Verwaltungsamt Iliomar300px|Küste im äußersten Osten von Iliomar IVerwaltungssitzIliomar (Aelebere)Fläche302,10 km²Direcção-Geral de Estatística: Ergebnisse der Volkszählung von 2015, abgerufen am 23. November 2016.Einwohnerzahl6.569 (2022)Institutu Nasionál Estatístika Timor-Leste: Final Main Report Census 2022, abgerufen am 18. Mai 2022.SucosEinwohner (2022)Aelebere1.089Caenlio1.008Fuat717Iliomar I1.300Iliomar II724Tirilolo1.731 Übersichtskarte300px|Iliomar im Südwesten der Gemeinde Lautém

Iliomar ist ein osttimoresisches Verwaltungsamt () in der Gemeinde Lautém. Der Sitz der Verwaltung befindet sich im Suco Aelebere im Ort Iliomar.Jornal da República:

Name Der Ortsname leitet sich ab von den Makalero-Wörtern Ili (deu.: Stein) und omar (Pfahlhaus).Juliette Huber: A grammar of Makalero – A Papuan language of East Timor, LOT Utrecht 2011 Der Name stammt von einem Felsblock in Iliomar, der die Form eines traditionellen Hauses der Fataluku (Dagada) hat.Ernest Chamberlain: The Struggle in Iliomar: Resistance in rural East Timor Iliomar Sub-District, 2017, abgerufen am 26. Dezember 2017.

Geographie mini|links|Sucos von Iliomar (Grenzen von vor 2015) mini|links|Blick in Richtung der Timorsee im Süden

Iliomar liegt im Südwesten von Lautém. Im Süden liegt die Timorsee, die Küstenlinie ist 28,33 Kilometer lang. Im Osten grenzt Iliomar an die Verwaltungsämter Lospalos und Loré, im Norden an Luro und an einer schmalen Stelle an das Verwaltungsamt Lautém. Die Gemeinde Baucau liegt im Nordosten mit ihrer Verwaltungsamt Baguia und im Westen die Gemeinde Viqueque mit dem Verwaltungsamt Uatucarbau.Direcção-Geral de Estatística: . Das Verwaltungsamt Iliomar hat eine Fläche von 302,10 km² und teilt sich in die sechs Sucos Aelebere, Caenlio (Cainliu), Fuat, Iliomar I, Iliomar II und Tirilolo (Trilolo). Tirilolo ist als urban klassifiziert. Bis 2014 wurden die Verwaltungsämter noch als Subdistrikte bezeichnet. Die Gebietsreform 2015 veränderte die Außengrenzen Iliomars nicht, deutliche Änderungen gab es aber innerhalb Iliomars bei den Grenzen der Sucos.

Das Verwaltungsamt ist stark bewaldet und gebirgig. Die höchsten Erhebungen sind der Acadiroloho (), der Naunili (), der Punaramato () und der Darabu (). Sie alle liegen entlang der Hauptstraße vom Ort Iliomar in die Gemeindehauptstadt Lospalos. Den westlichen Grenzfluss zu Uatucarbau bildet der Irebere, den östlichen zum Suco Lore I (Verwaltungsamt Lospalos) der Namaluto. Dazwischen münden von West nach Ost der Cocolai, der Lihulo, der Massoco, der Miaira und der Veira in die Timorsee.

Die Wälder am Naunili, an der Grenze zu Lore I und am Irebere bestehen aus Teak (tectona grandis), Mahagonigewächse, Bambus, Acacia, Kenari (canarium amboinense), dem Narrabaum (Pterocarpus indicus), Rupi malai, Malahu, Amacu, Porea akam, Tamarinde (Tamarindus indica), Schleichera oleosa, Kasuarinen und Eukalypten. An der Küste und den Flussmündungen leben Leistenkrokodile, die als heilig angesehen und daher nicht gejagt werden. Weitere größere Tiere in Iliomar sind der Mähnenhirsch, Javaneraffen, das Sulawesi-Pustelschwein, Kuskus, Fleckenmusang, Timor-Waran und Tokeh. Dazu kommen Flughunde und Fledermäuse, Schlangen und an der Küste Meeresschildkröten. Auch die McCords Schlangenhalsschildkröte soll hier vorkommen.Kuchling, Gerald, Rhodin, Anders G. J., Ibarrondo, Bonggi R., Trainor, Colin R.: A New Subspecies of the Snakeneck Turtle Chelodina mccordi from Timor-Leste (East Timor) (Testudines: Chelidae). In: Chelonian Conservation and Biology 6(2):213–222. 2007 , 2007 (englisch). Abgerufen am 3. Januar 2015. An der Mündung des Ireberes wurden 16.554 ha zu einer Important Bird Area erklärt worden.

Das Klima ist im Allgemeinen heiß und feucht. In der Regenzeit zwischen Dezember und Juli fallen etwa 1600 bis 2700 mm Regen und die Temperaturen erreichen gerade im Juni/Juli tagsüber „nur noch“ 24 °C. Die durchschnittliche Tagestemperatur beträgt ansonsten 30 °C. Die Nächte können empfindlich kühl werden, zumal ein Großteil der Bevölkerung in einfachen Hütten lebt und selten Matratzen oder Decken hat. Entsprechend häufig sind dann Erkältungskrankungen. Auch Denguefieber und Cholera sind in der Region ein großes Problem, während die Malaria landesweit inzwischen als ausgerottet gilt.

Bevölkerung und Kultur In Iliomar leben 6.569 Menschen (2022), davon sind 3.202 Männer und 3.367 Frauen. Im Verwaltungsamt gibt es 1.639 Haushalte. Die Alltagssprache Iliomars ist Makalero. Sie hat den Status einer Nationalsprache und wird fast nur im Verwaltungsamt Iliomar traditionell gesprochen. Im benachbarten Uatucarbau wird Makalero von den heimischen Naueti oft als Zweitsprache verwendet. Der Altersdurchschnitt beträgt 16,0 Jahre (2010, (PDF; 2,5 MB) 2004: 18,2 Jahre (PDF; 14 MB)).

Eine große Rolle in der Gesellschaft der Makalero in Iliomar spielt Fulidai-dai, was man mit einem kulturellen System der Nachbarschaftshilfe vergleichen kann. Fulidai-dai fördert in seinem Kern eine verstärkte Zusammenarbeit, gegenseitige Hilfe und freiwillige Beiträge. Sein Hauptzweck besteht darin, Einzelpersonen zum Handeln zum Wohle der Gemeinde anstatt zum Wohle eines Einzelnen anzuhalten. Zu den Grundsätzen gehören Solidarität, Kollektivität, Austausch und gegenseitige Hilfe. So wird gemeinsam Ackerland gewonnen, gepflanzt, geerntet, Häuser gebaut oder Festlichkeiten vorbereitet. Fehlverhalten wird mit der Tradition des Tara Bandu (Tarabandu) behandelt. Beispielsweise beleidigte ein Dorfbewohner während einer Zeremonie Vertreter der Regierung. Der Übeltäter stiftete Fleisch und den lokalen Palmwein für eine Tara-Bandu-Zeremonie mit den Ältesten und lokalen Würdenträgern aus der ganzen Gemeinde Lautém, inklusive des katholischen Pfarrers. Während der Zeremonie wurde über das Vergehen gesprochen und darüber, wie wichtig Vergebung sei. Der Name des Übeltäters wurde dabei nie genannt, weil das gesamte Dorf die Verantwortung für das Fehlverhalten des Einzelnen übernommen hatte.

Fast alle Männer tragen Macheten, die lokal „Katana“ genannt werden. Hunde hält man sich auch für die eigentlich illegale Jagd, während Hauskatzen selten sind und als wertvoll gelten. Freizeitbeschäftigung ist der Hahnenkampf (adu ayam) an Donnerstag und Sonntag Nachmittag. Die Jugend spielt Fußball, Volleyball und Basketball. Ältere Frauen kauen Betelnüsse (Sirih) und zu Festlichkeiten trinkt man Palmwein (Tuak), wobei öffentliche Trunkenheit unüblich ist. Ebenso gibt es kaum Kriminalität, aber häusliche Gewalt ist, wie im restlichen Osttimor ein großes Problem.

Die traditionellen Pfahlbauten, wie man sie auch von den Fataluku kennt, werden nur noch selten als Wohnhaus benutzt. Meist handelt es sich um Reliquienhäuser (Uma Lulik). Auch Stroh und Palmblätter werden immer mehr durch Bleche als Material für die Dächer ersetzt. Die heutigen Wohnhäuser sind meist zehn Quadratmeter große Hütten mit Holzwänden. Der Küchenbereich ist in der Regel abgetrennt.

Geschichte mini|Das Ufer des ehemaligen Hafens mini|Der alte Leuchtturm bei Iliomar

Traditionell teilen sich die Makalero in verschiedene Clans, deren Schöpfungsgeschichte für Außenstehende tabu ist. Die falsche Wiedergabe dieser führt nach dem Glauben zu einem frühen Tod oder hat andere, ähnlich schlimme Folgen.

Es gibt verschiedene Angaben über den Rang und Zugehörigkeit von Iliomar unter den Reichen von Timor. Bischof Carlos Filipe Ximenes Belo ordnete es dem Reich von Luca unter.Belo, Dom Carlos Filipe Ximenes: Os antigos reinos de Timor-Leste (Reys de Lorosay e Reys de Lorotoba, Coronéis e Datos) (2011), S. 134. Baucau: Tipografia Diocesana Baucau. Ernie Chamberlain vermutet, dass Iliomar möglicherweise um 1900 dem nördlich gelegenen Matarufa unterstellt war. Andere Quellen ordnen laut Chamberlain Iliomar dem Reich von Bibiluto zu.

Die damaligen Herrscher Nokameta und Rapimeta verlegten die Orte Iliomar I und II, vermutlich um 1894, ein paar Kilometer entlang der Küste nach Nordosten an ihre heutigen Standorte. 1904 wurde in Iliomar ein portugiesischer Militärposten mit Fort und Hafen errichtet. Das hier unterbrochene Korallenriff bot dem Hafen Schutz. Heute sind von den Anlagen nur noch Ruinen übrig. Uatucarbau war damals Teil Iliomars und kam erst später zu Viqueque.

Iliomar war 1976 ein Rückzugsgebiet der FALINTIL, die gegen die indonesischen Invasoren kämpfte. Hier gründete sie eine base de apoio, eine Widerstandsbasis, die Zuflucht für Flüchtlinge aus Iliomar, Lospalos und Uatucarbau bot.„Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch) Von den 3000 timoresischen Assimilados und europäischen Portugiesen verließen bis zum Ende des Bürgerkrieges 80 % die Kolonie.„Part 3: The History of the Conflict“ (PDF; 1,4 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch) Der Widerstandskämpfer Francisco Ruas Hornay hatte in Iliomar seine Heimatbasis. Er wurde aber aufgrund von internen Kämpfen in der FRETILIN gefangen gesetzt und am 24. November 1976 hingerichtet.„Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ (PDF; 2,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)

Erst ab 1977 begann die indonesische Armee mit Angriffen auf das Verwaltungsamt von Iliomar. Die Einwohner von Fuat flohen nach Luro. Ende des Jahres wurde auch die restliche Bevölkerung von Iliomar durch die FRETILIN evakuiert. Zunächst zum Berg Legumau, und als die Indonesier im Juni 1978 von Uatucarbau aus anrückten, weiter nach Lavateri und schließlich zum Matebian. Nach dem Zusammenbruch des Widerstands dort am 22. November 1978 wollten die Einwohner Iliomars wieder in ihre Heimat zurückkehren. Am 28. November trafen sie auf indonesische Truppen, die sie zur Militärbasis in Baguia brachten, wo sie verhört wurden. Als FRETILIN-Führer Identifizierte wurden gefoltert und zum Teil hingerichtet. Die anderen konnten in den damaligen Subdistrikt Iliomar zurückkehren. Die ersten drei Wochen ließen sich 4000 bis 6000 Flüchtlinge um den alten portugiesischen Stützpunkt nieder. Dann trafen indonesischen Soldaten vom Bataillon 328 und Hansip-Milizionäre in Iliomar ein. Sofort wurden um den Posten sechs Militärposten eingerichtet. Die Chefes de Suco wurden angewiesen ihre Leute zu reorganisieren. Notunterkünfte wurden innerhalb des Militärrings errichtet. Portugiesisch wurde als Sprache verboten. Niemand durfte sich weiter als einen Kilometer von dem alten portugiesischen Posten entfernen, auch nicht zur Nahrungssuche. Wer sich nicht daran hielt, dem drohte die Erschießung. Jede Familie erhielt pro Woche Mais in Dosen, der gerade mal für drei Mahlzeiten reichte. Trotz vorhandener Möglichkeit wurde den Einheimischen verboten Gärten anzulegen. Bald kam es zu einer Hungersnot. Cholera und Beriberi brachen aus und Menschen starben. Eine Zeit lang wurde einigen Wenigen erlaubt, außerhalb des Lagers nach Essbarem zu suchen, doch als 162 Timoresen flohen, wurde diese Erleichterung wieder abgeschafft. Es wird geschätzt, dass in Iliomar zwischen Januar und Juli 1979 pro Monat 305 Menschen starben. Viele der Toten wurden nahe der alten portugiesischen Schule begraben. Einige Opfer wurden inzwischen von ihren Familien wieder ausgegraben und woanders beerdigt. Im Juni 1980 zählte der Subdistrikt Iliomar 5435 Einwohner. Zu ihnen gehörten auch Flüchtlinge aus den Nachbarregionen. 1970 hatte die Bevölkerungshöhe noch 4136 betragen. Das Rote Kreuz versorgte zwischen September 1979 und 1981 die Bewohner mit Nahrungsmittel. Die Todesrate sank auf zehn pro Monat. Ab Mitte 1982 übernahm die UNICEF die Aufgabe der Versorgung, musste aber seine Tätigkeiten 1983 einstellen, als die militärischen Operationen der Indonesier in der Region zunahmen.