Bicucullin ist ein Alkaloid und ein potenter, selektiver und kompetitiver GABAA-Rezeptor-Antagonist.K. Starke: Grundlagen der Pharmakologie des Nervensystems. In: K. Aktories, U. Förstermann, F. Hofmann und K. Starke (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 11. Auflage, München, Elsevier GmbH 2013, S. 95–125, hier S. 115–116. ISBN 978-3-437-42523-3.

Vorkommen mini|links|Die Kapuzen-Herzblume (Dicentra cucullaria) Die schwach gelbliche, lichtempfindliche Substanz wurde erstmals 1932 in einem Extrakt aus der namensgebenden Kapuzen-Herzblume (Dicentra cucullaria) gefunden. Sie kommt außer dort auch in anderen Arten der Herzblumen vor sowie in den ebenfalls zu den Erdrauchgewächsen gehörenden Lerchenspornen.

Wirkung Bicucullin blockiert GABAA-Rezeptoren. Diese Rezeptoren sind Ionenkanäle, die Ionen, in diesem Fall negativ geladenes Chlorid, ins Zellinnere passieren lassen. Der Transport negativer Ladung ins Zellinnere hyperpolarisiert Nervenzellen und macht sie weniger erregbar. Blockade der Kanäle blockiert die Inhibition und wirkt somit erregend und konvulsiv auf das Nervensystem. Die Symptome einer Bicucullinvergiftung ähneln denen der Epilepsie.

Als GABA-Antagonist ähnelt Bicucullin dem Pflanzengift Picrotoxin der Scheinmyrte und dem synthetischen Wirkstoff Gabazin. Wichtige GABA-Agonisten sind Muscimol, eines der Gifte des Fliegenpilzes, und der Wirkstoff Baclofen.W. Bautista, J. Aguilar, J. E. Loeza-Alcocer, R. Delgado-Lezama: Pre- and postsynaptic modulation of monosynaptic reflex by GABAA receptors on turtle spinal cord. In: The Journal of physiology. Band 588, Pt 14, Juli 2010, S. 2621–2631, doi:10.1113/jphysiol.2010.188979, PMID 20519320, .Makoto Taketani: Advances in Network Electrophysiology. Springer Science & Business Media, 2006, ISBN 978-0-387-25858-4, S. 305f ().B. H. Liu, G. K. Wu, R. Arbuckle, H. W. Tao, L. I. Zhang: Defining cortical frequency tuning with recurrent excitatory circuitry. In: Nature Neuroscience. Band 10, Nummer 12, Dezember 2007, S. 1594–1600, doi:10.1038/nn2012, PMID 17994013, .

Anwendungen Bicucullin wird in der Grundlagenforschung angewendet, so im Laborversuch zum Studium der Epilepsie in vivo und zur Blockade von GABAA-Rezeptoren in vitro.

Neben seiner selektiven Wirkung auf GABAA-Rezeptor-Kanäle blockiert es außerdem Ca2+-aktivierte Kalium-Kanäle,R. Khawaled, A. Bruening-Wright, J. P. Adelman, J. Maylie: Bicuculline block of small-conductance calcium-activated potassium channels. In: Pflügers Archiv – European Journal of Physiology. Band 438, Nummer 3, August 1999, S. 314–321, PMID 10398861. und unterdrückt das Wachstum von Pilzsporen.

Pharmakologisch auf den GABAA-Rezeptor wirksame Konzentrationen von Bicucullin liegen bei wenigen μM. Da Bicucullin ausgesprochen schlecht wasserlöslich ist, wird es oft in DMSO appliziert.

GABAA-Rezeptoren sind Hauptziel der Benzodiazepine und verwandter anxiolytischer Pharmazeutika. Bicucullin kann in seiner Rolle als GABAA-Rezeptor-Antagonist die Wirkung dieser Substanzen aufheben.H. Dickinson-Anson, M. H. Mesches, K. Coleman, J. L. McGaugh: Bicuculline administered into the amygdala blocks benzodiazepine-induced amnesia. In: Behavioral and neural biology. Band 60, Nummer 1, Juli 1993, S. 1–4, PMID 8216155.

Einzelnachweise

Kategorie:Dioxolotetrahydroisochinolin Kategorie:Benzodioxol Kategorie:Crotonolacton Kategorie:Psychotroper Wirkstoff Kategorie:Antagonist (Pharmakologie) Kategorie:Pflanzliches Gift Kategorie:Nervengift