mini|Für einen Film hergestellte Nachbildung des Panzerzugs „Hurban“, der im Slowaki­schen National­aufstand 1944 zum Einsatz kam, in einem Park in Zvolen. Zwei Originalwagen befinden sich im Museum des Slowaki­schen National­aufstands in Banská Bystrica. mini|hochkant|Panzerzug der Roten Garden im Finnischen Bürgerkrieg, 1918

Ein Panzerzug ist ein mit Eisenbahntruppen bemanntes Militärbahnfahrzeug. Die gegen Beschuss gepanzerten Sonderfahrzeuge und Kriegslokomotiven wurden mit diversen Waffensystemen zur Flugabwehr, Artillerie, zur Kommunikation, zur Führung, zur Versorgung und für Sanitätswesen ausgestattet. Panzerzüge wurden hauptsächlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingesetzt, im Ersten Weltkrieg, im Russischen und Chinesischen Bürgerkrieg und in der Sowjetunion während des Zweiten Weltkriegs. Erste Einsätze mit gepanzerten Zügen wurden während des Amerikanischen Bürgerkrieges erprobt. Im 21. Jahrhundert kamen Panzerzüge erneut beim Russisch-Ukrainischen Krieg zum Einsatz. Zum Selbstschutz mit Panzerung versehene Personenwagen oder ganze Zuggarnituren werden fälschlich gelegentlich ebenfalls als Panzerzug bezeichnet.

Geschichte 19. Jahrhundert Gepanzerte und bewaffnete Züge wurden im 19. Jahrhundert im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861–1865), im Deutsch-Französischen Krieg (1870–1871), im Ersten Burenkrieg und im Zweiten Burenkrieg (1880–1881 und 1899–1902) eingesetzt. Während des Zweiten Burenkrieges reiste Winston Churchill als Kriegsberichterstatter in einem gepanzerten Zug, der am 15. November 1899 von einem Burenkommando unter Führung von General Louis Botha überfallen wurde. Die Buren nahmen Churchill gefangen und eroberten Material des Zuges.

20. Jahrhundert Anfang des 20. Jahrhunderts setzte Russland während des Russisch-Japanischen Krieges gepanzerte Züge ein. Gepanzerte Züge wurden auch während der Mexikanischen Revolution (1910–1920) und des Ersten Weltkriegs (1914–1918) eingesetzt. Die intensivste Nutzung von Panzerzügen fand während des russischen Bürgerkriegs (1918–1920) statt.

Im Verlauf des Kapp-Putsches setzte die Reichswehr im März 1920 ihre rund 40 Panzerzüge ein. So wurde der PZ IV vom Übungsplatz Kummersdorf zunächst nach Berlin verlegt, wo er bis Ende des Monats gegen Arbeiterverbände zum Einsatz kam. Anschließend wurde er in das Ruhrgebiet gebracht, wo sich die Reichswehr schwere Kämpfe mit Arbeitertruppen lieferte. Ende 1920 kehrte er nach Kummersdorf zurück und wurde gemäß den Friedensbestimmungen von Versailles wie die anderen Panzerzüge demontiert.Kapp-Putsch. Panzerzug in Berlin in: Lok Magazin 5/2020, S. 65.

Im spanischen Bürgerkrieg wurden gepanzerte Züge kaum genutzt. Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) wurden zahlreiche dieser Züge gebaut und genutzt. Vom französischen Militär wurden sie während des Ersten Indochinakriegs (1946–1954) genutzt. Während der Zeit des Kalten Krieges gab es in verschiedenen Ländern Material mit gepanzerten Zügen. Während der Jugoslawienkriege der 1990er-Jahre kamen solche Züge zum Einsatz.

21. Jahrhundert Im Rahmen des Russisch-Ukrainischen Krieges wurde verschiedentlich über den Einsatz von bewaffneten Panzerzügen durch die russische Armee berichtet.t-online. Russland schickt angeblich Panzerzug in die Ukraine, 1. Februar 2023, abgerufen am 16. Februar 2023 Teilweise wurden die Lieferungen zur Kriegslogistik mit Panzerzügen geschützt. Auch Züge mit Abschussvorrichtungen, die den ehemals bekannten Eisenbahnraketenkomplexen ähneln sollen, wurden in Verkehr gebracht. Der russische Präsident Wladimir Putin nutzte 2022/23 zum persönlichen Schutz einen Zug mit gepanzerten Personenwagen bei seinen Reisen.

Panzerzug-Typen der Panzerzug im Fronteinsatz mit granatsicherer Panzerung, panzerbrechenden und Flugabwehrwaffen der Panzerzug als Streckenschutzzug (zum Einsatz im eigenen Hinterland) mit kugel- bzw. splittersicherer Panzerung, Maschinengewehren, etwa 100 Mann ausbootbarer Infanterie (die ihrerseits wieder schwere Maschinengewehre und Granatwerfer besitzt) und ablastbaren leichten Panzern zur Verfolgung von Feinden abseits der Gleise der Panzerspähzug als Sonderform des Streckenschutzzuges, zusammengesetzt aus mehreren kugelsicher gepanzerten Wagen mit Maschinengewehren (auch zur Fliegerabwehr) als Bewaffnung und eigenem Motor. Die Bezeichnung Spähzug ist irreführend, denn diese Züge handelten nicht als Späher (Aufklärer), sondern bewährten sich im eigenen Hinterland wegen der enormen Deckungsbreite, wenn der Zug in Einzelfahrzeuge aufgelöst wurde.

Front- und Streckenschutzzüge fuhren mit Dampflokomotiven, Spähzüge mit Dieselmotoren. Ein Beispiel für einen Streckenschutzzug ist der Eisenbahn-Panzerzug 21, der – aus polnischen Beutewagen zusammengestellt – in den Jahren 1940 bis 1944 von der deutschen Wehrmacht eingesetzt wurde.

Zweck von Panzerzügen Panzerzüge sind naturgemäß an das Streckennetz der zivilen Eisenbahn gebunden. Die Verbindung von schwerem Gewicht der Antriebsmaschinen und der Wunsch nach schnellem Transport von Gütern und Waren erforderte eine glatte Bahn (aus Schienen), auf welcher die schweren Lokomotiven und Wagen schnell größere Entfernungen zurücklegen konnten. Während des 19. Jahrhunderts brachte die Industrialisierung eine großzügige Entwicklung des Schienenverkehrsnetzes mit sich. Aus den Konflikten dieser Zeit erwuchs die Erkenntnis, dass der Schutz der Antriebsmaschinen vor Beschuss sich gut mit dem Schutz der transportierten Personen und Waffen kombinieren ließ und so entstanden in Kriegszeiten gepanzerte Ausführungen normaler Züge.

Einen hohen Nutzen hatten Panzerzüge insbesondere, wenn es darum ging Verkehrsachsen zu kontrollieren und die Haltepunkte der Bahnlinien, in der Regel Städte, zu erobern und zu besetzen. Hierdurch wurde der Gegner von den eigenen Versorgungslinien abgeschnitten und in seiner Bewegungsfreiheit beschränkt. Dies erklärt, warum sie während des Ersten Weltkrieges auf dem westlichen Kriegsschauplatz keine Bedeutung hatten, da die Front im Stellungskrieg gefangen war und großräumige Bewegungen nicht stattfanden. Die spezielle Charakteristik der Geographie Russlands, beziehungsweise der Sowjetunion, mit großen Entfernungen und hoher Abhängigkeit von den Eisenbahnverbindungen stellte während der russischen Revolution 1918 bis 1920 ein ideales Szenario für den Einsatz von Panzerzügen dar. Wie Kriegsschiffe konnten einzelne Panzerzüge große Bereiche unter Kontrolle bringen, ohne selber sehr gefährdet zu sein, da in den Zügen verhältnismäßig große Mengen an Munition und Versorgungsgütern mitgeführt werden konnten.

Diese Rolle nahmen Panzerzüge im Zweiten Weltkrieg erneut ein, doch war eine neue Gefahr für Eisenbahn und Panzerzüge entstanden. Die technische Entwicklung hatte die Luftstreitkräfte zu einem neuen starken Gegner für Panzerzüge gemacht. So fielen zu Beginn des Zweiten Weltkriegs viele gegnerische Panzerzüge der deutschen Luftwaffe zum Opfer. Diese waren zum einen nicht mit ausreichend wirksamen Flugabwehrwaffen versehen und zum anderen hatte die deutsche Luftwaffe zu Beginn des Krieges vielfach eine überragende Luftüberlegenheit.

Erst die extreme Ausdehnung des von den Achsenstreitkräften beherrschten Raums und die hierdurch entstehenden langen Verkehrswege machten den Einsatz von Panzerzügen wieder effizient. Im Hinterland waren diese nicht der starken Bedrohung durch Panzerkampfwagen ausgesetzt und zumeist war auch das Risiko der Luftangriffe geringer.

Nachdem die Lage auf den europäischen Kriegsschauplätzen für die Achsenstreitkräfte schwierig wurde, mussten Panzerzüge auch (im Fronteinsatz) durchgebrochene feindliche Truppen abwehren. Hierbei konnten diese jedoch zumeist nicht gegen moderne Panzer und Geschütze bestehen, da sie ein großes leicht zu treffendes Ziel darstellten und durch die Zerstörung der Schienen schnell bewegungsunfähig gemacht werden konnten.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg sank die Bedeutung von Panzerzügen kontinuierlich und der Rückbau des Streckennetz verstärkte diesen Effekt.

Wichtigste Wagen in einem Panzerzug Abstoßwagen Abstoßwagen dienten dazu, den Panzerzug vor Minen oder Entgleisung zu schützen und Gefahren vor den wichtigen Wagen zu beseitigen. Zusätzlich dienten sie zum Transport von Material wie Schienen, Bahnschwellen, Fahrrädern oder sonstigem Material. Abstoßwagen waren meistens zwei- oder vierachsige Flachwagen. Die Bezeichnung Abstoßwagen entstand dadurch, weil dieser Wagen kein Hochwertfahrzeug des Zuges war und somit leicht und schnell vom Panzerzug abgestoßen und zurückgelassen werden konnte.

Artilleriewagen / Kanonenwagen Die Artilleriewagen in den Panzerzügen waren und sind von unterschiedlichster Bauart. Sie reichen von kleinen, zweiachsigen Wagen mit einer nur grob nach vorne gerichteten Kanone bis hin zu modernen, vierachsigen Wagen mit zwei Kanonen in drehbaren Türmen. Dabei kommen unterschiedlichste Kaliber zum Einsatz. Sie können für einen direkten Beschuss oder auch indirekten Beschuss eingesetzt werden.

Flakwagen Flakwagen dienten zur Verteidigung des Panzerzuges gegen feindliche Flugzeuge. Gab es zu Beginn der Panzerzugzeiten nur MG-Lafetten in den Sturmwagen, so wurden später spezielle Wagen zur Aufnahme von Flugabwehrkanonen gebaut. Auch die Ausstattung dieser Wagen war unterschiedlich. So gab es Wagen mit kleineren Maschinengewehren, aber auch solche, die zwei großkalibrigere Kanonen tragen konnten.

Kommandowagen Kommandowagen waren entweder ehemalige gedeckte Güterwagen oder umgebaute Personenwagen. Sie erhielten Platz für Funkgeräte und Generatoren für einen autarken Betrieb. Zur Verstärkung der Sendeleistung wurden oftmals Rahmenantennen auf das Dach aufgebaut.

Maschinengewehrwagen Einige Wagen in einem Panzerzug waren Maschinengewehrwagen, welche in erster Linie zur Nahverteidigung des Panzerzuges dienten. Die waren mit mehreren Maschinengewehren zu beiden Seiten ausgerüstet. Viele Wagen besaßen auch Flugabwehr-Maschinengewehre.

Sturmwagen / Infanteriewagen Sturmwagen von Panzerzügen dienen zum Transport von Infanterie-Sturmzügen. Sie waren entweder ehemalige gedeckte Güterwagen oder umgebaute Personenwagen. An den Seiten wurden entweder die Fenster entfernt oder so weit verkleinert, dass man sie als Schießscharten nutzen konnte.

Panzerzüge nach Ländern China Während der Mandschurei-Krise nutzte die Kwantung-Armee am 27. November 1931 mehrere Panzerzüge als Hauptangriffsmittel gegen die Region Jinzhou, zu deren Verteidigung die chinesischen Kräfte wiederum einen eigenen Panzerzug entgegenschickten. Die beiden Panzerzüge trafen sich und führten ein mehrstündiges, erbittertes Gefecht auf demselben Gleis.James Simpson, The Canine Heroes of the Imperial Japanese Army, veröffentlicht am 6. Februar 2014 (hier: 1. August 2017) auf warisboring.com, zuletzt abgerufen am 1. August 2017.

Deutschland

Der erste improvisierte Eisenbahnpanzerzug von Zülow wurde im Jahr 1904, während des Aufstandes der Herero in Deutsch-Südwestafrika eingesetzt.

Im Laufe der Zeit setzten die deutschen Armeen Panzerzüge in unterschiedlichster Form und Ausprägung ein. Die meisten von Deutschland eingesetzten Panzerzüge wurden während des Zweiten Weltkrieges eingesetzt, wo die Wehrmacht ein einheitliches Konzept für Panzerzüge (BP 42) entwickelte.

Frankreich Während des Krieges in Indochina nutzte die Légion étrangère einen Panzerzug, um die Versorgung der Küstenstädte sicherzustellen. Der Panzerzug La Rafale wurde bis zum Ende des Krieges eingesetzt und dann an Südvietnam übergeben, welche ihn aber nicht weiter nutzte und ausmusterte.

Estland Während des Estnischen Freiheitskriegs setzte die Armee mehrere Breitspur- und Schmal-Panzerzüge ein. Dies waren

Großbritannien