Ulrich W. Kulisch (* 1933 in Breslau) ist ein deutscher Mathematiker, der sich mit numerischer Mathematik befasst, hauptsächlich mit Intervallarithmetik einschließlich deren Implementierung in Computern.
Biografie Kulisch studierte Mathematik und Physik an der TU München und der Universität München. 1961 promovierte er bei Josef Heinhold (Behandlung von Differentialgleichungen im Komplexen auf dem elektronischen Analogrechner). Nach der Habilitation 1963 war er von 1964 bis 1966 Lehrstuhlvertreter an der Universität München und ab 1966 Professor und Direktor des Instituts für Angewandte Mathematik an der Universität Karlsruhe. 1999 wurde er emeritiert. Anfangs war er in Karlsruhe auch Leiter des Rechenzentrums und mit dem Aufbau der Informatik betraut.
1969/70 war er am Mathematischen Forschungszentrum der University of Wisconsin–Madison bei Louis. B. Rall und Ramon E. Moore, 1972/73 und 1978/79 am IBM Research Center in Yorktown Heights (wo er mit Willard L. Miranker (1932–2011) arbeitete) und 1998 und 1999/2000 am Electrotechnical Laboratory des MITI in Tsukuba in Japan.
Werk Kulisch war in Deutschland bereits in den 1960er Jahren einer der Pioniere der Intervallarithmetik und wirkte schulbildend. Seine Implementierungen von Intervallarithmetik in Rechnern begannen in den 1960er Jahren auf der Basis von ALGOL. Kulisch entwickelte Programmiersprachen und Software mit automatischer Ergebnisverifikation unter anderem mit Nixdorf in Paderborn (Pascal-XSC u. a.), IBM (Projekte Acrith und Acrith-XSC) und Siemens (Programmpaket Arithmos). In den 1990er Jahren entwickelte er die Programmiersprache C-XSC und zugehörige Problemlöseroutinen mit automatischer Ergebnisverifikation. Mit Partnern aus Stuttgart (Bernd Höfflinger, Professor am Institut für Mikroelektronik) und Hamburg (Thomas Teufel, Professor an der TU Hamburg-Harburg) wurde ein Vektorarithmetik-Koprozessor XPA 3233 für den PC entwickelt und gebaut. Er berechnet Skalarprodukte von Gleitkommavektoren immer exakt.
Kulisch war 1968 Gründungsmitglied der Gesellschaft für Informatik. Er war langjähriger Vorsitzender des Fachausschusses Rechnerarithmetik und Wissenschaftliches Rechnen der Gesellschaft für Angewandte Mathematik und Mechanik (GAMM) und des Technical Committees Enhanced Computer Arithmetic der International Association for Mathematics and Computers in Simulation (IMACS). Seit 1979 gehört er der IFIP Working Group 2.5 on Numerical Software der International Federation for Information Processing (IFIP) an. Er arbeitet im IEEE Standardkomitee P1788 für Intervallarithmetik mit, aufgrund dessen Arbeit 2015 der Standard IEEE 1788 verabschiedet wurde.
1968 bis 1999 war er Herausgeber der Lehrbuchreihe Informatik des Bibliographischen Instituts, Mannheim und 1975 bis 1998 war er Herausgeber des Jahrbuchs Überblicke Mathematik (BI).
45 Schüler haben bei Ulrich Kulisch promoviert, darunter Götz Alefeld. 15 ehemalige Mitarbeiter sind inzwischen selbst Professoren.
Schriften
Weblinks Website beim KIT
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Einzelnachweise
Kategorie:Mathematiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Karlsruher Institut für Technologie) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1933 Kategorie:Mann