mini|Außenansicht der Pfarrkirche St. Laurentius Altheim mini|Innenansicht mit Blick auf den Hochaltar (1664)
Die Pfarrkirche Altheim steht in der Stadtgemeinde Altheim in Oberösterreich. Die römisch-katholische Pfarrkirche hl. Laurenz (Patrozinium: 10. August) gehört zum Dekanat Altheim-Aspach in der Diözese Linz. Die Kirche und der Friedhof stehen unter .
Pfarrgeschichte Das Ortsgebiet von Altheim, am Kreuzungspunkt zweier wichtiger Handelswege (Passau-Salzburg, München-Wels-Wien) sowie an der Einmündung des Tales der Ache in die Niederterrassen des Unteren Inn gelegen, ist, wie Funde zeigen, seit der Jüngeren Steinzeit besiedelt. Umfangreiche archäologische Untersuchungen in den 1990er Jahren belegen zudem die Anlage zumindest dreier römischer Gutshöfe (Villae rusticae) auf den Höhenterrassen des Ach-Tales im heutigen Gemeindegebiet von Altheim.Die Römer am Unteren Inn. Zur Geschichte einer Kulturlandschaft. Begleitender Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Ochzet-Haus, Altheim. Hrsg. von Katharina A. Heinzl, getragen vom Inst. für Klassische Archäologie der Univ. Wien (Wien 1996)
Wenn dies aufgrund bisher fehlender Untersuchungen auch nicht bestätigt werden kann, ist dennoch anzunehmen, dass es sich bei der, dem römischen Archidiakon Laurentius geweihten Kirche um eine Kultstätte spätrömischer Gründung handeln könnte.Thomas C. Pumberger: Pfarrkirche Altheim St. Laurentius. [Kirchenführer]. Röm. Kath. Pfarramt Altheim (Hrsg.). Altheim, 1995. Die Christianisierung der Gegend am Inn erfolgte in nachrömischer Zeit vor allem vom Süden (Salzburg) und dem bayrischen Raum her durch die Hl. Rupert und Bonifatius.Bodingbauer, Lothar, Ingeborg Staufer: Altheim. Heimatbuch d. Marktgemeinde. – Ried i. I. 1975. Die Christianisierung des Antiesen- und Achtales erfolgte durch das von Salzburg aus neu gegründete Kloster Münsteuer (an der Antiesen).Konrad Meindl: Geschichte der Stadt Braunau am Inn. Von Konrad Meindl, Chorherrn in Reichersberg. 1. Theil. 1882. Man darf also annehmen, dass in Altheim an der Stelle der heutigen Kirche St. Laurentius bereits in dieser Zeit eine Holzkirche bestanden hat, von der aus die „Urpfarre“ betreut wurde.Bodingbauer, Lothar, Ingeborg Staufer: Altheim. Heimatbuch d. Marktgemeinde. – Ried i. I. 1975.
Um die Wende des ersten Jahrtausends ist für dieses Gotteshaus jedenfalls bereits eine Pfarre belegt, die um die Mitte des 11. Jh. ihre größte Ausdehnung erreichte, und durch die Gebiete bis hinein in den Hausruck seelsorglich betreut wurden. Am Ende des 11. Jahrhunderts wurde diese Urpfarre in vier selbständige Seelsorgesprengel aufgeteilt. In der Altheimer Pfarre verblieben damals die Filialen St. Michael in Geinberg, St. Nikolaus in Nonsbach, St. Andreas in Polling, Unsere Liebe Frau in Mühlheim, sowie die 1180 erbaute Filialkirche St. Ulrich in Altheim, und ab 1636 die St. Sebastianskapelle in Altheim (die heutige Marktkirche St. Sebastian). Als erster Pfarrherr ist aus dem Jahr 1196 ein Ludwicus parrochians de Altheim urkundlich gesichert. Im Jahr 1359 wurden Geinberg und Nonsbach selbständig, die übrigen Filialkirchen unterstanden bis in die Regierungszeit Josephs II. dem Altheimer Pfarrherren.Thomas C. Pumberger: Pfarrkirche Altheim St. Laurentius. [Kirchenführer]. Röm Kath. Pfarramt Altheim (Hrsg.). Altheim, 1995.
Nach der Abtretung des Innviertels von Bayern an Österreich kam es, ausgelöst durch die Kirchenpolitik Josephs II., auch zur Neueinrichtung der Diözesen und Pfarren. So wurden in den 1780er Jahren die Filialen Polling und Mühlheim von der Pfarre gelöst, die Filialkirche St. Ulrich in Altheim wurde 1799 abgetragen. Infolge dieser Umstrukturierungen wurde auch der über Jahrhunderte am Mauernberg befindliche Pfarrhof aufgelöst und 1895 in unmittelbarer Nähe der Pfarrkirche St. Laurentius ein Neubau errichtet.
Baugeschichte der Kirche Untersuchungen zu Vorgängerbauten an diesem Standort wurden bislang nicht vorgenommen. Es kann aber vermutet werden, dass hier in unmittelbarer Nähe einer römischen Villa rustica (Simetsberg)Heinzl, Katharina A.: Der römische Gutshof von Altheim-Simetsberg. Der Befund der Grabungskampagnen 1991–1995. Textbd.-Taf.-Bd. – Diplomarb. Univ. (Wien 1998). gelegen, eine frühchristliche Kultstätte bestanden haben könnte, die später zu einer Holzkirche ausgebaut, Zentrum einer Urpfarre war.
miniatur|Grundriss der Pfarrkirche St. Laurentius Altheim mit den Bauabschnitten der Frühgotik (blau) und der Spätgotik (grün). Nach Thomas C. PumbergerThomas C. Pumberger: Die wiedergewonnene Schönheit. Anmerkungen zur Restaurierung der Pfarrkirche Altheim im Allgemeinen und ihrer Erlöserkapelle im Besonderen. In: Bodingbauer, Lothar, Rudolf Mitterbauer (u. a.): Buch der Stadt Altheim. Der Sprung ins 3. Jahrtausend. Ried im Innkreis 2003. miniatur|hochkant|Das Porträt Sebastian Jungers zeigt den Baumeister des spätgotischen Neubaues der Kirche als Fenstergucker am Chorbogen.
Der erste gesicherte Baubestand der Kirche kann heute auf das späte 14. Jahrhundert datiert werden. Der damalige Bau dürfte ein dreischiffiger Raum mit einem Anbau im Süden, der als Beinhaus diente, gewesen sein.Thomas C. Pumberger: Pfarrkirche Altheim St. Laurentius. [Kirchenführer]. Röm Kath. Pfarramt Altheim (Hrsg.). Altheim, 1995. In einer weiteren Bauphase in der Spätgotik entstand der Bau in seiner heutigen Größe. Der Baumeister Sebastian Junger, Absolvent der Burghauser Schule, schuf in den Jahren 1516 bis 1525 eine Saalkirche mit vierjochigem Langhaus und zweijochigem Chor, mit einer beeindruckenden Raumwirkung. Er bezog dabei das Langhaus des frühgotischen Vorgängerbaues mit ein und erweiterte dieses im Süden und Norden um Kapellen und Torhallen, wobei er auch das bestehende spätmittelalterliche Beinhaus (heute Erlöserkapelle) mit integrierte. Den neuen Chor, der mit einer Apsis im ⅜-Schluss abschließt, errichtete er in einem weiten Bogen um die bestehende Apsis, die später abgerissen wurde. Der Turm, der auf der Westseite des Gotteshauses anschließt, wurde im Jahr 1539 vollendet. Er wurde in Form von fünf quadratischen, zwei achteckigen Stockwerken und einem achteckigen Spitzhelm errichtet. Die sich nach oben hin verjüngenden Strebepfeiler verleihen dabei den Eindruck eines sich als Ganzes verjüngenden Turmes, der dabei perspektivisch etwas höher erscheint. 1642 wurde der Spitzhelm abgenommen, die Oktogongeschoße im frühbarocken Stil umgestaltet und eine Schindelkuppel aufgesetzt,Thomas C. Pumberger: Pfarrkirche Altheim St. Laurentius. [Kirchenführer]. Röm Kath. Pfarramt Altheim (Hrsg.). Altheim, 1995. was jedoch der Darstellung im Stich von Michael Wening mit einer Ansicht Altheims aus dem Jahr 1705 widerspricht, auf der ein Spitzhelm zu sehen ist.
Renovierungen und Restaurierungen (1982–2006) Zu Beginn der 1980er Jahre befand sich der bauliche Zustand des Gotteshauses in einem äußerst schlechten Zustand, so dass man mit einer baupolizeilichen Schließung rechnen musste. Die Pfarre entschloss sich daraufhin zu einer grundlegenden Renovierung, die 1982 mit einer großangelegten Außenrenovierung und der Erneuerung von Dachstuhl und Dach begonnen wurde.
Anschließend wurden ab 1986 die Instandsetzungsarbeiten im Inneren der Kirche fortgesetzt. Hier drohten Teile des reichen Stuckwerks abzustürzen, der Raum war stark verrußt und durch vergangene Übermalungen (1828, 1892 und 1938) zum Teil stark in Mitleidenschaft gezogen. Nach der Sicherung der Stuck-tragenden Schichten konnte mit der Freilegung der ursprünglichen Schichten durch die Entfernung der Übermalungen fortgefahren werden. Die Farbgebung erfolgte schließlich nach den vorgefundenen Farbtönen in grau, altrosa und hellgrün, nach dem spätbarocken Raumkonzept von 1737, das Johann Michael Vierthaler (ca. 1685–1743) und Johann Georg Reischl (Geburts- und Sterbedaten unbekannt) bei der spätbarocken Ausgestaltung der Kirche entwarfen.
Die Deckenfresken bedurften im Grunde nur einer Reinigung, Kittung und Retuschierung.Thomas C. Pumberger: Die wiedergewonnene Schönheit. Anmerkungen zur Restaurierung der Pfarrkirche Altheim im Allgemeinen und ihrer Erlöserkapelle im Besonderen. In: Bodingbauer, Lothar, Rudolf Mitterbauer (u. a.): Buch der Stadt Altheim. Der Sprung ins 3. Jahrtausend. Ried im Innkreis 2003. An den Wänden der Nord-Kapellen sowie im Langhaus und im Chor konnten im Zuge der Restaurierungsarbeiten zahlreiche Wandmalereien freigelegt und zum Großteil auch erhalten werden. Die großen Apostelbilder an den Wänden von Chor und Langhaus waren allerdings nicht mehr in ihrer Ursprünglichkeit zu erhalten und man entschloss sich daher für eine Neufassung.
Gleichzeitig erfolgte ab 1987 auch eine Renovierung des Inventars der Kirche, bei welcher man sich auf ein Freilegungskonzept einigte, das die Farbgebung um oder kurz nach der Stuckierung der Kirche im Jahr 1737 wiedergibt, um somit eine harmonische Einheit von Raum und Inventar zu erreichen. Dabei wurde beim Hochaltar in den Jahren 1987–1989 die zweite Farbfassung (auf der noch erhalten gebliebenen Originalfassung von 1664) rekonstruiert und auch die figurale Ausstattung jener dieser Zeit angepasst. Da die Kanzel unter weniger Umgestaltungen gelitten hatte, konnte man sich hier im Jahr 1990 auf die Sichtbarmachung und Renovierung der originalen Farbgebung sowie der Restaurierung der Figurenausstattung konzentrieren.
Die Altäre in den vorderen Seitenkapellen (Marienaltar und Josephsaltar) waren durch unsachgemäße Eingriffe im 19. und 20. Jahrhundert schwer in Mitleidenschaft gezogen worden und drohten zusammenzustürzen. Sie wurden im Jahr 1990 umfangreich rekonstruiert und restauriert. Im Jahr 1991 folgten die hinteren Seitenaltäre (Magdalenen-Altar und Elend-Altar), welche auch wieder in ihren originalen Zustand rekonstruiert wurden. Darüber hinaus war zu dieser Zeit ein Teil des in pfarrlichem Besitz befindlichen künstlerischen Inventars in Dachböden und Speichern zwischengelagert, das auf Wunsch der damaligen Verantwortlichen der Pfarre wieder in die Kirche rückgeführt und so der Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden sollte. Diese Objekte wurden ebenfalls sachgerecht restauriert und fügen sich heute harmonisch in den Kirchenraum und die Kapellen ein.
Im Jahre 1991 entschloss man sich auch, die, nach mehreren Umbauten inzwischen nur mehr sehr unbefriedigend spielbar gewordene Orgel, einer grundlegenden Renovierung zu unterziehen. Die Arbeiten orientierten sich dabei an einem Konzept, das sich an der noch vorhandenen historischen Substanz richtete und konnten 1994 erfolgreich abgeschlossen werden.
In den Jahren 1995–2001 erfolgte die schrittweise Restaurierung der großen Weihnachtskrippe. In den Jahren 2000–2002 wurde die Erlöserkapelle einer umfangreichen Restaurierung unterzogen, bei der die zweite Raumfassung von 1710 freigelegt und restauriert wurde. Im Zuge dieser Arbeiten wurde 2001 für den Süd-Eingang ein neues Außenportal angefertigt.
Im Jahr 2006 entschloss man sich, um eine konsequente Wiederherstellung des architektonischen Konzeptes der Spätgotik zu erreichen, auch die ursprüngliche Eingangssituation in die Kirche wiederherzustellen. Nachdem 1972 das Nordportal zugemauert wurde, war die Kirche seit dieser Zeit nur mehr über den südlichen Eingang zu betreten. Die Türflügel für das neue Außenportal wurden angefertigt und der an die Torhalle angrenzende Kapellenraum (Auferstehungskapelle) mit einem neuen Raumkonzept ausgestattet.
Architektur Nach den umfangreichen Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten der vergangenen Jahrzehnte bildet der „Dom des Achtales“, wie die Kirche regional auch genannt wird, ein wahrscheinlich vorher nie gekanntes einheitliches Ensemble an künstlerischer Ausstattung und Architektur, vom frühen 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
Langhaus und Chor