Friedrich Wilhelm Elchlepp (* 18. März 1897 in Stendal; † 6. November 1956 in Erfurt) war ein deutscher Lehrer und Kurator.

Leben Friedrich Wilhelm Elchlepp war zweiter Sohn des Stendaler Magistratsobersekretärs Otto Elchlepp (* 1868) und dessen Ehefrau Camilla,Friedrich Wilhelm Elchlepp (Bearbeiter und Hrsg.): Geschichte der Familie Eichleb – Elchlep – Elchlepp – Elgleb. Teil 1. Bad Suderode 1940, S. 62 f. geborene Weinoldt.Personalbogen Elchlepp, Friedrich, Stand: 1924; Seite 1 Seine Brüder waren Albert (* 1894), ein 1921 verheirateter Diplom-Ingenieur in Kassel sowie späterer Lehrer an der Ingenieurschule in Gumbinnen, und Otto (* 1898), ein 1931 verheirateter Diplom-Kaufmann in Berlin.Tafel VI: D-Linie, im Anhang von Friedrich Wilhelm Elchlepp (Bearbeiter und Herausgeber): Geschichte der Familie Eichleb – Elchlep – Elchlepp – Elgleb. Teil 1, Bad Suderode 1940,

Der Erste Weltkrieg war für Elchlepp als Kriegsfreiwilligen nach vier Dienstjahren in einem Flakregiment und einer Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz als Leutnant der Reserve beendet. Das SPD-Mitglied Friedrich Elchlepp, das sich „Fritz“ nennen ließ,Abweisung der Ehrenauseinandersetzung des Studienreferendars Fritz Elchlepp in Stendal gegen die Hallenser stud. phil. Dr. Lampe und Rocke wegen deren Äußerungen über seine Zugehörigkeit zur SPD. In: Jürgen Kloosterhuis: Quellen zur Universitäts-, Studenten- und Korporationsgeschichte im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz  … S. 163, 2. Teil arbeitete zunächst als Lehrer an der Oberrealschule der Franckeschen Stiftungen zu Halle an der Saale. In den Jahren 1923 bis 1929 war Elchlepp Leiter der Hartsteinwerke Heyrothsberge. Von November 1929 bis März 1930 setzte er seine Tätigkeit im Lehrerberuf als Studienassessor an einer Oberschule in Oschersleben fort und schied zum 31. des Monats aus dem Schuldienst als Studienrat aus.Vermerk auf Seite 1 der Personaldaten von Lehrern und Lehrerinnen Preußens, hier: Elchlepp, Friedrich Auf die Stelle des zweiten Direktors der Strafanstalt Wolfenbüttel wurde Elchlepp im Jahr 1930 berufen und 1931 bekam Elchlepp eine Stelle als Lehrer an der Polizeiberufsschule Berlin.Lebenslauf Elchlepp, Friedrich in: Catalogus professorum halensis; Kurator Auf dem „Personalblatt A für Direktoren, Wissenschaftliche Lehrer und Kandidaten des höheren Lehramtes“ findet sich der Eintrag, dass Elchlepp zu dieser Zeit „evangelischen Bekenntnisses (Religion)“ war. Er wurde auf die Weimarer Reichsverfassung am 25. April 1922 sowie am gleichen Tag auf die Landesverfassung vereidigt, und der Beginn seines Dienstalters für den höheren Schuldienst Preußens begann ab 1. April des Folgejahres zu zählen.Personalbogen in BBF-Archivdatenbank Berlin, S. 2 Ziff. 7 b)

Im „Dritten Reich“ leitete Elchlepp ein Kinderheim in Bad Suderode,Erinnerungen an die Martin-Luther-Universität 1945–89. Eine Diskussion mit Zeitzeugen. In: Hermann-Josef Rupieper (Hrsg.): Hallische Beiträge zur Zeitgeschichte. Heft 3/1997, S. 25f. nachdem er aus dem SchuldienstErich Krüger: Lebensnahe Polizei. Leserbrief vom 21. Oktober 1931, abgedruckt in Vossische Zeitung. Fünfte Beilage vom 25. Oktober 1931. (Krüger war ebenfalls „ziviler Lehrer“ an der Polizeiberufsschule Berlin.) der Berliner Polizeiberufsschule – wie fast alle aktiven MitgliederFestschrift zum 125jährigen Jubiläum der Schutzmannschaft: Berlin 1848–1973. Hrsg.: Der Polizeipräsident in Berlin. Haupt und Koska, Berlin, 1973, S. 38; der demokratischen Parteien – entfernt150 Jahre Schutzmannschaft: Berlin 1848–1998. Festschrift. Hrsg.: Der Polizeipräsident in Berlin (1998), S. 79- worden war. Als Lehrer an der Polizeiberufsschule wohnte Elchlepp im Berliner Stadtbezirk Treptow.Elchlepp, Friedrich, Stud.-Rat, Treptow, Defreggerstr. 4 in: Amtliches Fernsprechbuch für Berlin und Umgebung 1932. Herausgegeben von der Oberpostdirektion Berlin. (Abgeschlossen am 31. Oktober 1931). Nach seinem Wegzug von Berlin befasste sich der Studienrat a. D. neben der Leitung des Erholungsheimes für Kinder mit der Familien- bzw. Ahnenforschung und gab dazu in den Jahren 1935 bis 1937 im Selbstverlag in Bad Suderode eine Zeitschrift als Rundschreiben heraus.Bad Suderode: 1935/36,1 (Aug.) – 1937, 10/1 (Erscheinungsweise unregelmäßig); DNB-Portal. In der Endphase des Zweiten Weltkrieges wurde der ehemalige Leutnant von 1917 volkssturmpflichtig und entsprechend seinem Offiziersdienstgrad eingesetzt, konnte sich jedoch mit seinen Volkssturm-Männern – noch vor dem Anrücken der US-Amerikaner – der Waffen und Uniformen entledigen.Dietrich Wilde: In jenen Jahren. Norderstedt 2011, ISBN 978-3-8423-5364-0, S. 33.

Lebensweg nach 1945 Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte Elchlepp zeitweise als Landrat des Landkreises Quedlinburg, wurde jedoch auf eigenen Wunsch zum 1. Oktober 1945 ins Volksbildungsministerium der Provinzialregierung Sachsen-Anhalt in der SBZ versetzt.Dietrich Wilde: In jenen Jahren. Norderstedt 2011, ISBN 978-3-8423-5364-0, S. 150. Im Dezember 1945 wurde er der Nachfolger des nach Kriegsende noch amtierenden, unbelasteten Universitätskurators, Friedrich Tromp (1875–1954), und in dieser Eigenschaft der Vertreter des Volksbildungsministers der Provinzialregierung Sachsen-Anhalt an der Universität Halle. Dort war zu jener Zeit der evangelische Theologe Otto Eißfeldt Rektor.

In der Funktion UniversitätskuratorErinnerungen an die Martin-Luther-Universität 1945–89. Eine Diskussion mit Zeitzeugen. In: Hermann-Josef Rupieper (Hrsg.): Hallische Beiträge zur Zeitgeschichte. Heft 3/1997, S. 21f. hatte Elchlepp ein Einspruchsrecht bei den Stellenbesetzungsvorschlägen des Rektors und machte davon mehrmals Gebrauch, etwa im Fall des Rechtsprofessors Arthur Wegner (1900–1989).Elchlepp hielt Wegner wegen früherer monarchistischer Äußerungen für untragbar; catalogus professorum halensis und bei der beabsichtigten Wiederberufung des ehemaligen Hallenser Professors Waldemar Mitscherlich (1877–1961), der nach seiner Rückkehr in die Saalestadt 1946 an der MLU Vertretungen und Übungen bis 1947 abhielt.Vorwurf des Kurators: „kapitalistisch-reaktionäre Haltung“; Universitätsarchiv Halle (UAH) Personalakte (PA) 11499 Mitscherlich; Rep. 6 Nr. 1407; zitiert nach: Elchlepp bemühte sich in anderen Fällen um die Rückkehr von ehemaligen Hallenser Professoren aus dem Exil. So schrieb er durch Vermittlung eines ihm bekannten Lehrers/RektorsArthur Köhn (* 1893); im Jahr 1946Die Anschrift von Prof. Friedländer in den USA erhielt Elchlepp von dem Schul-Rektor, der bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in Halle lebte: Arthur Köhn; Hallesches Adressbuch 1940, digitalisiert von der Bibliothek der Uni. Halle, Teil I S. 178 Spalte 2Laut Adressbuch Halle 1946/47: Köhn, Artur (ohne „h“ gedruckt) Reilstraße 125 mit Berufsangabe „Rektor“. an den einstigen Hallenser Altertumswissenschaftler Paul Friedländer (1882–1968)Wortlaut des Briefs vom 24. September 1946 des Kurators der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg an Friedländer (UAH PA Friedländer PH 6289) und abgedruckt in: Hans Peter Obermayer: Deutsche Altertumswissenschaftler im amerikanischen Exil. Eine Rekonstruktion. Berlin u. a. O., 2014, ISBN 3-11-030279-9, S. 664. und an den ehemaligen Universitätsprofessor Richard Laqueur (1881–1959),Althistoriker. die wegen ihrer jüdischen Abstammung im nationalsozialistischen Deutschland von der Martin-Luther-Universität verdrängt und entlassen wurden, ob sie nicht an die hallesche Universität zurückkehren wollten. Aus unterschiedlichen Gründen blieben jedoch seine Bemühungen bei beiden Wissenschaftlern ohne Erfolg.Die Gründe sind für Laqueur in seiner von der Universität Halle nach 1945 gefertigten Biographie genannt: „Obwohl sich Rektor Otto Eißfeldt vehement für ihn einsetzte, scheiterte die Rückkehr zunächst an bürokratischen Hemmnissen der Besatzungsmacht. 1947 hintertrieben Kollegen die Rückberufung.“ Catalogus professorum halensis 1933–1945. catalogus-professorum-halensis.de; abgerufen am 9. April 2015. Elchlepp war zunächst für die Vorbereitung einer ministeriell angeordneten Universitätsfeier in der Aula am 13. September 1947 vorgesehen, auf der die Verfolgten des Naziregimes aus dem Lehrkörper der Jahre 1933 bis 1945 geehrt werden sollten, darunter auch der Wirtschafts- und Staatswissenschaftler Waldemar Mitscherlich. Dieser musste 1941 die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg verlassen wegen eines erneuten politischen Zusammenstoßes mit nationalsozialistischen Studenten. Der Kurator konnte die organisatorische Vorbereitung der Feier an die für den inhaltlichen Ablauf Verantwortlichen abgeben, an den Rektor Eißfeldt, den Senat und die Studentenschaft, dank einer Verfügung des Volksbildungsministers Ernst Thape.Friedemann Stengel: Ausgeschlossen: Zum Gedenken an die 1933–1945 entlassenen Hochschullehrer der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Vgl. Vorwort des Herausgebers mit Quellenangabe aus dem Universitätsarchiv zur Mitteilung des Kurators vom 22. August 1947 über die Vorbereitung der Gedenkfeier im September 1947: UAH, Rep. 4, Nr. 2090; Universitätsverlag Halle-Wittenberg, 2013, ISBN 978-3-86977-080-2, S. XIII f. und XVIII. mini|Halle: Arbeitsplätze des Kurators Elchlepp und des Rektors (linkes Gebäude neben dem Thomasianum/Bildmitte), Universitätsplatz 10

Zivilcourage legte Kurator Elchlepp zusammen mit dem sowjetischen Hochschuloffizier, Major Rosenbaum, 1946 an den Tag, als er sich bei der SMAD dafür verwendete, dass eine im Jahr 1946 verhaftete Hallenser LDP-Studentengruppe kurzfristig wieder freigelassen wurde.Manfred Heinemann (Hrsg.): Hochschuloffiziere und Wiederaufbau des Hochschulwesens in Deutschland 1945–1949. Die Sowjetische Besatzungszone. Akademie Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-05-002851-3, S. 243. Ab März 1947 erhielt er als Kurator in juristischen Fragen Unterstützung durch einen Universitätssyndikus, einen seiner Bekannten aus Bad Suderode und Quedlinburg, den promovierten Juristen Dietrich Wilde,Bernd Sternal, Götz Wilde, Ulrich Herrmann (Hrsg.): In jenen Jahren – Aufzeichnungen eines befreiten Deutschen. Band 2. 2011, ISBN 978-3-8423-8119-3, S. 93ff. der später nach seiner Flucht in den Westen Deutschlands Elchlepp als „Meister der politischen Taktik“ charakterisierte.Dietrich Wilde: In jenen Jahren. Norderstedt 2011, ISBN 978-3-8423-5364-0, S. 33. Er setzte sich Mitte Februar 1948 bei der Landesregierung Sachsen-Anhalt für die schnelle Berufung des Sozialisten Leo Kofler zum Professor für Geschichte und Geschichtsphilosophie ein, da dessen Interesse insbesondere dem dialektischen und historischen Materialismus galt.Christoph Jünke: Sozialistisches Strandgut Leo Kofler – Leben und Werk (1907–1995). Hamburg 2007, ISBN 978-3-89965-197-3, S. 206.