mini|Nordansicht des Ortsteiles Klamm mit der gleichnamigen Burgruine und der Pfarrkirche hl. Martin Breitenstein ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Neunkirchen in Niederösterreich.
Geografie Breitenstein liegt im Adlitzgraben am Fuß des Semmerings und, unmittelbar, an der Südabdachung des Kreuzbergs in einer Seehöhe von 705 bis 1.545 Meter, direkt an der Semmeringbahn in Niederösterreich. Die Fläche der Gemeinde umfasst km², 75,95 % der Fläche sind bewaldet.
Gemeindegliederung Es existieren keine weiteren Katastralgemeinden außer Breitenstein. Ortsteile der Gemeinde sind: Breitenstein Klamm Orthof Kreuzberg Adlitzgraben
Nachbargemeinden
Geschichte Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Noricum.
Der Name des Ortes „Preittenstein“ wird erstmals 1220 in einer Urkunde, in der von verschiedenen Besitzungen der Burgherren von Klamm die Rede war, erwähnt. Im Jahr 1822 wurde der Ort als Lage mit 41 einzelnen Häusern genannt, die nach Klamm eingepfarrt waren, wohin auch die Kinder eingeschult wurden. Die Herrschaft Klamm besaß die Ortsobrigkeit und besorgte die Konskription. Die Landgerichtsbarkeit wurde vom Magistrat Wiener Neustadt ausgeübt. Die Untertanen und Grundholde des Ortes gehörten den Herrschaften Stixenstein, Reichenau, Kirchberg am Wechsel, Sebrenstein, Brunn, Wartenstein, Steyersberg, Stuppach und Klamm. Der Bau und die Eröffnung der Semmeringbahn 1854 brachten vergleichsweise früh eine leistungsfähige verkehrstechnische Erschließung des Gemeindegebiets. 1919 wurde die Gemeinde Semmering von Breitenstein abgetrennt.Landesgesetz- und Verordnungblatt für Österreich unter der Enns, Jahrgang 1919, XLII. Stück Österreichische Nationalbibliothek, alex.onb.ac.at, abgerufen am 8. September 2025
Laut Adressbuch von Österreich waren im Jahr 1938 in der Ortsgemeinde Breitenstein ein Arzt, fünf Fuhrwerker, vier Gastwirte, vier Gemischtwarenhändler, ein Holzhändler, ein Schuster und einige Landwirte ansässig. Weiters gab es im Ort mehrere Pensionen, Hotels und Erholungsheime sowie die Speckbacher Hütte.Adressbuch von Österreich für Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft, Herold Vereinigte Anzeigen-Gesellschaft, 12. Ausgabe, Wien 1938 PDF, Seite 216
Im April 1945 war die Gegend um Breitenstein Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen der späteren deutschen 9. Gebirgs-Division (Ost) und der Roten Armee, welche über den Semmering-Pass in die Steiermark vorzudringen versuchte. Im Zuge dieser Kampfhandlungen wurden Gebäude wie das Hotel SonnhofWebseite breitenstein.topothek.at: Das Hotel Sonnhof auf historischen Ansichtskarten, abgerufen am 3. Januar 2014 oder die Gehöftgruppe PertlWebseite breitenstein.topothek.at: Semmering, Fleischmann Viadukt, Pertl-Hof, abgerufen am 3. Januar 2014 zerstört.Zeitschrift Truppendienst des Österreichischen Bundesheeres Ausgabe 5/2003: Semmering, April 1945 – Die Kämpfe um die Südbahn-Meierei, Autor Friedrich Brettner
Bevölkerungsentwicklung Die Gemeinde hat einen unverhältnismäßig hohen Anteil an Personen, die nicht ständig ihren Wohnsitz hier haben. 330 Hauptwohnsitzen stehen 335 Zweitwohnsitze gegenüber.
Religion Nach den Daten der Volkszählung 2001 sind 80,6 % der Einwohner römisch-katholisch und 3,8 % evangelisch, 1,1 % sind Muslime, 1,3 % gehören orthodoxen Kirchen an, 11,9 % der Bevölkerung haben kein religiöses Bekenntnis.
Sanatorium „Erholungsheim Breitenstein“ mini|hochkant|Adlitzgraben von der Doppelreiterwarte gesehen In Breitenstein befand sich, heute nahezu vergessen, ein bemerkenswertes Volkssanatorium, das in mehreren Etappen ab 1903 errichtete Sanatorium und Erholungsheim Breitenstein. Es war eine der zum Teil weltbekannten Heilstätten (wenn auch keine explizite Lungenheilanstalt, wie das Sanatorium Wienerwald, das Genesungsheim Felbring, das Sanatorium Strengberg, oder das Sanatorium am Hochegg, um nur die bekanntesten zu nennen) im östlichen Alpenvorland und gleichzeitig die erste von der sozial hoch engagierten Henriette Weiss errichtete Volksheilanstalt. Noch während des Ersten Weltkriegs gründete Henriette Weiss (1864–1931),. In: Die Österreicherin. Nr. 8/1931 (IV. Jahrgang), S. 7. geschichtlich eine der wichtigsten Verfechterinnen der Ausbildung für Frauen zur Krankenpflege, die Erholungsheime Wällischhof in Maria Enzersdorf und Sans Souci in Mauer bei WienEhemals gelegen an der Maurer Langen Gasse zwischen Kaserngasse und Kroissberggasse. sowie 1914 die Wiener KriegswaldschuleHenriette Weiss: Bilder aus der Wiener Kriegswaldschule. Perles, Wien 1917, Katalogzettel (ÖNB). für Kinder. Nach dem Ersten Weltkrieg reüssierte Weiss als Leiterin des durch Kriegseinwirkung schwer angeschlagenen Sanatoriums Alland. 1928 wurde in Baden bei Wien das Altersheim Sorgenfrei ins Leben gerufen.Eröffnet am 12. Jänner 1928. – Siehe: Sorgenfrei war eine Adaption des Erholungsheims Körnerpark. Unter der Adresse Baden, Kaiser-Franz-Ring 27 befindet sich nunmehr seit Jahrzehnten ein (in den Jahren vor 2012 neu errichteter) Bau der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft.
1938 „arisiert“, wurde die Heilanstalt Breitenstein in der NS-Zeit schwer in Mitleidenschaft gezogen und war – als Folge der unrechtmäßigen Aneignung – in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg dem Verfall preisgegeben. In Verkennung seines geschichtlichen Wertes musste das auf 880 m Seehöhe gelegene Sanatorium, inklusive des architektonisch nicht uninteressanten Bauteils von 1908, im Winter 2006/07 auf Betreiben der Gemeinde abgerissen werden.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Burgruine Klamm mit Talübergang Schottwien
Burgruine Klamm Katholische Filialkirche Klamm am Semmering hl. Martin Katholische Filialkirche Breitenstein Mutterschaft Mariens Ghega Museum: In unmittelbarer Nähe zum Viadukt Kalte Rinne zeigt dieses Museum eine ständige Ausstellung zu der Semmeringbahn und ihrem Erbauer Carl Ritter von Ghega.Ghega-Museum
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Die BVAEB Gesundheitseinrichtung; größter Arbeitgeber Breitensteins Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 18, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 23. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 154. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 43,93 %. Wirtschaftssektoren Von den 19 landwirtschaftlichen Betrieben des Jahres 2010 waren 14 Nebenerwerbsbetriebe. Der größte Arbeitgeber im Dienstleistungssektor war der Bereich soziale und öffentliche Dienste. WirtschaftssektorAnzahl BetriebeErwerbstätige2011200120112001Land- und Forstwirtschaft 1)19231214Produktion1020Dienstleistung151811475 1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999
Berufspendler Im Jahr 2011 lebten 136 Erwerbstätige in Breitenstein. Davon arbeiteten 33 in der Gemeinde und 103 pendelten aus. Im Gegenzug kamen 95 Personen zur Arbeit nach Breitenstein.
Verkehr mini|Bahnhof Breitenstein Bahn: An der Südbahn liegt der Bahnhof Breitenstein sowie, an der östlichen Gemeindegrenze, der frühere Bahnhof und jetzige Haltepunkt Klamm-Schottwien. Hier halten Regionalzüge in Richtung Payerbach-Reichenau und Semmering bzw. Mürzzuschlag. Weiters gibt es unter der Woche in der Früh und am Abend Regionalexpresszüge Richtung Wien und Mürzzuschlag.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat 13 Mitglieder. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1990 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 8 ÖVP, und 5 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 1995 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 10 ÖVP, und 3 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2000 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 11 ÖVP, und 2 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2005 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 10 ÖVP, und 3 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2010 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 9 ÖVP, und 4 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2015 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 9 ÖVP, und 4 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2020 hatte der Gemeinderat folgende Verteilung: 10 ÖVP, und 3 SPÖ. Mit den Gemeinderatswahlen in Niederösterreich 2025 hat der Gemeinderat folgende Verteilung: 9 ÖVP und 4 SPÖ.
Bürgermeister
+ Die Bürgermeister der Gemeinde seit 1919Anita Wodl und Monika Palka in 80 Jahre Gemeindehaus in Breitenstein und wie es dazu kam, herausgegeben von der Gemeinde Breitenstein, 2008 (PDF-Dokument, 4,04 MB; abgerufen am 16. April 2013) 1919–1928 Johann Hanl 1929–1933 Adolf Poppa 1934–1938 Johann Hanl 1938–1942 Leopold Heu 1942–1945 Josef Althammer 1945–12.01.1946 Josef Mies 12.01.1946–28.08.1946 Karl Wallner 28.08.1946–15.05.1955 Ignaz Wallner 15.05.1955–25.07.1961 Ludwig Tritt 12.08.1961–19.04.1975 Rudolf Sagbauer 19.04.1975–17.08.1984 Karl Stocksmayer 03.09.1984–29.04.1985 Rudolf Hanl 29.04.1985–31.05.1992 Leo Schellenbacher 10.06.1992–13.04.2010 Friedrich Koger 13.04.2010–27.03.2025 Engelbert Rinnhofer (ÖVP) seit 10.04.2025 Andrea Koger
Wappen links|100px Das Gemeindewappen wurde mit Bescheid vom 14. August 1991 der NÖ-Landesregierung verliehen. Gleichzeitig wurden die vom Gemeinderat beschlossenen Gemeindefarben „grün-gelb“ genehmigt.
Blasonierung: „Ein grüner Schild, schräglinks geteilt durch einen silbernen Wellenbalken, unten auf wachsendem goldenen Felsen eine ebensolche Ruine mit linksstehendem Bergfried und schwarzen Schießscharten, oben aus der Schildteilung wachsend eine zweigeschossige goldene Brücke mit oben vier und unten zwei Bogenöffnungen.“
Die Übergabe erfolgte am 5. April 1992 durch den niederösterreichischen Landeshauptmann Siegfried Ludwig und seinem Stellvertreter Ernst Höger.
Persönlichkeiten Alma Mahler-Werfel (1879–1964), Salonnière der (Wiener) Kunst-, Musik- und Literaturszene der ersten Hälfte des 20. Jhdts.; für Alma Mahler-Werfel wurde 1913 im Ort eine Villa errichtet Viktor Kaplan (1876–1934), der Erfinder der Kaplanturbine, wohnte als Kleinkind mit seinen Eltern Karl Viktor und Johanna Kaplan vom 16. Juli 1877 bis 12. November 1879 in Breitenstein. Vater Karl Viktor war dort Stationsvorstand der Südbahn-Gesellschaft. Die Wohnung der Familie war im 1. Stock des heute noch existierenden Bahnwärterhauses 164, das etwa 200 m westlich des Bahnhofes Breitenstein gelegen ist. Oskar Kokoschka (1886–1980), Grafiker und Maler, lebte einige Zeit lang mit Alma Mahler-Werfel in deren Villa und malte dort ein Fresko über dem Kamin, das erst 1988 unter einer Wandübermalung wiederentdeckt wurde. Franz Werfel (1890–1945), Schriftsteller, lebte mit Alma Mahler-Werfel in deren Villa und verfasste dort zwischen 1919 und 1938 die meisten seiner Hauptwerke, darunter Verdi. Roman der Oper, das Drama Juarez und Maximilian, Barbara oder die Frömmigkeit, Der veruntreute Himmel sowie die Konzeption des Romans Die vierzig Tage des Musa Dagh. Arthur Halberstadt (1874–1950), war ein niederösterreichischer Volkskundler, Volksliedforscher und Bankfilialleiter.
Literatur
Weblinks
Website der Gemeinde Breitenstein
Topothek Breitenstein historisches Bildmaterial, verortet, verschlagwortet und datiert
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Einzugsgebiet Schwarza (Leitha) Kategorie:Ersterwähnung 1220