Heilig Kreuz (Unseres Herrn Ruh) ist eine römisch-katholische Wallfahrts- und Friedhofskirche in Mindelaltheim, im bayerisch-schwäbischen Landkreis Günzburg. Die Geschichte des Sakralbaus geht zurück auf die Aufstellung eines Kruzifixes im Jahr 1604, welche die Entstehung eines Pilgerortes und die damit verbundene Errichtung eines Kirchengebäudes 1698 zur Folge hatte. Die heutige Gestalt des kreuzförmigen Gotteshauses ist Ergebnis einer Umgestaltung bzw. Erweiterung durch den Rokoko-Baumeister Joseph Dossenberger d. J. 1753–54. Das zu dieser Zeit gefertigte, 29-teilige Freskenprogramm stammt vom Günzburger Maler Anton Enderle. Die Geschichte der Kirche während der letzten zwei Jahrhunderte war geprägt von Perioden der Baufälligkeit und Schließung, wie auch von einer grundlegenden Renovierung in den Jahren 1986–1990. Das Denkmal ist eines von 28 durch die Haager Konvention geschützten Kulturgütern des Landkreises.

Im Chor befindet sich eine achtteilige Kreuzigungsgruppe, deren älteste Figuren in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts datiert werden. Kunsthistorisch beachtenswert ist außerdem eine spätgotische Sitzmadonna mit Jesuskind.

Bezeichnung mini|Kartenausschnitt, der die geographische Lage der Heilig-Kreuz-Kirche veranschaulicht. Die roten Felder symbolisieren bebaute Flächen des Ortes Mindelaltheim.Der Kirchenname „zum heil[igen] Kreuz“ oder „Heilig Kreuz“ lässt sich in Schriftstücken seit dem 19. Jahrhundert finden. Vereinzelt, nämlich für das Jahr 1785, ist jedoch auch der Titel „beim heiligen Kreuz auf unsers Herrn Wiesen“, dokumentiert. Laut einem Sterbebuch von 1710 wurde der Wallfahrtsort zu dieser Zeit offenbar als „Kirche zu Herrgott Ruhe [sic]“ bezeichnet. Diese Widmung erscheint als Beinamen „Unseres Herrn Ruh“ beziehungsweise „Ruhe“ auch in einigen neueren Publikationen. Das Gotteshaus wird im Volksmund mittels des schwäbischen Diminutivs Kirchle genannt. Hiervon leitet sich auch der Name des Kirchlesweges ab, der südlich des Sakralbaus verläuft. Obwohl es sich bei diesem um eine Kirche im Sinne des kanonischen Rechts handelt, wird er bisweilen als Kapelle aufgeführt.

Lage Die ungefähr nach Nordosten ausgerichtete Kirche befindet sich am südlichen Ortsrand des Dorfes Mindelaltheim am Fuße eines Hügels, der sich an ein bewaldetes Tal, die Schelmengrube, anschmiegt. „Früher“ stand Heilig Kreuz völlig alleine. Das Gotteshaus lag an der Kreuzung des so genannten Mühlweges, der sich von Dürrlauingen zur Riedmühle erstreckte, sowie der Straße nach Mehrenstetten bzw. Konzenberg. Diese besteht noch immer, allerdings mit geänderter Streckenführung. Heute vereinigt sie sich südwestlich des Rokokobaus als Staatsstraße 2025 mit der auf Dossenbergerstraße getauften Kreisstraße GZ 11. Darüber hinaus grenzt im Nordosten der 1966 angelegte Friedhof des Ortes an die Kirche.

Geschichte

Anfänge seit dem 16. bzw. 17. Jahrhundert Laut einer Abhandlung aus dem Jahr 1910 des damaligen Mindelaltheimer Pfarrers ließ Anton Christoph von Rehlingen, Pfleger des Dominikanerinnenklosters St. Katharina in Augsburg, unter dessen Herrschaft Mindelaltheim damals stand, am 20. Mai 1604 „ein Andächtiges Kruzifix-Bild nebst Maria, Johannes und dem heiligen Dismas unter freiem Himmel“ am Rand der Schelmengrube aufstellen. Grund hierfür war die Sicherheit der Reisenden. Anton von Steichele spricht jedoch von „Bildern des gekreuzigten Heilandes und der beiden Schächer“. Dieser ersten Kreuzigungsgruppe wurden bald „wundertätige Eigenschaften“ zugeschrieben und wurde deshalb Ziel von Wallfahrern.

Es existiert jedoch eine Urkunde aus dem Jahr 1558, in welcher von Streitigkeiten der Gemeinden Mindelaltheim und Dürrlauingen berichtet wird, die eine Bildsäule am Mühlweg zum Gegenstand haben. Dies entspricht dem ungefähren Ort der von Anton von Rehlingen gestifteten Bildnisse, auch wenn die genaue Beziehung der zwei Überlieferungen im Unklaren verbleibt. Obgleich dieser Einordnungsproblematik fragt Bent Jörgensen nach dem Zusammenhang zwischen der Errichtung der Bildnisse mitsamt der entstehenden Wallfahrt, sowie den gescheiterten Versuchen 1544 und 1546 einen evangelischen Prediger in Mindelaltheim zu installieren. Die reformierte Reichsstadt Augsburg geriet hierbei in Konflikt mit dem Augsburger Bischof und dem römisch-deutschen König, dem die Markgrafschaft Burgau unterstand.

Erweiterungen bis 1754 Spätestens 1614 wurde eine Überdachung, laut Steichele eine kleine Kapelle, durch Anna Ziegler, damals Priorin des Klosters, über die genannten Bildnisse gebaut. Ziegler stattete das neue Gebäude außerdem durch weitere Bilder aus. Im Auftrag des damaligen Mindelaltheimer Pfarrers Georg Bachmann erfolgte dann, vom 23. Januar bis 23. August 1698, eine Erweiterung desselben zu einer Kirche mit Langhaus und Chor, damit dort Messen gelesen werden konnten. Die Arbeiten erfolgten unter dem Vorarlberger Baumeister Jakob Albrecht (* 1670) aus Au, der unter anderem die Stiftskirche Obermedlingen miterbaute, und betrugen 280 Gulden und 28 Kreuzer. Bereits zu dieser Zeit existierte eine Bruderschaft in Zusammenhang mit Heilig Kreuz.

Bereits ein halbes Jahrhundert später musste die Kirche jedoch noch einmal vergrößert werden. Grund war unter anderem die große Zahl der Bruderschaftsmitglieder. Der Mindelaltheimer Pfarrer Franz Xaver Denkh betraute für 100 Gulden den damals 32-jährigen Wettenhausener Stiftsbaumeister Joseph Dossenberger, der den Schwäbischen Barockwinkel durch seine Tätigkeit maßgeblich prägen sollte. Die Arbeiten begannen am 16. Juni 1753 und endeten am 14. September des darauf folgenden Jahres, wobei sich die Kosten dieses Mal auf 1559 Gulden und 46 Kreuzer beliefen. Die Freskierung übernahm der Günzburger Maler Anton Enderle für 172 Gulden. Der Urheber der Stuckatur ist unbekannt, Dossenberger selbst könnte sie aber gestaltet haben. Obwohl die Baumaßnahmen bereits 1754 abgeschlossen werden konnten, erfolgte die Weihe erst am 17. September 1782 durch einen Augsburger Weihbischof.

Erhaltungen und Renovierungen Vom Ende des Alten Reichs bis zum Jahr 1986 Auswahl an Reparaturen und Erneuerungen 1701–19071701Beschädigung der Fenster durch ein GewitterZweite Hälfte des 18. Jh.Installation eines neuen Tabernakel, neuer Glocken und einer neuen OrgelMai 1819Neueindeckung des Kirchturms18681883Reparatur der Orgel1885Neueindeckung des Kirchturms1895–96Ausbesserung an Mauerwerk, Dach und Turm1904Restauration von Malereien und Stuckwerk durch den Augsburger Maler Eugen Bartl1907Erneuerung des Hochaltars durch Alois Haugg von Ottobeuren und Simon Hörmann von Babenhausen

mini|300x300px|Lage der Kirche im Jahr 1915, wie ein Votivbild sie darlegt (siehe auch den Abschnitt zur Wallfahrt).

Während der Koalitionskriege brachen umherziehende, französische Soldaten mehrmals in die Heilig-Kreuz-Kirche ein. Den Aufzeichnungen des damaligen Mindelaltheimer Pfarrers Ignaz Steichele zufolge, wurde hierbei der leere Tabernakel mit Gewalt geöffnet, aber keine nennenswerten Diebstähle vorgenommen. Im Jahr 1780 wurden Bittprozessionen in der Diözese Augsburg verboten, trotzdem „blühten noch Wallfahrt und Bruderschaft“ Ende des 18. Jahrhunderts, so berichtet zumindest eine Kirchenchronik. Bereits 1806 sollte jedoch im Zuge der Säkularisation die Heilig-Kreuz-Kirche „als entbehrlich zum Vorteile der Pfarrkirchenstiftung“ abgerissen werden. Den Mindelaltheimern ist es zu verdanken, dass durch Aufbringen von 350 Gulden Schätzwert der Sakralbau zur Privatandacht an Sonn- und Feiertagen erhalten bleiben konnte. 1889 wurde das Gotteshaus – angeblich unrichtigerweise – wegen Baufälligkeit gesperrt. 1907 wollte der damalige Pfarrer die Wallfahrt durch Bau einer Lourdesgrotte wiederbeleben, er starb aber ehe er sein Vorhaben realisierte. Drei Jahre später beklagte sein Nachfolger, dass viele Ausstattungsgegenstände, welche in einem Inventar aus dem Jahr 1806 aufgelistet seien, verschwunden sind.mini|300x300px|Die Heilig-Kreuz-Kirche wohl in den 1950er Jahren Wegen Einsturzgefahr wurde die Kirche 1950 ein zweites Mal geschlossen. Bereits einige Monate zuvor schreibt der damalige Mindelaltheimer Pfarrer Max Rimmele in sein Tagebuch: „Sammlung für Kreuzkapelle […] Die Kapelle ist am Zerfallen: Dach kaputt, die Fensterscheiben völlig kaputt.“ Trotz Überlegungen die Kirche abzureißen oder als Leichenhalle umzufunktionieren, erfolgte 1953–54 eine einjährige Außenrenovierung und 1968 schließlich die Erneuerung des Innenraums.

Zwischen dem 17. Dezember 1979 und 9. Januar 1980 fanden in die Heilig-Kreuz-Kirche insgesamt drei Einbrüche statt, bei welchen ein Messkelch, ein Retabelgemälde, sowie vier Figuren entwendet wurden.

Seit der Renovierung von 1986 Bis zum Beginn der „sehr streng historische[n] Renovierung“ am 24. April 1986 diente die Kirche fast nur noch für Beerdigungsgottesdienste, der neue Friedhof von Mindelaltheim war 1966 nordwestlich des Sakralbaus angelegt worden. Zu dieser Zeit herrschte aber Feuchtigkeit im Mauerwerk, da eine Trockenlegung des Gemäuers fehlgeschlagen war. In der Sakristei wurde Schimmel entdeckt, die Fresken fielen teilweise von der Decke und das Dachgebälk drohte einzustürzen.

Die Arbeiten wurden durch eine zweimonatige Gebäudetrockenlegung mit partiellem Austausch des Fundamentes eingeleitet. Danach erfolgte beispielsweise die Verlegung eines Ziegelbodens, wie auch eine farbliche Umgestaltung der Innen- und Außenfassade. Unter der neuinstallierten Empore trennt ein Eisengitter den Westen des Langhauses vom Rest der Kirche ab. Außerdem wurde ein Teil der Ausstattungsgegenstände restauriert, sowie der moderne Tabernakel und Volksaltar im Chor platziert. Die Wiedereröffnung der Kirche erfolgte am 15. und 16. September 1990, zu welcher der Bischof von Augsburg Josef Stimpfle die Altarweihe vollzog. Die Koordinierung der Kirchenerneuerung, samt Öffentlichkeitsarbeit, übernahm ein Förderkreis. Für Renovierungen wurden von 1986 bis 2004 insgesamt 600.000 Euro investiert, davon fast ein Drittel aus Spenden.

Heute wird der Rokokobau in den Sommermonaten statt der Mindelaltheimer Pfarrkirche für Gottesdienste genutzt, da der fehlenden Heizung zu dieser Zeit keine Bedeutung zukommt. Eine Ausnahme bilden lediglich Beisetzungen, das Fest Allerheiligen und – aufgrund der thematischen Ausrichtung der Kirche – die Liturgie des Karfreitages.

Architektur mini|300x300px|Die Heilig-Kreuz-Kirche mit Angaben zur Breite und Länge der Kirche in Zentimeter (Skizze nicht maßstabsgetreu)

Baugeschichte und Gebäudeteile mini|180x180px|Bauchronologie von 1698 bis 1754 nach Karl Bader

Das heutige Langhaus und der Giebelreiter im Westen entsprechen wahrscheinlich dem Kirchenbau von 1698. Der auf einem geschwungenen Giebel sitzende Turm besteht aus einem vier- und einem achteckigen Abschnitt – Letzterer mit Pilaster – sowie einer Zwiebelhaube, welche durch ein Doppelkreuz abgeschlossen wird.

Ein Vorzeichen im Westen überdeckt den Eingang zum Langhaus, der möglicherweise erst 1754 geschaffen wurde. Als einstufige Erhöhung bilden Ziegel die Unterlage des quadratischen Baus, der nach allen vier Seiten von Korbbögen geöffnet wird, so dass sich im Westen die hölzerne, zweiflügelige Kirchentüre einpasst. Aus der Fassade ragen Giebel- und Giebelfußgesimse hervor. Letztere befinden sich auf Höhe der Dachtraufe und sind im Osten ebenfalls durch Ziegel gedeckt, wo sie auch zwei Eckpilaster mit Sockel abschließen. 1953 oder 1954 wurden das Vorzeichen abgerissen und neu erbaut.