Das Mikulicz-Syndrom (nach dem Erstbeschreiber Johann Freiherr von Mikulicz-Radecki, 1892) bezeichnet eine reaktive Schwellung der Tränen- und Speicheldrüsen bei verschiedenen Allgemein- und Systemerkrankungen. Die Erkrankung ist auch unter Dacryo-sialo-adenopathia atrophicans, Mikulicz-Radecki-Syndrom oder Mikulicz-Sjögren-Syndrom bekannt.K. J. Awan: Mikulicz's disease and Mikulicz's syndrome. In: Southern medical journal. Band 69, Nummer 4, April 1976, S. 458–462, . PMID 1265507.
Ätiologie Das Mikulicz-Syndrom tritt auf bei Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomen, Chronischen lymphatischen Leukämien und Sarkoidose. Es wird auch vereinzelt bei Tuberkulose, Syphilis, Sialadenose und Hyperthyreose beobachtet.J. G. Azzopardi, D. J. Evans: Malignant lymphoma of parotid associated with Mikulicz disease (benign lymphoepithelial lesion). In: Journal of clinical pathology. Band 24, Nummer 8, November 1971, S. 744–752, . PMID 4943296. . Die genaue Ursache des Mikulicz-Syndroms ist unbekannt, jedoch wird vermutet, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt.
Symptome Das Mikulicz-Syndrom ist durch das plötzliche Auftreten von extremer Mundtrockenheit (Xerostomie) charakterisiert, die mit Schluckbeschwerden einhergeht und die Entstehung von Karies begünstigt, da die natürliche Zahnreinigung durch den Speichel fehlt. Weitere Symptome sind vergrößerte Tränendrüsen mit verringerter Tränenproduktion, eine Vergrößerung der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis), harte, schmerzlose Schwellungen der Speicheldrüsen. Die Symptome können für längere Zeit bestehen bleiben oder periodisch auftreten und wieder verschwinden. Die Symptome des Mikulicz-Syndroms sind denen des Sjögren-Syndroms sehr ähnlich.K. Tsubota, H. Fujita u. a.: Mikulicz's disease and Sjögren's syndrome. In: Investigative ophthalmology & visual science. Band 41, Nummer 7, Juni 2000, S. 1666–1673, . PMID 10845583. Einige Forscher vermuten, dass sie identische Störungen seien.C. N. Penfold: Mikulicz syndrome. In: Journal of oral and maxillofacial surgery: official journal of the American Association of Oral and Maxillofacial Surgeons. Band 43, Nummer 11, November 1985, S. 900–905, . PMID 3903084.
Diagnose Zur Sicherung der Diagnose kann eine Biopsie einer der geschwollenen Drüsen durchgeführt werden. Eine Ultraschalluntersuchung der Drüsen kann helfen, andere Gründe für die Drüsenschwellung zu eruieren.
Differentialdiagnose Mumps Heerfordt-Syndrom Sjögren-Syndrom Tumore
Therapie Die Therapie erfolgt durch eine Behandlung der Grunderkrankung. Im Übrigen erfolgt die Behandlung dieser Erkrankung symptomatisch. Künstliche Tränen können verwendet werden, um die Feuchtigkeit der Augen aufrechtzuerhalten. Mittels künstlichem Speichel können orale Symptome abgemildert werden.
Weblinks Sjögren’s Syndrome: A guide for the patient (englisch). Abgerufen am 3. Oktober 2014
Einzelnachweise
Kategorie:Krankheitsbild in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde Kategorie:Krankheitsbild in der Zahnmedizin