mini|Kirche St. Josef mini|Apsis der Kirche Die Kirche St. Josef ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Horgen im Kanton Zürich.
Geschichte Vorgeschichte und Namensgebung In der Urkunde, durch die König Otto I. am 1. März 952 umfangreiche Ländereien in der Gegend von Horgen dem Kloster Fraumünster in Zürich schenkte, wurde auch der Ort Horgen als Horga zum ersten Mal erwähnt. Dass das Fraumünster die Kirche von Horgen als Eigenkirche besass, wurde 1247 von Papst Innozenz IV. bestätigt. Hierbei wurde auch die Kirche erstmals namentlich erwähnt. 1345 verkaufte das Fraumünster den Kirchensatz von Horgen den Johannitern von Klingnau. 1543 verlieh der Meister des Johanniterordens, Johannes von Hattstein, der Stadt Zürich den halben Zehnten und den Kirchensatz zu Horgen. 1525 wurde in Horgen die Reformation durchgeführt. Die mittelalterliche Kirche wurde fortan für reformierte Gottesdienste verwendet. Im Alten Zürichkrieg, während der Zürcher Reformation durch Ulrich Zwingli und der Gegenreformation war das Gebiet der Gemeinde Horgen ein Vorposten gegen die katholische Innerschweiz. Die mittelalterliche Kirche wurde 1676 erweitert und 1780–1781 durch einen Neubau, die heutige Reformierte Kirche Horgen, ersetzt.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus des Bistums Chur. S. 215.
Entstehungs- und Baugeschichte Das Toleranzedikt von 1807 erlaubte erstmals seit der Reformation wieder die Feier katholischer Gottesdienste, allerdings örtlich auf die Stadt Zürich beschränkt. Die Niederlassungs- und Religionsfreiheit der Helvetischen Republik und ab 1848 des schweizerischen Bundesstaates ermöglichten es den Katholiken aus der Zentral- und Ostschweiz, aber auch aus dem nahen Ausland, in die Region von Zürich zu kommen und dort Arbeit zu suchen. Da die Industrialisierung in Horgen Arbeitsplätze schuf, zogen ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mehr Katholiken auf Arbeitssuche nach Horgen und Umgebung. Diese ersten Katholiken mussten entweder nach Zug oder nach Zürich zum katholischen Gottesdienst gehen. Aufgrund der mangelnden katholischen Seelsorge bestand zudem die Gefahr, dass sich die Katholiken in der Diaspora von der Kirche entfernten. Deshalb gründete Pfarrer Johann Joseph Röllin von Menzingen ZG 1865 mit Genehmigung des Bischofs von Chur, Nikolaus Franz Florentini, in Horgen die erste Missionsstation am linken Ufer des Zürichsees. Auch feierte er am 28. Mai 1865 die erste Messe seit der Reformation auf Horgner BodenJohann Salzmann (Hrsg.): Die katholische Pfarrei Horgen und ihre neue St. Josefskirche. S. 7., welche im Saal der Badanstalt auf dem Bürgli im Lerchen (heutige Zugerstrasse 94) stattfand. Für kurze Zeit wurden die Gottesdienste im oberen Stock des Cafés Frieden und dann von November 1865 bis ins Jahr 1872 im Saal vom Gasthof Weingarten gefeiert.Römisch-katholische Kirchgemeinde Horgen (Hrsg.): Kirchweihe St. Josef 2017. S. 7. Die Missionsstation Horgen wurde fortan von den Geistlichen der Pfarrei Zürich betreut. Parallel dazu entstand auf der rechten Seeseite die Missionsstation und spätere Pfarrei St. Stephan (Männedorf). Der Geistliche, der in Horgen die Sonntagsmesse feierte, fuhr anschliessend mit dem Dampfschiff über den Zürichsee nach Männedorf, um dort ebenfalls die Messe zu halten. Die Gottesdienstzeiten waren auf den Fahrplan des Dampfschiffes abgestellt.Johann Salzmann (Hrsg.): Die katholische Pfarrei Horgen und ihre neue St. Josefskirche. S. 8–9.
1868 wurde der Verein zur Unterhaltung der kath. Missionsstation Horgen gegründet, dessen Name 1904 in Kirchenbauverein geändert wurde. In Horgen entstand der Wunsch nach einer eigenen katholischen Kirche. Da zeitgleich auch in Langnau-Gattikon Bestrebungen zum Bau einer Kirche getätigt liefen, musste die Inländische Mission, welche gegründet worden war, um in der Diaspora Kirchenbauten und den Lebensunterhalt der Geistlichen zu finanzieren, entscheiden, ob sie in Horgen oder in Langnau-Gattikon den ersten Kirchbau unterstützen wollte. Da die katholische Bevölkerung in Horgen sesshafter als in Langnau-Gattikon war (saisonale Arbeitsplätze) und Horgen zudem Mittelpunkt des Bezirks war, entschied die Inländische Mission, zunächst den Kirchenbau St. Josef in Horgen und erst danach in Langnau-Gattikon den Bau der Kirche St. Marien (Langnau am Albis) zu finanzieren. 1870 fand die erste Sitzung des Baukomitees für die Errichtung einer katholischen Kirche Horgen statt. Zum Vorstand dieses Komitees gehörte der Zuger Arzt Johann Melchior Zürcher-Deschwanden, der Gründer der Inländischen Mission, der über 50 Mal zu Fuss von Zug nach Horgen lief, um den Fortschritt des Kirchenbaus voranzutreiben.Römisch-katholische Kirchgemeinde Horgen (Hrsg.): Kirchweihe St. Josef 2017. S. 7.
1869 wurde St. Josef Horgen zum Pfarrvikariat von der katholischen Pfarrei Zürich erklärt. Im Sommer 1870 wurde der Bauplatz für die Kirche in Horgen auf Mühlehalden gekauft und ab Frühling 1871 nach Plänen des Architekten Wilhelm Keller, der danach auch die Kirche St. Marien in Langnau erbaute, errichtet. Am 29. September 1872 wurde die erste Kirche St. Josef in Horgen durch den Weihbischof von Chur, Kaspar Willi benediziert. Dem Hl. Josef wurde die Kirche samt späterer Pfarrei geweiht, weil der Hl. Josef als Patron der Arbeiter und der Familienväter gilt und die Mehrheit der katholischen Bevölkerung zur Arbeiterschaft der Industrie von Horgen und Umgebung gehörte. Die erste Kirche St. Josef in Horgen besass 340 Sitzplätze. 1874 wurde St. Josef zur eigenständigen Pfarrei erklärt und ein Pfarrhaus errichtet. 1902 kam das Vereinshaus mit Unterrichtslokalen hinzu.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus des Bistums Chur. S. 215.Johann Salzmann (Hrsg.): Die katholische Pfarrei Horgen und ihre neue St. Josefskirche. S. 8–9.
Die katholische Bevölkerung von Horgen, Oberrieden ZH und Hirzel wuchs in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stetig an. So lebten in den drei Gemeinden 1890 698 Katholiken, 1900 1709 und im Jahr 1930 in Horgen und Oberrieden, da Hirzel 1923 der Pfarrei Heilige Familie (Schönenberg ZH) zugeteilt worden war, 2230 Katholiken. Diese Zunahme der Katholiken zeigt, dass der Bau einer grösseren Kirche immer vordringlicher wurde. Da die politische Gemeinde das Bauland östlich der katholischen Kirche nicht verkaufen wollte, weil dort das Bezirksgericht erbaut werden sollte, mussten die Katholiken mit dem Kauf eines Landstreifens auf der südöstlichen Seite der alten St. Josefskirche Vorlieb nehmen. Durch den Abbruch der alten Kirche und des Pfarrhauses konnte eine neue Kirche, welche in südöstliche Richtung gebaut wurde, realisiert werden. 1932 wurden drei renommierte Architekten beauftragt, je einen Entwurf für eine neue St. Josefskirche zu erstellen. Es waren dies Adolf Gaudy, Rorschach, Stadler und Winkler, Zug und Anton Higi, Zürich. Der letztgenannte gewann den Wettbewerb und wurde im Herbst 1932 beauftragt, die Baupläne für die neue Kirche zu erstellen. Am 9. April 1933 beschlossen die Katholiken, die alte St. Josefskirche zugunsten des Neubaus abzutragen. Am 7. Mai, dem Schutzfest des Hl. Josefs, fand der letzte Gottesdienst in der alten Kirche statt. Am 18. Mai begannen die Abbrucharbeiten und am 22. Mai wurde der Kirchturm niedergerissen. Im Saal des Vereinshauses wurde eine Notkirche eingerichtet. Am 2. Juni 1933 erfolgte der Spatenstich für den Bau der neuen Kirche St. Josef. Am 24. Juni 1934 wurde die Kirche durch den Bischof von Chur, Laurenz Matthias Vincenz, eingesegnet. Geweiht wurde die Kirche am 23. Mai 1965 durch Bischof Johannes Vonderach. 1967–1968 wurde das alte Pfarrhaus durch einen Betonbau von Architekt Götti, Oberrieden/Zürich ersetzt.Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus des Bistums Chur. S. 215.Johann Salzmann (Hrsg.): Die katholische Pfarrei Horgen und ihre neue St. Josefskirche. S. 13–16 und 20Katholische Pfarrei Horgen (Hrsg.): Kirche St. Josef Horgen. Renovation 1978. S. 43 und 52–57. 1978 wurde die Kirche umfassend saniert. Die Architekten A. Dindo und J. Angst, Thalwil leiteten die Baumassnahmen, die künstlerische Gestaltung des Altarraums wurde Peter Travaglini, Büren an der Aare übertragen.Katholische Pfarrei Horgen (Hrsg.): Kirche St. Josef Horgen. Renovation 1978. S. 18.
An der Kirchgemeindeversammlung vom 9. Juni 2005 wurde ein Planungskredit für einen Neubau des Pfarreizentrums genehmigt, wobei die Stiftung St. Josef die Hälfte übernahm. Nach eingehenden Planungsarbeiten wurde an der Kirchgemeindeversammlung vom 28. November 2006 der Kredit für den Neubau des Pfarreizentrums bewilligt. Am 13. und 14. September 2008 wurde das durch die Architekten Dachtler und Rychener neu erbaute Pfarreizentrum eingesegnet und eröffnet. Am 10. Dezember 2010 wurde der Raum der Stille im Erdgeschoss des Pfarreizentrums eingeweiht.Archiv der Pfarrei St. Josef. Am 15. März 2016 bewilligte die Kirchgemeindeversammlung die Gesamterneuerung der Kirche samt einer Neugestaltung des Kirchenraums nach Plänen des Architekten Miroslav Šik, der bereits das Pfarreizentrum der Kirche St. Antonius in Egg gestaltet hatte.Zürichsee-Zeitung vom 17. März 2016. Abgerufen am 27. Juli 2016. Am 17. Juli 2016 wurde in einem Gottesdienst der Altar profaniert.Website der katholischen Pfarrei St. Josef Horgen, Abschnitt Aktuell. Abgerufen am 27. Juli 2016. Die Bauarbeiten für die Gesamterneuerung und Neugestaltung der Kirche begannen im Sommer 2016 und wurden am Wochenende vom 3. und 4. Juni 2017 mit der Altar- und Kirchweihe durch Weihbischof Marian Eleganti und Altabt Martin Werlen abgeschlossen. Abgerufen am 19. Juli 2017.
Seit dem 1. Januar 2020 ist die Kirchgemeinde Horgen auch für die Kirche St. Antonius (Hirzel) zuständig, nach dem Anschluss von Hirzel an die politische Gemeinde Horgen auch die Auflösung der Kirchgemeinde Hirzel-Schönenberg-Hütten beschlossen wurde.Synode der katholischen Kirche, Sitzungsprotokoll vom 5. Dezember 2019. Mit ihren 6'084 Mitgliedern (Stand 2021) ist die Kirchgemeinde Horgen eine der grösseren katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zürich.Katholische Kirche im Kanton Zürich (Hrsg.): Jahresbericht 2021. S. 105.
Baubeschreibung mini|Kirchturm Kirchturm und Äusseres Auf einem Plateau über dem Ortskern von Horgen gelegen, erhebt sich der Betonbau der 1933–1934 errichteten Kirche St. Josef. Weithin sichtbar ist der östlich an die Kirche angebaute 32 Meter hohe Kirchturm, dessen Turmkreuz eine Höhe von 6,50 Meter aufweist. Der Turm und das Kirchenschiff werden durch vertikale Elemente rhythmisiert und optisch gen Himmel ausgerichtet. Das Baumaterial Beton und die Gestaltung des Kirchengebäudes verleihen der Kirche St. Josef einen modernen Gestus mit stilistischen Anlehnungen auf das Bauhaus.Johann Salzmann (Hrsg.): Die katholische Pfarrei Horgen und ihre neue St. Josefskirche. S. 17–18 und 20. Im Aussenbereich finden sich die Marienstatue und das Taufbecken von Peter Travaglini aus der zweiten Ausstattung der Kirche von 1978, die im Rahmen der Sanierung von 2016 neben der Kirche aufgestellt wurden.
Im Dachreiter der alten St. Josefskirche hatte sich ein dreistimmiges Geläut befunden, welches von der Glockengiesserei Keller in Zürich 1872 gegossen und von Bischof Kaspar Willi geweiht worden war. 1933 wurde dieses Geläut durch eine vierte Glocke ergänzt, welche von H. Rüetschi, Aarau gegossen wurde.Johann Salzmann (Hrsg.): Die katholische Pfarrei Horgen und ihre neue St. Josefskirche. S. 19