mini|hochkant|Wappen derer von Quernheim im Wappenbuch des Westfälischen Adels Quernheim (auch Quernheimb, Querheim, Querne, Kwerne o. ä.) ist der Name eines erloschenen westfälisch-preußisches Adelsgeschlechts.

Geschichte Das Geschlecht hatte sein Stammsitz Quernheim bei Herford. Wahrscheinlich waren es die Herren von Quernheim, damals Ministerialen der Reichsabtei Herford, die das Kloster Quernheim, ein Augustinerinnenkloster in Quernheim, um 1147 auf Eigenbesitz gründeten. Urkundlich erscheint die Familie erstmals 1217 mit Florens von Quernheim.Westfälisches Urkundenbuch 4, Nr. 73. Die fortlaufende Stammreihe beginnt mit Adrian Quernheimb, der in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts lebte. Der Stammsitz kam später an die Herzöge von Holstein.

Die Familie zählte im Königreich Hannover durch den Besitz der Güter Harenberg im Osnabrückschen und Geversdorf im Bremischen zum ritterschaftlichen Adel. Auch war sie in Westfalen und später in Schlesien ansässig (siehe unten). Im 16. Jahrhundert war die Familie auch im Baltikum vertreten. Ritter Helmold von Quernheim wurde vom Ordensmeister Johann Freitag von Loringhoven (1483–1494) mit dem Hof und den Gütern zu Korküll in Livland belehnt. Helmolds Sohn verkaufte die Güter um 1543 wieder. Johann von Quernheim, der bereits 1514 urkundlich vorkommt und mit Elisabeth von Münchhausen verheiratet war, besaß 1530 Paddagas.Maximilian Gritzner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 11. Abt., T. 2: Der Adel der russischen Ostseeprovinzen, Teil 2: Der Nichtimmatrikulierte Adel, Nürnberg 1901, S. 157 (uni-goettingen.de) und Tfl. 102 (uni-goettingen.de).

Hilmar von Quernheim erhielt 1579 den Böhmischen Adelsstand verliehen.Rudolf Johann von Meraviglia-Crivelli: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 4 (Habsburgermonarchie), 9. Abt.: Der Böhmische Adel, Nürnberg 1886, S. 250 f. (uni-goettingen.de) und Tfl. 114 (uni-goettingen.de).

Die letzte, den Freiherrentitel führende Linie der Familie in Niederschlesien starb 1856 mit dem Tod des unvermählten Georg Ludwig von Quernheim (* 10. August 1786; † 19. August 1856 in Breslau), Sohn des Friedrich Wilhelm von Quernheim, Herr auf Ober-Behme in der Grafschaft Ravensberg, aus dessen Ehe mit Luise von dem Bussche-Ippenburg und Enkel des mit Charlotte von Ripperda aus dem Hause Ellerburg verheirateten Hilmar Erich von Quernheim, im Mannesstamm in Schlesien aus. Georg von Quernheim war Besitzer des Ritterguts Ober-Wiesenthal, Kreis Löwenberg, und lebte als königlich-preußischer Hauptmann a. D. in Berlin. Eine jüngere Schwester, Charlotte von Quernheim (* 11. Juni 1788 auf Gut Ober-Behme; † 5. August 1878 in Oels, Niederschlesien), war ab 1812 mit dem königlich-preußischen Generalmajor a. D. Carl von Carnap (1790–1869) verheiratet.Kneschke (1867), S. 300. Ihrem Sohn, dem königlich-preußischen Generalleutnant z. D. Georg von Carnap-Quernheimb (1826–1910), wurde am 10. April 1865 in Berlin als damaliger Hauptmann die preußische Namen- und Wappenvereinigung mit denen der von Quernheimb gestattet.Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band II, Band 58 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1974, S. 246.

Die Niedersächsische Linie im Osnabrückschen existierte nur wenig länger. Die Linie zu Harenberg (früher Horneburg) im Amt Vörden verarmte zusehends, so dass das Gut Harenburg 1860 in Konkurs ging. Der Letzte der Linie, Friedrich von Quernheim, lebte daraufhin noch eine Zeit lang bei dem damaligen Pastor in Vörden, einem früheren Mitschüler, in dürftigsten Verhältnissen. Seine einzige Tochter Mathilde von Quernheim heiratete den Zimmermann J. G. Wobke zu Klein-Bersen im Hümmling. Friedrich starb am 13. Dezember 1873, seine Witwe Josephine von Ascheberg am 16. Oktober 1883.Bruch (1982), S. 278.

Neben Quernheim (urkundlich 1226), Harenburg (1556–1860), Geverstorf (1777–1791) sowie Ober- und Nieder-Behme (1700–1810) hatte die Familie weiteren Besitz in Westfalen (Haus Beck (1490–1605), Bordewisch (1770–1794), Enger (1710), Lübbere bei Herford, Mennighüffen (1550), Nienburg (1700), Oldinghausen (1770), Ottenhausen (1665–1678), Reineberg (1557–1572), Schierholz (1694) und Wasserschloss Ulenburg (1540–1559)) sowie in Bodenheim bei Mainz (1694), Langendernbach (Hofhaus), Werle (1655–1717) und in Schlesien (Esdorf (1841), Groß- und Klein-Breesen im Kreis Trebnitz, Ober-Wiesenthal im Landkreis Löwenberg).Ledebur (1856), S. 242 f.

Stammfolge Die Stammfolge in Schlesien stellt sich wie folgt dar:Blažek (1890), S. 98.

Die Stammfolge zu Harenburg im Osnabrückschen lautet:

Persönlichkeiten Anna von Quernheim (* vor 1520, † 1590), Liederdichterin Hilmar von Quernheim (* ~1508, † 1581), Errichter des Wasserschlosses Ulenburg, Bruder der Anna von Quernheim Friedrich Ferdinand von Quernheim (* 6. Oktober 1729, † 3. September 1800), kurhannoverscher Generalleutnant, zuletzt Hamburg Friedrich Ernst George von Quernheimb (1749–1816), preußischer Landrat in der Grafschaft Ravensberg

Wappen Das Wappen zeigt in Silber einen roten Balken. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein offener, wie der Schild belegter Flug.Otto Gruber: Die Wappen des südoldenburgischen Adels. In: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1971. Vechta 1970, S. 26 (lb-oldenburg.de).

Das Wappen stimmt mit dem des Stifts Herford überein. Auch findet es sich in dem Wappen von Kirchlengern wieder. Die Familie ist wappen- und wahrscheinlich auch stammesverwandt mit den Gogreve und den von Manteuffel, die sich in älterer Zeit auch Manteuffel genannt Querne nannten.Ledebur (1856), S. 242.

Die Herren von Carnap-Quernheimb führten das Quernheimsche Wappen als Herzschild des vereinigten Wappens.

Literatur Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XI, Band 122 der Gesamtreihe, S. 108–109, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2000, . Konrad Blažek: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 6 (Abgestorbene, erloschene Geschlechter), 8. Abt., T. 2: Der abgestorbene Adel der Preußischen Provinz Schlesien, 2. Teil, Nürnberg 1890, S. 97 f. (uni-goettingen.de) und Tfl. 61 (uni-goettingen.de). Rudolf vom Bruch: Die Rittersitze des Fürstentums Osnabrück. F. Schöningh, Osnabrück 1930 (Nachdrucke bei Th. Wenner, Osnabrück: 1965, 1982, 2004), S. 278 (uni-bielefeld.de). Adolf Matthias Hildebrandt (Bearb.): J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 2 (Blühender Adel deutscher Landschaften), 9. Abt.: Der Hannöverische Adel, Nürnberg 1870, S. 14 (uni-heidelberg.de) und Tfl. 15 (uni-heidelberg.de). Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 7: Ossa–Ryssel, Leipzig 1867, S. 300 (Google Bücher). Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 2: L–S, Berlin 1856, S. 242 f. (digitale-sammlungen.de). Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 102 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 251 (hhu.de). Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, 1856, S. 516ff

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Einzelnachweise

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