Die Kirche in Mallwischken (der Ort hieß zwischen 1938 und 1946: Mallwen) war ein in oktogonaler Bauweise errichtetes Gebäude aus Holz und bis 1945 evangelisches Gotteshaus für die Kirchspielbewohner des einst ostpreußischen und heute Maiskoje genannten Dorfes in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)).
Geographische Lage Das heutige Maiskoje liegt 16 Kilometer nördlich der Stadt Gussew (Gumbinnen) an der russischen Fernstraße A 198 (27A-040, Teilabschnitt der einstigen deutschen Reichsstraße 132). Eine Bahnanbindung des Ortes besteht nicht.
Der ehemalige Standort der Kirche ist heute ein freier PlatzDer einstige Standort der Kirche, heute ein freier Platz, Sommer 2011 und liegt westlich der früheren Gumbinner Chaussee unweit des heute noch vorhandenen Gebäudes der einstigen Schule.
Kirchengebäude Mallwischken wurde im Jahre 1730 ein Kirchdorf, als hier ein Gotteshaus errichtet wurdeMaiskoje - Mallwischken/Mallwen - bei ostpreussen.netMallwischken, Kirchdorf an der Gumbinner Chaussee, Kreis Pillkallen, Ostpreußen - bei GenWiki. Dazu erhielt die Gemeinde von König Friedrich Wilhelm I. eine Zuwendung von 7.000 Talern. Es entstand ein achteckiger hölzerner ZentralbauWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 110, Abb. 482–483, bei dessen Planung Karl Friedrich Schinkel mitgewirkt haben soll und auf den im Zusammenhang einer grundlegenden Renovierung 1827 bis 1829 ein hölzerner Turm mit Umgang gesetzt wurdeDie Kirche in Mallwischken - Foto aus der Zeit vor 1930.
Der Kircheninnenraum war von einer stuckverkleideten hölzernen Kuppeldecke überspannt. Die Ausstattung war sehr schlicht. Die Kanzel wirkte wie ein Teil der den Innenraum umgebenden Emporen.
Eine Orgel erhielt die Kirche im Jahre 1796. Das Geläut bestand aus drei Glocken.
Das Kirchengebäude überstand die Weltkriege, wurde jedoch nach 1945 sukzessive demontiert. Ende der 1960er Jahre fand sich vom Bauwerk keine Spur mehr. Auf seiner Grundfläche legte man in den 1980er Jahren einen Platz an, der von einem Kulturhaus flankiert wird.
Kirchengemeinde Im Jahr 1724 wurde im Rahmen des ostpreußischen Rétablissements das evangelische Kirchspiel Mallwischken errichtet. Die KirchengemeindeWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968 S. 485 gehörte anfangs zur Inspektion Insterburg (heute russisch: Tschernjachowsk), dann bis 1945 zum Kirchenkreis Pillkallen (Schloßberg) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Eine eigene Pfarrstelle erhielt Mallwischken im Gründungsjahr 1724, bereits vorher waren hier Hilfsprediger eingesetzt.
Zur Kirchengemeinde Mallwischken gehörten im Jahre 1925 3106 Gemeindeglieder, die in 28 Kirchspielorten, -ortschaften und -wohnplätzen lebten. Durch Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung sowie aufgrund der restriktiven Religionspolitik der Sowjetunion kam nach 1945 in dem nun Maiskoje genannten Dorf das kirchliche Leben zum Erliegen.
Heute liegt das Dorf im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen) innerhalb der Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.
Kirchspielorte Der Kirche in Mallwischken war bis 1945 ein weitflächiges Kirchspiel zugeordnet, das aus 28 Orten bestandDer * markiert einen Schulort:
Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name *Abschruten Bitzingen Wassilkowo Paberdszen1936–38: Paberdschen Grundhufen Antballen Abendwalde *Plimballen Osterfelde (Ostpr.) Grosnoje *Birkenfelde Kleinbirkenfelde Beresino Pritzkehmen Mühleck Surowkino Dubinnen Duben Quetschlaugken Ederkehmen Edern Podlipkowo Rosenfelde Eichenfelde Sassupönen Sassenbach Groß Stimbern seit 1935:Stimbern Schirokopolje *Smailen Alexandrowka,später: Beresino Henskehmen Sprindacker Krassilowo Stirnlaugken Stirnen Katharinenhof *Uszballen1936–38: Uschballen Birkenried Loschtschinka Klein Pillkallen Kleinschloßberg Wandlauszen1936–38: Wandlauschen Rotenkamp (Ostpr.) Ossinowka Klein Stimbern Werdehlischken Werden (Ostpr.) Löbtuballen Löbaugrund Platowo,später: Beresino Wingeruppen Lauterbrücken *Mallwischken Mallwen Maiskoje Wittgirren Legen Schiguljowo Naujeningken Nauningen Chutorskoje *Zwirballen Spatzen Kropotkino
Pfarrer An der Kirche Mallwischken amtierten als evangelische GeistlicheFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 90–91:
NN. Engelbrecht, 1718 Johann Gabriel Heinsius, 1719 Johann Christoph Grasemück, 1724–1733 Georg Liesiewski, 1734–1774 Johann Christian Fischer, 1771–1791 Johann Heinrich Anderson, 1791–1800 Johann Christoph Prellwitz, 1800–1805 Christian Wanner, 1805–1840 Johann Ferdinand Vollberg, 1840–1846 Gustav Adolf Leopold Hecht, 1847–1863 Ferdinand Rudolf Hermann Schulz, 1863–1864A. Hecht, H. Schulz († 1864), C. Sturies († 1891) und J. Passarge († 1894) waren Angehörige des Corps Littuania Christoph Sturies, 1864–1873 Julius Otto Passarge, 1874–1894 Rudolf Otto Theodor Hass, 1896–1897 Otto Julius Winkel, 1897–1912 Rudolf Bobeth, 1912–1916 Immanuel Renkewitz, 1916–1924 Arthur Brodowski, 1924–1936 Kurt Heinz Saalfeldt, 1942–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der Pfarrei Mallwischken haben die Kriege überdauert und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig aufbewahrt: Taufen: 1724 bis 1801 und 1852 bis 1868 Trauungen: 1724 bis 1875 Begräbnisse: 1724 bis 1875.
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1720er Jahren Kategorie:Oktogon (Sakralbau) Kategorie:Kirchengebäude (lutherisch) Kategorie:Kirchengebäude der Kirchenprovinz Ostpreußen Kategorie:Kirchengebäude in der Oblast Kaliningrad Kategorie:Zerstört in den 1960er Jahren Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Russland Kategorie:Holzkirche in Russland Kategorie:Zentralbau in Russland Mallwischken Kategorie:Rajon Gussew