Ostrogoschskoje (, , ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er besteht aus ursprünglich drei eigenständigen Orten und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Krasnosnamensk im Rajon Krasnosnamensk. Das ehemalige Waldlinden ist verlassen.
Geographische Lage Ostrogoschskoje liegt an der Regionalstraße 27A-026 (ex R511), sechs Kilometer östlich der Rajonstadt Krasnosnamensk (Lasdehnen/Haselberg) und 18 Kilometer nördlich der einstigen Kreisstadt Dobrowolsk (Pillkallen/Schloßberg). Zwei der jetzigen Ortsteile waren vor 1945 als Uszbördszen (Karpfenwinkel) und Rucken Bahnstationen an der Bahnstrecke Pillkallen–Lasdehnen der Pillkaller Kleinbahn, die nach 1945 nicht mehr reaktiviert worden ist.
Geschichte Uszbördszen (Karpfenwinkel) mini|Die Gemeinde Uschbördschen auf einem Messtischblatt von 1936
Das seinerzeit Uschbersuppen genannte Dorf wurde im Jahre 1660 erstmals erwähnt.Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Karpfenwinkel Um 1780 war Uszberszen ein königliches Bauerndorf.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 173. 1874 wurde die Landgemeinde Uszbördszen dem neugebildeten Amtsbezirk Alxnupönen im Kreis Pillkallen zugeordnet.Rolf Jehke, Amtsbezirk Alxnupönen/Altsnappen 1929 wurde die bislang noch gesondert bestehende Försterei Uszbördszen in die Landgemeinde eingegliedert, deren Namensschreibweise 1936 in „Uschbördschen“ geändert wurde. 1938 wurde der Ort in Karpfenwinkel umbenannt. 1945 kam der Ort in Folge des Zweiten Weltkrieges mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871, Berlin 1874 111 1871 92 in der Försterei Uszbördszen zusätzlich 13 1885Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888 116 in der Försterei Uszbördszen zusätzlich 5(?) 1905Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Heft 1, Provinz Ostpreußen, Berlin 1907 115 davon 45 litauischsprachige, in der Försterei Uszbördszen zusätzlich 9 1910 137 1933Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I: Altreich und Land Österreich. Herausgegeben vom Statistischen Reichsamt, Vierte Auflage, 1939 154 1939 148
Waldlinden mini|Die Gemeinde Waldlinden auf einem Messtischblatt von 1936
Das unmittelbar am Flüsschen Axnuppe (1938 bis 1945: Hangwasser, heute russisch Staraja) gelegene Waldlinden entstand am 30. September 1929 durch Zusammenschluss der beiden Landgemeinden Ambrasgirren (westlich gelegen, s. u.) und Löblaugken (östlich gelegen, s. u.) sowie der Oberförsterei Weszkallen mit dem Waldarbeitergehöft Weszkallen und dem Forstsekretärgehöft Krebsberg. Der Name „Waldlinden“ war eine Zusammenziehung der Ortsnamen Ambrasgirren (= Ambraswalde, Wald des Ambras) und Löblaugken (= Lindenfelde). Die Oberförsterei bekam spätestens 1938 ebenfalls den Namen Waldlinden. In Folge des Zweiten Weltkrieges kam auch dieser Ort zur Sowjetunion. Im Ortsverzeichnis der Oblast Kaliningrad von 1976 wurde Waldlinden als zu Rossoschanskoje (s. u.) gehörend bezeichnet.Das inzwischen schon zu Ostrogoschskoje gehörte. Gemäß dem in Kaliningrad erschienenen russisch-deutschen Ortsverzeichnis Населенные пункты Калининградской области: краткий справочник. / Ред. В.П. Ассоров, В.В. Гаврилова, Н.Е. Макаренко, Э.М. Медведева, Н.Н. Семушина. - Калининград: Калининградское книжное издательство, 1976
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1933 89 1939 86
Ambrasgirren Ambrasgirren wurde um 1660 gegründet.Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Ambrasgirren und um 1780 als königlicher Bauernort bezeichnet.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 3. 1874 wurde auch die Landgemeinde Ambrasgirren dem Amtsbezirk Alxnupönen zugeordnet.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1867 57 1871 55 1885 55 1905 29 1910 27
Löblaugken Löblaucken wurde 1688 gegründetLöblaugken: Aus den Prästationstabellen (PT) der Domänenämter Grumbkowkaiten und Löbegallen sowie des Landkreises Pillkallen, ausgewählt und bearbeitet von Erwin Speer und um 1780 als Schatulldorf bezeichnet.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 89. 1874 wurde auch die Landgemeinde Löblaugken dem Amtsbezirk Alxnupönen zugeordnet.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1867 100 1871 89 1885 76 1905 57 1910 50
Rucken / Rossoschanskoje mini|Die Gemeinde Rucken auf einem Messtischblatt von 1936
Rucken wurde 1625 erstmals erwähntDietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Rucken und um 1780 als meliertes Dorf bezeichnet.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 134. 1874 wurde auch die Landgemeinde Rucken dem Amtsbezirk Alxnupönen zugeordnet. 1928 wurde die Landgemeinde Rucken mit dem Gutsbezirk Lasdinehlen zu einer neuen Landgemeinde zusammengelegt, die zunächst Lasdinehlen, ab 1929 dann aber wiederum Rucken hieß.
Auch dieser Ort kam 1945 in Folge des Zweiten Weltkrieges zur Sowjetunion. Im Jahr 1947 erhielt das eigentliche Rucken die russische Bezeichnung Rossoschanskoje und wurde gleichzeitig in den Dorfsowjet Mitschurinski selski Sowet im Rajon Krasnosnamensk eingeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947)
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867 104 1871 100 1885 119 1905 81 davon 22 litauischsprachige 1910 107 1933 226 in der seit 1928 erweiterten Landgemeinde 1939 230
Ostrogoschskoje Im Jahre 1947 erhielt Uszbördszen/Karpfenwinkel die russische Bezeichnung Ostrogoschskoje und wurde gleichzeitig in den Dorfsowjet Mitschurinski selski Sowet im Rajon Krasnosnamensk eingeordnet. Später gelangte der Ort in den Pobedinski selski Sowet. Vor 1975 wurde der Ort Rossoschanskoje an Ostrogoschskoje angeschlossen.Gemäß der Административно-территориальное деление Калининградской области 1975 (Die administrativ-territoriale Einteilung der Oblast Kaliningrad 1975, herausgegeben vom Sowjet der Oblast Kaliningrad) auf soldat.ru (rar-Datei) Von 2008 bis 2015 gehörte Ostrogoschskoje zur Landgemeinde Dobrowolskoje selskoje posselenije, von 2016 bis 2021 zum Stadtkreis Krasnosnamensk und seither zum Munizipalkreis Krasnosnamensk.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1984Sowjetische Topographische Karte 100k--n34-046, dort wird der Ort mit Rosschanskoje bezeichnet. ~ 150 2002Allrussische Volkszählung von 2002 204 2010Allrussische Volkszählung von 2010 209 2021Allrussische Volkszählung von 2021 178
Kirche In Uszbördszen resp. Karpfenwinkel wie auch in Waldlinden und Rucken war die Bevölkerung vor 1945 fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Alle drei Dörfer waren in das Kirchspiel der Kirche Lasdehnen (der Ort hieß zwischen 1938 und 1946: Haselberg, heute russisch: Krasnosnamensk) eingepfarrt, die zum Kirchenkreis Pillkallen (Schloßberg) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte. Heute liegt Ostrogoschskoje im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen) innerhalb der Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.
Persönlichkeiten Malte Sartorius (* 1933 in Waldlinden; † 2017 in Braunschweig), Maler, Grafiker und Hochschullehrer
Weblinks Ostrogoschskoje bei bankgorodov.ru Ostrogoschskoje bei prussia39.ru
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Rajon Krasnosnamensk