Godowsky (1915)|mini Die Studien über die Etüden von F. Chopin sind Klavierstücke von Leopold Godowsky. Sie belegen die Einsicht von Jeremy Nicholas, dass Godowsky ein „Pianist für Pianisten“ war. Die Studien über die Etüden von Frédéric Chopin sind Bearbeitungen der Etüden Chopins von Leopold Godowsky (1870–1938), die vor allem dem Ausloten und der Erweiterung der klaviertechnischen Möglichkeiten dienen. Die einseitige Betonung des Technischen bei Godowsky ist jedoch eine Verkehrung der Absichten Chopins, der in den Etüden das technische Element nicht als Selbstzweck behandelt, sondern immer in den Dienst der musikalischen Aussage stellt. Zu den Verfahren Godowskys gehören unter anderem die Vertauschung des Partes von linker und rechter Hand (beispielsweise in der Terzenetüde). Dies stellt durch die neuen, ungewohnten Aufgaben ein Höchstmaß an Anforderungen an den Spielapparat, besonders die linke Hand, was nicht selten an die Grenze der Belastbarkeit führt. Ein weiteres Verfahren ist das Zusammenführen zweier Etüden (beispielsweise Opus 10 Nr. 5 mit Opus 25 Nr. 9) zu einem neuen Stück. Dies führt neben den technischen Problemen zu neuen Klangergebnissen, die mit Chopins Intentionen nichts mehr zu tun haben und in reine Artistik ausarten. Die technischen Schwierigkeiten sind groß und stellen eine Steigerung gegenüber denen der Etüden Chopins dar.Steve Donald Jones: Essay on Leopold Godowsky’s 53 Studien über die Etüden von Chopin. Phil. Dissertation, University of Iowa, 1978.

Zweck Nebenstudien zu op. 10.1|mini Godowsky schreibt in seiner (deutschen) Einleitung zur fünfbändigen Ausgabe des Robert Lienau Musikverlags:

Zu op. 10 Nr. 1, C-Dur op.10.1|mini C-Dur, diatonisch, Theodor Leschetizky gewidmet Des-Dur, für die linke Hand allein

Nr. 2, a-Moll a-Moll, für die linke Hand allein a-Moll, Ignis fatuus, Moritz Rosenthal gewidmet

Nr. 3, E-Dur op. 10.3|mini Des-Dur, für die linke Hand allein

Nr. 4, cis-Moll cis-Moll, linke Hand

Nr. 5, Ges-Dur Ges-Dur, schwarze Tasten, Albert Friedenthal gewidmet C-Dur, weiße Tasten, Willy Rehberg gewidmet a-Moll, Tarantella, weiße Tasten, Ernesto Consolo gewidmet A-Dur, Capriccio, weiße und schwarze Tasten Ges-Dur, Umkehrung, linke Hand, schwarze Tasten Ges-Dur, Umkehrung, rechte Hand, schwarze Tasten Ges-Dur, linke Hand

Nr. 6, es-Moll op. 10.6|mini es-Moll, linke HandMarc-André Hamelin (YouTube)

Nr. 7, C-Dur C-Dur, Toccata, Franz Kullak gewidmet Ges-Dur, Nocturne, Arthur Friedheim gewidmet Es-Dur, linke Hand, Hans von Schiller gewidmet; „relativ unkomplizierte Übertragung“

Nr. 8, F-Dur F-Dur, Teresa Carreño gewidmet Ges-Dur, linke Hand, William L. Hubbard gewidmet

Nr. 9, f-Moll cis-Moll f-Moll, zugleich Nachahmung von op. 25.2, „herrliches, ganz und gar ungewöhnliches Stück“Marc-André Hamelin im Begleitheft zur Hamelin-CD (2000) fis-Moll, linke HandIvan Ilić (YouTube)

Nr. 10, As-Dur D-Dur As-Dur, linke Hand

Nr. 11, Es-Dur A-Dur, linke Hand, Maurice Aronson gewidmet Aronson war für Godowsky das, was Julian Fontana für Chopin war (Jeremy Nicholas); „diabolisch schwierige Stimmführung“

Nr. 12, c-Moll cis-Moll, linke Hand, Paul Wittgenstein gewidmetVon Wladimir von Pachmann bereits 1912 eingespielt.

Zu op. 25 Nr. 1, As-Dur Godowskys „vierhändige“ Bearbeitung von op. 25,1|mini As-Dur, linke Hand, William Mason gewidmet As-Dur, wie vierhändig As-Dur

Nr. 2, f-Moll „Entsetzliche Unhandlichkeit“|mini 1. f-Moll, Wladimir von Pachmann gewidmet 2. f-Moll, Valse, Józef Hofmann gewidmet 3. f-Moll, zwei Versionen, Hugo Kaun gewidmet a) rechte Hand b) Oktaven-Triolen rechts, bezaubernde Stimmführung in Achteln links 4. fis-Moll, linke Hand (1914) Ivan Ilić (YouTube)

Nr. 3, F-Dur F-Dur, Louis Breitner gewidmet F-Dur, linke Hand

Nr. 4, a-Moll a-Moll, linke Hand, Eduard Risler gewidmet f-Moll, Polonaise

Nr. 5, e-Moll e-Moll, Ernst Lochbrunner gewidmet cis-Moll, Mazurka, Ernst Eduard Taubert gewidmet b-Moll, linke Hand Ivan Ilić (YouTube)

Nr. 6, gis-Moll gis-Moll, Terzenstudie, Camille Saint-Saëns, vielleicht auch Wladimir von Pachmann gewidmetDavid Saperton (YouTube)

Nr. 7, cis-Moll keine Bearbeitung

Nr. 8, Des-Dur Des-Dur, Sextenstudie, Ignacy Jan Paderewski gewidmet

Nr. 9, Ges-Dur Es-Dur Ges-Dur, linke Hand

Nr. 10, h-Moll h-Moll, linke Hand

Nr. 11, a-Moll a-Moll, Stefan Thomán gewidmet

Nr. 12, c-Moll cis-Moll, linke HandIvan Ilić

Zu den Trois Nouvelles Études f-Moll f-Moll, linke Hand As-Dur E-Dur, „ein wahres Wunder“Marc-André Hamelin (YouTube) Ges-Dur, linke Hand Des-Dur G-Dur, Menuetto

Vereinigungen op. 10.5 und op. 25.9, Ges-Dur, Badinage, Herrn und Frau Landeker gewidmet op. 10.11 und op. 25.3, F-Dur

Aufnahmen Noch Ende der 1970er Jahre waren nur wenige der Studien jemals aufgenommen worden. Die erste Tonaufnahme ist die cis-Moll-Version der „Revolutionsetüde“ für die linke Hand mit Wladimir von Pachmann (1912). Die nächsten waren zehn Studien mit David Saperton, Godowskys Schwiegersohn (1940). Die Metallplatte wurde für Patronenhülsen gebraucht und von der Radio Corporation of America vernichtet. Zwölf Jahre später nahm Saperton das gleiche Programm (mit einer elften Studie) noch einmal auf. Einer von Godowskys und Sapertons Schülern, Jorge Bolet, begann seinen Vertrag beim Decca-Label L'Oiseau-Lyre 1977 mit einer reinen Chopin-Godowsky-LP, die sieben Etüden enthielt, neben Godowsky-Transkriptionen von Chopin-Walzern. Bolet spielte die Etüden zum Teil auch im Konzert. Der britische Pianist Ian Hobson brachte es mit einer CD 1985 bereits auf 18 Etüden. Die erste Gesamteinspielung ist dem Australier Geoffrey Douglas Madge zu verdanken (1989). Es folgten Carlo Grante (1993–1998) und Marc-André Hamelin (1999). Francesco Libetta hat 1993 und 1994 in Mailand alle Studien öffentlich aufgeführt.Jeremy Nicholas im Begleitheft zur Hamelin-CD (2000)

Siehe auch Liste der Paraphrasen, Transkriptionen, Arrangements und Kadenzen von Leopold Godowsky

Literatur Steve Donald Jones: Essay on Leopold Godowsky's 53 Studien über die Etüden von Chopin. Phil. Diss., University of Iowa, 1978. Jeremy Nicholas: Godowsky – ein Pianist für Pianisten. Eine Biographie Leopold Godowskys, mit einem Vorwort von Jorge Bolet, aus dem Englischen übersetzt von Ludwig Madlener. STACCATO-Verlag, Düsseldorf 2012. ISBN 978-3-932976-50-6.

Weblinks

Diskografie von Godowskys Studien über Chopins Etüden Hyperion

Einzelnachweise

Kategorie:Klaviermusik Kategorie:Frédéric Chopin Kategorie:Leopold Godowsky