Der BIZ-Turm, seltener BIZ-Hochhaus, ist ein 69,5 Meter hohes Verwaltungshochhaus und Hauptsitz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Das vom Architekten Martin Burckhardt entworfene und von 1972 bis 1977 erbaute Hochhaus ist eine Landmarke des Centralbahnplatzes und der Stadt Basel. Es war vom Errichtungsjahr bis 2003 das dritthöchste Haus der Stadt. Der BIZ-Turm prägt durch seine markante Silhouette die Skyline Basels und war in der Farbgebung und Ästhetik für einige Geschäfts- und Verwaltungsbauten in den 1970er Jahren stilgebend.

Aufgrund eines Sonderabkommens und internationaler Vereinbarungen hat das Gebäude einen rechtlichen Sonderstatus ( Abkommen vom 10. Februar 1987).Der exklusivste Club der Welt und seine dunkle Vergangenheit. In: Basler Zeitung. 5. August 2013, abgerufen am 22. September 2014. Neben der Funktion als Verwaltungssitz dient das Bauwerk der BIZ regelmässig für internationale Tagungen und Konferenzen.

Funktion und Sonderstatus Der BIZ-Turm dient in erster Linie der BIZ als Verwaltungs- und Hauptsitz. Zusammen mit dem Botta-Gebäude am Aeschenplatz beherbergt die Bank rund 600 Arbeitsplätze. Das im Untergeschoss befindliche Archiv der BIZ gehört zur Liste der Kulturgüter von nationaler Bedeutung im Kanton Basel-Stadt.

Darüber hinaus ist der BIZ-Turm im zweimonatlichen Turnus regelmässiger Tagungsort von Entscheidungsträgern des IWF und nationaler Zentralbanken. Der informelle Austausch – der sogenannte Basler Prozess – dient der Kooperation zwischen den Zentralbanken und weiteren Gremien und gilt als wesentlicher Pfeiler der internationalen Finanzstabilitätsdiskussion.. Deutsche Bundesbank, abgerufen am 22. September 2014. In diesem Rahmen treffen sich jährlich über 5000 Teilnehmende an den von der BIZ organisierten Veranstaltungen. Dazu gehören internationale Ausschüsse und normsetzende Instanzen, wie beispielsweise der für das Regelwerk Basel III bekannte Basler Ausschuss für Bankenaufsicht.. Kanton Basel-Stadt, S. 3 (PDF; 1,2 MB).

Für die BIZ gilt, ähnlich wie für die Vereinten Nationen, das IKRK oder den IWF, ein Sonderstatus. Mitarbeiter im Finanzbereich erhalten Immunität und dürfen nicht durchsucht werden. Auch dem Gebäude mit all seinen Teilen kommt eine Sonderrolle zu. Das Gebäude und das Gelände werden ähnlich wie eine Botschaft behandelt und sind unverletzbar (Schweizer Sprachgebrauch) bzw. unverletzlich (deutscher Sprachgebrauch). Es ist Teil des Schweizer Staatsgebiets, auf dem die nationale Hoheitsgewalt jedoch nur eingeschränkt durchsetzbar ist.

Schweizer Behörden erhalten nur dann Zutritt, wenn der Präsident oder der Generaldirektor der BIZ die Erlaubnis erteilt und auf die grundsätzliche Unverletzlichkeit des Territoriums verzichtet. Dieser Umstand wird von der Presse umgangssprachlich, etwas vereinfacht, aber rechtlich nicht ganz zutreffend, häufig als exterritorialer Status bezeichnet. Dieser Sonderstatus wird von einem ab dem 1. Januar 1987 in Kraft getretenen Abkommen geregelt, welches die BIZ mit dem Schweizer Bundesrat geschlossen hat.Abkommen zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zur Regelung der rechtlichen Stellung der Bank in der Schweiz. In: admin.ch. Abgerufen am 23. September 2014. Das Abkommen hat seinen Ursprung in einem Abkommen vom 20. Januar 1930, das auf der Haager Konferenz zustande kam.Abkommen über die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Abgeschlossen am 20. Januar 1930, Inkrafttretung am 26. Februar 1930. In: admin.ch. Abgerufen am 4. November 2015. Für den Zutritt von Schweizer Behörden, einschliesslich der Polizei, braucht es die Genehmigung durch den BIZ-Präsidenten oder Generaldirektor.

Geschichte Vorgeschichte Mit der Gründung der BIZ wurde im Januar 1930 Basel als Sitz der Gesellschaft bestimmt. Aus diesem Grund mietete die Organisation für ihre Veranstaltungen und Treffen zunächst für zwei Jahre das Grand Hôtel et Savoy Hôtel Univers am Basler Centralbahnplatz an. Dieses Provisorium wurde zunächst angemietet und ab 1949 käuflich erworbenAndreoli: Das Verwaltungsgebäude der BIZ. S. 1. und blieb effektiv bis in die 1970er Jahre bestehen.

Der zunehmende Platzbedarf führte in den Jahren 1954 bis 1966 zu einer Beauftragung des Architekten Martin Burckhardt, eine Reihe von Bauprojekten auszuarbeiten, welche auf der in Bankbesitz befindlichen Parzelle von rund 3300 Quadratmetern realisierbar wären. Es zeigte sich, dass das Vorhaben auf dieser Basis den Anforderungen nicht gerecht werden konnte. Aus diesem Grund wurde in den Jahren 1966 bis 1972 nach und nach von der BIZ das rund 7500 Quadratmeter grosse Areal in Bahnhofsnähe erworben, auf dem ihr aktueller Hauptsitz steht. Martin Burckhardt reichte 1969 drei Entwürfe für dieses neue Landstück ein. Der Verwaltungsrat der BIZ entschied sich zunächst für die Variante, in der ein 82 Meter hoher zylindrischer Turm mit 24 Stockwerken vorgesehen war. Aufgrund des Einspruchs des Basler Heimatschutzes, die Bauwerkshöhe würde die historische Silhouette der Stadt beeinträchtigen, wurde der ursprüngliche Entwurf – vegetative Gestaltung genannt – auf 69,5 Meter und 20 Stockwerke reduziert. Im Gegensatz zum ursprünglichen Vorschlag sah das Modell einen «taillierten» Zylinder mit Kapazität für 300 Angestellte vor.

Bau

Ein Referendum der Stadtbevölkerung nahm mit einer Zustimmung von 69 % diesen Entwurf an, so dass 1972 mit den Bauarbeiten begonnen werden konnte.The BIS’s Basel buildings. In: bis.org. Abgerufen am 22. September 2014. Für die Gründung des Hochhauses wurde eine Baugrube bis 15 Meter Tiefe erstellt. Die Grundsteinlegung erfolgte am 14. Mai 1973.Online-Archivkatalog des Staatsarchivs Basel-Stadt: BSL 1013 1-5931 1 BIZ Grundsteinlegung, 1973.5.14 (Dokument). Abgerufen am 9. Dezember 2021.

Der Baugrund im Rheinschotter bestand aus Kiessandmaterial. Die Baugrube wurde vertikal durch Unterfangungselemente abgeschlossen und mit Hilfe von Alluvialankern verstärkt. Der Grundwasserspiegel befand sich 2 bis 3 Meter unterhalb der Baugrubensohle; 4 bis 9 Meter unter dieser lag die Oberfläche des Cyrennenmergels.Max Hoch, Max Egloff: Absteckung des Gebäudes für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. In: Schweizerische Bauzeitung. September 1977, S. 606. Die in vier Arbeitsphasen unterteilten Vermessungsarbeiten dienten den Absteckungen auf Erdgeschosshöhe, dem Hochbau und den Arbeiten im Bauwerksinneren. Die Messungen wurden mithilfe von Präzisionstheodoliten und der Vorwärtsschnitt-Methode durchgeführt. Bis zum vierten Obergeschoss konnten Hochziele an den Dachbrüstungen der umgebenden Bauwerke angebracht werden, ab dem fünften Obergeschoss wurden Fixpunkte im Inneren des Rundbaus verlegt. Bei Fertigstellung des Kerns auf einer Höhe von 69 Metern im Dachgeschoss ergab die Kontrollmessung eine Abweichung innerhalb der Toleranzgrenze von ± 2 Millimetern.Max Hoch, Max Egloff: Absteckung des Gebäudes für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. In: Schweizerische Bauzeitung. September 1977, S. 608. Das Richtfest des BIZ-Turms wurde am 25. April 1975 begangen.Online-Archivkatalog des Staatsarchivs Basel-Stadt: BSL 1013 1-6754 1 BIZ Aufrichte, 1975.4.25 (Dokument). Abgerufen am 9. Dezember 2021.

Nach dem Innenausbau konnte am 21. März 1977 der Geschäftsbetrieb aufgenommen und am 19. April die erste Sitzung des Verwaltungsrates abgehalten werden.Andreoli: Das Verwaltungsgebäude der BIZ. S. 2. Am 9. Mai desselben Jahres erfolgte die offizielle Einweihung. Der BIZ-Turm war zum Errichtungszeitpunkt das dritthöchste Hochhaus der Stadt und das höchste im Stadtzentrum.

Seit Erbauung Mit der Ausweitung des Tätigkeitsbereiches und des damit einhergehenden gestiegenen Personalbedarfs rief die BIZ 1997 einen internationalen Architekturwettbewerb zur Umgestaltung des Verwaltungshochhauses aus. Diesen gewann der japanische Architekt Toyo Ito mit seinem Büro, dessen Entwurf zwei Türme vorsah. Die Umgestaltung wurde jedoch nie verwirklicht. Stattdessen erwarb die BIZ im Mai 1998 ein von Mario Botta am Basler Aeschenplatz gestaltetes Gebäude, in welchem ursprünglich die UBS beheimatet war. Dieses moderne Gebäude mit sechs Ober- und sechs Untergeschossen sowie die angrenzende neobarocke Villa wurden von der BIZ nach dem Kauf umfassend für ihre Zwecke umgebaut. Seit 1999 nutzt sie es als Zweitgebäude, in welchem die Bankabteilung, das Risikocontrolling und die IT-Abteilung beherbergt sind.

Seit Eröffnung des BIZ-Turms hat sich die Zahl der Sitzungen auf 300 und die ihrer Teilnehmer auf 9'000 jährlich erhöht; Gleiches gilt für den Personalbedarf, so dass die BIZ seit 2014 zusätzliche Erweiterungsmöglichkeiten evaluiert. Dazu hat die BIZ zum weiteren Ausbau eine Zonenänderung für das Areal unmittelbar südlich des heutigen Turms beim Kanton beantragt.Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt: Ratschlag «Areal Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ)» (PDF; 1,9 MB). Geplant ist ein mehrgeschossiger Bau, der sich dem Sockelbau des BIZ-Turms anfügen soll.Die BIZ wächst – und braucht darum mehr Platz. In: Basellandschaftliche Zeitung. 20. August 2014, abgerufen am 23. Dezember 2021. Im Jahr 2014 begleitete das Büro Herzog & de Meuron die Baupläne. Der Baustart sollte allerdings nicht vor 2020 erfolgen, und die konkrete Bauausführung sollte über einen Architekturwettbewerb entschieden werden. Die bisherige Bruttogeschossfläche von 30'000 Quadratmetern sollte dann auf 68'000 Quadratmeter anwachsen.BIZ will am Basler Bahnhof wachsen. In: SRF News. 19. August 2014, abgerufen am 24. September 2014.

Mitte Dezember 2022 wurde bekanntgegeben, dass die BIZ aus Platzgründen einen zum BIZ-Turm benachbarten, 107 Meter hohen Neubau plant, der den bestehenden BIZ-Turm ergänzen soll. Die Entwürfe zu diesem Hochhaus stammen von den Architektenbüros Elemental aus Santiago de Chile in Zusammenarbeit mit Nissen Wentzlaff aus Basel. Ihre Baupläne gingen einstimmig als Projektgewinner beim im Juni 2021 ausgelobten Architektenwettbewerb hervor,BIZ lädt interessierte Architektinnen und Architekten ein, an der Umgestaltung ihres Basler Hauptsitzes mitzuwirken. In: bis.org. 21. Juni 2021, abgerufen am 23. Dezember 2022 (Pressemitteilung). an dem sich elf Unternehmen beteiligt hatten.Dieser neue Turm in Basel wird 107 Meter hoch. In: Handelszeitung. 14. Dezember 2022, abgerufen am 23. Dezember 2022.BIZ will Hauptsitz in Basel mit 107 Meter hohem Turm ergänzen. In: Baublatt. 15. Dezember 2022, abgerufen am 23. Dezember 2022.

Beschreibung Lage und Umgebung mini|Luftbild von Nord-Westen (1978) mit BIZ-Turm, der Nauenstrasse, im Hintergrund links das Lonza-Hochhaus Der BIZ-Turm befindet sich am nordöstlichen Rand des Centralbahnplatzes, eines zentralen Verkehrsknotenpunktes in Basel; an seiner Südseite befindet sich der Bahnhof Basel SBB. Das Gebäude steht auf einem viereckigen Grundstück, welches von der Heumattenstrasse im Westen, der Centralbahnstrasse im Süden und der Gartenstrasse im Osten begrenzt wird. Die gesamte Grundstücksfläche ist im Besitz der BIZ.Grosser Rat des Kantons Basel-Stadt: Ratschlag Areal Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Zonenänderung, Bebauungsplan. S. 117 (PDF; 1,2 MB). Die nördlich verlaufende mehrspurige Nauenstrasse ist eine innerstädtisch stark befahrene West-Ost-Achse. Auf Höhe des BIZ-Turms befindet sich die Rampe des östlichen Portals zum Nauentunnel, der den mittleren Teil der Nauenstrasse unterirdisch verlaufen lässt. Mit fünf Linien der Basler Strassenbahn liegt das BIZ ebenfalls an einem Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum BIZ-Turm befinden sich die Post 2, das Hotel «Schweizerhof», Verwaltungsgebäude der Basler Versicherung und vis-à-vis der Strassenkreuzung das Strassburger Denkmal und der Park Elisabethenanlage. Im Jahr 2020 ist nördlich des BIZ-Turms auf der Fläche des 2016 abgerissenen Hotels «Hilton» der Baloise Park mit dem 89 Meter hohen Baloise Hochhaus entstanden.. Baloise Group.