Siegharts

Einzelnachweise

Kategorie:Ersterwähnung 1299 Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1928