Saint-Quentin (flämisch: Sint-Kwintens) ist eine französische Stadt im Département Aisne in der Region Hauts-de-France. Sie ist der Hauptort des Arrondissements Saint-Quentin sowie Sitz des Kommunalverbandes Saint-Quentinois.

Mit Einwohnern (Stand ) ist Saint-Quentin zudem die größte Gemeinde im Département Aisne, ein wichtiges Industrie- und Handelszentrum sowie ein überregional bedeutender Verkehrsknoten.

Geografie Die Stadt Saint-Quentin liegt am Fluss Somme sowie am hier parallel verlaufenden Canal de Saint-Quentin, der eine schiffbare Verbindung zwischen der Schelde und der Oise herstellt. Nachbargemeinden von Saint-Quentin sind Fayet im Nordwesten und Norden, Omissy im Norden, Morcourt im Nordosten, Rouvroy und Harly im Osten, Neuville-Saint-Amand im Südosten, Gauchy im Süden, Dallon im Südwesten sowie Francilly-Selency im Westen.

Geschichte Unter dem Namen Augusta Viromanduorum war Saint-Quentin zur Zeit der Römer der Hauptort der keltischen Viromanduer in Gallia Belgica. Es soll seinen jetzigen Namen von dem heiligen Quintin erhalten haben, der laut der Überlieferung hier bei der Predigt des Christentums 287 n. Chr. das Martyrium erlitt. Die Gebeine des Märtyrers sollen 825 nach Saint-Quentin überführt worden sein. Vom 4. bis zum 6. Jahrhundert war Saint-Quentin Bischofssitz. Im Frühmittelalter entwickelte es sich zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. Im 9. Jahrhundert wurde es der Hauptort der Grafschaft Vermandois, erhielt vor 1080 das Stadtrecht und fiel mit ganz Vermandois 1215 an die französische Krone. Es wurde 1435 im Frieden von Arras an Burgund abgetreten und erst 1477 wieder französisch. 1557 wurde Saint-Quentin, nachdem ein Entsatzheer unter dem Herzog Anne de Montmorency am 10. August von Graf Lamoral von Egmond in einer Schlacht geschlagen worden war, nach tapferer Verteidigung durch Admiral Coligny am 27. August von den Spaniern unter dem Herzog Emanuel Philibert von Savoyen erobert, aber im Frieden von 1559 an Frankreich zurückgegeben. Am 12. März 1814 ergab sich die Festung an die Russen unter Geismar.

Während des Deutsch-Französischen Kriegs kam es am 19. Januar 1871 zur Schlacht bei Saint-Quentin, die mit einem Rückzug der Franzosen endete.

Saint-Quentin hatte zwischen 1908 und 1956 eine Straßenbahn.

Im Ersten Weltkrieg wurde der deutsche Vormarsch am 29. August 1914 in der Schlacht bei St. Quentin kurzzeitig zum Stehen gebracht. Der Ort war im weiteren Kriegsverlauf Teil der Siegfriedstellung. Dort befand sich auch zeitweise das Hauptquartier. Nach dem Krieg, in dem 70 Prozent der Gebäude zerstört worden waren, wurde die Stadt unter der Leitung des Architekten Louis Guindez im Art déco wieder aufgebaut.Yaël Debelle: Die Zukunft bauen – auf den Trümmern des Krieges. Art déco oder Gotik? Ypern und Saint-Quentin wurden im Ersten Weltkrieg zerstört und wählten unterschiedliche Wege aus dem Elend. In: Neue Zürcher Zeitung, 2. Februar 2019, S. 46.

Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt eine wichtige Garnison der Wehrmacht mit u. a. einem Kriegsgefangenenlager. Auf dem Fliegerhorst der Luftwaffe, dem südwestlich gelegenen, noch heute existierende „Aérodrome de Saint-Quentin-Roupy“ war in der ersten Hälfte des Junis 1940 für einige Tage der Stab des Jagdgeschwaders 27 mit Bf 109E stationiert. Südlich davon gab es mit dem „Flugplatz Clastres–Saint-Simon“ einen weiteren Militärflugplatz, der 1943/44 von den Deutschen genutzt wurde.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2016 2022 Einwohner 61.071 64.196 67.243 63.567 60.644 59.066 56.792 54.443 52.995 Quellen: Cassini und INSEE

Partnerstädte Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz, Deutschland; seit 1967 San Lorenzo de El Escorial in der Autonomen Gemeinschaft Madrid, Spanien Rotherham in South Yorkshire, England Greiz in Thüringen, Deutschland; seit dem 29. November 1961

Wirtschaft M.B.K. Industrie, Hersteller von Motorrollern, Elektromofas- und -Fahrrädern

Sehenswürdigkeiten mini|Basilika Saint-Quentin mini|Hauptschiff der Basilika mini|Hôtel-de-Ville: Skulptur Masturbation mini|Deutscher Soldatenfriedhof mini|Bahnhof Saint-Quentin mini|Stadttheater mini|Gedenkstätte für die Gefallenen der Weltkriege Basilika Saint-Quentin, 12. bis 15. Jahrhundert Hôtel de ville (Rathaus), Fassade im spätgotischen Flamboyantstil 1509 fertiggestellt; mit masturbierender Frauendarstellung, Inneres später erweitert: Eingangshalle neugotisch 1865, Obergeschoss im Art-déco-Stil 20. Jahrhundert, Turm mit Carillon Porte des Canonniers Bahnhofsgebäude Musée des papillons (Schmetterlingsmuseum) Musée Lecuyer (französische Malerei vorwiegend des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, Pastelle von Maurice-Quentin De La Tour, Kunsthandwerk) Champs Elysées, Park im westlichen Teil der Wallanlagen Zahlreiche Bürger- und Geschäftshäuser im Stil des Art déco (Wiederaufbau der Stadt nach dem Ersten Weltkrieg) Réserve naturelle du Marais d’Isle (Naturschutzgebiet an der Somme) Théâtre Jean Vilar Nécropole nationale de Saint-Quentin Deutscher Soldatenfriedhof Saint-Quentin des Ersten Weltkriegs

Persönlichkeiten Simon von Saint-Quentin, Dominikaner, Mongoleireisender und Reiseberichterstatter Josquin Desprez (≈1450–1521), Komponist Antoine Francisque (≈1570–1605), Lautenist und Komponist Luc d’Achery (1609–1685), Bibliothekar und Historiker der Mauriner Maurice Quentin de La Tour (1704–1788), Maler Anthony Benezet (1713–1784), Auswanderer nach Philadelphia, Quäker, Lehrer, Abolitionist und Sozialreformer Édouard Pingret (1788–1869), Maler Gabriel Delafosse (1796–1878), Mineraloge und Kristallograph Paul Brouardel (1837–1906), Rechtsmediziner und Hochschullehrer Hippolyte Berteaux (1843–1926), Maler Léon Gustave Dehon (1843–1925), Gründer der Herz-Jesu-Priester Ernest Leroux (1845–1917), Buchhändler und Verleger Fernand Lematte (1850–1929), Maler Jenny Zillhardt (1857–1939), Malerin und Model Jean Jacques Jules Wild (1866–1951), Offizier Marc Delmas (1885–1931), Komponist Amédée Ozenfant (1886–1966), Maler André Trocmé (1901–1971), Pastor, Widerstandskämpfer und Friedensaktivist Marcel Desprets (1906–1973), Fechter Jean-François Denisse (1915–2014), Astronom Yves Velan (1925–2017), Schweizer Schriftsteller Maurice Dugowson (1938–1999), Filmregisseur und Drehbuchautor Philippe Taquet (1940–2025), Zoologe und Paläontologe Jean-Marie Lefèvre (* 1953), Dichter Pierre Blanchard (* 1956), Jazzmusiker Jean-Philippe Viret (* 1959), Jazzmusiker Olivier Lenglet (* 1960), Fechter Francis Moreau (* 1965), Radsportler Jérôme Lavrilleux (* 1969), Politiker Delphine Gleize (* 1973), Regisseurin und Drehbuchautorin Jérôme Thomas (* 1979), Boxer Kafétien Gomis (* 1980), Leichtathlet Rudy Gobert (* 1992), Basketballspieler Simon Dia (* 1992), Fußballspieler Milano (* 1998), Rapper Brayann Pereira (* 2003), französisch-kongolesischer Fußballspieler Maïa Hirsch (* 2003), Basketballspielerin

Äbte von Saint-Quentin

Hugo, Sohn Karls des Großen, 822–844 (Karolinger) Ludwig, † 867, Enkel Karls des Großen, Abt 844–867 (Rorgoniden) Adalhard, Laienabt

Einzelnachweise

Weblinks

Website der Stadt Illustration von Frans Hogenberg von 1570: S. Quintin nach gehaltner schlacht belegert wirdt mit heeres macht … Anno domini 1557, 27 Julii () Historische Filmaufnahmen von Saint-Quentin im Ersten Weltkrieg, europeanfilmgateway.eu Geschichte des Flugplatzes

Kategorie:Ort in Hauts-de-France Kategorie:Unterpräfektur in Frankreich Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Stadt) Kategorie:Träger des Croix de guerre 1914–1918 (Ort in Frankreich) Kategorie:Stadt in Frankreich Kategorie:Ort an der Somme Kategorie:Quintinus (Heiliger) als Namensgeber