Die Bahnstrecke Gera-Pforten–Wuitz-Mumsdorf, betrieben anfangs von der Gera-Meuselwitz-Wuitzer Eisenbahn-AG (GMWE), war eine meterspurige Schmalspurbahn in den heutigen Bundesländern Sachsen-Anhalt und Thüringen, die von 1901 bis 1969 betrieben wurde. Sie führte vom Bahnhof Gera-Pforten zur Station Wuitz-Mumsdorf an der Normalspurstrecke von Zeitz nach Altenburg. Die 31,2 km lange Strecke besaß in Gera-Pforten einen Gleisanschluss an die ebenfalls meterspurige Geraer Straßenbahn, über die Güterverkehr zum Staatsbahnhof Gera Süd lief.
Lage Die Strecke beginnt in Pforten, das später nach Gera eingemeindet wurde. Anschließend verläuft die Trasse durch das heutige Gebiet Thüringens. Danach folgt der Abschnitt über Kayna, heute Sachsen-Anhalt zugehörig. Der Meuselwitzer Ortsteil Zipsendorf befindet sich nun wieder im heutigen Thüringen. Gleiches gilt für Mumsdorf. Der heute nicht mehr existente Ort Wuitz liegt heute auf dem Gebiet der Gemeinde Elsteraue, das zu Sachsen-Anhalt gehört.
Bezeichnung Der Name der Aktiengesellschaft ist verwirrend, weil die Bahn letztendlich nicht nach der Stadt Meuselwitz führte. Dorthin bestand von der Station Spora eine normalspurige Güterstrecke der Staatsbahn, die 1880 bis 1902 ein Anschlussgleis der Zuckerfabrik Spora war und 1923 wieder zur Werksbahn wurde. Auch die Bezeichnung als Wuitz-Mumsdorfer Kleinbahn war unzutreffend; denn die Bahn führte sowohl über preußisches Staatsgebiet als auch über das von Sachsen-Altenburg und Reuß jüngerer Linie. Daher war die Bahn nicht als Kleinbahn nach preußischem Recht konzessioniert, sondern als private Eisenbahn.
Geschichte Vom Beginn bis zum Zweiten Weltkrieg In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde im Gebiet um Meuselwitz mit dem Abbau von Braunkohle begonnen. Vor allem Gera als aufstrebende Industriestadt sollte von dem Bahnbau profitieren. Schon 1878 gründeten sich Komitees in Meuselwitz und Gera, um über den Bau der damals so genannten „Secundärbahn Meuselwitz – Gera“ zu beraten. Weder die preußische noch die sächsische Staatseisenbahnen zeigten nennenswertes Interesse am Bau und Betrieb so einer Bahn. So zogen sich die Planungen erst einmal bis 1884 hin und wurden dann vorerst nicht weiterverfolgt. Im Jahre 1894 wurde das Projekt wieder aufgegriffen. Es sollte eine meterspurige Schmalspurbahn entstehen, um Umladekosten auf normalspurige Bahnen zu sparen, denn viele Briketts aus Meuselwitz wurden den Abnehmern über die 1892 eröffnete Geraer Straßenbahn zugestellt. Andererseits war das Umladen von der Schmalspurbahn für auf der Staatsbahn weitertransportierte Güter natürlich ebenfalls mit hohen Kosten verbunden.
Die Gesellschaft war unter wesentlicher Mitwirkung der Bahnbaufirma Vering & Waechter am 6. Juli 1900 gegründet worden, nachdem man mehrere Varianten der Streckenführung geprüft hatte. In Gera-Pforten verfügte die Bahngesellschaft über keinen Übergabebahnhof, sondern nur über einen Übergang zur ebenfalls meterspurigen Straßenbahn. Die Bauzeit für die Schmalspurbahn betrug ungefähr ein Jahr und am 12. November 1901 ging die meterspurige Strecke in Betrieb. Am 12. Dezember desselben Jahres nahm man ein Anschlussgleis in Betrieb, das vom Bahnhof Söllmnitz abzweigte. Es war 2,04 Kilometer lang und diente ausschließlich dem Güterverkehr zum Dachziegelwerk Reußengrube. Das Verkehrsaufkommen entwickelte sich in den Anfangsjahren der Strecke durchschnittlich. Die Anzahl der zum Einsatz gekommenen Fahrzeuge wuchs. Nach dem Ersten Weltkrieg waren die nächsten Jahre von Stagnation geprägt. Die GMWE stellte Ende der 1920er Jahre den Betrieb auf der Strecke ein.
Doch in Gera sah man weiterhin die Notwendigkeit dieser Bahnstrecke. Geraer Industrielle kauften die Aktien der Bahn. Sie schafften neue Betriebsmittel an und führten 1929 den Rollwagenbetrieb ein, der allerdings nur im südlichen Bereich der Strecke stattfand. Auch kam im gleichen Jahr ein neu erworbener Schienenbus für den Personenverkehr zum Einsatz. Im Jahr 1948 setzte die Reichsbahn den Triebwagen auf die Strecke der vormaligen Franzburger Kreisbahnen um.
In den 1930er Jahren fanden Streckenbegradigungen (u. a. im Schwaaraer Grund) und die Anschaffung neuer Selbstentladewagen statt. Die GMWE stellte während des Zweiten Weltkrieges den Kohletransport nach Gera sicher.
Von 1945 bis zur Stilllegung Aufgrund der regionalen Bedeutung erfolgte kein Abbau der Strecke zu Reparationszwecken an die Sowjetunion. 1946 wurden die Eigentümer der Bahn ohne Entschädigungen enteignet und die GMWE AG in Volkseigentum überführt. Danach war sie den Thüringer Landesbanken mit Sitz in Weimar unterstellt. Als ehemalige Privatbahn wurde sie im Jahre 1949 schließlich in die Deutsche Reichsbahn eingegliedert und wurde von der Reichsbahndirektion Erfurt betrieben.
Für den Personenverkehr in den Nachkriegsjahren reichten die Betriebsmittel nicht aus, so dass mehrere vierachsige Personenwagen von anderen thüringischen Strecken nach Gera kamen. Außerdem wurden Einheitspersonenwagen von sächsischen Schmalspurbahnen nach Gera umgesetzt, die von 750 auf 1000 Millimeter umgespurt worden waren. Zu den von der Reichsbahn nach Gera umgesetzten Dampfloks zählen 99 183, 99 191, 99 233, 99 234, 99 235 und 99 6011. Wenn überhaupt, dann absolvierten die drei aufgeführten LKM-Neubaulokomotiven der Baureihe 99.23-24 jedoch nur Probefahrten ab Gera-Pforten.
Durch die Verschiebung der Grenze zwischen den Reichsbahndirektionen Erfurt und Dresden lag die Schmalspurbahn ab dem 22. Mai 1955 fast vollständig in der Reichsbahndirektion Dresden, lediglich der Bereich um den Endbahnhof lag noch in der Reichsbahndirektion Erfurt.
Stilllegung und Abbau Durch die abnehmenden Vorräte im Meuselwitzer Kohlegebiet nahmen entsprechende Transportleistungen ab. Ebenso stellte der Kraftverkehr zunehmend eine starke Konkurrenz dar. Mitte der 1960er Jahre wurde mehrmals die Rentabilität der Strecke überprüft. Eine Stilllegung war für 1970 geplant. Es kam jedoch anders:
Am 3. Mai 1969 fuhr der Personenzug 1665 aus Söllmnitz pünktlich 14:21 Uhr in Gera-Pforten ein. Kurz darauf entwickelte sich ein starkes Unwetter, das vor allem zwischen Gera-Pforten und Gera-Leumnitz niederging. Es kam zu großen Überschwemmungen. Bahndämme waren unterspült und der Bahnhof Gera-Pforten stand zu großen Teilen unter Wasser. Viele Weichen und Gleise wurden durch Geröll beschädigt. Die im Freien stehenden Fahrzeuge standen bis zu den Achsen im Schlamm. Die Lokomotive 99 5911 konnten nicht mehr rechtzeitig in den Lokschuppen fahren. Der nächste Personenzug hätte 16:44 Uhr in Gera-Pforten einfahren sollen, musste aber in Gera-Leumnitz zurückgehalten werden. Dessen Zuglok fuhr nach dem Unwetter mit einem Personenwagen an der Spitze langsam bis zu den unterspülten Gleisen bei Gera-Pforten. Die Fahrgäste mussten den Rest der Strecke zu Fuß zurücklegen, was ebenfalls schwer war, da auch die Meuselwitzer Straße nahezu komplett mit Schlamm bedeckt war., S. 12.
Am folgenden Tag beschloss die Deutsche Reichsbahn die sofortige Einstellung des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke. Die Reichsbahndirektion Dresden gab damit den Personenverkehr auf ihrer letzten meterspurigen Schmalspurbahn auf. Noch am selben Tag richtete man Schienenersatzverkehr zwischen Gera und Wuitz-Mumsdorf ein. Ab dem 10. Mai war nun die Personenbeförderung mit Bussen endgültig sichergestellt. Kraftfahrbetriebe der Bezirke Gera, Leipzig und Halle beteiligten sich daran. Der bereits veröffentlichte Sommerfahrplan 1969 war damit gegenstandslos geworden. mini|Letzter veröffentlichter Fahrplan (1. Juni bis 27. September 1969)
Während die Deutsche Reichsbahn den Abschnitt Gera-Pforten – Wittgendorf (Kr Zeitz) per 6. Mai 1969 stilllegte, blieb der nördliche Teil der Schmalspurbahn für den Güterverkehr in Betrieb. Die Lokomotiven 99 183 und 99 191 befanden sich zum Zeitpunkt des Unwetters mit mehreren Güter- und Personenwagen im Bahnhof Gera-Pforten. Ihr Abtransport sollte über die Straße bis Gera-Leumnitz erfolgen. Die Fahrzeuge sollten dort wieder aufgegleist werden und nach Wuitz-Mumsdorf fahren. Zur Verladung wurde eine schiefe Ebene aus Schwellen errichtet. Doch beim Verladen stellte sich heraus, dass nicht genügend Platz zwischen einem Werkstattgebäude und einem Kulturraum war. Am 7. Mai genehmigte darum das Verkehrsministerium in Berlin, die Gleise vorübergehend für die Überführung der Fahrzeuge wiederherzurichten. Von den Kaynaer Quarzwerken schaffte man Sand mit Lkw heran. Nachdem verschiedene Arbeiten zum provisorischen Betrieb abgeschlossen worden waren, konnten sieben Personenwagen mit Lok 99 183 den Bahnhof verlassen. Die Fahrt dauerte bis in die Abendstunden, sodass die Fahrt an den Kaynaer Quarzwerken unterbrochen werden musste. Am nächsten Tag begann die Weiterfahrt nach Wuitz-Mumsdorf.
Auf Basis einer Sondergenehmigung verließ am 19. Mai 1969 um 15:00 Uhr zum letzten Mal ein Zug den Bahnhof Gera-Pforten. Dieser Räumzug bestand aus drei Lokomotiven und sechs Personenwagen. Eineinviertel Stunden später erreichte er Gera-Leumnitz. Fünf weitere Wagen kamen dort hinzu. Nachdem die Lokomotiven und Wagen in Richtung Wuitz-Mumsdorf abgestellt worden waren, wurden die provisorischen Herrichtungen an der Strecke wieder beseitigt. Ein weiteres starkes Unwetter in der letzten Maiwoche beschädigte die verbliebenen Anlagen nochmals stark. Mehrere Wagen verblieben in Pforten und wurden beim Abbau der Gleisanlagen entweder als Lagerschuppen verkauft, meist aber verschrottet. Gleiches geschah mit den in Gera-Leumnitz verbliebenen Wagen.
Den Güterverkehr behielt die Deutsche Reichsbahn zwischen dem Quarzwerk Kayna und Wuitz-Mumsdorf noch mehrere Monate aufrecht. Bis zum 28. Dezember 1969 verkehrte ein Zug werktags mit bis zu sechs Selbstentladewagen. Die Deutsche Reichsbahn war nämlich vertraglich an das Kieswerk gebunden und Mittel zum Transport des Sandes auf der Straße standen noch nicht ausreichend zur Verfügung. Den Inhalt der Schmalspurwagen entlud man auf der Schüttgutrampe in Wuitz-Mumsdorf in normalspurige Güterwagen. Die leeren Wagen brachte eine Schmalspurlok zum Anschluss der Quarzwerke zurück und blieben dort über Nacht stehen. Am 28. Dezember fanden noch drei Fahrten statt, um alle restlichen Güterwagen zum Bahnhof Wuitz-Mumsdorf zu holen. Die amtliche Stilllegung des Abschnittes Wittgendorf (Kr Zeitz) – Wuitz-Mumsdorf datiert auf den 1. Januar 1970. Im Frühling und Sommer 1970 fanden noch kleinere Rangierfahrten statt, um die Kästen von mehreren gedeckten Güterwagen und Personenwagen abtransportieren zu können. Sie fanden eine Nachnutzung als Lagerräume, die übrigen Fahrzeuge wurden bis ins Jahr 1971 im Bahnhof Wuitz-Mumsdorf verschrottet.
Der Abbau der Gleisanlagen zog sich lange hin. Die Arbeiten begannen in Gera-Pforten. Dort entstand auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände ein Omnibusdepot. In Brahmenau und Söllmnitz bauten die Mitarbeiter der örtlichen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) die Gleise ab. Arbeiter des Dachziegelwerkes Cretzschwitz demontierten das zuletzt als Anschlussgleis fungierende Gleis von Söllmnitz. Im Sommer 1970 waren die Abbauarbeiten bis Spora fortgeschritten. Den letzten Abschnitt bis Wuitz-Mumsdorf entfernten Studentenbrigaden bis zum Jahre 1975. Einige der abgebauten Weichen aus Wuitz-Mumsdorf kamen später bei Umbauarbeiten vom Bahnhof Wernigerode Westerntor zum Umladehof zum Einsatz., S. 13f.
Streckenbeschreibung mini|Pölzig, ehemaliger Bahndamm Richtung Gera-Pforten Streckenverlauf