Der Verband Südostasiatischer Nationen, kurz ASEAN (deutsche Aussprache []; englische Aussprache [],John C. Wells: Longman Pronunciation Dictionary. Beijing: The Commercial Press, 2005, ISBN 7-100-04292-5, S. 45. von ), ist eine internationale Organisation südostasiatischer Staaten mit Sitz in Jakarta.

Das ursprüngliche Ziel war die Verbesserung der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Zusammenarbeit. Später erweiterte sich das Betätigungsfeld um Sicherheits-, Kultur- und Umweltfragen. Im September 2009 beschlossen die Staats- und Regierungschefs der ASEAN-Mitglieder, einen gemeinsamen Wirtschaftsraum nach dem Vorbild der EU zu schaffen.

Im Laufe der Jahre wurden weitere Organisationen gegründet: das ASEAN-Regionalforum (ARF) für Sicherheitsfragen, die ASEAN-Freihandelszone (AFTA) zur Förderung des Handels, die ASEAN Investment Area (AIA) zur Förderung gegenseitiger Direktinvestitionen und andere mehr.

Vorläufer der Organisationsgemeinschaft war der Verband Südostasiens ASA (1961–1967). Dieser erlebte nach einer Stagnationsphase und dem Sturz Sukarnos im September 1965 zwar eine Wiedererweckung, ging aber auf indonesische Initiative hin sowie unter Beibehaltung der Strukturen und des Sicherheitskonzepts schließlich in das intensivere Bündnis der ASEAN über.

Mitgliedstaaten Der ASEAN wurde 1967 von Thailand, Indonesien, Malaysia, den Philippinen und Singapur gegründet. Ziel war die Förderung des konjunkturellen Aufschwungs, des sozialen Fortschritts und der politischen Stabilität. Erfolge der wirtschaftlichen Öffnungspolitik zeigten sich bald und so zählen einige Mitgliedsländer heute zu den sogenannten Tiger- bzw. Pantherstaaten.

Seit 1984 ist auch das Sultanat Brunei Mitglied und Papua-Neuguinea fungiert seitdem als Beobachter. In den 1990er Jahren traten Vietnam (1995), Myanmar und Laos (1997) sowie Kambodscha (1999) bei. Osttimor (Timor-Leste) stellte 2006 einen Antrag auf Mitgliedschaft und wurde am 26. Oktober 2025 elfter ASEAN-Mitgliedstaat.

Heute umfasst der ASEAN elf Mitgliedstaaten mit mehr als 685 Millionen Einwohnern (circa 8,5 % der Weltbevölkerung) und einer Fläche von etwa 4,5 Millionen km² (etwa 1 % der Erdoberfläche). Damit ist seine Fläche etwas größer als die der EU, bei einer um die Hälfte größeren Bevölkerung.

Wirtschaftlich gibt es sehr große Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten. Singapur gilt als globale Finanzmetropole sowie aufgrund seines hohen Wohlstandsniveaus teilweise bereits als Industrienation.Singapur-Special – „Hier wird einem wirtschaftliches Handeln am Leichtesten gemacht“, S. 3 von 3: „Singapur ist das am weitesten entwickelte Land in Südostasien“. In: handelsblatt.com. 2014, abgerufen am 4. Oktober 2020. Indonesien bildet mit einem Bevölkerungsanteil von etwa 40 % und einem BIP-Anteil von circa 70 % am Gesamtumfang ein Schwergewicht im ASEAN, während Laos – der einzige Binnenstaat der Gemeinschaft, Kambodscha, Myanmar und Osttimor in vielerlei Hinsicht eher Schlusslichter darstellen. 2013 lag das Bruttoregionalprodukt (gemeinsames BIP) bei rund 2,4 Billionen US-Dollar, welches in der EU allerdings um ein Vielfaches höher ausfiel. Die durchschnittliche Zuwachsrate des BIPs liegt bei etwa 5,3 % jährlich.

Geschichte und Verträge In den ersten Jahren war der ASEAN eher ein Ort des informellen Austausches, erst später kam ihr ein aktiverer Charakter zu. So erfüllte die 1954 gegründete SEATO (), ein Militärbündnis für den südostasiatischen Raum, die von den USA gehegten Erwartungen unzureichend und führte bald nur noch eine Scheinexistenz, bis sie 1977 aufgelöst wurde.Der große Ploetz. Verlag Herder, Freiburg 1998, S. 1755. Der 1966 gegründete ASPAC () mit südost- und ostasiatischen Ländern sowie Australien und Neuseeland hatte kaum Wirkungskraft und wurde 1973 ebenfalls wieder aufgelöst. Die Gründung am 8. August 1967 in Bangkok war der erste außenpolitische Erfolg des damals neuen indonesischen Staatspräsidenten Suharto. Der ASEAN war eine Reaktion auf den Vietnamkrieg (1964–1975) und von Anfang an klar gegen den Ostblock und die kommunistische Volksrepublik China angelegt. Die Präambel der Bangkoker Erklärung kann folgendermaßen zusammengefasst werden:

mini|Bundesaußenminister Johann Wadephul und ASEAN-Generalsekretär Kao Kim Hourn im August 2025 in der ASEAN-Zentrale in Jakarta

1971 wurde schließlich die „Zone des Friedens, der Freiheit und der Neutralität“ (ZOPFAN) errichtet. Der erste Bali-Gipfel stand unter dem Eindruck des Erfolges kommunistischer Gruppen in Südostasien. Es war daher wichtig, Solidarität und kollektives Bewusstsein zu zeigen, gerade nachdem ASEAN es über zehn Jahre nicht über wenig überzeugende Forderungen nach wirtschaftlicher und sozialpolitischer Zusammenarbeit hinausgebracht hatte. Auf dem Gipfel wurde das ASEAN-Sekretariat (in Jakarta) ins Leben gerufen und der „Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit“ (TAC) geschlossen, der gegenseitige Konsultationen in Streitfragen vorsah und eine gewisse Öffnung für weitere Staaten der Region bedeutete. Dies stellte ein Angebot für revolutionäre Staaten wie Vietnam dar, sich gemäß dem Völkerrecht zu verhalten. Anfangs fand der Vertrag wenig Interesse, aber nach der Überwindung des Kalten Krieges bekundeten Staaten wie Vietnam und Laos Interesse an einer Zusammenarbeit. In einer Erklärung zur Eintracht von ASEAN wurde als Ziel festgehalten, die Stabilität in den Mitgliedsländern und in Südostasien zu fördern, womit ZOPFAN erneut bestätigt wurde.Bali Summit (ASEAN) 1976. In: Michael Leifer: Dictionary of the modern politics of South-Asia. London: Routledge 1996, ISBN 0-415-13821-3. Ab 1986 führte Vietnam wirtschaftliche Reformen ein und mit dem Zusammenbruch des Ostblocks löste sich die Entwicklungsstarre auch im übrigen Südostasien. Nachdem mehrere Mitgliedsstaaten von etwa 1980 an ihre Beziehungen zu China verbessert und Investitionen von inländischen Unternehmen dort gefördert hatten, setzte auch eine Entspannung zwischen ASEAN und China ein. Diese mündete 1992 in ersten Freihandelsvereinbarungen und 2010, trotz inzwischen wieder stärker belasteter Beziehungen, im ASEAN-China-Freihandelsabkommen.Klaus Mühlhahn: Regionaler Hegemon? Kleine Geschichte der auswärtigen Beziehungen Chinas in Asien. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. 26–27/2023, S. 7 f. 1994 wurde das ASEAN-Regionalforum (ARF) eingerichtet, in dem Sicherheitsfragen diskutiert werden sollten. Auf dem Bangkok-Gipfel im Dezember 1995 wurde beschlossen, bis 2003 die ASEAN-Freihandelszone (AFTA) einzurichten. Am 15. Dezember 1995 wurde der „Vertrag über eine Atomwaffenfreie Zone in Südostasien“ (SEANWFZ) unterzeichnet. 2001 trat er nach der Unterschrift der Philippinen endgültig in Kraft. Bangkok Vertrag, disarmament.un.org; abgerufen am 4. September 2008. 1995 bis 1999 wurden Vietnam, Myanmar, Laos und Kambodscha in den ASEAN aufgenommen. Danach wurde eine überarbeitete gemeinsame Flagge eingeführt, die mit zehn Reisrispen symbolträchtig für die Mitgliedsländer steht. 1997 wurden die ASEAN-Staaten schwer von der asiatischen Wirtschafts- und Finanzkrise getroffen. Die Bewältigung dieser Krise war Hauptthema des 6. Gipfels am 15. und 16. Dezember 1998 in Hanoi (Vietnam), auf dem auch festgehalten wurde, die Errichtung der Freihandelszone zu beschleunigen. 2002 verständigte man sich auf eine „Kontrolle der Luftverschmutzung in Südostasien“. ASEAN Agreement on Transboundary Haze Pollution (englisch); abgerufen am 12. Oktober 2006. In den Jahren darauf kam es 2005 in Malaysia und 2006 in ganz Südostasien zum Ausbruch ausgedehnter Waldbrände mit enormer Luftverschmutzung. 2003 betonte der ASEAN bei ihrem Treffen in Bali, dass die Demokratie Frieden und Stabilität in der Region stärke. Auch die nicht-demokratisch geführten Regierungen stimmten zu.Tim Luard: Asean: Changing, but only slowly. news.bbc.co.uk, 8. Oktober 2003; abgerufen am 28. August 2020 (englisch). Der 10. Gipfel am 29. und 30. November 2004 in Vientiane (Laos) beschäftigte sich mit dem steigenden Ölpreis und den Gefahren des Terrorismus. Die Bedeutung der „Vision 2020“ wurde bekräftigt, die eine tiefer greifende Entwicklung der ASEAN bis 2020 nach Vorbild der EU vorsieht. 2005 richtete der ASEAN ein Netzwerk zum Schutz von Wildtieren ein und eine Asien-Pazifik-Partnerschaft für saubere Entwicklung und Klima (Asia-Pacific Partnership on Clean Development and Climate). 2006 erhielt der ASEAN den Beobachterstatus bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN). Im November 2007 einigte man sich auf den Entwurf einer grundlegenden Charta, die die einzelnen Mitgliederstaaten zur Wahrung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten verpflichtet. Atomwaffen sind demnach im ASEAN-Gebiet verboten. Am Prinzip der Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Mitglieder wird festgehalten. Diese Neutralität wurde im Fall von blutig niedergeschlagenen Demonstrationen in Myanmar jedoch heftig kritisiert. Meldung im International Herald Tribune; 8. November 2007. Am 20. November 2007 wurde die Charta auf dem ASEAN-Gipfel in Singapur verabschiedet.Charta auf ASEAN-Gipfel verabschiedet. In: derstandard.at, 4. Dezember 2007, abgerufen am 26. Oktober 2020. 2012 verabschiedete der ASEAN auf dem Gipfeltreffen in Phnom Penh am 18. November eine umstrittene Menschenrechtserklärung. Sie sieht unter anderem vor, bei Gefährdung nationaler Sicherheit (vor allem in Myanmar, Kambodscha oder Vietnam) eingreifen zu können.Asean verabschiedet umstrittene Menschenrechtserklärung am 18. November 2012 Am 22. November 2015 beschlossen die Mitgliedsstaaten die Gründung der Wirtschaftsgemeinschaft Asean Economic Community (AEC). Diese Gründung wird voraussichtlich zunächst kaum konkrete Folgen nach sich ziehen; sie gilt als ein vorwiegend symbolischer Schritt auf dem Weg zu einem Binnenmarkt mit freiem Waren- und Kapitalverkehr und einer Arbeitnehmerfreizügigkeit. Dieser Binnenmarkt sollte bereits Ende 2015 erreicht werden.Südostasiatische Staaten gründen Wirtschaftsgemeinschaft. In: aargauerzeitung.ch, 22. November 2015, abgerufen am 17. November 2020 (Anmeldung erforderlich). Am 15. November 2020 Unterzeichnung des Freihandelsabkommens RCEP.

Kennzahlen und Fakten

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