Die Kakadus (Cacatuidae) sind eine gut abgegrenzte und leicht erkennbare Vogelfamilie in der Ordnung der Papageien (Psittaciformes). Auffälligstes Merkmal der Kakadus ist die Federhaube, die je nach Erregungszustand flach angelegt oder weit gesträubt ist. Über eine sehr lange Federhaube verfügt beispielsweise der Palmkakadu. Bei anderen Arten wie etwa den Rabenkakadus ist sie deutlich kleiner. Kakadus sind im Durchschnitt größer als andere Papageien. Das Gefieder der Kakadus ist grundsätzlich weniger farbenprächtig als das anderer Papageien. Die meisten Kakaduarten haben eine weiße, graue oder schwarze Grundfärbung. Wie alle Papageien verfügen auch die Kakadus über sehr kräftige Schnäbel. Die Schnabelmorphologie weist häufig Anpassungen an die präferierte Nahrung auf.
Kakadus sind in sehr unterschiedlichen Lebensräumen anzutreffen. Dazu zählen die tropischen Regenwälder der Pazifik-Region ebenso wie Kulturgebiete der gemäßigten Klimazonen im australischen Victoria oder Tasmanien. Kakadus fressen überwiegend Samen, Wurzeln, Früchte, Blüten, Blütenknospen und Insekten. Insbesondere die Arten, die ihre Nahrung überwiegend am Boden finden, finden sich während der Nahrungssuche zu Schwärmen zusammen. Dabei kann es bei einigen Arten zu Ansammlungen von mehreren hundert Vögeln kommen. Kakadus sind monogame Vögel, deren Paarbindung erst endet, wenn einer der beiden Vögel stirbt. Sie nisten in Baumhöhlen. Einige der Arten sind durch Lebensraumvernichtung bedroht. Ursache von Bestandsrückgängen kann der Rückgang an geeigneten Brutbäumen sein.
Die Familie umfasst 6 Gattungen und 21 Arten. Das Verbreitungsgebiet aller Kakadu-Arten ist die Papua-Australische Region.
Aussehen mini|Weißhauben-Kakadu mini|Nasenkakadu(Cacatua tenuirostris) Kakadus sind mit 30–66 cm Länge mittelgroße bis große Papageien. Wie alle Papageien besitzen auch die Kakadus einen charakteristischen Hakenschnabel, in dem eine beträchtliche Kraft steckt. Große Arten mit einem wuchtigen Schnabel kennzeichnen sich durch eine Körperhaltung, die in Ruhestellung fast senkrecht ist. Die Füße haben 4 Zehen, von denen die erste und die vierte Zehe nach vorn und die zweite und dritte nach hinten zeigen. Mit diesen Füßen können sie kräftig zupacken und sie auch wie eine Greifhand benutzen.
Das auffälligste Unterscheidungsmerkmal im Vergleich mit anderen Papageienfamilien ist die bewegliche Federhaube. Kakadus richten diese gewöhnlich ruckartig auf, wenn sie beunruhigt oder erregt sind. Lediglich der neukaledonische Hornsittich besitzt als einziger anderer Papageienvogel ebenfalls eine Haube. Dabei handelt es sich jedoch nur um einige verlängerte Scheitelfedern.Forshaw, S. 51. Weitere Merkmale sind der Besitz einer Gallenblase und eine besondere Federstruktur, die Puderdunen. Als einzige Vogelart sondern die Federn bei Kakadus einen feinen Staub ab, der das Gefieder pflegt und schützt. Das Gefieder ist weiß, grau, schwarz oder rosa gefärbt, bei manchen Arten auch mit kleineren gelben oder roten Partien. Auch die Spezies der Nymphensittiche (auch: Kakadusittich) zählt man heute zu den Kakadus. Gemeinsamkeiten sind die Federhaube, die Puderdunen und das Brutverhalten.
Bei einigen wenigen Arten ist ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus vorhanden. Bei vielen Arten ist er jedoch nur schwach angedeutet oder fehlt sogar ganz.
Verbreitung mini|Verbreitungsgebiet der Kakadus in Australien, Neuguinea, Sundainseln und den Philippinen Kakadus haben ein wesentlich kleineres Verbreitungsgebiet als andere Papageienfamilien. Sie kommen natürlicherweise nur in Australasien vor.Ian Rowley: Family Cacatuidae (Cockatoos). In: Josep del Hoyo, Andrew Elliott, Jordi Sargatal: Handbook of the Birds of the World. Band 4: Sandgrouse to Cuckoos. Lynx Edicions, Barcelona 1997, ISBN 978-84-87334-22-1, S. 246–269. Die nördliche Verbreitungsgrenze verläuft bei 19° Nord auf der philippinischen Insel Luzon. Die Südgrenze des Verbreitungsgebietes ist Tasmanien, wo neben dem Helm- und dem Rosakakadu auch der Tasmanische Gelbohr-Rabenkakadu und der Gelbhaubenkakadu vorkommen.Hoppe, S. 14. Außerhalb Australiens und Neuguineas überlappt sich das Verbreitungsgebiet der einzelnen Kakaduarten nicht. Keine Art besetzt dort einen Lebensraum, der von einer anderen Kakaduart ebenfalls bewohnt wird. Auf Neuguinea nutzen die dort vorkommenden Palm-, Gelbhauben- und Nacktaugenkakadus jeweils eigene ökologische Nischen ohne in Konkurrenz mit einer anderen Kakaduart zu stehen.Hoppe, S. 17. In Australien dagegen bilden Kakadus gelegentlich artübergreifende Schwärme und sind häufig Nistplatzkonkurrenten.
Drei der insgesamt einundzwanzig Arten kommen sowohl auf Neuguinea als auch in Australien vor. Elf sind auf den Australischen Kontinent beschränkt. Einige Arten wie etwa der Rosakakadu und Nymphensittich sind fast auf dem ganzen australischen Kontinent zu finden, während andere australische Arten nur sehr kleine Verbreitungsgebiete haben. Dies gilt zum Beispiel für Langschnabel-Rabenkakadu und den Weißschwanz-Rabenkakadu. Sieben weiteren Kakadu-Arten sind auf Indonesien, Neuguinea, den Philippinen und den Salomonen beheimatet. Die außerhalb Australiens lebenden Kakadus haben überwiegend ein engräumiges Verbreitungsgebiet: Der Goffinkakadu kommt beispielsweise nur auf den Tanimbarinseln vor. Der Molukken- und der Weißhaubenkakadu sind in ihrer Verbreitung auf die Molukken beschränkt. Kakadus fehlen auf Borneo und vielen anderen pazifischen Inseln, obwohl Fossilien beispielsweise auf Neukaledonien gefunden wurden.
Einige Kakaduarten haben als Gefangenschaftsflüchtlinge Gebiete außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes besiedelt. So kommen Kakadus auch in Neuseeland, Singapur, Hongkong und Palau vor. Innerhalb Australiens wurden zwei Arten in Regionen angesiedelt, in denen sie natürlich nicht vorkommen. So gibt es zwei verwilderte Populationen des Gelbhaubenkakadus im Weizengürtel Südwestaustraliens. Sie fügen der Landwirtschaft nicht nur teils erheblichen Schaden zu, sondern sind auch Nistplatzkonkurrenten zu den dort vorkommenden endemischen Kakaduarten, die insgesamt eine wesentlich geringere Bestandszahl haben.
Lebensraum mini|Rotsteißkakadu Kakadus nutzen eine große Bandbreite unterschiedlicher Lebensräume der Tropen und Subtropen. Die am weitesten verbreiteten Arten nutzen offenes Grasland mit schütterem Baumbestand. Zu dieser Vegetationszone gehören sowohl Feuchtsavannen mit mehrmonatiger Trockenzeit, Trockensavannen mit laubabwerfenden Trockenwäldern sowie Dornstrauchsteppen, die den Übergang zu den Wüsten bilden und deswegen häufig auch als Halbwüsten bezeichnet werden.Hoppe, S. 15. Die Arten des offenen Graslands haben zum Teil beträchtlich von der Erschließung des australischen Kontinents durch europäische Siedler profitiert. Vor allem die Anlage von Viehtränken erlauben ihnen eine Ansiedlung in Regionen, die zuvor zu wenig Wasserstellen boten, um von ihnen dicht besiedelt zu werden. Eine Ausnahme davon stellt der Inkakakadu dar. Diese Kakaduart ist auf großräumig baumbestandene Flächen angewiesen und meidet das Überfliegen von offenen, baumlosen Landschaften. Er ist deswegen in den agrarisch erschlossenen Regionen Australiens weitgehend verschwunden.Forshaw, S. 186 und S. 188.
Andere Arten besiedeln tropische und subtropische Regenwälder, Mangroven, Galeriewälder und kommen sogar in alpinen Wäldern vor. Sie haben sich auch urbane Lebensräume erschlossen und einige Kakaduarten wie der Rosakakadu und der Gelbhaubenkakadu finden sich in Städten wie Perth, Sydney, Melbourne und Canberra.Ian Temby: Urban wildlife issues in Australia. 1999, In: Shaw et al. (Hrsg.): Proceedings Of The 4th International Symposium On Urban Wildlife Conservation. 2004 (online).
Ernährung und Lebensweise Die Nahrung besteht überwiegend aus Früchten und Samen. Der Nasenkakadu (Cacatua tenuirostris) etwa frisst aber auch Wurzeln und krautige Pflanzenteile. Der Gelbohr-Rabenkakadu frisst auch Insektenlarven und ist dank seines spitz auslaufenden Schnabels in der Lage, Insektenlarven auch aus harten und verholzten Samen herauszuklauben. Er schält auch Bäume, um an holzbohrende Insekten zu gelangen. Dabei kann er vor allem junge Bäume so schädigen, dass sie bei starkem Wind umknicken.Forshaw, S. 75. mini|Gelbohr-Rabenkakadu, Männchen Außerhalb der Brutzeit leben die Kakadus gesellig, in Kleingruppen oder in großen Schwärmen mit mehreren hundert Tieren. Es handelt sich dabei allerdings nicht um einen Sozialverband, wie sie von Säugetierherden bekannt sind, sondern um eine Ansammlung von Einzelindividuen, Paaren und Familien, die durch eine gleiche Nutzung von Nahrungs-, Trink- und Schlafplätzen entsteht. Dabei entstehen sehr große Schwärme, die oftmals mehr als 10.000 Individuen umfassen. Kakadus erkennen in solchen Gruppen zwar den Partner und ihre Jungen. Ein individuelles Erkennen anderer Artgenossen gibt es dagegen anscheinend nicht. Kakaduschwärme kennen entsprechend auch keine Rangordnung.Hoppe, S. 18. In Australien gelten die Kakadus als große Schädlinge, wenn sie in Schwärmen in Getreidefelder einfallen und diese plündern.
Verhalten Kakadus sind wie die meisten Papageien ähnlich uns Menschen mit einem ihrer auch als Greiforgan dienenden Füße geschickter als mit dem anderen. Die meisten Kakadus sind ‚Linksfüßer‘. Kakadus sind monogame Vögel, bei denen eine einmal eingegangene Paarbindung normalerweise andauert, bis einer der Partner stirbt. Sie sind aber gleichzeitig ausgesprochen sozial lebende Vögel, die häufig in Schwärmen auftreten. Dies gilt insbesondere außerhalb der Fortpflanzungszeit. Insbesondere die Arten, die den Großteil ihrer Nahrung auf dem Boden finden, bilden auch während der Fortpflanzungszeit Schwärme. Beim Inkakakadu geht dies so weit, dass Brutpaare nahe der Nisthöhle gelegene Nahrungsgründe gelegentlich nicht nutzen, sondern mehrere Kilometer weit fliegen, um sich anderen Inkakakadus anzuschließen.Forshaw, S. 186 und S. 187. Eine Reihe von Kakaduarten verfügt über Wächtersysteme, bei denen mindestens ein Kakadu die nähere Umgebung beobachtet, während die anderen am Boden fressen. Ein solches Verhalten findet man beispielsweise bei Inkakakadus und bei Gelbhaubenkakadus. Rosakakadus dagegen verfügen über dieses Wächtersystem nicht, schließen sich aber häufig den Schwärmen von Gelbhaubenkakadus an und fliegen bei deren Warnrufen gleichfalls auf.
Einige Kakadus gelten als sehr verspielt, insbesondere Rosakakadus (Eolophus roseicapillus) und Korellas (Nasenkakadu (Cacatua tenuirostris), Nacktaugenkakadu (Cacatua sanguinea)). Von ihnen wird berichtet, dass sie an Drahtseilen, Antennen und Windrädern herumturnen, im Schwarm offenbar spaßeshalber in Staubteufel hineinfliegen oder sich gar rücklings Spielplatzrutschen hinuntergleiten lassen. In Australien ist daher die Redewendung „playing the galah“ („galah“ = „Rosakakadu“) im Sinne von „den Hanswurst spielen“ sprichwörtlich geworden.
Mindestens ein Kakadu, der Palmkakadu (Probosciger aterrimus), nutzt sogar selbstbearbeitete Werkzeuge: Er klopft mit einer Grevillea-Nuss oder einem dafür hergerichteten, beschnittenen Zweig gegen die Borke toter Baumstämme und erzeugt auf diese Weise ein bis zu 100 m weit hörbares Geräusch. Dies dient wahrscheinlich dazu, seinem Partner, aber auch möglicherweise vorbeikommenden Eindringlingen seine Anwesenheit kundzutun.