mini|Flagge Neuenglands (1686 – ca. 1737) mini|Siegel des Dominion of New England Das Dominion of New England (bzw. offiziell Dominion of New England in America, ) existierte als politische Einheit der britischen Überseekolonien von 1686 bis 1689 in der nordamerikanischen Region Neuengland. Politisch war die Struktur eng an die zentralisierte Kontrolle des Vizekönigreichs Neuspanien angelehnt. Das Dominion wurde von den meisten Kolonisten nicht akzeptiert, weil sie durch die neuen Verhältnisse ihrer traditionellen Rechte beraubt wurden und dies der britischen Krone übelnahmen. Gouverneur Edmund Andros versuchte, rechtliche und strukturelle Änderungen durchzusetzen, jedoch wurden die meisten Beschlüsse nicht umgesetzt. Das Dominion wurde umgehend gestürzt, als die Nachricht des Thronverzichts von Jakob II. die Kolonien erreichte. Ein wesentlicher Erfolg bestand in der Einführung der Church of England in Massachusetts, dessen puritanische Anführer bis dahin eine Etablierung erfolgreich verhindert hatten.

Das Dominion bestand aus einem sehr großen Gebiet zwischen dem Delaware River im Süden und der Penobscot Bay im Norden, das die heutigen US-Bundesstaaten Maine, New Hampshire, Vermont, Massachusetts, Rhode Island, Connecticut, New York und New Jersey umfasste. Es war damit deutlich zu groß, um von einem einzigen Gouverneur verwaltet zu werden, was jedoch nicht geändert wurde. Gouverneur Andros war extrem unbeliebt und wurde von den meisten politischen Fraktionen sogar als Bedrohung angesehen. Nachdem die Nachricht der Glorious Revolution 1689 Boston erreicht hatte, war bekannt, dass Jakob II. – der Andros als Gouverneur eingesetzt hatte – vor allem aufgrund seiner engen Beziehungen zur Römisch-katholischen Kirche gestürzt worden war. Die anti-katholischen Puritaner warfen Andros und seine führenden Beamten daraufhin während des Bostoner Aufstands 1689 ins Gefängnis. Im Zuge der Leisler’s Rebellion in New York City wurde der Vizegouverneur Francis Nicholson entmachtet, was zu einem ethnischen Krieg zwischen den alteingesessenen holländischen Siedlern und englischen Neuankömmlingen führte.

Nach diesen Ereignissen kehrten die Kolonien des Dominion zu ihrer ursprünglichen Verwaltungsform und Gebietsaufteilung zurück, obwohl einige zunächst keine Charta mehr besaßen. Neue Chartas wurden jedoch nach kurzer Zeit durch die gemeinsam regierenden Wilhelm III. und Maria II. herausgegeben.

Geschichte Vorausgehende Entwicklungen In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden in Nordamerika sowie auf den Westindischen Inseln mehrere britische Kolonien gegründet, die sich konzeptionell voneinander teilweise deutlich unterschieden. Einige – wie beispielsweise die Colony of Virginia – entstanden als kommerzielle Projekte, während andere – unter anderem die Colony of Maryland und die Massachusetts Bay Colony – aus religiösen Motiven heraus gegründet wurden. Ebenso unterschied sich die Verwaltung der Kolonien; so wurde Virginia ungeachtet der unternehmerischen Gründungsphase zur Kronkolonie, während Massachusetts ebenso wie weitere Kolonien in Neuengland eine Charta besaß, die ihr umfangreiche Freiheiten bei der Verwaltung zugestand. Dagegen waren beispielsweise Maryland und Carolina Kolonien, die von einem oder mehreren Eigentümern verwaltet wurden.

Nach der Stuart-Restauration im Jahr 1660 war der englische König Karl II. daran interessiert, die Verwaltung der Kolonialgebiete zu verschlanken und insgesamt effizienter zu gestalten. Er begann daher damit, einige der Kolonien unter seine direkte Kontrolle zu stellen. Ein wesentlicher Grund bestand in den hohen Verwaltungskosten, die einzelne Kolonien verursachten, ein weiterer lag in der Regulierung des Handels. In den 1660er Jahren verabschiedete daher das englische Parlament eine Reihe von Gesetzen, die in ihrer Gesamtheit als Navigationsakten bekannt sind. Diese wurden von einigen Kolonien, angeführt von Massachusetts, allerdings zurückgewiesen, da diese bereits bedeutende Handelswege nicht nur mit anderen englischen Kolonien, sondern auch mit anderen europäischen Ländern und deren Kolonien aufgebaut hatten. Die Navigationsakten definierten nun einige alltägliche Vorgänge in Neuengland als illegal und verwandelten praktisch alle Kaufleute in Schmuggler, sofern sie nicht die neuen Zölle bezahlten, die ihre Transport- und Versandkosten erheblich erhöhten.

Einige der Kolonien in Neuengland stellten für den König besondere Probleme dar, deren Lösung unter anderem in der Zusammenlegung dieser Kolonien zu einer einzigen Verwaltungseinheit gesehen wurde. Die Plymouth Colony hatte nie eine formale Charta besessen, und die New Haven Colony hatte zwei der Unterzeichner des Todesurteils gegen Karl I., also gegen den Vater des amtierenden Königs, aufgenommen. Das Gebiet von Maine wurde von streitenden Konzessionsempfängern und der Kolonie Massachusetts angezweifelt, und New Hampshire war erst kurz zuvor gegründet worden und daher sehr klein. Massachusetts wurde zudem seit seiner Gründung nahezu theokratisch geführt und war weithin für seine Intoleranz gegenüber Nicht-Puritanern bekannt. Dazu zählten auch – und das war für den römisch-katholischen Karl II. entscheidend – Unterstützer der Church of England. Bisherige Reformbemühungen von Karl II. waren fehlgeschlagen, so dass 1683 die Schritte eingeleitet wurden, um die Charta der Kolonie zu annullieren, was 1684 dann auch formal umgesetzt wurde.

Die tatsächliche Motivation Londons für diesen Schritt bestand weniger in der Steigerung der Effizienz der Verwaltung als vielmehr in der Absicht sicherzustellen, dass die Kolonien ihrem ursprünglichen Zweck nachkamen und England bereicherten. Englands Verlangen nach Kolonien, die Agrarerzeugnisse lieferten, wurde von den südlichen Kolonien erfüllt, die Tabak, Reis und Indigo produzierten, jedoch aus geologischen Gründen nicht vom weiter nördlich gelegenen Neuengland. Aufgrund der Ressourcenknappheit begannen die Siedler in Neuengland mit dem Aufbau von Handelsnetzwerken und machten bald den englischen Kaufleuten erfolgreich Konkurrenz. Sie bauten zudem Werkstätten und Fabriken auf, die Englands lukrativen Kolonialmarkt mit Textilien sowie Leder- und Eisenwaren bedrohten. Daher wurde der Plan gefasst, alle nördlichen Kolonien zusammenzufassen, um die dortigen Siedler von Produktion und Handel abzubringen.

Gründung des Dominion mini|König Jakob II. Nach dem Widerruf der Charta von Massachusetts stellten Karl II. und das Board of Trade ihre Pläne zur einheitlichen Verwaltung von zumindest einigen der Kolonien in Neuengland vor. Das neue Dominion hatte insbesondere zum Ziel, den Handel zu regulieren, die Religionsfreiheit zu verbessern, die Vergabepraxis von Grundstücksrechten im Hinblick auf die englische Praxis zu reformieren, Verteidigungsmaßnahmen zu koordinieren sowie die Verwaltung in weniger Zentren zusammenzufassen und damit zu verschlanken. Das Dominion umfasste nach den ersten Plänen zunächst die Gebiete der Massachusetts Bay Colony, der Plymouth Colony, der Province of New Hampshire, der Province of Maine und des damaligen Narraganset County (heute Washington County (Rhode Island)).

Karl II. hatte Colonel Percy Kirke als Verwalter des Dominion bestimmt, jedoch starb er, bevor dies bewilligt werden konnte. Jakob II. bewilligte die Einsetzung von Kirke im Jahr 1685, der allerdings aufgrund seiner Rolle bei der Niederschlagung der Monmouth Rebellion stark kritisiert wurde. Daher wurde seine Einsetzung als Verwalter widerrufen.vgl. Barnes, S. 45. Da es Verzögerungen bei der Ausarbeitung der Einsetzung von seinem vorgesehenen Nachfolger Sir Edmund Andros gab, wurde am 8. Oktober 1685 Joseph Dudley kommissarisch als Präsident der Ratsversammlung von Neuengland eingesetzt.vgl. Barnes, S. 47–48. Seine Ernennung beinhaltete, dass er mit einem aus ernannten Mitgliedern bestehenden Rat und ohne repräsentative Legislatur regieren sollte.vgl. Barnes, S. 48. Die Ratsmitglieder bestanden aus einem politischen Querschnitt moderater Persönlichkeiten aus den alten Kolonialregierungen. Edward Randolph, der als Agent der Krone bereits Angelegenheiten in Neuengland untersucht hatte, gehörte ihm ebenfalls an.vgl. Barnes, S. 49. Randolph wurde darüber hinaus mit einer Vielzahl weiterer Positionen – unter anderem Sekretär des Dominion, Zolleintreiber und stellvertretender Postmeister – betraut.vgl. Barnes, S. 50.

Gouverneure Joseph Dudley mini|Gouverneur Joseph Dudley Dudleys Ernennungsurkunde traf am 14. Mai 1686 in Boston ein, und er nahm die Geschäfte in Massachusetts formal am 25. Mai desselben Jahres auf.vgl. Barnes, S. 50, 54. Er hatte jedoch keinen besonders glücklichen Start, da einige Kolonialbeamte, die als Teil seines Rates ernannt worden waren, den Dienst verweigerten.vgl. Barnes, S. 51. Edward Randolph zufolge waren die puritanischen Beamten .vgl. Barnes, S. 53. Auch die Wahlen von kolonialen Offizieren wurden beeinträchtigt, weil viele von ihnen ebenfalls den Dienst verweigerten.vgl. Barnes, S. 55. Dudley ernannte daraufhin viele von ihnen zwangsweise und bevorzugte dabei die politisch moderaten Personen, die bereits die königlichen Wünsche im Kampf um die alte Charta unterstützt hatten.vgl. Barnes, S. 56.

Dudley wurde in großem Ausmaß dadurch behindert, dass er nicht in der Lage war, die Einnahmen des Dominion zu erhöhen. Seine Ernennung erlaubte ihm nicht, neue Einkommensgesetze einzuführen, und die Kolonialregierung in Massachusetts hatte bereits 1683 in Erwartung des Verlusts der Charta alle diesbezüglichen Gesetze zurückgezogen.vgl. Barnes, S. 58. Darüber hinaus weigerten sich viele, die wenigen verbliebenen Abgaben zu bezahlen, indem sie argumentierten, die entsprechenden Regelungen seien von der alten Regierung beschlossen worden und damit ungültig.vgl. Barnes, S. 59. Die Versuche von Dudley und Randolph, die Church of England im Dominion einzuführen, schlugen größtenteils aufgrund mangelnder finanzieller Möglichkeiten fehl.vgl. Barnes, S. 61.

Dudley und Randolph setzten die Navigationsakten durch, obwohl diese nicht vollständig den geltenden Gesetzen entsprachen. Da beiden bewusst war, dass einige darin enthaltene Verfügungen unfair waren, weil sie beispielsweise die Zahlung mehrfacher Zölle bewirkten, wurde über bestimmte Verletzungen der neuen Regeln hinweggesehen. Sie empfahlen dem Board of Trade, die Gesetze zu modifizieren, um diesem Umstand gerecht zu werden. Die Wirtschaft in Massachusetts wurde dennoch – zusätzlich betroffen von negativen externen Einflüssen – stark beeinträchtigt.vgl. Barnes, S. 62–63. Über Angelegenheiten des Handels der Kolonie kam es sogar zu einem offenen Konflikt zwischen Dudley und Randolph.vgl. Barnes, S. 68.

Während der Amtszeit von Dudley beschloss das Board of Trade auf Grundlage einer entsprechenden Petition der Kolonialversammlung, die Kolonien Rhode Island und Connecticut mit Wirkung zum 9. September 1686 in das Dominion zu integrieren. Andros, dessen Ernennung im Juni ausgegeben worden war, erhielt eine entsprechende Ergänzung seiner Befugnisse zur Umsetzung der Integration.

Edmund Andros mini|Sir Edmund Andros Andros, der zuvor Gouverneur von New York gewesen war, erreichte Boston am 20. Dezember 1686 und nahm unmittelbar seine Amtsgeschäfte auf.vgl. Lustig, S. 141. Er war ein Hardliner und vertrat die Ansicht, dass die Kolonisten mit Verlassen des englischen Bodens auch alle ihre Rechte als Engländer aufgegeben hatten. Als 1687 der Pfarrer John Wise seine Gemeinde zu Protesten und zur Verweigerung von Steuerzahlungen aufrief, ließ er diesen ins Gefängnis werfen, verurteilen und mit einer Geldstrafe belegen. Ein Mitarbeiter von Andros erklärte dazu: .vgl. Taylor, S. 277.