Lili von Braunbehrens (* 11. September 1894 in Berlin-Charlottenburg; † 16. Oktober 1982 in Bad Nauheim) war eine deutsche Lyrikerin des Expressionismus.
Leben Lili von Braunbehrens wurde als Tochter des preußischen Offiziers Friedrich von Braunbehrens (* 1868) und seiner Frau Wanda (* 1872) geboren. Lili war von Geburt an fast blind. Im Kriegswinter 1915 zog die Familie nach Frankfurt am Main, wo Braunbehrens Gesang studierte. Ihr Vater war dem Maler Max Beckmann, den er durch das Künstlerpaar Ugi und Friedl Battenberg kennenlernte und der sich nach einem Nervenzusammenbruch im Jahre 1915 zur Rekonvaleszenz in Frankfurt aufhielt, bei dessen endgültiger Entlassung aus dem Militärdienst im Jahre 1917 behilflich.
Mit 20 Jahren traf Lili von Braunbehrens auf Max Beckmann bei einer Feier ihrer Eltern. Sie freundeten sich an und er inspirierte sie dazu, Gedichte zu schreiben. Nachdem er einige gelesen hatte, soll er sich dazu mit folgenden Worten geäußert haben: „Sie sind ehrlich und einige sogar grotesk - das ist etwas Seltenes.“ Braunbehrens galt seitdem als Dichterin, Muse und „Herzensfreundin“ von Beckmann.
Ab 1939 wohnte Braunbehrens in Bad Nauheim und genoss dort die Förderung durch das Hoteliersehepaar Schmitz. Wenige Jahre später kamen auch die Battenbergs in die Kurstadt. Braunbehrens war am Kulturleben in Bad Nauheim sehr interessiert, lebte aber weitgehend zurückgezogen. Sie starb im Alter von 88 Jahren in einem Altersheim.
In der Trauerrede sprach Pfarrer Ulrich Becke die Worte: „Die Bilder, die Lili von Braunbehrens sah, auf die kam es an. Ihre Schwäche hat sie zu ihrer Stärke gemacht. Ihr Bild bleibt farbig und kräftig, in denen, die sie gekannt haben.“ Ihr Grab befindet sich auf dem Kernstadtfriedhof Bad Nauheim und trägt symbolhaft den Titel eines ihrer Gedichte, das sie sich zu ihrem Leitmotiv machte: „Hat der Mond dich betrogen, nimm eine Hand voll Sterne.“
Werk mini|Illustration von Max Beckmann zum Gedichtband Stadtnacht, 1921 Braunbehrens Gedichte geben sowohl den damaligen Zeitgeist als auch die Zerrissenheit, die Einsamkeit und die Sehnsucht nach Frieden wieder. Neben Romanen und Liedtexten verfasste sie 1921 den Gedichtband Stadtnacht mit 20 Gedichten, der im Münchner Verlag Piper veröffentlicht wurde und den Max Beckmann mit sieben Lithographien illustrierte. Die Lithographien wurden auf elfenbeinfarbenem Japanpapier gedruckt und befinden sich im Bestand der Staatsgalerie Stuttgart. Es handelt sich dabei um einen expressionistischen Großstadtzyklus mit Gedichten, die ein Bild der modernen Großstadt mit urbanen Alltagsszenen und nächtlichen Stadterfahrungen zeigen. Das titelgebende Gedicht Stadtnacht stellt eine Großstadtszenerie dar, in der die nächtliche Atmosphäre, Bedrohung und Gewalt miteinander verschränkt werden. Der Text spiegelt dabei eine von Spannungen, Angst und inneren Konflikten geprägte urbane Wahrnehmung.
Publikationen Stadtnacht. 7 Lithographien von Max Beckmann zu Gedichten von Lili von Braunbehrens. Piper, München 1921. Gestalten und Gedichte um Max Beckmann. Crüwell-Schropp, Dortmund 1969. Hat der Mond dich betrogen, nimm eine Handvoll Sterne. Gedichte 1967 - 1970. Mit einem Nachwort von Heinz Vahlbruch. Collispress, Stuttgart 1978, ISBN 3-87189-017-0.
Literatur Hartmut Vollmer (Hg.): In roten Schuhen tanzt die Sonne sich zu Tod. Lyrik expressionistischer Dichterinnen. Arche, Zürich 1993, ISBN 3-7160-2164-4.
Weblinks
Stadtnacht in der Sammlung des MoMA
Einzelnachweise
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