Albert Krebs (* 7. Oktober 1897 in Frankfurt am Main; † 2. Dezember 1992 in Oberursel (Taunus)) war ein deutscher Sozialpädagoge, Ministerialbeamter und Strafvollzugsreformer. Als Leiter der Strafvollzugsabteilung des hessischen Justizministeriums von 1945 bis 1965 gestaltete er den Wiederaufbau des Strafvollzugs in Hessen nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidend mit. Damit prägte er auch den Strafvollzug in der Bundesrepublik Deutschland für die folgenden Jahrzehnte.
Leben und Wirken
Albert Krebs, Sohn eines evangelischen Pfarrers, wuchs in Hausen (seit 1910 Stadtteil von Frankfurt am Main) auf. Er besuchte die Sachsenhäuser Oberrealschule, wo er 1916 das Abitur ablegte. In jungen Jahren schloss er sich der Jugendbewegung „Wandervogel“ an. Nach dem Schulabschluss war er von 1916 bis 1918 als Soldat im Ersten Weltkrieg. Dort begann seine Freundschaft zu Adolf Reichwein, der 1944 als Widerständler hingerichtet wurde. Nach Kriegsende studierte er von 1918 bis 1922 Geschichte, Deutsch und Fürsorgewesen an der Universität Frankfurt am Main und wurde 1925 zum Dr. phil. promoviert.
Nach dem Studium übernahm er jeweils kurzzeitige Tätigkeiten als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter beim Archiv deutscher Berufsvormünder in Frankfurt am Main, als Erzieher in der Arbeitslehrkolonie und Beobachtungsanstalt Steinmühle in Ober-Erlenbach sowie beim Rhein-Mainischen Verband für Volksbildung. 1923 wechselte er in den Strafvollzugsdienst des Landes Thüringen. In der Landesstrafanstalt Untermaßfeld arbeitete er zunächst als Erzieher, 1925 stieg er zum stellvertretenden Anstaltsleiter am Jugendgefängnis Eisenach auf, bevor er 1928 als Direktor nach Untermaßfeld zurückkehrte. In seiner Zeit als Anstaltsleiter engagierte er sich für eine Reform des Strafvollzuges.
Im Januar 1933 wurde Albert Krebs durch die Nationalsozialisten aus dem thüringischen Staatsdienst entlassen. Er kehrte nach Frankfurt am Main zurück, wo er zunächst als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter beim Forschungsinstitut für Fürsorgewesen in Frankfurt am Main arbeitete und 1935 das Lehramts-Staatsexamen in den Fächern Geschichte, Germanistik, Staatsbürgerkunde und Philosophie ablegte. Danach fand er eine Anstellung als Bibliothekar an der Deutschen Gold- und Silberscheideanstalt (Degussa) in Frankfurt am Main, wo er bis zum Zusammenbruch des Dritten Reiches im Jahr 1945 tätig blieb.
1945 wurde Albert Krebs als Leiter der Abteilung Strafvollzug im Hessischen Justizministerium in Wiesbaden (unter dem langjährigen Justizminister Georg-August Zinn, SPD) berufen. Dort war er zunächst für den Wiederaufbau des hessischen Strafvollzugs verantwortlich. In seine insgesamt 20-jährige Wirkungszeit fallen einige bedeutsame Reformen, z. B. die Einrichtung des ersten Freigängerhauses für junge Gefangene 1953 in Groß-Gerau, die Einführung des offenen Strafvollzugs mit dem Bau des 1959 fertiggestellten „Gustav-Radbruch-Hauses“ (Justizvollzugsanstalt Frankfurt am Main IV) als offene Strafanstalt für Männer, die Gründung eines nach Heinrich Balthasar Wagnitz benannten Ausbildungsseminars für Vollzugsbedienstete des Landes Hessen, zunächst in Rockenberg, dann später als zentrale Aus- und Fortbildungsstätte des Landes Hessen in Wiesbaden dem H.B.-Wagnitz-Seminar.
Zugleich war Albert Krebs u. a. Mitglied bzw. Sachverständiger des Strafvollzugsausschusses der Länder (ab 1951 als Vertreter für das Land Hessen) und der Strafvollzugskommission des Deutschen Bundestages zur Vorbereitung des 1977 verabschiedeten Strafvollzugsgesetzes.
Seine demokratische und humanitäre Gesinnung, seine Reformgedanken und sein geschichtliches Interesse schlugen sich auch in seinem wissenschaftlichen Wirken nieder. 1950 war er Mitbegründer der Zeitschrift für Strafvollzug (heute Forum Strafvollzug), deren Schriftleitung er 1952 bis 1970 innehatte und in der er Aufsätze veröffentlichte. 1950 erhielt Albert Krebs einen Lehrauftrag für Gefängniskunde und Kriminologie an der Universität Marburg. Dort wurde er 1956 von der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät zum Honorarprofessor benannt. 1987 verlieh ihm der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Bergischen Universität Wuppertal die Würde eines Ehrendoktors der Sozialwissenschaften. Auslandsstudienreisen und Teilnahme an internationalen Kongressen dienten dem wissenschaftlichen Austausch auch über die nationalen Grenzen hinaus.
Ehrungen
1965: Großes Bundesverdienstkreuz 1986: Wilhelm-Leuschner-Medaille 1987: Verleihung der Ehrendoktorwürde der Sozialwissenschaften der Bergischen Universität Wuppertal 1989: Ehrenmitgliedschaft in der Bundesvereinigung der Anstaltsleiter und Anstaltsleiterinnen im Justizvollzug
Albert-Krebs-Bibliothek
Albert Krebs hat im Laufe seines beruflichen Lebens eine Büchersammlung deutscher wie auch internationaler Literatur um das Thema Strafvollzug aufgebaut. Angereichert durch vollzugshistorisch interessante Publikationen aus anderen Quellen, z. B. aus dem Nachlass des mit ihm freundschaftlich verbundenen Strafvollzugswissenschaftlers Heinz Szkibik, ist diese Sammlung als Albert-Krebs-BibliothekAlbert-Krebs-Bibliothek im H. B. Wagnitz-Seminar im H.B.-Wagnitz-Seminar in Wiesbaden aufgestellt. Die Sammlung wird vom Förderkreis für Strafvollzugsforschung und Straffälligenhilfe e. V. gepflegt und ist über die kriminologische Bibliographie KrimDok des Fachinformationsdienstes Kriminologie an der Universität Tübingen recherchierbar. Albert-Krebs-Bibliothek unter KrimDok
Schriften (Auswahl) Der Erziehungsbeamte in der Strafanstalt. Frankfurt a. M. 1928 Die Selbstverwaltung Gefangener in der Strafanstalt. In: Monatsschrift für Kriminalpsychologie und Strafrechtsreform (19/1928), S. 152–164. Landesstrafanstalt in Untermassfeld. Wesen, Organisation und Grenzen des Vollzugs. In: Lothar Frede (Hrsg.). Gefängnisse in Thüringen. Berichte über die Reform des Strafvollzugs. Weimar 1930, S. 69–82. Die ersten 25 Jahre der Zeitschrift für Strafvollzug: Zur Geschichte des Gefängniswesens in Deutschland seit 1945. Zeitschrift für Strafvollzug und Straffälligenhilfe 1977, S. 1–7. John Howards Einfluß auf das Gefängniswesen Europas – vor allem Deutschlands. Zeitschrift für Strafvollzug und Straffälligenhilfe 1978, S. 41–51. Freiheitsentzug: Entwicklung von Praxis und Theorie seit der Aufklärung. Berlin 1978. Mit Wilfried Huber (Hrsg.). Adolf Reichwein 1898 – 1944: Erinnerungen, Forschungen, Impulse. Paderborn [u. a.] 1981. Einige Anmerkungen zu dem literarischen Werk von Heinrich Balthasar Wagnitz über Freiheitsentzug und Gefängniswesen. Zeitschrift für Strafvollzug und Straffälligenhilfe, 41: 1992, S. 9–12. Strafvollzug am Vorabend des Dritten Reiches. Zeitschrift für Strafvollzug und Straffälligenhilfe, 42: 1993, S. 11–16.
Literatur Max Busch, Gottfried Edel (Hrsg.): Erziehung zur Freiheit durch Freiheitsentzug: internationale Probleme des Strafvollzugs an jungen Menschen; [als Festgabe gewidmet Albert Krebs aus Anlaß der Vollendung seines 70. Geburtstages am 7. Oktober 1967]. Neuwied [u. a.], 1969. Max Busch, Gottfried Edel, Heinz Müller-Dietz (Hrsg.): Gefängnis und Gesellschaft: Gedächtnisschrift für Albert Krebs. Pfaffenweiler 1994, ISBN 3-89085-884-8. Susanne Edel: Albert Krebs (1897–1992) – Pionier des reformierten Strafvollzugs im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Forum Strafvollzug, 68: 2019, S. 215–217. Elisabeth Herrmann, Werner Sohn: Eine Bibliothek zur geschichtlichen Entwicklung des Strafvollzuges: zur Bearbeitung des Nachlasses von Albert Krebs. Zeitschrift für Strafvollzug und Straffälligenhilfe, 48: 1999, S. 33–37. Malte Klemusch: Strafrechtspflege und Sozialpädagogik im 20. Jahrhundert: Symposium zum 90. Geburtstag von Professor Dr. Albert Krebs. Zeitschrift für Strafvollzug und Straffälligenhilfe, 37: 1988, S. 101–104. Heinz Müller-Dietz: Albert Krebs: Annäherungen an Leben und Werk. Zeitschrift für Strafvollzug und Straffälligenhilfe, 42: 1993, S. 69–76. Heinz Müller-Dietz: Gefängnis und Gesellschaft. Zeitschrift für Strafvollzug und Straffälligenhilfe, 44: 1995, S. 38–40. Kai Naumann: Freigänger im Bahnhofsviertel. Albert Krebs formte in Hessen nach 1945 einen Strafvollzug neuen Typs. Zeitschrift für Strafvollzug und Straffälligenhilfe, 55: 2006, S. 164–166. Karl Peter Rotthaus: Bücher als Meilensteine auf dem Weg der Strafvollzugsreform. Zeitschrift für Strafvollzug und Straffälligenhilfe, 47: 1998, S. 97–101. Ursula Sagaster: Die thüringische Landesstrafanstalt Untermaßfeld in den Jahren 1923–1933: zur Methodik des Strafvollzugs in Deutschland. Frankfurt am Main 1980. Walter Thorun: Krebs, Albert, in: Hugo Maier (Hrsg.): Who is who der Sozialen Arbeit. Lambertus, Freiburg 1998, ISBN 3-7841-1036-3, S. 326ff.
Weblinks Nachlass Bundesarchiv N 1568
Einzelnachweise
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