Michelhausen ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Tulln in Niederösterreich.
Geografie Michelhausen liegt südwestlich von Tulln am Südrand des Tullnerfeldes in der raumplanerischen Hauptregion „Niederösterreich Mitte“ und wird landschaftlich zum Mostviertel gezählt. Die Gemeindegrenze folgt im Nordwesten weitgehend dem Lauf der Perschling. Der ebene Nordosten liegt 180 Meter über dem Meer, nach Südwesten steigt das Land bewaldet auf über 300 Meter an.
Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 32,03 Quadratkilometer, davon sind 74 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche und 9 Prozent bewaldet.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst acht Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Atzelsdorf () Michelhausen () Michelndorf () Mitterndorf () Pixendorf () Rust im Tullnerfeld () Spital () Streithofen ()
Die Gemeinde besteht aus acht Katastralgemeinden Atzelsdorf, Michelhausen, Michelndorf, Mitterndorf, Pixendorf, Rust, Spital und Streithofen.
Nachbargemeinden
Geschichte Schon im Jahr 834 wird in den Annalen des Stiftes Regensburg eine ecclesia in loco Bersnicka (eine Kirche im Gebiet der Perschling) genannt, wobei voraussichtlich die Kirche in Michelhausen gemeint ist. Die Orte Michelhausen, Acellendorf (Atzelsdorf), Possendorf (Pixendorf), Spital, Mitterndorf und Michelndorf werden erstmals 1252 urkundlich erwähnt, als Bischof Albert von Regensburg dem König Ottokar II. Přemysl die Rückgabe seiner Besitzungen versprach. Streithofen scheint 1112 in einer Urkunde auf, in der Bischof Ulrich von Passau das Dorf Streithofen dem Chorherrenstift St. Georgen schenkte. Rust wird 1219 in einer Urkunde Leopold VI erstmals genannt.
Im Zuge des Ersten Österreichischen Türkenkriegs 1529 und des Großen Türkenkriegs 1683 erfolgten Plünderungen. Unter Freiherr Helmhard Jörger gab es 1579 einen protestantischen Prediger. 1679 wurde der Ort von der Pest heimgesucht und 1781 sowie 1806 teilweise durch Großbrände zerstört.Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich, südlich der Donau. Teil 2. Verlag Berger, Horn/Wien 2003, ISBN 3-85028-365-8, S. 1436 ff. 1972 wurden die Gemeinden Michelhausen und Rust zur Großgemeinde Michelhausen vereinigt. 1974 erfolgte die Markterhebung.
Religion 1256 wurde Michelhausen eine selbständige Pfarre und 1328 wird erstmals ein Pfarrer in der Chronik erwähnt. Das Pfarrgebiet umfasst die Orte Atzelsdorf, Michelhausen, Michelndorf, Mitterndorf, Pixendorf, Spital und Streithofen.Pfarre Michelhausen: Chronik; abgerufen am 23. Nov. 2012.
Rust war zuerst eine Filiale der Pfarre Zwentendorf und wurde 1784 im Zuge der Josephinische Reformen eine eigene Pfarre.
Einwohnerentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Innenansicht der Pfarrkirche Michelhausen mit der Wand- und Deckenmalerei von Josef Adam Mölk mini|Pfarrkirche Rust im Tullnerfeld mini|Leopold-Figl-Museum in Rust
Katholische Pfarrkirche Michelhausen Hll. Petrus und Paulus Katholische Pfarrkirche Rust im Tullnerfeld hl. Martin: Die nach Plänen von Karl Holey in den Jahren 1947 bis 1949 errichtete Saalkirche mit kurzen Querarmen, Turm und Taufkapelle. Ursprünglich stand an dieser Stelle eine Kirche mit romanischem Langhaus und gotischem Chor, die im Zuge des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde.Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Niederösterreich, südlich der Donau. Teil 2. Verlag Berger, Horn/Wien 2003, ISBN 3-85028-365-8, S. 1881 f. Leopold-Figl-Museum
Wirtschaft und Infrastruktur Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 85, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 117. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 1211. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 48,77 Prozent.
In der Gemeinde Michelhausen hat die Landwirtschaft große Bedeutung: Man findet hier Viehhaltungsbetriebe (Rinder, Schweine) als auch Ackerbaubetriebe (Kraut, Rüben, Getreide). Besonders der Krautanbau hat in der Gemeinde schon seit Jahrzehnten große Bedeutung. Wichtige gewerbliche Betriebe in der Gemeinde sind die Firmen Brucha (Michelhausen), SBS System Bau Simperl (Michelhausen), Autoreparaturwerkstätte Hochenthanner (Rust), Gemüsehandel und Krautproduzent Heinreichsberger (Mitterndorf), Leitzinger (Michelhausen), Malermeister Gerald Schneiber (Michelhausen) und Firma AGRI FARM (Michelndorf).
Öffentliche Einrichtungen In Michelhausen befinden sich zwei Kindergärten und eine Volksschule. Ein weiterer Kindergarten liegt in Pixendorf am Gelände des Bahnhof Tullnerfeld. mini|Bahnhof Tullnerfeld
Verkehr Eisenbahn: In Michelhausen zweigt die Bahnlinie nach Traismauer und Herzogenburg von der Strecke der Neuen Westbahn ab. Der Bahnhof Tullnerfeld liegt am Ostrand der Gemeinde. Von hier gibt es jeweils eine stündliche Schnellverbindung mit dem Railjet nach Wien und St. Pölten sowie zumindest jeweils eine mit dem Cityjet Express (CJX), dazwischen verkehrt die Schnellbahn S40, die den Bahnhof Tullnerfeld auch mit der Bezirkshauptstadt Tulln an der Donau verbindet. Zu den Hauptverkehrszeiten fahren bis zu sechs Züge pro Stunde vom Bahnhof Tullnerfeld Richtung Wien. Straße: Im Westen der Gemeinde zweigt die Kremser Straße B43 von der Wiener Straße B1 ab.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat seit den Gemeinderatswahlen 2025 23 Mitglieder, zuvor hatte er 21 Mitglieder. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1990 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 18 ÖVP und 3 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1995 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 17 ÖVP, 2 SPÖ und 2 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2000 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 17 ÖVP, 3 SPÖ und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2005 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 15 ÖVP, 5 SPÖ und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2010 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 15 ÖVP, 4 SPÖ und 2 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 16 ÖVP, 3 SPÖ und 2 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2020 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 15 ÖVP, 5 SPÖ und 1 FPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2025 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 16 ÖVP, 5 SPÖ und 2 FPÖ.
Bürgermeister Bürgermeister seit 1850 waren: in Rust 1850–1870 Michael Rabacher 1870–1895 Ferdinand Rabacher 1895–1906 Karl Aichinger 1906–1922 Anton Sumetzberger 1922–1927 Franz Bogner 1927–1938 Leopold Rödl 1938–1945 Josef Gfatter 1945–1956 Leopold Rödl 1956–1971 Ferdinand Rabacherin Michelhausen 1850–1858 Anton Beimler 1859–1861 Josef Kleiß 1861–1864 Anton Maier 1864–1876 Franz Wippl 1876–1878 Johann Wutzl 1879–1913 Franz Figl 1913–1919 Ferdinand Geiger 1920–1929 Leopold Fischelmayer 1929–1938 Leopold Bergold 1938–1945 Walter Fischelmayer 1945–1946 Leopold Bergold 1946–1949 Josef Baum 1949–1965 Johann Kiesler 1965–1967 Leopold Mayer 1967–2003 Leopold Jäger 2003–2021 Rudolf FriewaldThomas Peischl: Michelhausen: Rudolf Friewald legt Bürgermeisteramt zurück. NÖN, 3. November 2021. seit 2021 Bernhard Heinl
Wappen Im Jahr 1974 wurde der Gemeinde folgendes Wappen verliehen: In Rot ein silberner Schrägrechtsbalken, überdeckt von einem goldenen, schwarzbedachten, festen Haus, mit offenem Tor und ebensolchen Fenstern, überragt von einem Turm.
Persönlichkeiten Der in der Gemeinde liegende Ort Rust im Tullnerfeld ist Geburtsort und war Heimat des Politikers Leopold Figl (1902–1965), dem auch das Leopold-Figl-Museum im Ort gewidmet ist. Der Skispringer Thomas Diethart verbrachte seine Kindheit in Michelhausen. Er ist Sieger des Neujahrsspringens 2014 in Garmisch-Partenkirchen sowie des Dreikönigsspringens 2014 in Bischofshofen, dadurch gewann er die Vierschanzentournee 2013/14. Josef Ursin (1822–1896), Politiker, Bürgermeister von Tulln und Mitglied im Reichsrat von Niederösterreich
Literatur Franz Rischanek, Otto Salzborn: Kleindenkmäler und Kapellen der Marktgemeinde Michelhausen und der Pfarre Sieghartskirchen. Tulln 1994.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ersterwähnung 1250