mini|hochkant|Schottwien, im Hintergrund der Sonnwendstein mini|hochkant|Der Markt Schottwien vom oberen Wehrturm aus gesehen, Blick aus West mini|hochkant|Wohnhaus und Gemeindezentrum mini|hochkant|Südöstliche Ortseinfahrt mini|hochkant|Kehre der Semmeringstraße bei Schottwien (1803) mini|hochkant|Straßenszene in Schottwien vom Anfang des 19. Jahrhunderts mini|hochkant|Schottwien auf der Franzisco-Josephinische Landesaufnahme (3. Landesaufnahme), um 1873 mini|hochkant|Historische Ansicht der Brücke über den Myrtengraben (1841) mini|hochkant|Der Posthof mini|hochkant|Das ehemalige Schildwirtshaus “Goldene Krone” mini|hochkant|Das Doktorhaus mini|hochkant|Ehem. Papierfabrik, Infotafel der Gemeinde; im Hintergrund die (später abgetragene) Papierstampf (Aufnahme von 1981)

Schottwien ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Neunkirchen im Bundesland Niederösterreich.

Geografie Schottwien liegt im Industrieviertel in Niederösterreich. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst  km², rund 72 % davon sind mit Wald bedeckt. Der Semmering verbindet das Mürztal mit dem Wiener Becken. Seit dem 13. Jahrhundert markiert er die Grenze zwischen Niederösterreich und der Steiermark. Er bildet auch die Wasserscheide zwischen dem Wiener Neustädter Becken im Osten und Mürz- sowie dem Fröschnitztal im Westen.

Topografie Schottwien liegt an der Grenze zwischen Zentral- und Kalkalpen und wird von den Kalkstöcken der Rax und des Schneebergs im Norden sowie den Gneis- und Glimmerschieferrücken des Stuhleck und dem Hochwechsel im Süden geprägt. Die Landschaft dazwischen gestaltet sich als eine Abfolge von steilen Kalkwänden, zerklüfteten Felsen, breiten Bergrücken und tief eingeschnittenen Tälern.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst zwei Ortschaften (Einwohner Stand ): Greis ( Ew.) Schottwien ( Ew.) Die Gemeinde besteht aus der einzigen Katastralgemeinde Schottwien.

Nachbargemeinden

Geschichte Römerzeit Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Noricum. Die Semmeringroute hatte als Verbindung Italiens mit den großen Städten und Kastellen am pannonischen Donaulimes (Carnuntum, Vindobona) schon seit der Antike einige Bedeutung. Ein keltischer Münzhort wurde im Jahre 1902 entdeckt. Er enthielt acht boische BIATEC-Silberdrachmen mit Doppelporträts sowie acht kleinere Silbermünzen vom Typ Simmering, wo ebenfalls ein großes Depot gleichartiger Prägungen aufgefunden wurde. Dieser Münzfund ist in einer Reihe anderer derartiger Funde zu sehen (Mallnitzer Tauern, Gerlitzen, Moggio Udinese), die die Südwanderung boischer Stämme belegen.Susanne Sievers/Otto Helmut Urban/Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K und L–Z; Mitteilungen der prähistorischen Kommission im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 1680 f.

11. bis 12. Jahrhundert Die Talenge des Weißenbachs vor dem in 984 m Seehöhe gelegenen Semmeringpass wurde um 1094 in den Schriftquellen als „Clamme“ bezeichnet und gehörte zur Herrschaft Klamm. Möglicherweise wurde der Ort auch von den Herren der Burg Klamm gegründet. Um 1160 ließ Markgraf Ottokar III. zur Erleichterung des Handels- und Reiseverkehrs einen Saumpfad über den Pass (damals als „Zerewalt“ bekannt) anlegen und an dessen südwestlichen Endpunkt ein Hospiz errichten, die Keimzelle des heutigen Spital am Semmering. Der Pfad auf den Semmering begann an der Pestsäule und führte am Greisbach entlang auf die Passhöhe. Er war seit dem Spätmittelalter eine stark frequentierte Verbindung über die Alpen und hatte große Bedeutung für den Italienhandel. Wegen seines starken Gefälles war er für Fuhrwerke nur mit einem zusätzlichen Vorspann aus Ochsen oder Pferden befahrbar. Spätestens ab diesen Zeitpunkt avancierte der Ort zu einer der wichtigsten Etappenstationen für Italienreisende.

13. bis 14. Jahrhundert Nach Erlöschen des Geschlechts der Babenberger im Mannesstamm wurden die Voralpen 1250 vorübergehend von ungarischen Truppen König Belas IV. besetzt. 1254 wurde das Semmeringgebiet im Frieden von Ofen dem Herzogtum Österreich (Böhmenkönig Ottokar II.) zugeschlagen. 1266 wurde Schottwien in der Leobner Chronik das erste Mal urkundlich als „oppidum Shadwin“ (Festung an der Scheide/Grenze des Wiener Einflussgebietes) erwähnt. Im gleichen Jahr verheerten Unwetter die Kirche und alle umliegenden Weingärten, in weiterer Folge gingen daran 300 Menschen und fast der ganze Viehbestand zugrunde. Zwischen 1266 und 1267 erlangte der Ort das Marktrecht, gesichert ist die Abhaltung eines Marktes für das Jahr 1287. In der Folgezeit wurde er mit zwei Mauern, bewehrt mit Türmen befestigt. 1270 besetzen erneut die Ungarn unter König Stephan V. den Ort. 1273 zog der Hochzeitszug der Tochter König Rudolf I. von Habsburg, Clementina, die mit dem Herzog von Neapel vermählt werden sollte, über Schottwien nach Bruck an der Mur. 1292 marschierte sein Sohn und Nachfolger Albrecht I. mit einem Heer durch Schottwien, um das von steirischen Adeligen und ihren Verbündeten belagerte Bruck zu entsetzen. Um über den stark verschneiten Semmering zu kommen, musste die Saumstraße von 600 Bauern freigeschaufelt werden. Seit Ende des 13. Jahrhunderts war Schottwien landesfürstliche Mautstelle. Es ist überliefert, dass 1387 für den Transport eines vollen Weinfasses eine Abgabe von vier Wiener Pfennigen fällig war. Die Gelder wurden für die Ausbesserung der Klause verwendet. Die Einnahmen aus Mautgebühren und Vorspanndiensten für die Lastfuhrwerke, die den Pass überqueren wollten, brachten für die Schottwiener Bürger einen großen wirtschaftlichen Aufschwung mit sich.

15. bis 16. Jahrhundert Ab 1459 durfte der Ort sein eigenes Wappen führen und erhielt das Privileg der Mautfreiheit verliehen. Als der ungarische König Matthias Corvinus im 15. Jahrhundert große Teile Niederösterreichs besetzte, war auch das vom damaligen Pfleger Hans Aichelperger verteidigte Klamm bald hart umkämpft, es konnte von den Ungarn erst nach einer längeren Belagerung im Jahr 1487 gestürmt werden. Um die dauerhafte Kontrolle über die Semmeringstraße sicherzustellen, setzte Kaiser Friedrich III. für den Erhalt und der Verteidigung der Burg Klamm nur mehr von ihm persönlich ernannte Pfleger ein. 1511 wurde die St. Veit-Kirche durch einen Brand schwer beschädigt. 1518 übernahm Siegmund von Herberstein die Herrschaft Klamm als Pfandbesitz. Er war aber in erster Linie an den Einnahmen der Straßenmaut interessiert. Die Burg wurde deshalb nicht mehr ausreichend in Stand gehalten, sodass sie 1571 – bei der Rückgabe an den Landesfürsten – schon schwere Schäden an ihrer Bausubstanz aufwies. Auch die ihm nachfolgenden Pfleger wie auch die sich rasch abwechselnden Pfandherren kümmerten sich kaum um ihre Erhaltung. Unter ihnen war besonders Georg Bernhard Freiherr von Urschenbeck verhasst, da er fast ständig mit den Bürgern von Schottwien in Streitigkeiten verwickelt war. 1529 verwüsteten osmanische Streifscharen den Ort. Ob sie dabei auch die Burg ausplünderten, ist umstritten.

17. Jahrhundert 1609 berieten die drei Erzherzöge von Österreich, Matthias, Maximilian und Ferdinand im Gasthaus „Zum Goldenen Lamm“ (heute Posthof) über die weitere Vorgangsweise zur Absetzung ihres Bruders Rudolf II. 1642 übernahm Matthias Wägele von Walsegg die Herrschaft Klamm, die ihm von Kaiser Ferdinand III. als freies Eigen zugesprochen wurde. Er investierte nach 1663 u. a. wieder größere Summen in die Renovierung bzw. Erhaltung der Burg. 1679 wurde Schottwien von einer Pestepidemie heimgesucht, die unter den Bewohnern viele Opfer forderte. Nach Abklingen der Seuche gelobten die Bürger, zum Dank am Hohen Göstritz über dem als heilkräftig geltenden „Bründl“ eine Kapelle (Maria Schutz) zu errichten. Im Krieg von 1683 gegen das Osmanische Reich verschonten die Türken die Semmeringregion. Die Herren von Walsegg erwiesen sich als großzügige und umsichtige Grundherren. Sie errichteten in Schottwien ein Hospital und unterstützten den Bau der Kapelle in Maria Schutz. Mit der Neuerschließung von Gipslagern schufen sie für die Bauern eine neue Einkommensquelle. 1637 überquerte der Tross der Kaiserin Maria Anna, anlässlich einer Reise nach Graz, den Semmering. Laut einem Zirkular Kaiser Ferdinand III. hatte Schottwien hierfür 800 Paar Ochsen bereitzustellen.

18. Jahrhundert 1716 wurde als Dank für das Ende der Pest auf der Semmeringstraße die von Johann Franz Anton von Walsegg gestiftete Dreifaltigkeitssäule aufgestellt. Von 1721 bis 1722 erfolgte der Bau der Kapelle in Maria Schutz, sie wurde 1728 durch die Wallfahrtskirche ersetzt. Im gleichen Jahr ließ Kaiser Karl VI. die erste befestigte Fahrstraße (Carolusstraße) über den Semmering anlegen und schlug deswegen im Posthof für zehn Tage sein Quartier auf. Die neue Straße bescherte Schottwien noch einmal einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.

19. Jahrhundert 1805 wurde die Burg Klamm von der französischen Armee unter Marschall Marmont zerstört. Am 7. Oktober 1809 hielt sich Napoleon persönlich in Schottwien auf und nahm sein Quartier im Posthof. In diesem Zusammenhang wird auch über einen angeblichen Mordanschlag auf den Franzosenkaiser berichtet. Zwei Bergleute, der Hutmann Josef Lohneger, der als guter Schütze galt, und der Knappe Johann Pollerus hatten erfahren, dass Napoleon sich persönlich ein Bild über die Lage auf den Semmeringpass verschaffen wollte. Die beiden Männer suchten sich eine gute Schussposition im Unterholz am Erzkogel, nahe der Myrthenbrücke, um ihn beim Vorbeiritt zu töten. Napoleon ließ sein Gefolge aber schon beim heutigen „Bärenwirt“ absitzen und begutachtete den Passübergang von dort aus. Die beiden verhinderten Attentäter mussten daher wieder unverrichteter Dinge abziehen. Besonders die Requirierung von Pferdefutter hatte die hiesige Bevölkerung gegen die Franzosen aufgebracht. Diese Maßnahmen schadeten vor allem dem transportintensiven Bergbau und den umliegenden Eisenwerken. Die Abbaugebiete lagen weit auseinander und auch das Holz zur Verkohlung für den Hochofen in Aue musste mit Fuhrwerken herangeschafft werden. Die Betriebe gerieten dadurch in große wirtschaftliche Schwierigkeiten, was wiederum die Existenz der Bergleute und ihrer Familien bedrohte.Michael Hackenberg 2003, S. 65

Im September 1826 brach um Mitternacht in einer an die Sakristei angebauten Holzschupfe ein Feuer aus, das die Wallfahrtskirche Maria Schutz und den Pfarrhof schwer beschädigte. Wegen Wassermangels und zu wenigen Hilfskräften vor Ort konnte der Brand nicht rasch und effektiv bekämpft werden. Als benachbarte Bauern und die Bürger von Schottwien am Brandort eintrafen, stand bereits das ganze Gebäude in Flammen. Die beiden Turmhelme wurden vollkommen zerstört. Da es gelang, die Schottwiener Feuerspritze durch das Haupttor in die Kirche hineinzubringen, konnten jedoch große Teile des Gebäudes gerettet werden. 1830 wurde die Burg Klamm teilweise wiederhergestellt.

Der Weißenbach war im oberen Ortsbereich ursprünglich nur mit Holzpfosten abgedeckt, damals die längste Brücke Österreichs. Während der Überschwemmungskatastrophe von 1833 lösten sie sich und stauten sich an der Dreifaltigkeitssäule, wodurch das Hochwasser großen Schaden an den umliegenden Häusern verursachte. Die Säule selbst blieb unversehrt. Durch den Anprall der von den Fluten mitgerissenen Pfosten stürzte auch ein Teil der unteren Ortsbefestigung ein.